Wenn du beim Finanzamt arbeiten möchtest, führen zwei besonders typische Wege in die Steuerverwaltung: die zweijährige Ausbildung zum Finanzwirt beziehungsweise zur Finanzwirtin und das dreijährige duale Studium zum Diplom-Finanzwirt beziehungsweise zur Diplom-Finanzwirtin (FH). Dabei verbindest du Steuerrecht, Verwaltung und wirtschaftliche Zusammenhänge mit praktischer Arbeit im Finanzamt. Die Ausbildung und das Studium bereiten auf unterschiedliche Laufbahnen innerhalb der Steuerverwaltung der Länder vor.
Die konkreten Voraussetzungen und Auswahlverfahren unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Einen bundesweit identischen Finanzamt-Einstellungstest gibt es deshalb nicht. Brandenburg setzt für die Ausbildung beispielsweise einen kognitiven Auswahltest mit Logik, Konzentration, Merkfähigkeit, Sprachverständnis und Mathematik ein. Nordrhein-Westfalen verlangt ebenfalls die erfolgreiche Teilnahme an einem Auswahlverfahren, ohne auf seiner zentralen Ausbildungsseite einen einheitlichen Aufgabenkatalog zu nennen.
Inhalte:
- Welche Berufe und Ausbildungswege gibt es beim Finanzamt?
- Was macht man im Finanzamt?
- Wie laufen Ausbildung und duales Studium ab?
- Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?
- Wie viel verdient man während Ausbildung und Studium?
- Einstellungstest und Auswahlverfahren beim Finanzamt
- So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Welche Berufe und Ausbildungswege gibt es beim Finanzamt?
Der klassische Ausbildungsweg ist die Ausbildung zur Finanzwirtin beziehungsweise zum Finanzwirt. Sie bereitet auf Tätigkeiten vor, die traditionell dem mittleren Steuerverwaltungsdienst zugeordnet werden. In Nordrhein-Westfalen heißt diese Laufbahn heute beispielsweise Laufbahngruppe 1.2. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und kombiniert fachtheoretischen Unterricht mit praktischen Abschnitten im Finanzamt. In NRW sind für den Ausbildungsstart 2027 rund 600 Plätze vorgesehen.
Mit Abitur oder einem anderen für ein Fachhochschulstudium qualifizierenden Abschluss kommt das duale Studium zum Diplom-Finanzwirt beziehungsweise zur Diplom-Finanzwirtin (FH) infrage. Es dauert drei Jahre und führt in die Laufbahn, die früher als gehobener Steuerverwaltungsdienst bezeichnet wurde. In Nordrhein-Westfalen sind für 2027 rund 800 Studienplätze vorgesehen. Das Studium verbindet Steuerrecht, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften mit praktischen Ausbildungsphasen in Finanzämtern.
Welche Bezeichnungen verwendet werden, kann von Land zu Land etwas abweichen. Die grundlegende Ausbildung der Steuerbeamtinnen und Steuerbeamten wird jedoch durch bundesweit geltende Vorschriften geregelt. Die Steuerbeamtenausbildungs- und -prüfungsordnung enthält Bestimmungen für den mittleren und gehobenen Steuerverwaltungsdienst der Länder.
Was macht man im Finanzamt?
Im Finanzamt beschäftigst du dich vor allem mit der Festsetzung und Erhebung von Steuern. Du prüfst Steuererklärungen, ermittelst Besteuerungsgrundlagen und entscheidest anhand der gesetzlichen Vorschriften, welche Steuern festgesetzt werden. Dabei arbeitest du mit digitalen Fachverfahren, Steuerakten und umfangreichen Rechtsvorschriften. In der hessischen Ausbildung lernen Finanzwirte beispielsweise die Bearbeitung von Einkommen- und Umsatzsteuerfällen sowie den Kontakt mit Bürgern und Steuerberatern kennen.
