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Erfahrungsbericht Eignungstest Bundeswehr (Offizier im Truppendienst)

Das Auswahlverfahren der Bundeswehr mit Vorträgen, Eignungstest und Interview erstreckte sich über drei Tage. In meinem Fall war es das Verfahren für die Laufbahn der Offiziere als Seiteneinsteiger mit abgeschlossenem Studium.

Anreisetag

Ich sollte einen Tag vor Beginn der Eignungstests bis spätestens 14.30 Uhr vor Ort sein. Zuerst wurde bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Corona-Schnelltest durchgeführt. Danach ging es zur ersten offiziellen Station des Verfahrens. Bei dieser wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch einen Offizier der Bundeswehr begrüßt und jeder bekam einen individuellen Zeitplan ausgehändigt. Anschließend bekam jeder einen vierseitigen Fragebogen, den man innerhalb der nächsten 30 Minuten auszufüllen hatte.

In diesem Fragebogen wurden Fragen zur Motivation, der Bundeswehr beizutreten, gestellt, es wurde nach Stärken und Schwächen sowie den wichtigsten und herausforderndsten Momenten im Leben gefragt. Auch wurden Fragen zur Bereitschaft zu möglichen Auslandseinsätzen gestellt und ob man sich der Gefahren des Soldatenlebens bewusst sei. Danach erhielten die weiblichen Teilnehmer kurz eine gesonderte Unterweisung und es gab eine kurze Pause.

Im Anschluss hielt der Offizier einen Info-Vortrag über den Ablauf des Eignungstests. Es ging auch darum, welche Möglichkeiten und Teilstreitkräfte es bei der Bundeswehr gibt. Danach gab es Abendessen in der Bundeswehrmensa. Dann ging es zurück in die Unterkunft. Abends gab es noch eine kleine Fragerunde mit den direkten Ansprechpartnern in der Unterkunft. Danach ging jeder auf seine Stube.

1. Prüfungstag

Der erste Prüfungstag startete um 5.45 Uhr mit dem Frühstück. Danach ging auch schon der Eignungstest los. Jeder Teilnehmer bekam einen eigenen Zeitplan, den er selbstständig abzuarbeiten hatte. Bei mir stand als erstes der Computertest an. Dies waren im Grunde drei verschiedene Tests, die in einem gemacht wurden: CAT (Computer-assistiertes Testsystem), FüKomp (Führungskompetenz)und Vstab (Verhaltensstabilität).

Im Großen und Ganzen ging es um die Fragen und Aufgaben, auf die man sich vorbereitet hatte: Allgemeinwissen, logisches Denken und Mathe. Es gab erst allgemeine Fragen zur Bundesrepublik Deutschland, der Bundeswehr und dem Rechtsstaat. Hier wurde z.B. nach dem Gründungsjahr der Bundeswehr, dem politischen System in Deutschland, der NATO und den deutschen Verfassungsorganen gefragt.

Anschließend erfolgte ein Test, bei dem man sich verschiedene Eigenschaften zuordnen sollte. Es gab immer drei Eigenschaften, von denen man eine als passende und eine als nicht passende einzusortieren hatte. Danach galt es noch, einfache Matheaufgaben zu lösen und zum Schluss noch einige Matrizen zu bearbeiten.

Bei den Matheaufgaben ging es neben Dreisatz, Kopfrechnen und Prozentrechnung auch um das Berechnen der Größe und des Umfangs von Flächen. So musste z.B. die Anzahl von Zaunpfosten bei einer vorgegebenen Fläche berechnet werden. Bei einer anderen Aufgabe mussten Multiplikationsaufgaben mit Dezimalzahlen im Kopf gelöst werden.

Hiernach bin ich zur ärztlichen Untersuchung gegangen, bei der Augen, Ohren, Blutdruck und Urin untersucht wurden. Größe und Gewicht wurden festgestellt, und nach einem Gespräch über Vorerkrankungen wurde ich über meine Verwendungsmöglichkeiten aufgeklärt.

