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Erfahrungsbericht Auswahlverfahren Finanzverwaltung NRW (gehobener Dienst, Diplom-Finanzwirt): Bewerbung, Vorstellungsgespräch, Einstellungstest

Die Kombination aus öffentlichem Dienst und Finanzen fand ich immer schon interessant. Deshalb habe ich eine Bewerbung an die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen geschickt.

Die Bewerbung

Ein Anschreiben und ein Lebenslauf – so wie bei einer klassischen Bewerbung – waren nicht erforderlich, man wurde einfach durch den Online-Bewerbungsprozess geleitet. Zuerst musste man seine persönlichen Daten angeben sowie Angaben zur Schullaufbahn und der Zeit danach machen. Anschließend waren schulische und ehrenamtliche Aktivitäten zu nennen (wie zum Beispiel AGs oder Vereine).

Außerdem wurde gefragt, wieso man sich für das duale Studium zum Diplom-Finanzwirt (FH) entschieden hat. Natürlich musste man auch noch ein Wunsch-Ausbildungsamt angeben und dazu noch drei Alternativen nennen, wo man noch gerne ausgebildet werden würde.

Einige Tage später erhielt ich Post vom Finanzamt. Meine Bewerbung war erfolgreich – man wolle mich persönlich kennenlernen, beim Auswahlverfahren.

Vorstellungsgespräch und Selbstpräsentation

Nach meiner Ankunft wurde ich von einem Finanzbeamten zur Prüfungskommission geführt. Diese bestand aus fünf Beamten. Nach der Vorstellung der einzelnen Prüfer und Prüferinnen wurden mir ein paar Fragen gestellt und man machte sich Notizen zu meinen Antworten (z B. „Was ist ein Personalrat?“)

Man selber sollte sich ebenfalls vorstellen, dabei seinen Bildungsweg wiedergeben und seine Freizeitgestaltung genauer darstellen. Dabei wurde sehr genau auf alle in der Bewerbung angegeben Aspekte eingegangen – alles(!) wurde abgefragt.

Kritisch betrachtet wurden schlechtere Schulnoten. „Wieso brechen Sie in Mathematik etwas nach unten aus?“ Daran wurde angeknüpft: Ich sollte mir vorstellen, die Klausuren im Studium alle nur mit ausreichend zu bestehen und sagen, wie ich damit umgehen würde und was das für mich heißen würde.

Mündlicher Einstellungstest

Anschließend wurden mir mehrere Aufgaben gestellt. Zuerst sollte ich ohne weitere Vorbereitungszeit mündlich darstellen, was netto und brutto unterscheidet (dabei sollten auch alle Abgaben benannt und erklärt werden). Weitere Fragen waren: „Was genau ist denn die Lohnsteuer?“ und „Welche Lohnsteuerklassen gibt es und was bedeuten sie?“

Textverständnis und Merkfähigkeit

Der Vorsitzende gab mir ein Blatt mit Aufgaben, die ich alle unter Aufsicht der Kommission bearbeiten sollte. Zuerst sollte ein Bericht über ein soziales Netzwerk zusammengefasst werden. Dabei kam es drauf an, sich möglichst alle der vielen Zahlen und Informationen zu merken und diese korrekt wiederzugeben (Nutzerzahlen, Gewinn- und Umsatzangaben).

Dazu durfte ich mir keine Notizen anfertigen, der Bericht sollte vor der Antwort an den Vorsitzenden zurückgegeben werden, man konnte also nicht noch einmal im Text nachsehen. Für die weiteren Aufgaben durften hingegen Notizen angefertigt werden.

Mathematik und Gesetzestext anwenden

Ich sollte ein lineares Gleichungssystem und ein paar kurze Textaufgaben lösen: „Ein Fernseher kostet 1.190€. Wie hoch ist die Umsatzsteuer?“ Natürlich 190 € – die Aufgabe war mit dem Dreisatz lösbar.

Zum Schluss musste man noch einen Gesetzestext auf eine konkrete Situation anwenden. Man bekam §9 und §10 des EStG (Einkommensteuergesetz) und musste daraufhin entscheiden, ob die Spritkosten eines Finanzanwärters vom Wohnort zur Fachhochschule Werbungskosten oder Sonderausgaben sind. Es handelt sich um Werbungskosten, da Sonderausgaben nur solche sind, die keine Werbungskosten oder Betriebsausgaben sind.

Gruppenaufgabe

Nach meiner Mittagspause ging es zusammen mit zwei anderen Bewerbern zur Gruppenaufgabe. Wir sollten als Leitung eines Finanzamtes einen Betriebsausflug organisieren. Der Ausflug sollte für alle Altersgruppen geeignet sein und nicht zu viel kosten. Wir mussten uns in der Gruppe darauf einigen, welche Ausflugsziele wir anbieten und wie der organisatorische Ablauf ist. Abschließend präsentierten wir gemeinsam unser Ergebnis der Prüfungskommission.

Insbesondere die Gruppenphase war sehr entspannt, vor und nach den Aufgaben erhielt man durch Berichte der Finanzbeamten Einblicke in deren Arbeit. Teilweise wirkte es so, als müssten nicht wir das Amt von uns überzeugen, sondern als würde das Amt um uns werben. Einer der Beamten begründete das mit dem aktuellen Personalmangel in der Finanzverwaltung.

Zum Schluss ging es nach einem langen Tag wieder nach Hause. Ob ich direkt eingestellt werde oder erst einmal auf die Reserveliste komme, erfahre ich wohl in den nächsten Tagen.


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