Wirtschafts- und Sozialkunde (Wiso) IHK Prüfung:
Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung

Die Grundzüge der Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung gehören zu den wichtigen Themen der Wirtschafts- und Sozialkunde. Du beschäftigst dich damit, wie Märkte funktionieren, wie Preise entstehen und welche Aufgaben der Staat in einer sozialen Marktwirtschaft übernimmt. Weitere Schwerpunkte sind Wettbewerb und Verbraucherschutz sowie die wirtschaftspolitischen Ziele von Preisstabilität, Beschäftigung, Wachstum und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht. Auch Konjunktur, Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosigkeit und Inflation sind wichtige Grundlagen. Hinzu kommen die Fiskalpolitik des Staates und die Geldpolitik des Eurosystems mit ihren verschiedenen Instrumenten. Für die IHK-Prüfung solltest du vor allem verstehen, wie diese Bereiche miteinander zusammenhängen und welche Auswirkungen wirtschaftspolitische Maßnahmen haben können.

Inhaltsübersicht

  • Begriff Markt
  • Preisbildung am Markt
  • Funktionen des Marktpreises
  • Freie Marktwirtschaft
  • Staatliche Eingriffe in den Markt
  • Soziale Marktwirtschaft
  • Monopol
  • Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)
  • UWG: Unlautere und irreführende geschäftliche Handlungen
  • UWG: Vergleichende Werbung und unzumutbare Belästigung
  • Ziele der Wirtschaftspolitik: Stabilität des Preisniveaus
  • Ziele der Wirtschaftspolitik: Hoher Beschäftigungsstand
  • Ziele der Wirtschaftspolitik: Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
  • Ziele der Wirtschaftspolitik: Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum
  • Konjunkturphasen und Konjunkturindikatoren
  • Bruttoinlandsprodukt (BIP)
  • Fiskalpolitik
  • Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarkt
  • Offenmarktgeschäfte des Eurosystems
  • Inflation
  • Ständige Fazilitäten: Einlagefazilität und Spitzenrefinanzierungsfazilität
  • Mindestreserveanforderungen
  • Deflation
  • Weitere Ziele der Wirtschaftspolitik

Markt, Preisbildung und Marktpreisfunktionen

Ein Markt entsteht dort, wo Angebot und Nachfrage nach Gütern, Dienstleistungen oder anderen wirtschaftlichen Leistungen aufeinandertreffen. Märkte müssen dabei nicht an einen bestimmten Ort gebunden sein, denn auch Börsen, Onlineplattformen oder digitale Handelsplätze erfüllen eine Marktfunktion. Der Preis bildet sich grundsätzlich durch das Zusammenspiel von angebotener und nachgefragter Menge. Steigt die Nachfrage bei unverändertem Angebot, kann der Preis tendenziell steigen; wächst dagegen das Angebot bei unveränderter Nachfrage, kann er sinken. Beim Gleichgewichtspreis stimmen angebotene und nachgefragte Menge im vereinfachten Marktmodell überein. In der Realität beeinflussen zusätzlich Kosten, Wettbewerb, Erwartungen, staatliche Regelungen und weitere Faktoren die Preisbildung.

Preise erfüllen in einer Marktwirtschaft mehrere Funktionen. Die Signalfunktion zeigt beispielsweise, wie knapp ein Gut ist und wie stark es nachgefragt wird. Über die Lenkungsfunktion beeinflussen Preise, welche Produkte Unternehmen anbieten und welche Güter Verbraucher nachfragen. Die Ausgleichsfunktion trägt dazu bei, Angebot und Nachfrage miteinander in Einklang zu bringen. Preise können außerdem Anbieter mit hohen Kosten unter Wettbewerbsdruck setzen und damit eine Selektionsfunktion ausüben. Für die Prüfung solltest du deshalb nicht nur erklären können, wie ein Marktpreis entsteht, sondern auch verstehen, welche wirtschaftlichen Informationen Preise vermitteln.

