Erfahrungsbericht zum Einstellungstest der Offizierslaufbahn der Bundeswehr: Einstellungstest, Auswahlverfahren, Sporttest, Vorstellungsgespräch

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Bewerbung und Auswahlverfahren

Ich habe mich für die Offizierslaufbahn als Seiteneinsteiger mit bereits abgeschlossenem Hochschulstudium beworben. Das Auswahlverfahren für das sogenannte Oberfähnrichmodell unterscheidet sich in einigen Punkten von dem der klassischen Offiziersbewerber. Beispielsweise entfällt die Studieneignungsprüfung, da das Studium bereits abgeschlossen ist. Mithilfe von Büchern und dem eTrainer hatte ich mich über mehrere Wochen auf den Einstellungstest vorbereitet.

Das Auswahlverfahren dauerte drei Tage und fand in Köln statt. Bereits am Tag vor den Prüfungen sollte man bis spätestens 14 Uhr angereist sein. Es gab also genügend Zeit, sein Einzelzimmer zu beziehen. Alle Bewerber wurden von den Betreuungsoffizieren begrüßt. Für jede gewünschte Laufbahn waren Ansprechpartner vor Ort.

Nach einer ausführlichen Begrüßung und einem Einführungsvortrag des betreuenden Stabsfeldwebels erhielten alle Bewerber einen biografischen Fragebogen, den man in etwa 30 Minuten ausfüllen musste. Man musste zum Beispiel beantworten, warum man Offizier bei der Bundeswehr werden wollte oder welche Stärken und Schwächen man besaß. Da der Fragebogen später dem Psychologen und dem interviewführenden Offizier vorgelegt wird, kann ich nur empfehlen, sich bei der Beantwortung der Fragen Mühe zu geben. Der restliche Abend stand uns zur freien Verfügung.

Der erste Prüfungstag

Das Frühstück begann bereits um 5:45 Uhr und man hatte dafür lediglich 15 Minuten Zeit. Ich würde daher empfehlen, sich etwas davon einzupacken, da zwischen Frühstück und Mittag viel Zeit vergeht. Nach dem Frühstück erhielt ich meinen Laufzettel, auf dem vermerkt war, welche Stationen ich absolvieren musste. Jeder Bewerber hatte einen individuellen Ablauf.

Führungskompetenztest

Meine erste Station war ein computergestützter Persönlichkeitstest. Hier bekam ich immer drei Aussagen angezeigt, von denen man eine auswählen musste, die am besten auf einen zutrifft, und eine, die am wenigsten auf einen zutrifft. Die dritte Aussage blieb automatisch neutral. Das Ergebnis erhalten ebenfalls der Psychologe und der Offizier im Interview. Man sollte daher ehrlich antworten und nicht versuchen, sich besser darzustellen.

CAT-Test

Anschließend folgte der eigentliche CAT-Test. Da ich bereits ein abgeschlossenes Studium hatte, war mein Test wesentlich kürzer als der von regulären Offiziersbewerbern. In den 3 Kategorien Wortanalogien, Mathematik und Matrizen musste ich jeweils 12 Aufgaben lösen. Für jede Aufgabe hatte ich drei Minuten Zeit. Zeitdruck habe ich dabei nicht empfunden.

Die Testaufgaben der Wortanalogien habe ich als deutlich schwieriger empfunden als die in den Übungsaufgaben. Die Mathematikaufgaben sind nach ausreichender Vorbereitung gut lösbar. Am schwierigsten fand ich die Aufgaben zu den visuellen Matrizen. Abschließend folgte noch ein kurzer Fragenblock zu persönlichen Einstellungen, beispielsweise zum Umgang mit Alkohol und Drogen oder zu extremistischen Einstellungen.

Ärztliche Untersuchung

Bei der ärztlichen Untersuchung wird die gesundheitliche Eignung für die jeweilige Laufbahn abgeklärt. Dazu gehören z. B. ein Sehtest, eine Blutdruckmessung und eine Urinprobe. Ich erhielt die medizinische Eignung für alle gewünschten Verwendungen, lediglich für fliegerische Verwendungen wurde ich ausgeschlossen.

Gruppensituationsverfahren

Hierbei sitzen vier Bewerber gemeinsam mit zwei Offizieren in einem Raum.

In der ersten Runde spielten wir einen Ressourcenkonflikt nach. Es wurde ein Problem besprochen, für das in kurzer Zeit eine Lösung gefunden werden musste. Die Prüfer beobachteten genau, wer sich einbringt, wer sich eher zurückhält und wie die Dynamik innerhalb der Gruppe ist. Es zählt weniger das Ergebnis, sondern vielmehr die Art und Weise, wie man zusammenarbeitet.