Später kannst du in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Veranlagungsstellen, Erhebungsstellen, Rechtsbehelfsstellen oder die Außenprüfung. Diplom-Finanzwirte können mit entsprechender Erfahrung unter anderem in der Betriebsprüfung tätig werden und Unternehmen vor Ort kontrollieren. In Rechtsbehelfsstellen werden Einsprüche gegen Steuerbescheide geprüft und steuerrechtliche Sachverhalte rechtlich bewertet.
Die praktische Ausbildung soll dich gezielt darauf vorbereiten, steuerrechtliche Fälle selbstständig und verantwortungsbewusst zu bearbeiten. Dazu gehören Sachverhaltsermittlung, Rechtsanwendung, Verwaltungsabläufe und der Umgang mit Bürgern.
Wie laufen Ausbildung und duales Studium ab?
Die Ausbildung zum Finanzwirt dauert zwei Jahre. Theorie und Praxis wechseln sich blockweise ab. In Brandenburg umfasst die Ausbildung beispielsweise acht Monate an der Landesfinanzschule und insgesamt 16 Monate praktische Ausbildung in einem Finanzamt. In Hessen findet die theoretische Ausbildung an der Landesfinanzschule in Rotenburg an der Fulda statt, während die Praxisphasen im jeweiligen Ausbildungsfinanzamt absolviert werden.
In der Theorie beschäftigst du dich unter anderem mit Abgabenrecht, Einkommen- und Ertragsteuern, Umsatzsteuer, Buchführung und Bilanzwesen, Steuererhebung, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Verwaltungsorganisation und Kommunikation. Für den mittleren Steuerverwaltungsdienst sieht die bundesweite Ausbildungsordnung mindestens 800 Unterrichtsstunden vor.
Das duale Studium dauert drei Jahre. In Nordrhein-Westfalen wechseln Fachstudien an der Hochschule für Finanzen und Praxisphasen in den Finanzämtern miteinander ab. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem Einkommensteuerrecht, Umsatzsteuerrecht, Bilanzsteuerrecht, Abgabenordnung, Privatrecht, öffentliches Recht, Gesellschaftsbesteuerung, internationales Steuerrecht, Wirtschaftswissenschaften und Verwaltungsmanagement.
Sowohl Ausbildung als auch Studium enden mit umfangreichen Laufbahnprüfungen. Bei der Ausbildung in NRW gehören aktuell fünf dreistündige Klausuren und eine mündliche Prüfung dazu. Im Studium folgen nach drei Jahren fünf fünfstündige Klausuren sowie eine mündliche Prüfung; zusätzlich ist eine wissenschaftliche Arbeit vorgesehen.
Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?
Die Anforderungen unterscheiden sich nach Bundesland und Laufbahn. Für die Ausbildung zum Finanzwirt verlangt Nordrhein-Westfalen aktuell mindestens die Fachoberschulreife oder einen gleichwertigen Bildungsabschluss. Außerdem werden mindestens befriedigende schulische Leistungen, gesundheitliche Eignung und die erfolgreiche Teilnahme am Auswahlverfahren vorausgesetzt.
Brandenburg verlangt für die Ausbildung ebenfalls mindestens einen mittleren Schulabschluss beziehungsweise einen gleichwertigen Bildungsabschluss. Zusätzlich nennt das Land Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen sowie die Bereitschaft, mit moderner Software zu arbeiten. Zu den intellektuellen Anforderungen zählen dort rechnerisches, sprachliches, räumliches und schlussfolgerndes Denken, Merkfähigkeit und Konzentration.
Für das duale Studium brauchst du in Nordrhein-Westfalen Abitur oder einen Bildungsabschluss, der zum Fachhochschulstudium berechtigt. Auch hier werden mindestens befriedigende schulische Leistungen, gesundheitliche Eignung und ein erfolgreiches Auswahlverfahren erwartet.
Für die Verbeamtung gelten zusätzlich beamtenrechtliche Voraussetzungen. Dazu können Vorgaben zur Staatsangehörigkeit, gesundheitlichen Eignung und zum Höchstalter gehören. Diese Regeln sind nicht in jedem Bundesland identisch. Du solltest deshalb immer die aktuelle Ausschreibung des Landes prüfen, in dem du dich bewerben möchtest.
