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Erfahrungen Bundespolizei: Einstellungsauswahlverfahren (EAV) gehobener Dienst

Angefangen hat alles mit meiner Bewerbung für den gehobenen Dienst bei der Bundespolizei. Die habe ich online eingereicht, einfach über die Bewerbungs-Website, klassisch mit Angabe meiner persönlichen Daten und Hochladen meines Lebenslaufs. Daraufhin kam ein Antwortschreiben der Bundespolizei mit der Einladung zum Einstellungsauswahlverfahren (EAV).

Das Einstellungsauswahlverfahren der Bundespolizei für den gehobenen Dienst gliedert sich in drei Prüfungen an drei Tagen. Prüfungsbeginn ist immer morgens um 7 Uhr und Prüfungsende mittags oder am frühen Nachmittag, vereinzelt kann es auch mal länger dauern.

EAV gehobener Dienst: 1. Tag – Sporttest und Einstellungstest

Übernachtet wurde auf einer Liegenschaft der Bundespolizei, alternativ konnte man eine eigene Unterkunft buchen. Übernachtungskosten werden bis zu 50 € erstattet. Der erste Prüfungstag findet grundsätzlich an einem Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei statt, abhängig vom Wohnort in Lübeck, Walsrode, Swisttal- Heimerzheim, Diez, Oerlenbach, Eschwege, Bamberg oder Neustrelitz. Neu hinzukommen könnten demnächst die Aus- und Fortbildungszentren Bielefeld und Rotenburg an der Fulda.

Um meine Unterkunft beziehen zu dürfen, musste ich das Einladungsschreiben der Bundespolizei vorzeigen. Dann wurde mir der Zutritt zum Gelände gewährt und ich bekam den Schlüssel für meine Unterkunft. Außerdem erhielt ich einen Lageplan sowie weitere Informationen zum Ablauf am nächsten Tag. Abendverpflegung gab es auf der Liegenschaft nicht. Ich konnte im Vorfeld jedoch ein Frühstück buchen.

Nach dem Frühstück ging es dann zusammen mit den anderen Bewerbern für den gehobenen Dienst zum Treffpunkt. Dort empfingen uns die Prüfer der Bundespolizei und erklärten den Tagesablauf. Der Ablauf unterscheidet sich, je nachdem, an welchem Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei das EAV stattfindet.

Der Sporttest

In meinem Fall (Aus- und Fortbildungszentrum Bamberg) ging es beim Einstellungsauswahlverfahren des gehobenen Dienstes direkt mit dem Sporttest los. Insgesamt gab es vier Disziplinen, bei denen man jeweils bis zu 9 Punkte erreichen konnte. Insgesamt musste man mindestens 24 Punkte erzielen.

Die erste Aufgabe nach dem Aufwärmen war der Cooper-Test. Dabei läuft man in 12 Minuten so weit wie möglich. Je nach Geschlecht gibt es eine vorgegebene Mindeststrecke. Bei mir als Mann waren es 2.400 m, was 5 Punkten entsprach. Nach dem Cooper-Test ging es zum Standweitsprung. In einem Versuch musste man eine Mindestweite schaffen.

Der dritte Test war ein Koordinationslauf, der etwas komplexer aufgebaut war: Drei aufgestellte Kastenteile und eine Matte waren an den Seiten eines viereckigen Feldes platziert, in dessen Mitte ein Medizinball lag. Gestartet wurde von der Matte mit einer Vorwärtsrolle. Danach musste man um den Medizinball nach links laufen, über das Kastenteil springen und unten wieder hindurch kriechen. Nach zwei Wiederholungen ging es zum Abschluss über die Matte zurück. Die Höchstdauer betrug hier 19 Sekunden, um 5 Punkte zu erreichen.

Danach folgte nur noch die Liegestützübung. Bei den Männern mussten 24 Liegestütze für 5 Punkte gemacht werden. Es wurde außerdem extrem auf die Ausführung geachtet. Arme mussten in der Hochposition durchgedrückt und in der Tiefposition mindestens bei 90° sein.

Der Intelligenztest

Hatte man den Sporttest bestanden, ging es nach dem Duschen direkt weiter mit dem nächsten Teil des Einstellungsauswahlverfahrens – dem Intelligenztest. Andernfalls konnte man jetzt schon nach Hause fahren. Im Intelligenztest der Bundespolizei wurden Grundkenntnisse in Deutsch, Mathe und Englisch abgefragt. Außerdem wurde das Logikverständnis getestet, dabei mussten Zahlen-, Formen- und Musterreihen vervollständigt werden. Es war dadurch so gut wie unmöglich, alle Aufgaben in der vorgegebenen Bearbeitungszeit zu beantworten. Der Zeitdruck sollte uns unter Stress setzen.

Mit 100 Punkten hatte man den Intelligenztest des EAV bestanden. Das Ergebnis wurde uns aber erst nach dem letzten Teil des Einstellungstests mitgeteilt: einer Erörterung zu einem von drei vorgegebenen Themen. Die Themen werden dabei immer zufällig ausgewählt. Meistens sind es aktuelle oder große Themen, die ausgiebig in den Medien diskutiert werden. Von bis zu 50 möglichen Punkten braucht man mindestens 24, um zu bestehen.