Freie und soziale Marktwirtschaft

In einer freien Marktwirtschaft werden wirtschaftliche Entscheidungen überwiegend durch private Haushalte und Unternehmen getroffen. Privateigentum, Vertragsfreiheit, Gewerbefreiheit und Wettbewerb gehören zu ihren grundlegenden Merkmalen. Unternehmen entscheiden weitgehend selbst, welche Produkte sie herstellen, während Verbraucher über ihre Nachfrage Einfluss auf das Angebot nehmen. Preise entstehen grundsätzlich durch den Marktmechanismus. Ein weitgehend unbegrenzter Markt kann jedoch zu Problemen wie Marktmacht, sozialen Ungleichheiten oder einer unzureichenden Bereitstellung bestimmter öffentlicher Leistungen führen. Deshalb greift der Staat in realen Wirtschaftsordnungen durch Gesetze und andere Maßnahmen in das Marktgeschehen ein.

Deutschland orientiert sich am Leitbild der sozialen Marktwirtschaft. Sie verbindet marktwirtschaftlichen Wettbewerb und unternehmerische Freiheit mit sozialem Ausgleich und staatlichen Rahmenbedingungen. Der Staat soll insbesondere funktionsfähigen Wettbewerb sichern, Verbraucher und Beschäftigte schützen und soziale Risiken absichern. Zu möglichen Markteingriffen gehören Gesetze, Steuern, Abgaben, Subventionen oder staatliche Leistungen. Auch Regelungen zum Wettbewerb oder zum Umwelt- und Sozialschutz beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen. Der Staat übernimmt damit nicht die gesamte Wirtschaftssteuerung, sondern setzt Rahmenbedingungen, innerhalb derer Markt und Wettbewerb funktionieren sollen.

Monopol, Wettbewerb und UWG

Von einem Monopol spricht man, wenn auf einem Markt einem oder vielen Nachfragern nur ein Anbieter gegenübersteht. Dieser besitzt grundsätzlich eine stärkere Marktposition als ein Unternehmen, das mit vielen Konkurrenten um Kunden konkurrieren muss. Dadurch können Preis, angebotene Menge und Innovationsanreize anders ausfallen als bei intensivem Wettbewerb. Monopole können beispielsweise durch rechtliche, technische, wirtschaftliche oder natürliche Voraussetzungen entstehen. Neben dem Monopol gibt es weitere Marktformen wie Oligopol und Polypol. Für WiSo solltest du vor allem erkennen können, wie viele Anbieter und Nachfrager auf einem Markt vorhanden sind und welche Folgen daraus für den Wettbewerb entstehen können.

Für einen fairen Wettbewerb spielt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) eine wichtige Rolle. Es schützt Mitbewerber, Verbraucher und andere Marktteilnehmer vor unlauteren geschäftlichen Handlungen und soll zugleich einen unverfälschten Wettbewerb unterstützen. Unzulässig können beispielsweise bestimmte irreführende geschäftliche Handlungen sein, wenn falsche oder täuschungsgeeignete Angaben eine geschäftliche Entscheidung beeinflussen können. Auch vergleichende Werbung unterliegt Regeln und ist nicht grundsätzlich verboten. Unzumutbare Belästigungen, etwa bestimmte unerwünschte Werbeanrufe oder elektronische Werbung ohne erforderliche Einwilligung, können ebenfalls unzulässig sein. In Prüfungsfällen solltest du daher erkennen, ob eine Werbe- oder Wettbewerbshandlung rechtlich problematisch sein könnte.

Ziele der Wirtschaftspolitik

Zu den klassischen Zielen der deutschen Wirtschaftspolitik gehören Stabilität des Preisniveaus, ein hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum. Diese vier Ziele sind im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz verankert und werden häufig als Magisches Viereck bezeichnet. „Magisch“ heißt es deshalb, weil sich die Ziele nicht immer gleichzeitig vollständig erreichen lassen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen können einem Ziel dienen, gleichzeitig aber die Erreichung eines anderen erschweren. Eine starke Nachfrage kann beispielsweise Beschäftigung und Wachstum fördern, zugleich aber den Preisdruck erhöhen. Für die Prüfung solltest du deshalb sowohl die vier Ziele kennen als auch mögliche Zielharmonien und Zielkonflikte verstehen.