Im zweiten Teil musste gemeinsam ein zwölfwöchiger Praktikumsplan erstellt werden. Auch hier ging es weniger um den fertigen Plan als um Kommunikation, Organisation und Teamarbeit. Versucht nicht, die Gruppe zu dominieren, denn gute Offiziere können gut führen, aber auch gut zuhören.

In der dritten Runde musste jeder Bewerber einen Einzelvortrag halten. Dafür standen 25 Minuten Vorbereitungszeit zur Verfügung. Es musste ein freier Vortrag zwischen drei und sieben Minuten gehalten werden.

Das Interview

Nach einer einstündigen Mittagspause ging es für mich weiter zum persönlichen Interview. Gegenüber von mir saßen eine Offizierin und ein Psychologe, deren Fragen unterschiedliche Schwerpunkte hatten. Das gesamte Gespräch dauerte 45 Minuten.

Während sich die Fragen der Offizierin hauptsächlich mit meiner Motivation beschäftigten, fokussierte sich der Psychologe deutlich stärker auf meinen bisherigen Lebensweg und fragte gezielt nach Auffälligkeiten. Es ist wichtig, dass man seine Aussagen begründen kann und authentisch bleibt. Ich würde sagen, dass sich jede zweite oder dritte Frage auf eine meiner Antworten im biografischen Fragebogen bezog.

Nach dem Interview muss man den Raum kurz verlassen, damit sich Offizierin und Psychologe beraten können. Nach 30 bis 45 Minuten wird man wieder hereingebeten und erhält im besten Fall seine Offizierseignung. Diese ist grundsätzlich zwei Jahre gültig – in diesem Zeitraum kann man als Offizier eingestellt werden, sofern alle anderen Voraussetzungen auch erfüllt werden.

Der zweite Prüfungstag

Der zweite Prüfungstag begann wieder um 5:45 Uhr. Hier würde ich Bewerbern raten, nicht zu viel zu essen, da der Basis-Fitness-Test ansteht. Der betreuende Stabsfeldwebel erklärte alle drei Disziplinen und nahm sich ausreichend Zeit für die Beantwortung von Fragen.

Basis-Fitness-Test

Die erste Disziplin war der Pendellauf, bei dem man elfmal 10 Meter hin und her sprintet. Dabei muss man jedes Mal eine Linie vollständig überqueren. Der Klimmhang war die zweite Disziplin, bei der man sich mit dem Kinn oberhalb einer Stange halten muss. Die letzte und aus meiner Sicht anstrengendste Disziplin ist das Ergometer. Innerhalb von 6:30 Minuten muss man auf dem Fahrradergometer drei Kilometer zurücklegen. Nach dem Sporttest durfte man sich duschen und umziehen. Den Sporttest sollte man nicht unterschätzen und sich im Vorfeld darauf vorbereiten.

Die Einplanung

Der Einplaner schaut sich die Ergebnisse aller Tests an und prüft, welche Dienstposten frei sind, welche Voraussetzungen ihr erfüllt und welche Verwendung zu euren Testergebnissen passt. Wer sich ausschließlich auf eine einzige Wunschverwendung versteift, kann enttäuscht werden. Daher sollte man unbedingt mehrere Alternativen vorbereitet haben.

Mir wurde erklärt, dass ich meinen Dienst innerhalb von zwei Jahren antreten kann und nicht zwingend den nächstmöglichen Einstellungstermin wählen muss. Ich erhielt mein Einstellungsangebot und hatte anschließend eine Woche Zeit, es anzunehmen oder abzulehnen.

Mein Fazit

Insgesamt empfand ich das Auswahlverfahren als professionell organisiert. Die Betreuung war jederzeit freundlich und hilfsbereit. Nach meiner Beobachtung scheitern deutlich mehr Bewerber am Interview als am Sporttest oder am CAT-Test – was nicht bedeutet, dass diese Testteile weniger wichtig sind. Aber der größte Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Persönlichkeit, der Motivation, der Führungsfähigkeit und dem Auftreten.

Mit den Büchern und dem eTrainer von Ausbildungspark konnte ich mich intensiv auf das Auswahlverfahren vorbereiten. Einige Aufgaben waren zwar deutlich anspruchsvoller als die Übungsbeispiele, aber dennoch hat mir die Vorbereitung geholfen, mit einem sicheren Gefühl in die Prüfung zu gehen.

Grundsätzlich kann ich Bewerbern empfehlen: Bleibt die ganze Zeit ihr selbst. Die Bundeswehr sucht keine Schauspieler, sondern Persönlichkeiten, denen man Führungsverantwortung zutraut.

Erklärvideo: Was passiert im Einstellungstest der Bundeswehr?

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