Als Hörakustiker/in verbindest du Gesundheitshandwerk, moderne Technik und intensive Beratung. Du führst Hörtests durch, wertest Hörprofile aus, berätst Menschen bei der Auswahl geeigneter Hörsysteme und passt die Geräte individuell an. Außerdem stellst du Otoplastiken und Gehörschutz her, wartest Hörsysteme und übernimmst kaufmännische Aufgaben. Die duale Ausbildung dauert drei Jahre.
Der Beruf eignet sich besonders, wenn du gerne mit Menschen arbeitest und gleichzeitig Interesse an Technik, Biologie und Physik hast. Ausbildungsplätze gibt es vor allem in Hörakustik-Fachgeschäften sowie bei Herstellern von Hörsystemen. Einen bundesweit einheitlichen Einstellungstest gibt es nicht. Größere Unternehmen wie GEERS setzen aktuell beispielsweise auf Onlinebewerbung, Telefongespräch, persönliches Kennenlernen und Schnuppertag, ohne einen festen schriftlichen Einstellungstest als regulären Schritt zu nennen.
Inhalte:
- Was macht ein Hörakustiker?
- Wie läuft die Ausbildung zum Hörakustiker ab?
- Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
- Wie viel verdient man während der Ausbildung?
- Wo arbeiten Hörakustiker und welche Karrierewege gibt es?
- Einstellungstest und Auswahlverfahren für Hörakustiker
- So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Was macht ein Hörakustiker?
Am Anfang einer Hörsystemversorgung steht die genaue Ermittlung des individuellen Hörbedarfs. Du führst audiologische Messungen durch und untersuchst beispielsweise, wie gut unterschiedliche Töne oder Sprache wahrgenommen werden. Dabei wertest du auch vorhandene ärztliche Informationen aus und berücksichtigst die persönliche Lebenssituation, Kommunikationsgewohnheiten und Erwartungen der Kunden.
Anschließend berätst du über unterschiedliche Hörsysteme, Hörassistenzsysteme und Zubehör. Das ausgewählte Gerät wird programmiert und möglichst genau an das individuelle Hörprofil angepasst. Moderne Hörgeräte sind digitale Hightech-Produkte, deren Einstellungen sich sehr differenziert verändern lassen. Deshalb gehören Elektronik, Akustik und digitale Technik genauso zum Beruf wie der persönliche Kontakt.
Auch handwerkliche Arbeiten spielen eine wichtige Rolle. Du erstellst dreidimensionale Abbilder des äußeren Ohres und fertigst daraus beispielsweise Otoplastiken oder individuellen Gehörschutz. Zusätzlich reinigst, wartet und reparierst du Hörsysteme und suchst bei Fehlfunktionen nach der Ursache. Kaufmännische Tätigkeiten wie Angebote, Geschäftskorrespondenz und Abrechnungen gehören ebenfalls zur Ausbildung.
Wie läuft die Ausbildung zum Hörakustiker ab?
Hörakustiker/in ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre beziehungsweise 36 Monate. Die praktische Ausbildung findet im Hörakustikbetrieb statt, parallel besuchst du die Berufsschule.
Zu den wichtigsten Ausbildungsinhalten gehören:
- individuelle Hörprofile bestimmen und beurteilen
- Hörtests und audiologische Messungen durchführen
- das äußere Ohr untersuchen
- Kunden zu Hörsystemen und Hörassistenzsystemen beraten
- Hörsysteme auswählen, programmieren und fein anpassen
- dreidimensionale Abbilder des Ohres erstellen
- Otoplastiken und individuellen Gehörschutz herstellen
- Hörsysteme warten und reparieren
- Kunden bei der Eingewöhnung und Rehabilitation begleiten
- Geschäfts- und Abrechnungsprozesse bearbeiten
- Datenschutz und Qualitätssicherung beachten
Die Ausbildungsordnung sieht gegen Ende des zweiten Ausbildungsjahres eine Zwischenprüfung vor. Dabei werden die Bereiche dreidimensionale Abbilder und audiologische Kenndaten praktisch beziehungsweise schriftlich geprüft.