Stabilität des Preisniveaus bedeutet nicht, dass jeder einzelne Preis unverändert bleiben muss, sondern dass das allgemeine Preisniveau möglichst stabil bleibt. Ein hoher Beschäftigungsstand soll möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Beim außenwirtschaftlichen Gleichgewicht geht es darum, außenwirtschaftliche Entwicklungen so zu gestalten, dass sie das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht nicht dauerhaft gefährden. Stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum beschreibt eine möglichst nachhaltige Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Diese Ziele beeinflussen sich gegenseitig und können je nach Konjunkturlage unterschiedlich stark in den Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik rücken. Über die vier klassischen Ziele hinaus werden heute beispielsweise Umwelt- und Klimaschutz, eine angemessene Einkommens- und Vermögensverteilung oder tragfähige öffentliche Finanzen als weitere wirtschaftspolitische Ziele diskutiert.

Konjunktur, Bruttoinlandsprodukt und Fiskalpolitik

Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft nicht immer gleichmäßig, sondern kann unterschiedliche Konjunkturphasen durchlaufen. Vereinfacht werden häufig Aufschwung, Hochkonjunktur beziehungsweise Boom, Abschwung und Tiefphase beziehungsweise Rezession unterschieden. Konjunkturindikatoren helfen dabei, die aktuelle und zukünftige wirtschaftliche Entwicklung einzuschätzen. Dazu gehören beispielsweise Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Investitionen oder Geschäftserwartungen. Frühindikatoren geben Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen, während Präsenz- und Spätindikatoren die gegenwärtige beziehungsweise bereits eingetretene Lage abbilden. Für die Prüfung solltest du typische Merkmale der Konjunkturphasen und geeignete Indikatoren zuordnen können.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst den Wert der im Inland in einem bestimmten Zeitraum produzierten Waren und Dienstleistungen, soweit es sich nicht um Vorleistungen handelt. Die Veränderung des preisbereinigten BIP wird häufig verwendet, um die wirtschaftliche Entwicklung beziehungsweise das Wirtschaftswachstum zu beurteilen. Das BIP ist damit ein wichtiger Konjunkturindikator, bildet aber nicht automatisch sämtliche Aspekte von Lebensqualität oder Wohlstand ab. Mit der Fiskalpolitik kann der Staat über seine Einnahmen und Ausgaben auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einwirken. In einer wirtschaftlichen Schwächephase können beispielsweise zusätzliche staatliche Ausgaben oder andere entlastende Maßnahmen die Nachfrage stützen, während in einer starken Überhitzung eine zurückhaltendere Finanzpolitik dämpfend wirken kann. Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen wirtschaftlichen Situation und den weiteren wirtschaftspolitischen Zielen ab.

Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit

Auf dem Arbeitsmarkt treffen das Angebot an Arbeitskraft und die Nachfrage von Unternehmen und öffentlichen Arbeitgebern nach Beschäftigten aufeinander. Angebot und Nachfrage können sich nach Beruf, Qualifikation, Region und wirtschaftlicher Situation deutlich unterscheiden. Arbeitslosigkeit kann deshalb verschiedene Ursachen haben. Unterschieden werden beispielsweise konjunkturelle, saisonale, strukturelle und friktionelle Arbeitslosigkeit. Konjunkturelle Arbeitslosigkeit entsteht insbesondere durch einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, während strukturelle Arbeitslosigkeit beispielsweise durch Veränderungen von Branchen, Technologien oder Qualifikationsanforderungen entstehen kann. Für die Wirtschaftspolitik ist ein hoher Beschäftigungsstand deshalb eng mit Bildungs-, Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Konjunkturpolitik verbunden.

Nicht jede Person ohne Erwerbstätigkeit wird statistisch automatisch als arbeitslos gezählt. Für die deutsche Arbeitslosenstatistik gelten gesetzlich festgelegte Voraussetzungen. Vereinfacht müssen Betroffene unter anderem beschäftigungslos beziehungsweise nur in begrenztem Umfang beschäftigt sein, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen, für Vermittlungsbemühungen zur Verfügung stehen und arbeitslos gemeldet sein. Neben der Zahl der Arbeitslosen werden weitere Größen wie Beschäftigung, Erwerbstätigkeit oder Unterbeschäftigung zur Beurteilung des Arbeitsmarktes herangezogen. Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt können sowohl Ursache als auch Folge der Konjunkturentwicklung sein. Deshalb gehört die Beschäftigungsentwicklung zu den wichtigen Indikatoren der Wirtschaftspolitik.

