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Erfahrungsbericht zum Einstellungstest der Offizierslaufbahn der Bundeswehr: Bewerbung, Einstellungstest, Vorstellungsgespräch, Sporttest

Die Bewerbung

Ich habe mich für das Medizinstudium bei der Bundeswehr beworben, also zur Offizierslaufbahn im Sanitätsdienst. Hierfür hatte ich erst einen Termin beim Karriereberatungsbüro der Bundeswehr. Die Berater wissen genau, wofür man sich bewerben kann, was es für die Bewerbung braucht. Dort erhielt ich auch Buchtipps für die Vorbereitung. Hinterher war ich froh, dass ich gründlich trainiert habe vor dem Einstellungstest.

Nach der Bewerbung bin ich zum dreitägigen Einstellungstest in die Mudra-Kaserne in Köln eingeladen worden. Hierfür bekommt man Gutscheine für die Anreise mit der Bahn.

Der Einstellungstest

Tag 1: Ankunft

Am ersten Tag muss man bis spätestens 14.30 Uhr in der Kaserne sein. Da ich aus dem Süden komme, ca. 4 Stunden mit dem Zug brauche und nicht immer gute Erfahrungen mit der Bahn gemacht habe, ging ich auf Nummer sicher und war bereits um ca. 12 Uhr in Köln.

Nach der Ankunft bekommt man eine Stube zugeteilt sowie  Schlüssel, Schloss und Bettwäsche ausgehändigt. Dabei bekommt man bereits den ersten militärischen Ton zu hören. Nachmittags findet dann ein Infovortrag statt, in welchem der Ablauf der nächsten Tage besprochen wird. Anschließend kann man in der kleinen Kantine etwas essen und trinken. Das ist sehr gemütlich, da man dann ins Gespräch mit seinen Mitbewerbern kommt, was sehr wichtig ist. Unsere Gruppe war sehr nett. Alle Bewerber haben sich gut verstanden und immer gegenseitig geholfen. Kameradschaft ist elementar für die spätere Laufbahn im Militär!

Tag 2: Aufsatz, Persönlichkeitstest, ärztliche Untersuchung, Gruppensituationsverfahren

Ab 5.45 Uhr gibt es Frühstück, da dürfen sich Bewerber vordrängeln. Um 6.10 Uhr fängt dann der Test an. Zunächst schreibt man einen Aufsatz, in welchem man zwei Begriffe beschreiben, vergleichen und voneinander abgrenzen muss. Zeit: 20 Minuten.

Anschließend gibt es einen Fragebogen zur Persönlichkeit auszufüllen, insgesamt 116 Fragen. Lest die Fragen aufmerksam durch! Manche wiederholen sich mit doppelter Verneinung. Bei widersprüchlicher Antwort reiten später die Psychologen im Interview darauf herum.

Danach geht es zur ärztlichen Untersuchung. Dazu gibt es nicht viel zu sagen, außer dass es super organisiert ist und normalerweise schnell geht.

Als nächstes kommt der Teil, vor dem ich den meisten Respekt habe: das Gruppensituationsverfahren und das Interview, also das Vorstellungsgespräch. Beim Gruppensituationsverfahren muss man verschiedene Fragestellungen in der Gruppe diskutieren. Beispiel: Ihr habt Tickets für eine Veranstaltung gewonnen, allerdings reichen sie nicht für alle und muss einer daheim bleiben – wie entscheidet ihr? Bleibt authentisch und selbstbewusst, aber unterbrecht bitte niemanden. In meiner Gruppe hat einer die ganze Zeit nur widersprochen und niemanden ausreden lassen. Komischerweise war der dann beim Mittagessen schon weg und den restlichen Testverlauf lang wurde er nicht mehr gesehen…

Kurzvortrag, Interview/Vorstellungsgespräch, Sanitätstest

Vor dem Interview müsst ihr noch einen Kurzvortrag halten, maximal 10 Minuten. Das klingt stressiger als es ist. Ihr bekommt ein Themengebiet mit klaren Anweisungen.

Im Einzel-Interview / Vorstellungsgespräch fragt ein Offizier nach den Studienwünschen, warum man zur Bundeswehr will und ob man sich klar ist, dass man eventuell von Waffen Gebrauch machen muss. Überlegt euch vorher Antworten darauf! Weitere Fragen lauten unter anderem: Warum wollen Sie Offizier werden? Warum studieren Sie nicht zivil ? Können Sie – falls nötig – als Arzt jemanden erschießen?