Am Ende folgt die Gesellenprüfung. Sie umfasst audiologische Kenndaten, die Herstellung von Abbildern und Otoplastiken, Hörsystemanpassung und Patientenberatung, Servicemaßnahmen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Dabei enthält die Prüfung sowohl schriftliche Aufgaben als auch praktische Arbeitsproben und ein situatives Fachgespräch.
Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis entscheiden die Ausbildungsbetriebe selbst, wen sie einstellen. BERUFENET weist ausdrücklich darauf hin, dass rechtlich keine bestimmte Schulbildung vorausgesetzt wird. GEERS nennt aktuell mindestens einen Hauptschulabschluss, während andere Ausbildungsbetriebe einen mittleren Bildungsabschluss erwarten.
Besonders wichtig sind technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und Freude am Umgang mit Menschen. KIND nennt außerdem Kenntnisse beziehungsweise Interesse in Physik, Biologie und Kommunikation als passende Voraussetzungen. Du solltest feinmotorisch arbeiten können, denn Otoplastiken und Hörsysteme müssen sehr genau angepasst werden. Gleichzeitig brauchst du Geduld und Einfühlungsvermögen für ausführliche Beratungsgespräche.
Hilfreiche Schulfächer sind vor allem Mathematik, Physik, Biologie und Deutsch. Physik hilft dir beim Verständnis von Schall und Akustik, Biologie beim Aufbau und bei der Funktion des Ohres. Mathematik brauchst du beispielsweise bei technischen Größen und Messwerten. Deutsch ist besonders für Beratung, Dokumentation und Berufsschule wichtig. Aktuelle Ausbildungsangebote achten entsprechend häufig auf Mathematik, Physik und sprachliche Fähigkeiten.
Wie viel verdient man während der Ausbildung?
Eine bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Die Höhe hängt vom Ausbildungsbetrieb und gegebenenfalls von tariflichen beziehungsweise betrieblichen Regelungen ab. Aktuelle Ausbildungsangebote für 2027 zeigen deutliche Unterschiede.
Ein Hörakustikbetrieb in Bremen nennt beispielsweise 800 Euro im ersten, 900 Euro im zweiten und 1.000 Euro brutto im dritten Ausbildungsjahr. Fielmann nennt in einer aktuellen Ausbildungsstelle 900 Euro, 1.000 Euro und 1.100 Euro. Andere Betriebe zahlen deutlich mehr: Ein aktuelles Angebot nennt beispielsweise 1.150 Euro im ersten, 1.250 Euro im zweiten und 1.500 Euro im dritten Jahr.
Zusätzliche Leistungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Einige größere Unternehmen übernehmen beispielsweise Kosten für die Blockbeschulung in Lübeck, Fahrtkosten oder Weiterbildungsangebote. GEERS übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten der Berufsschulaufenthalte und bietet zusätzliche Prämien und Leistungen an.
Wo arbeiten Hörakustiker und welche Karrierewege gibt es?
Hörakustiker arbeiten hauptsächlich in Betrieben des Hörakustiker-Handwerks und bei industriellen Herstellern von Hörsystemen. Typische Arbeitsorte sind Verkaufs- und Beratungsräume, Werkstätten, Akustiklabore und Büroräume.
Während der Ausbildung wechseln praktische Arbeit und Beratung häufig direkt miteinander ab. Du führst beispielsweise zunächst eine Messung durch, besprichst anschließend das Ergebnis mit dem Kunden und nimmst danach technische Einstellungen am Hörsystem vor. Gerade diese Verbindung aus Menschen, Naturwissenschaft, Digitalisierung und Handwerk zeichnet den Beruf aus. KIND beschreibt die Ausbildung entsprechend mit Schwerpunkten in Akustik, Elektronik, Anatomie, Audiologie und Psychologie.
Nach der Gesellenprüfung kannst du dich fachlich weiterentwickeln. Möglich sind beispielsweise Spezialisierungen in Pädakustik, also der Versorgung von Kindern, oder im Bereich Cochlea-Implantate. Eine klassische Aufstiegsqualifikation ist die Meisterprüfung im Hörakustiker-Handwerk. Nach bestandener Handwerksmeisterprüfung darf zusätzlich die Bezeichnung Bachelor Professional im Hörakustiker-Handwerk geführt werden.
