Fluglotse/Fluglotsin: Ausbildung und Einstellungstest

Als Fluglotse beziehungsweise Fluglotsin sorgst du dafür, dass Flugzeuge sicher starten, landen und sich im Luftraum nicht gefährlich nahekommen. Du beobachtest den Flugverkehr, gibst Pilotinnen und Piloten Anweisungen zu Kurs, Flughöhe oder Geschwindigkeit und musst auch bei hohem Verkehrsaufkommen konzentriert bleiben. Der Beruf verbindet enorme Verantwortung mit räumlichem Denken, schneller Informationsverarbeitung und präziser Kommunikation.

Der Weg in den Beruf unterscheidet sich deutlich von einer klassischen dualen Ausbildung. Bei der DFS Deutsche Flugsicherung dauert die aktuelle Fluglotsen-Ausbildung etwa 2,5 bis 3,5 Jahre. Auf eine intensive Theorie- und Simulatorphase an der Flugsicherungsakademie in Langen folgt das Training im echten Flugverkehr in einem Tower oder einer Kontrollzentrale. Bevor du einen Ausbildungsplatz erhältst, musst du allerdings ein anspruchsvolles mehrstufiges Auswahlverfahren bestehen.

Was macht ein Fluglotse?

Grundsätzlich wird zwischen Towerlotsen und Centerlotsen unterschieden. Towerlotsen kontrollieren den Verkehr am und rund um einen Flughafen. Sie koordinieren rollende Flugzeuge, überwachen Start- und Landebahnen und erteilen unter anderem Start- und Landefreigaben. Dabei arbeiten sie je nach Situation mit direktem Sichtkontakt, technischen Anzeigen und Bodenradar.

Centerlotsen überwachen dagegen größere Bereiche des Luftraums mithilfe moderner Radarsysteme. Sie sorgen dafür, dass Flugzeuge vorgeschriebene Sicherheitsabstände einhalten und ihre geplanten Flugwege sicher nutzen können. In den Kontrollzentralen arbeiten unter anderem Radar- und Koordinationslotsen zusammen. Während ein Radarlotse direkte Anweisungen an die Cockpitbesatzung gibt, stimmt der Koordinationslotse beispielsweise Änderungen mit benachbarten Luftraumsektoren ab.

Für beide Einsatzbereiche gilt: Du musst viele Informationen gleichzeitig verarbeiten und Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit treffen. Gleichzeitig kommunizierst du über Sprechfunk klar und eindeutig auf Englisch. Fluglotsen arbeiten im Schichtdienst, weil der kontrollierte Luftverkehr nicht auf normale Bürozeiten beschränkt ist.

Wie läuft die Ausbildung zum Fluglotsen ab?

BERUFENET führt Fluglotse/Fluglotsin als sonstige, bundesweit einheitlich geregelte Ausbildung. Bei der DFS dauert der aktuelle Ausbildungsweg etwa 2,5 bis 3,5 Jahre. Wie lange du tatsächlich benötigst, hängt unter anderem vom späteren Einsatzbereich und vom Verlauf des praktischen Trainings ab.

Die Ausbildung beginnt am DFS-Campus in Langen bei Frankfurt am Main. Dort lernst du zunächst Grundlagen wie Navigation, Luftrecht, Flugzeugtypen, Meteorologie, Luftfahrtenglisch und Sprechfunkverfahren. Parallel trainierst du an realitätsnahen Tower- und Center-Simulatoren. Die DFS gibt für diese Ausbildungsphase aktuell je nach Spezialisierung ungefähr 8 bis 12 Monate an.

Anschließend folgt das On-the-Job-Training an deinem späteren Arbeitsplatz. Dafür wirst du einer Kontrollzentrale oder einem Tower in Deutschland zugeteilt. Dort arbeitest du schrittweise mit echtem Flugverkehr und wirst von erfahrenen Lotsinnen und Lotsen begleitet. Das praktische Training dauert ungefähr 12 bis 24 Monate und endet, wenn du die notwendigen Berechtigungen und Lizenzen erworben hast.