Gruppensituationsverfahren

Das Gruppensituationsverfahren war der nächste Abschnitt des Bundeswehr-Eignungstests und bestand aus drei Teilen. Es wurde von zwei Soldaten begleitet, die die Aufgaben erklärten und Notizen über das Verhalten der Teilnehmer während der verschiedenen Situationen machten.

Der erste Teil bestand daraus, dass jeder der Teilnehmer die Rolle eines Amtes einnahm - Bürgeramt, Jugendamt, Bauamt und Ordnungsamt - in dessen Verwaltung eine neue Stelle besetzt wird. Die Teilnehmer sollten nun 12 Minuten lang diskutieren, wer diese Stelle bekommt. Sofern es keine Einigung gibt, bekommt kein Amt den zusätzlichen Mitarbeiter. Hierzu gab es 5 Minuten Vorbereitungszeit.

Der zweite Teil bestand aus dem gemeinsamen Erstellen eines Dienstplans. Es ging um eine Praktikantin, der verschiedene Aufgaben zugewiesen werden sollten. Einige davon waren obligatorisch, andere konnten frei gewählt werden.

Im dritten und letzten Teil bekam jeder der vier Teilnehmer ein Thema, das er nach 25-minütiger Vorbereitung den anderen in Form eines Referates präsentieren sollte. Dabei sollte das Referat zwischen drei und sieben Minuten lang sein. Mein Thema war das Planen einer Firmenfeier. Ein anderes Thema war die Frage, ob Elektroräder oder Firmenwagen in einem Betrieb angeschafft werden sollten.

Interview

Nach dem Mittagessen hatte ich mein persönliches Interview mit den Soldaten, die auch das Gruppensituationsverfahren geleitet hatten. Zuerst wurde gefragt, weshalb ich zur Bundeswehr wolle, und ob ich bereit sei, die damit verbundenen Risiken und Entbehrungen zu akzeptieren. Darüber hinaus wurde ich nach Eigenschaften gefragt, die bei der Ausführung des Soldatenberufs vorteilhaft wären.

Den zweiten Teil des Gesprächs führte der ranghöhere Soldat. Hierbei ging es um den Lebenslauf, um meine Ausbildung und um andere Aspekte meines Lebens: wo ich zur Schule gegangen bin und wie sehr ich mich dort angestrengt habe, wo und warum ich studiert habe, was ich gerne in meiner Freizeit mache, wie ich mit Stress umgehe, was ich zum Entspannen mache, und ob ich Erfahrungen mit Drogen habe.

Während beider Teile wurde auch auf den Fragebogen Bezug genommen, den ich am Vortag ausgefüllt hatte. Das ganz Gespräch dauerte etwa 45 Minuten und nach einer kurzen Unterbrechung erhielt ich mein Ergebnis, das ich für den Dienst bei der Bundeswehr geeignet bin. Eigentlich folgt auf Eignungstests und Interview dann noch ein Sporttest, der aber wegen Corona entfiel.

2. Prüfungstag

Am letzten Tag gab es um 7.00 Uhr Frühstück. Danach ging es für alle Teilnehmer zu den Einplanern. Hier mussten zuerst einige Dokumente ausgefüllt werden. Anschließend erläuterte uns der Einplaner die Karrieremöglichkeiten und die verschiedenen Verwendungen in der Bundeswehr.

Nach dem Einführungsvortrag hatte jeder von uns ein Einzelgespräch mit dem Einplaner. Bei mir verlief dieses Gespräch sehr kurz, da ich genau dort eingeplant werden konnte, wo ich auch eingeplant werden wollte. Ich erhielt am Ende einen Kurzvermerk über das Vorstellungsgespräch, in dem die wesentlichen Bestandteile meiner möglichen Einstellung vermerkt waren. Gegen Mittag konnte ich dann abreisen.


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