Wie viel verdient man während Ausbildung und Studium?
Da du bei den klassischen Karrierewegen in der Steuerverwaltung in der Regel als Anwärter/in in ein Beamtenverhältnis auf Widerruf eingestellt wirst, erhältst du keine gewöhnliche Ausbildungsvergütung, sondern Anwärterbezüge. Die konkrete Höhe hängt vom Bundesland und der jeweiligen Laufbahn ab.
In Hessen erhalten Auszubildende zum Finanzwirt nach Angaben des Finanzministeriums im Juli 2026 derzeit rund 1.647 Euro brutto im Monat, gegebenenfalls zuzüglich weiterer Zuschläge. Studierende zum Diplom-Finanzwirt erhalten dort aktuell rund 1.724 Euro brutto monatlich einschließlich der vom Land genannten Bestandteile.
Die Beträge können in anderen Ländern abweichen. Nordrhein-Westfalen nennt aktuell ungefähr 1.550 Euro monatlich während der Ausbildung und rund 1.600 Euro während des dualen Studiums. In beiden Fällen erhältst du die Bezüge auch während der Theorie- beziehungsweise Studienphasen.
Einstellungstest und Auswahlverfahren beim Finanzamt
Es gibt keinen bundesweit identischen Finanzamt-Einstellungstest. Die Steuerverwaltungen der Länder organisieren ihre Bewerberauswahl selbst. Deshalb können Ablauf und Testinhalte je nach Bundesland voneinander abweichen.
Besonders transparent ist das aktuelle Verfahren in Brandenburg. Nach Prüfung der Onlinebewerbung werden geeignete Bewerber zu einem kognitiven Leistungstest eingeladen. Dieser enthält ausdrücklich Aufgaben zu logischem Denken, Konzentration, Merkfähigkeit, Sprachverständnis und Mathematik. Für ein Weiterkommen muss eine festgelegte Mindestpunktzahl erreicht werden.
Andere Länder können zusätzliche Gespräche oder weitere Auswahlschritte einsetzen. Nordrhein-Westfalen verlangt für Ausbildung und Studium ebenfalls ein erfolgreich absolviertes Auswahlverfahren, veröffentlicht auf den zentralen Karriereseiten aber keinen vergleichbaren festen Themenkatalog. Deshalb solltest du dich immer an der Einladung beziehungsweise den offiziellen Informationen deines Bundeslandes orientieren.
Logisches und schlussfolgerndes Denken
Logisches Denken wird im Brandenburger Auswahltest ausdrücklich geprüft. Du kannst beispielsweise mit Regeln, Zuordnungen, Zahlenfolgen oder Schlussfolgerungen konfrontiert werden. Dabei musst du erkennen, welche Information aus vorgegebenen Angaben logisch folgt oder nach welchem Prinzip eine Reihe fortgesetzt wird.
Diese Fähigkeit brauchst du später ständig. Steuerrecht besteht aus Regeln und Voraussetzungen, die auf konkrete Sachverhalte angewendet werden müssen. Du musst Informationen ordnen, Tatbestandsmerkmale prüfen und daraus eine rechtlich richtige Entscheidung ableiten. Deshalb solltest du beim Üben nicht nur auf Geschwindigkeit achten, sondern Aufgaben strukturiert analysieren.
Mathematik und Zahlenverständnis
Kenntnisse in Mathematik gehören beim Auswahltest in Brandenburg ausdrücklich zum Prüfungsstoff. Besonders sinnvoll sind Grundrechenarten, Prozentrechnung, Dreisatz, Brüche und einfache Sachaufgaben. Auch Tabellen und Zahlenvergleiche können zur Vorbereitung gehören.