Wo du später eingesetzt wirst, kannst du nicht völlig frei bestimmen. Die DFS erwartet ausdrücklich Flexibilität hinsichtlich des Einsatzortes in Deutschland. Sie betreibt derzeit vier Kontrollzentralen in Bremen, Langen, Karlsruhe und München sowie Tower an zahlreichen internationalen Flughäfen.

Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Für die Fluglotsen-Ausbildung bei der DFS brauchst du aktuell die allgemeine Hochschulreife mit einem Notendurchschnitt von 2,7 oder besser. Fachabitur beziehungsweise Fachhochschulreife reicht nicht aus. Auch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss ersetzt das erforderliche Abitur nicht. Du kannst dich allerdings bereits bewerben, während du noch auf dem Weg zum Abitur bist.

Englisch spielt eine besonders wichtige Rolle. Die DFS verlangt gutes Englisch auf Abiturniveau beziehungsweise mindestens ein C1-Zertifikat sowie fließendes Deutsch. Ohne deutsches Abitur kann zusätzlich ein C1-Nachweis für Deutsch notwendig sein. Außerdem musst du bereit sein, im Schichtdienst und später grundsätzlich an unterschiedlichen DFS-Standorten in Deutschland zu arbeiten.

Entscheidend sind jedoch nicht nur Zeugnisnoten. Die DFS nennt unter anderem räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, Entscheidungsstärke, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, auch in hektischen Situationen ruhig zu bleiben. Zahlenverständnis und eine gute Merkfähigkeit sind ebenfalls wichtig.

Zusätzlich musst du einer Zuverlässigkeits- und Sicherheitsüberprüfung zustimmen und die medizinischen Anforderungen für Fluglotsen erfüllen. Bei der DFS werden unter anderem Seh- und Hörvermögen geprüft. 100 Prozent Sehfähigkeit und einwandfreies Farbensehen sind erforderlich; Brille oder Kontaktlinsen sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wie viel verdient man während der Fluglotsen-Ausbildung?

Die Vergütung liegt deutlich über vielen klassischen Ausbildungsberufen. Während des ersten Ausbildungsabschnitts an der Flugsicherungsakademie zahlt die DFS aktuell 1.450 Euro pro Monat. Zusätzlich gibt es einen Wohngeldzuschuss von 400 Euro monatlich.

Im praktischen On-the-Job-Training steigt die Vergütung erheblich. Ab ungefähr dem 16. Ausbildungsmonat nennt die DFS derzeit je nach Einsatzbereich, Einsatzort und Ausbildungsfortschritt rund 5.000 Euro monatlich. Schicht-, Sonn- und Feiertagsarbeit wird zusätzlich vergütet. Die konkreten Beträge unterliegen dem jeweils geltenden Haustarifvertrag und können sich deshalb verändern.

Nach Abschluss der Ausbildung arbeitest du eigenverantwortlich als lizenzierter Fluglotse beziehungsweise lizenzierte Fluglotsin. Die tatsächliche Vergütung hängt dann unter anderem vom Einsatzbereich, Standort und den jeweiligen tariflichen Regelungen ab.

Wo arbeiten Fluglotsen und welche Karrierewege gibt es?

Dein Arbeitsplatz befindet sich entweder in einem Tower an einem kontrollierten Flughafen oder in einer Kontrollzentrale. Im Tower bist du für den unmittelbaren Flughafenbereich zuständig. In den Centern überwachen Lotsenteams dagegen größere Luftraumsektoren. Die DFS betreibt ihre Kontrollzentralen derzeit in Bremen, Langen, Karlsruhe und München.

Nach der Ausbildung arbeitest du zunächst in dem Bereich, für den du deine Lizenz und örtlichen Berechtigungen erworben hast. Später sind je nach Erfahrung zusätzliche Qualifikationen und interne Entwicklungsschritte möglich. Dazu können beispielsweise Aufgaben in Ausbildung, Training, Verfahrensplanung oder anderen Bereichen der Flugsicherung gehören. Die DFS bietet dafür interne und externe Weiterbildungen an.