Einstellungstest und Auswahlverfahren für Hörakustiker
Einen bundesweit vorgeschriebenen Einstellungstest gibt es nicht. Die Ausbildungsbetriebe gestalten ihr Auswahlverfahren selbst. Bei kleineren Fachgeschäften können Bewerbung, Vorstellungsgespräch und Praktikum ausreichen. Größere Unternehmen haben häufig einen stärker strukturierten Bewerbungsprozess.
GEERS verlangt aktuell zunächst eine Onlinebewerbung. Nach Prüfung der Unterlagen folgt ein kurzes Telefongespräch mit dem Recruiting-Team. Anschließend findet ein persönliches Kennenlernen mit der zukünftigen Führungskraft statt; ein Schnuppertag im Fachgeschäft ermöglicht zusätzlich einen Einblick in Beruf und Team. Ein standardisierter schriftlicher Einstellungstest wird im veröffentlichten Ablauf nicht genannt.
Auch KIND stellt in seinem Ausbildungsprozess das persönliche Kennenlernen in den Mittelpunkt und verlangt Lebenslauf sowie letztes Schul- oder Arbeitszeugnis. Wenn ein Betrieb zusätzlich einen Einstellungstest einsetzt, sind vor allem Bereiche sinnvoll, die unmittelbar zu den Berufsanforderungen passen.
Mathematik
Mathematik kann in einem Einstellungstest beispielsweise mit Grundrechenarten, Brüchen, Prozentrechnung, Dreisatz oder einfachen Sachaufgaben vorkommen. Umfangreiche höhere Mathematik ist vor Ausbildungsbeginn normalerweise nicht zu erwarten.
Zahlenverständnis ist im Beruf trotzdem wichtig. Audiologische Messungen liefern Werte, die du erfassen und richtig einordnen musst. Auch technische Größen und kaufmännische Aufgaben spielen eine Rolle. Einige aktuelle Ausbildungsbetriebe nennen gute Mathematikkenntnisse deshalb ausdrücklich als Voraussetzung.
Physik und Akustik
Physikalisches Verständnis passt besonders gut zum Berufsbild. Schall, Frequenz, Lautstärke und die Übertragung akustischer Signale bilden wichtige Grundlagen der Hörakustik. Ein möglicher Einstellungstest könnte deshalb einfache Aufgaben zu Schall, technischen Zusammenhängen oder allgemeinen physikalischen Prinzipien enthalten.
Fachwissen aus der Ausbildung musst du noch nicht beherrschen. Ein grundsätzliches Interesse an Physik und moderner Technik ist aber hilfreich. KIND nennt ein gutes Verständnis für Physik ausdrücklich als passende Voraussetzung, und aktuelle kleinere Ausbildungsbetriebe achten ebenfalls auf Physiknoten.
Biologie und das menschliche Ohr
Auch biologische Grundlagen sind für den Beruf wichtig. Während der Ausbildung lernst du Aufbau und Funktion des Hörorgans sehr genau kennen. In der späteren Gesellenprüfung musst du unter anderem Aufbau und Funktion des Hörorgans fachlich erläutern können.
Falls ein Ausbildungsbetrieb naturwissenschaftliches Grundwissen prüft, können deshalb einfache Fragen zum menschlichen Körper, zum Ohr oder zu Sinnesorganen denkbar sein. Umfangreiche medizinische Kenntnisse werden vor Ausbildungsbeginn normalerweise nicht verlangt.
Technisches Verständnis
Hörsysteme sind kleine elektronische Geräte mit komplexer digitaler Technik. Du musst sie programmieren, einstellen, warten und bei Störungen systematisch überprüfen. Technisches Verständnis gehört deshalb zu den wichtigsten Voraussetzungen des Berufs.
In einem möglichen Test können beispielsweise einfache Aufgaben zu technischen Funktionen, Strom, Bauteilen oder logischen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen vorkommen. GEERS und KIND heben technisches Interesse beziehungsweise moderne Technik ausdrücklich als wichtigen Bestandteil der Ausbildung hervor.