Geldpolitik, Inflation und Deflation

Die Geldpolitik im Euroraum wird vom Eurosystem aus Europäischer Zentralbank und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder umgesetzt. Ihr vorrangiges Ziel ist die Gewährleistung von Preisstabilität. Zu den geldpolitischen Instrumenten gehören insbesondere Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und Mindestreserveanforderungen. Mit Offenmarktgeschäften stellt das Eurosystem unter anderem Zentralbankliquidität bereit beziehungsweise steuert die Bedingungen am Geldmarkt. Dazu gehören verschiedene Refinanzierungs- sowie Feinsteuerungsoperationen. Änderungen der geldpolitischen Bedingungen können sich über Banken und Finanzmärkte auf Kreditzinsen, Investitionen, Konsum und schließlich auf Preisentwicklung und Konjunktur auswirken.

Von Inflation spricht man, wenn das allgemeine Preisniveau über einen längeren Zeitraum steigt und dadurch die Kaufkraft des Geldes sinkt. Bei Deflation geht das allgemeine Preisniveau dagegen zurück. Einzelne steigende oder fallende Preise reichen für beide Begriffe nicht aus, da es jeweils um die Entwicklung des gesamten Preisniveaus geht. Zu den ständigen Fazilitäten des Eurosystems gehören die Einlagefazilität und die Spitzenrefinanzierungsfazilität, die Banken für kurzfristige Liquiditätsanlage beziehungsweise -aufnahme nutzen können. Zusätzlich müssen bestimmte Kreditinstitute Mindestreserven bei ihrer nationalen Zentralbank halten; die Mindestreserveanforderungen unterstützen die Umsetzung der Geldpolitik und die Stabilisierung des Geldmarktes. Für die Prüfung solltest du insbesondere die Instrumente der Geldpolitik von den fiskalpolitischen Maßnahmen des Staates unterscheiden können.

Weitere Ziele der Wirtschaftspolitik

Neben dem klassischen Magischen Viereck werden weitere Ziele berücksichtigt, die für eine langfristig tragfähige wirtschaftliche Entwicklung wichtig sind. Dazu können beispielsweise Umwelt- und Klimaschutz, eine ausgewogene Einkommens- und Vermögensverteilung, soziale Sicherheit und nachhaltige öffentliche Finanzen gehören. Werden weitere Ziele zum Magischen Viereck ergänzt, ist teilweise vom Magischen Vieleck die Rede. Dabei können sowohl Zielharmonien als auch Zielkonflikte entstehen. Maßnahmen zum Umweltschutz können beispielsweise kurzfristig zusätzliche Kosten verursachen, langfristig aber Ressourcen schonen und neue wirtschaftliche Chancen schaffen. Ebenso kann eine starke staatliche Unterstützung der Konjunktur Beschäftigung fördern, aber den öffentlichen Haushalt stärker belasten. Für WiSo ist deshalb besonders wichtig, wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht isoliert, sondern hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf mehrere Ziele zu beurteilen.

So bereitest du dich auf Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsordnung vor

Beginne mit Markt, Preisbildung und Wirtschaftsordnung, weil diese Grundlagen für viele spätere Themen benötigt werden. Lerne danach das Magische Viereck und ordne jedem Ziel typische Kennzahlen und wirtschaftspolitische Maßnahmen zu. Bei Konjunkturaufgaben solltest du üben, wirtschaftliche Situationen einer Konjunkturphase zuzuordnen und passende Indikatoren zu erkennen. Trenne anschließend Fiskal- und Geldpolitik konsequent voneinander: Fiskalpolitik betrifft insbesondere staatliche Einnahmen und Ausgaben, während die Geldpolitik im Euroraum vom Eurosystem betrieben wird. Bei Inflation und Deflation solltest du Ursachen, Folgen und mögliche wirtschaftspolitische Reaktionen verstehen, statt nur Definitionen auswendig zu lernen. Arbeite zum Schluss mit kurzen Fallbeispielen, in denen du beurteilst, welches wirtschaftspolitische Ziel betroffen ist und welche Folgen eine Maßnahme für andere Ziele haben könnte.

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