EAV gehobener Dienst: 2. Tag – Assessment Center

Hat man am ersten Tag alle Prüfungen bestanden, wird man zum zweiten Prüfungsteil des Einstellungsauswahlverfahrens der Bundespolizei eingeladen, dem Assessment-Center. Das Assessment-Center findet zentral in der Bundespolizeiakademie in Lübeck statt. Bei weiten Anreisewegen würde ich definitiv empfehlen, den Zug zu nehmen, da das komplette Ticket gezahlt wird. Bei der Anreise mit dem Auto (vor allem aus Bayern) wird per Kilometer abgerechnet, bis zu einem Höchstsatz, der sehr leicht überschritten wird.

In Lübeck angekommen, wird man in drei Aufgabenfeldern von einer Prüfungskommission aus vier Polizeibeamten geprüft. Jede einzelne Aufgabe gibt dabei Punkte, und die Summe der erhaltenen Punkte entscheidet darüber, ob man direkt eingestellt wird, auf die Warteliste kommt oder eine Absage erhält. Mit ungefähr mindestens 115 Punkten auf der Warteliste kann man mit einer Zusage rechnen. Der Grenzwert für eine Direktzusage sinkt im Verlauf des Assessment Centers: Je mehr Bewerber getestet wurden, desto niedriger die Punktzahl.

Die Gruppendiskussion

Die erste Aufgabe im Assessment-Center war eine Gruppendiskussion zu einem zufällig ausgewählten Thema. Dabei ist man Teil einer 4-er Gruppe und zieht die Rolle (Pro/Contra), die man vertreten soll. Dabei ist es egal, ob man sich am Ende für oder gegen die Fragestellung entscheidet – wichtig sind Diskussionsfähigkeit, Führungseignung und dergleichen. Meine Prüfer lobten beispielsweise, dass ich aktiv die Diskussion geleitet und die anderen Bewerber zur Meinungsäußerung bewegt habe. Thema war dabei die Frage, ob Volksentscheide für Themen wie Bundeswehreinsätze oder Migration eingeführt werden sollen. Die zu erreichende Punktzahl war hierbei 15.

Der Einzelvortrag

Nach der Gruppendiskussion folgte der Einzelvortrag. Wieder sollte man ein zufälliges Thema ziehen. Darauf folgte eine Vorbereitungszeit von 20 Minuten, um den Vortrag zu strukturieren. Die Nutzung eines Mediums wurde dabei ausdrücklich empfohlen, wofür alle möglichen Materialien bereitstanden. Für die Bewertung wurde viel auf die Vortragsweise geachtet: Liest man viel ab, ist man nervös, vermeidet man Augenkontakt, etc. Die Gesamtpunktzahl lag bei 20 Punkten.

Das persönliche Gespräch

Letzte und wichtigste Aufgabe war das 60-minütige persönliche Gespräch mit der Prüfungskommission. Dabei wurde aus allen Fachgebieten ein wenig gefragt, zu Geografie, Politik, Sprachen, eigenen Vorlieben und sehr viel zur Bundespolizei. Weiterhin musste man ein Rollenspiel in der Rolle einer Führungskraft absolvieren. Dabei wurde vor allem auf Stressresistenz, Empathie, Durchsetzungsvermögen, Lösungsfindung, etc. geschaut. Zu erreichende Punkte waren hierbei 75.

Abschließend kommt es zu einer Beurteilung der Prüfungskommission. Dabei werden alle erreichten Punkte zusammengezählt und es wird Rückmeldung zu den einzelnen Aufgaben gegeben. Die Punkte setzen sich zusammen aus der Erörterung (50), der Gruppendiskussion (15), dem Einzelvortrag (20) und dem Gespräch (75). Höchstpunktzahl ist somit 160.

EAV gehobener Dienst: 3. Tag – ärztliche Untersuchung

Hat man das Assessment-Center bestanden, ist man so gut wie eingestellt. Es folgt nur noch die ärztliche Untersuchung am dritten Tag des Einstellungsauswahlverfahrens im gehobenen Dienst der Bundespolizei. Diese findet grundsätzlich am Aus- und Fortbildungszentrum statt, an dem man am ersten Tag des Einstellungsauswahlverfahrens gewesen ist. Getestet wurden dabei Urin, Gehör, Augen, Body-Maß-Index sowie das Herz.

Alles keine große Sache. Einzig etwas anstrengend war das Fahrradfahren, wodurch das Herz unter Leistung gemessen wurde. Jedoch sollte das für jeden machbar sein, der den Sporttest bereits bestanden hat. Gibt der Arzt sein ok, muss nur noch auf den Einstellungsbescheid der Bundespolizei gewartet werden. Dieser kommt meistens sehr spät. Also nicht wundern. Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen und wünsche zukünftigen Bewerbern des EAV der Bundespolizei im gehobenen Dienst viel Erfolg.


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