Zum Tagesabschluss ist ein Sanitätstest am Computer zu bearbeiten. Natürlich ist es auch hier wichtig, die Fragen genau durchzulesen und daran zu denken, dass in den Textaufgaben durchaus mehrere Antworten richtig sein können! Der Sanitätstest ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil umfasst medizinische Fragen mit großem mathematischen Anteil. Beispielsweise bekommt man den Abbauprozess eines Medikaments beschrieben, das heißt 40% werden im Magen abgebaut, 20% in der Leber, 3% wiederrum gehen in der Blutbahn verloren. Wie viel mg kommen im Gehirn an, wenn man eine Kopfschmerztablette mit 500mg Wirkstoff schluckt?

Der zweite Teil des Sanitätstests behandelt das Textverständnis. Medizinische Themen werden erläutert und man muss entscheiden, ob nachfolgende Aussagen richtig oder falsch sind. Mehrfachnennungen sind möglich. Insgesamt ist medizinisches Vorwissen nicht unbedingt nötig, aber hilfreich. Alle Infos sind aus den Texten bzw. Aufgabenstellungen herauszulesen, aber wenn man bestimmte Dinge schon einmal gehört hat, fällt das natürlich leichter.

Abends findet noch ein Einplanungsvortrag statt, rein informativ. Ich empfehle, früh schlafen zu gehen!

Tag 3: Mechanischer-Kenntnis-Test, Sporttest, zweites Interview

Nun muss man zum MKT – dem „Mechanischen Kenntnis Test“. Das ist ein Test mit Fragen zum Grundverständnis in Mechanik, Technik, Physik. Darauf kann man sich gut mit dem Bundeswehr-Buch vom Ausbildungspark Verlag vorbereiten, weil dort Fragen gestellt werden, wie sie im Buch zu finden sind. Beispielsweise werden Zahnräder dargestellt und man muss entscheiden, ob das letzte Rad der Reihe mit oder gegen den Uhrzeigersinn läuft und ob es schneller oder langsamer als das erste ist. Eine weitere Aufgabe war z.B. ein Flugzeug, aus welchem ein Paket abgeworfen wird. Man bekommt verschiedene mögliche Flugkurven des Pakets gezeigt und muss sich für eine entscheiden.

Anschließend folgt der Sporttest. In der Sporthalle muss man sich selbstständig aufwärmen und wird dann im militärischen Ton durch die Übungen geführt. Der ganze Sporttest ist ein Witz. Strengt euch trotzdem an.

Sprint: einfach Vollgas geben!

Klimmhang: 5 Sekunden mindestens an der Reckstange halten. Wer das nicht schafft, bei dem zweifle ich ob er überhaupt genug Kraft hat, um morgens vom Stockbett zu klettern. In unserer Gruppe hing jeder ca. eine Minute an der Stange.

Ergometer: Bei 250 Watt kann man locker 3 Kilometer radeln und hat ein gutes Ergebnis. Wer nicht viel Erfahrung auf dem Fahrrad hat, der fährt einfach bei 200 Watt und kommt immer noch mit einer guten Zeit ins Ziel.

Hat man das geschafft, kommt der Teil, an dem man langsam mal nervös werden kann.

Die Bewerber für Medizin haben nochmal ein Interview bei einem Arzt oder einer Ärztin der Bundeswehr. Da wird man noch einmal gefragt, warum man Medizin studieren will etc.

Außerdem werden Fragen über Biologie und Chemie gestellt, z.B. Wie ist ein Atom aufgebaut? Was kann man im Periodensystem lesen? Was sind Bestandteile einer Zelle?

Am Schluss wartet der Einplaner, also die Person, die alle Ergebnisse vorliegen hat und nun mitteilt, ob man seinen Studiengang bekommt oder nicht. Davor sind alle ziemlich nervös und angespannt. Die meisten bekommen nicht ihren Erstwunsch und müssen sich mit einem anderen Studiengang oder einer anderen Verwendung zufrieden geben. Wenn es klappt, darf man je nach Ergebnis mitentscheiden, welche Uni man besuchen wird.

 

 

 


Geprüfte Qualität

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