Eine Alternative zur reinen Ausbildung ist das duale Studium Air Traffic Management. Dabei wird ein Hochschulstudium mit der Fluglotsen-Ausbildung verbunden. Das eigentliche Fluglotsen-Auswahlverfahren entspricht zunächst demjenigen der regulären Ausbildung; anschließend kommen weitere Auswahlstufen für Studium und Hochschule hinzu.

Einstellungstest und Auswahlverfahren für Fluglotsen

Das Auswahlverfahren der DFS ist mehrstufig und deutlich umfangreicher als bei vielen anderen Ausbildungsberufen. Nach der Bewerbung folgt zunächst eine Online-Auswahlstufe mit einem biografischen Fragebogen und Tests unter anderem zu Zahlenverständnis und räumlichem Vorstellungsvermögen.

Wer diese Stufe besteht, wird zur Voruntersuchung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg eingeladen. Dort werden individuelle Computer- und Gerätetests durchgeführt. Geprüft werden unter anderem räumliches Vorstellungsvermögen, Stressresistenz, Konzentration, Merkfähigkeit, Entscheidungsfreude, Zahlenaffinität und Englisch.

Danach folgt bei erfolgreicher Voruntersuchung die Hauptuntersuchung beim DLR. Hier stehen Teamarbeit, ein Englischinterview sowie ein Gespräch über deinen bisherigen Werdegang und deine Motivation im Mittelpunkt. Den Abschluss des Verfahrens bildet die medizinische Tauglichkeitsprüfung. Erst wenn du sämtliche Stufen bestehst, erhältst du den Ausbildungsvertrag.

Besonders wichtig: Für die Fluglotsen-Ausbildung hast du bei der DFS grundsätzlich nur eine Bewerbungschance. Nach einer Ablehnung kannst du dich nicht erneut für diesen Ausbildungsweg bewerben. Auch ein zuvor nicht bestandener Fluglotsen-Eignungstest bei einer anderen Flugsicherungsorganisation kann eine spätere Bewerbung bei der DFS ausschließen.

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Räumliches Vorstellungsvermögen

Räumliches Denken gehört ausdrücklich zu den Testbereichen der DFS. Du musst dir Bewegungen und Positionen im dreidimensionalen Raum vorstellen können und mehrere räumliche Beziehungen gleichzeitig im Blick behalten. Bereits in der Online-Auswahlstufe kommen entsprechende Aufgaben vor, und auch beim DLR wird diese Fähigkeit weiter geprüft.

Typische Übungsformen sind gedrehte Körper, räumliche Positionen oder Bewegungen aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Im späteren Beruf hilft dir diese Fähigkeit dabei, Flugzeuge gedanklich in einem dreidimensionalen Luftraum zu verfolgen, obwohl du viele Informationen hauptsächlich über technische Anzeigen erhältst.

Zahlenverständnis

Auch der sichere Umgang mit Zahlen wird bereits online geprüft. Bei der DLR-Voruntersuchung nennt die DFS zusätzlich ausdrücklich Zahlenaffinität als Auswahlkriterium.

Dabei geht es nicht darum, komplizierte Hochschulmathematik zu beherrschen. Wichtig ist vielmehr, Zahleninformationen schnell aufzunehmen, Größen miteinander zu vergleichen und unter Zeitdruck korrekt zu verarbeiten. Ein gutes Gefühl für Geschwindigkeiten, Höhen, Zeit und räumliche Abstände ist im späteren Flugverkehr besonders wichtig.

Konzentration, Aufmerksamkeit und Multitasking

Fluglotsen müssen über längere Zeit hoch konzentriert arbeiten und gleichzeitig mehrere Flugbewegungen verfolgen. Deshalb prüft das DLR ausdrücklich die Konzentrationsfähigkeit und Stressresistenz. Die DFS nennt außerdem Multitasking und Reaktionsgeschwindigkeit als wesentliche Anforderungen des Berufs.