Konzentration und Genauigkeit
Audiologische Messungen und die Anpassung von Hörsystemen verlangen sorgfältiges Arbeiten. Auch bei kleinen Otoplastiken und technischen Bauteilen können geringe Abweichungen eine Rolle spielen. Konzentrationsaufgaben sind deshalb für einen betrieblichen Eignungstest grundsätzlich denkbar.
Typische Übungen wären beispielsweise Zeichen-, Zahlen- oder Figurenvergleiche. Dabei solltest du unter Zeitdruck möglichst genau arbeiten. Im Berufsalltag ist diese Genauigkeit besonders bei Messungen, Dokumentation, Feineinstellungen und der Herstellung individueller Ohrpassstücke wichtig.
Deutsch und Sprachverständnis
Ein großer Teil des Berufs besteht aus Kommunikation. Du musst Kunden verständlich erklären können, wie ein Hörsystem funktioniert, welche Unterschiede zwischen verschiedenen Lösungen bestehen und wie ein Gerät richtig bedient wird. Auch die psychosoziale Situation und individuelle Erwartungen der Kunden sollen bei der Beratung berücksichtigt werden.
In einem möglichen Einstellungstest können deshalb Textverständnis, Wortschatz, Rechtschreibung oder das Erfassen von Arbeitsanweisungen vorkommen. GEERS verlangt aktuell mindestens Deutschkenntnisse auf B2-Niveau und begründet dies unter anderem mit den sprachlichen Anforderungen in Fachgeschäft und Berufsschule.
Kundenorientierung und situatives Verhalten
Technik allein reicht in diesem Beruf nicht aus. Hörakustiker begleiten Menschen häufig über längere Zeit und müssen sich auf sehr unterschiedliche Bedürfnisse einstellen. Eine Person kann beispielsweise unsicher im Umgang mit einem neuen Hörgerät sein oder mit dem bisherigen Hörergebnis unzufrieden sein.
Im Gespräch oder Schnuppertag kann deshalb beobachtet werden, wie aufmerksam du zuhörst, Fragen stellst und mit Menschen umgehst. KIND nennt Feingefühl im Umgang mit anderen ausdrücklich als wichtige Voraussetzung. GEERS stellt ebenfalls die Verbindung aus Kundenberatung, Teamarbeit und Hilfsbereitschaft in den Mittelpunkt.
Handwerkliches Geschick
Ohrpassstücke und Gehörschutz müssen individuell hergestellt beziehungsweise bearbeitet werden. Deshalb gehört feinmotorisches und handwerkliches Arbeiten fest zur Ausbildung. Schon die Zwischenprüfung enthält eine praktische Arbeitsprobe zur Erstellung eines dreidimensionalen Abbilds des äußeren Ohres.
Bei einem Schnuppertag oder einer praktischen Auswahlaufgabe könnte ein Arbeitgeber deshalb darauf achten, wie genau du arbeitest und wie gut du einfache Anweisungen umsetzt. Vorkenntnisse in Hörakustik werden dabei normalerweise nicht vorausgesetzt.
So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Prüfe zunächst, ob dein Wunschbetrieb überhaupt einen schriftlichen oder digitalen Einstellungstest vorsieht. Viele Hörakustikunternehmen setzen stärker auf Gespräche und Schnuppertage. Wird ein Test angekündigt, solltest du besonders Mathematik, Physik, technisches Verständnis, Konzentration und Sprachverständnis trainieren. Grundlegende Kenntnisse über Aufbau und Funktion des Ohres können ebenfalls hilfreich sein.
Bereite dich genauso sorgfältig auf das persönliche Gespräch vor. Informiere dich über Hörtests, Hörsysteme und die Verbindung aus Technik, Handwerk und Kundenberatung. Beim Ausbildungspark kannst du typische Aufgabenformate aus Einstellungstests kennenlernen und Mathematik, Deutsch, Konzentration, Logik und technisches Verständnis unter Zeitdruck trainieren.
Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.