Im späteren Beruf arbeitest du regelmäßig mit Einkommen, Beträgen, Steuersätzen und Berechnungsgrundlagen. Auch Buchführung und Bilanzwesen gehören zur Ausbildung. Für den mittleren Steuerverwaltungsdienst sieht die Ausbildungsordnung beispielsweise mindestens 75 Unterrichtsstunden in Buchführung und Bilanzwesen vor.
Sprachverständnis
Auch Sprachverständnis ist ein offiziell genannter Bereich des Brandenburger Auswahltests. Möglich sind Aufgaben, bei denen du Texte verstehen, Aussagen richtig zuordnen oder sprachliche Zusammenhänge erkennen musst.
Im Finanzamt musst du Gesetzestexte, Steuererklärungen, Schreiben und andere Unterlagen genau lesen können. Gleichzeitig kommunizierst du mit Bürgern, Unternehmen und Steuerberatern. Gute sprachliche Fähigkeiten helfen dir deshalb nicht nur beim Einstellungstest, sondern auch später bei der verständlichen und rechtssicheren Bearbeitung von Fällen.
Konzentration und Arbeitseffizienz
Brandenburg prüft ausdrücklich Konzentrationsfähigkeit beziehungsweise Arbeitseffizienz. In solchen Aufgaben musst du häufig innerhalb begrenzter Zeit viele ähnliche Informationen bearbeiten und kleine Unterschiede erkennen.
Im Berufsalltag ist diese Fähigkeit besonders wichtig, weil Steuerfälle viele einzelne Angaben enthalten können. Ein übersehener Betrag oder eine falsch erfasste Information kann das Ergebnis verändern. Auch während der praktischen Ausbildung werden Arbeitssorgfalt und Arbeitstempo ausdrücklich bewertet.
Merkfähigkeit
Merkfähigkeit ist ein weiterer offiziell genannter Bestandteil des Brandenburger Auswahlverfahrens. Dabei können dir beispielsweise Zahlen, Begriffe, Zeichen oder andere Informationen gezeigt werden, die du nach kurzer Zeit wiedergeben oder richtig zuordnen musst.
Diese Aufgaben prüfen vor allem deine kurzfristige Informationsaufnahme. Im Finanzamt musst du zwar nicht ganze Steuergesetze auswendig kennen, aber komplexe Informationen aufnehmen, Zusammenhänge erfassen und während der Bearbeitung eines Vorgangs im Blick behalten können.
Persönliche Eignung und Kommunikation
Neben kognitiven Fähigkeiten achten die Finanzverwaltungen auf persönliche Voraussetzungen. Brandenburg nennt beispielsweise Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, Team- und Konfliktfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Kommunikationsfähigkeit. Nordrhein-Westfalen erwartet unter anderem Entscheidungsfreude, Initiative, Organisationsfähigkeit und Teamfähigkeit.
Wenn dein Bundesland ein Vorstellungsgespräch oder andere persönliche Auswahlstufen einsetzt, solltest du deshalb erklären können, warum du beim Finanzamt arbeiten möchtest und welche Aufgaben dich erwarten. Gute Antworten zeigen Interesse an Recht und wirtschaftlichen Zusammenhängen, sorgfältiges Arbeiten und die Bereitschaft, Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.
So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Informiere dich zuerst über das konkrete Auswahlverfahren deines Bundeslandes. Wenn ein kognitiver Test vorgesehen ist, solltest du besonders Logik, Mathematik, Sprachverständnis, Konzentration und Merkfähigkeit trainieren. Übe möglichst unter Zeitdruck und wiederhole grundlegende mathematische Verfahren, statt bereits kompliziertes Steuerrecht auswendig zu lernen.
Beschäftige dich zusätzlich mit den Aufgaben eines Finanzamts und den Unterschieden zwischen Finanzwirt-Ausbildung und dualem Studium. Beim Ausbildungspark kannst du typische Aufgabenformate aus Einstellungstests kennenlernen und gezielt die Bereiche Mathematik, Logik, Deutsch, Konzentration und Merkfähigkeit trainieren.
Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.