In entsprechenden Aufgaben können mehrere Informationen gleichzeitig erscheinen, auf die du unterschiedlich reagieren musst. Entscheidend ist, trotz steigender Belastung möglichst wenige Fehler zu machen. Genau diese Kombination aus Aufmerksamkeit, Geschwindigkeit und Priorisierung brauchst du später auch im Kontrollraum.

Merkfähigkeit

Die DFS nennt Merkfähigkeit ausdrücklich als Bestandteil der DLR-Voruntersuchung. Du musst dir Informationen kurzfristig einprägen und sie anschließend korrekt wiedergeben oder weiterverarbeiten können.

Im Test können beispielsweise Zahlen, Symbole, Positionen oder andere Informationen kurz angezeigt werden, die später wieder benötigt werden. Im Berufsalltag ist diese Fähigkeit hilfreich, weil sich Verkehrssituationen ständig verändern und du wichtige Angaben zu mehreren Flugzeugen gleichzeitig im Kopf behalten musst.

Entscheidungsfähigkeit und Stressresistenz

Fluglotsen können Entscheidungen nicht beliebig lange aufschieben. Die DFS verlangt ausdrücklich, dass du auch in hektischen Situationen den Überblick behältst und schnell richtige Entscheidungen treffen kannst. Entscheidungsfreude und Stressresistenz werden daher auch in der Voruntersuchung geprüft.

Testaufgaben können dich bewusst unter Zeitdruck setzen oder mehrere gleichzeitig relevante Informationen präsentieren. Wichtig ist dann, Prioritäten zu erkennen und konsequent zu handeln. Dabei zählt nicht nur Geschwindigkeit: Eine Entscheidung muss auch zuverlässig und nachvollziehbar sein.

Englisch

Englisch gehört zu den zentralen Anforderungen für Fluglotsen. Die DFS verlangt Englisch auf Abiturniveau beziehungsweise mindestens C1 und prüft die Sprache sowohl in der Voruntersuchung als auch später in einem Englischinterview.

Du solltest deshalb Grammatik, Wortschatz, Hör- und Sprachverständnis sicher beherrschen. Besonders wichtig ist, gesprochene Informationen schnell zu verstehen und eindeutig zu antworten. Während der Ausbildung lernst du zusätzlich das standardisierte Luftfahrtenglisch und die vorgeschriebenen Sprechfunkverfahren.

Teamarbeit, Persönlichkeit und Motivation

In der Hauptuntersuchung beobachtet die DFS ausdrücklich deine Teamfähigkeit. Zusätzlich gibt es ein Interview zu deiner Biografie und Motivation. Dabei solltest du zeigen, dass du dich intensiv mit dem Beruf beschäftigt hast und seine Anforderungen realistisch einschätzen kannst.

Es geht nicht darum, sich möglichst dominant zu präsentieren. Im Kontrollraum arbeiten Fluglotsen eng mit Kollegen und benachbarten Sektoren zusammen. Wichtig sind deshalb klare Kommunikation, Zuverlässigkeit, die Fähigkeit zuzuhören und ein verantwortungsvoller Umgang mit Entscheidungen.

So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor

Trainiere besonders räumliches Vorstellungsvermögen, Zahlenverständnis, Konzentration, Merkfähigkeit und das schnelle Verarbeiten mehrerer Informationen. Auch dein Englisch sollte sehr sicher sein. Die DFS stellt nach erfolgreicher Online-Stufe eigenes Übungsmaterial für die Computertests in Hamburg bereit und bietet zusätzlich Webgames an, die einen Eindruck von Fähigkeiten wie Konzentration, Multitasking und räumlichem Denken vermitteln.

Wichtig ist außerdem, dass du dich gründlich über Ausbildung und Berufsalltag informierst. Beim Ausbildungspark kannst du allgemeine Aufgabentypen aus Einstellungstests trainieren und dich insbesondere auf Konzentration, Logik, Mathematik, Merkfähigkeit und räumliches Denken unter Zeitdruck vorbereiten. Die spezifischen DFS- und DLR-Auswahltests lassen sich dadurch nicht vollständig nachbilden.

Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.

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