Als Industriekaufmann beziehungsweise Industriekauffrau lernst du die kaufmännischen Abläufe eines Industrieunternehmens kennen. Du arbeitest beispielsweise in Einkauf, Logistik, Vertrieb, Marketing, Personalwesen, Produktion oder Rechnungswesen und sorgst mit dafür, dass betriebliche Prozesse wirtschaftlich funktionieren. Die duale Ausbildung dauert regulär drei Jahre. Seit dem 1. August 2024 gilt eine modernisierte Ausbildungsordnung, die unter anderem digitale Geschäftsprozesse, Nachhaltigkeit, projektorientiertes Arbeiten und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette stärker berücksichtigt.
Industriekaufleute können in Unternehmen nahezu aller industriellen Wirtschaftsbereiche arbeiten. Einen bundesweit vorgeschriebenen Einstellungstest gibt es nicht. Große Ausbildungsunternehmen verwenden jedoch teilweise Online- und Präsenztests. BASF setzt beispielsweise zunächst einen Online-Test, anschließend einen Eignungstest vor Ort und danach ein Vorstellungsgespräch ein. Siemens kann Bewerber je nach Ausgangslage zu einem etwa 40-minütigen Onlinetest einladen.
Inhalte:
- Was macht ein Industriekaufmann?
- Wie läuft die Ausbildung zum Industriekaufmann ab?
- Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
- Wie viel verdient man während der Ausbildung?
- Wo arbeiten Industriekaufleute und welche Karrierewege gibt es?
- Einstellungstest und Auswahlverfahren für Industriekaufleute
- So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Was macht ein Industriekaufmann?
Industriekaufleute koordinieren kaufmännische Prozesse rund um die Herstellung und den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen. In der Beschaffung ermittelst du beispielsweise Materialbedarf, vergleichst Angebote, bestellst Waren und überwachst Liefertermine. In Logistik und Lagerwirtschaft beschäftigst du dich unter anderem mit Beständen, Transportmöglichkeiten und Lieferketten.
Im Vertrieb bearbeitest du Kundenanfragen, kalkulierst Angebote, koordinierst Aufträge und erstellst Rechnungen. Du kannst außerdem Reklamationen bearbeiten und Maßnahmen zur Kundenbindung unterstützen. Im Marketing wertest du Marktinformationen aus und wirkst bei der Planung und Umsetzung von Marketingmaßnahmen mit.
Weitere wichtige Einsatzbereiche sind Personalwesen sowie Finanz- und Rechnungswesen. Dort unterstützt du beispielsweise bei Personalplanung und -verwaltung, bearbeitest Geschäftsvorgänge, beschäftigst dich mit Kosten- und Leistungsrechnung und wertest Kennzahlen für betriebliche Entscheidungen aus. Durch die breite Ausbildung gelten Industriekaufleute als kaufmännische Allrounder.
Wie läuft die Ausbildung zum Industriekaufmann ab?
Industriekaufmann/-frau ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handel. Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre beziehungsweise 36 Monate und findet im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule statt. Einzelne Unternehmen bieten bei entsprechenden Voraussetzungen verkürzte Modelle an. Siemens Mobility schreibt für einzelne Ausbildungsplätze 2027 beispielsweise eine auf 2,5 Jahre angelegte Ausbildung aus.
Zu den wichtigsten Ausbildungsinhalten gehören:
- Leistungserstellung planen und koordinieren
- Logistik und Lagerprozesse steuern
- Beschaffung planen und durchführen
- Marketingmaßnahmen entwickeln und umsetzen
- Vertriebsprozesse bearbeiten
- Personalprozesse unterstützen
- kaufmännische Steuerung und Kontrolle
- digitale Geschäftsprozesse
- Kommunikation und Zusammenarbeit
- Nachhaltigkeit und Umweltschutz
- projektorientiertes Arbeiten
Gegen Ende der Ausbildung vertiefst du deine Kenntnisse in einem betrieblichen Einsatzgebiet. Die Ausbildungsordnung nennt dafür Vertrieb, Marketing, Beschaffung, Logistik, Personalwirtschaft, Leistungserstellung sowie kaufmännische Steuerung und Kontrolle. Unter bestimmten Voraussetzungen darf der Betrieb auch ein anderes geeignetes Einsatzgebiet festlegen.
Seit der Neuordnung gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung. Der Prüfungsbereich „Leistungserstellung, Logistik, Beschaffung und Buchhaltung“ zählt 25 Prozent. „Marketing, Vertrieb, Personalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle“ wird mit 35 Prozent gewichtet, die Fachaufgabe im Einsatzgebiet mit 30 Prozent und Wirtschafts- und Sozialkunde mit 10 Prozent.
Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
Gesetzlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen die Unternehmen allerdings überwiegend Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss oder Hochschulreife ein. Nach den zuletzt veröffentlichten BERUFENET-Daten hatten 2023 rund 62 Prozent der Ausbildungsanfänger Hochschulreife und 35 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss.
Welche Anforderungen tatsächlich gelten, entscheidet der Ausbildungsbetrieb. Siemens Mobility verlangt für einen aktuellen Ausbildungsplatz 2027 beispielsweise mindestens die Mittlere Reife. Andere Industrieunternehmen setzen Fachhochschulreife oder Abitur voraus. Rheinmetall nennt in aktuellen Ausschreibungen je nach Standort beispielsweise Fachhochschulreife, Abitur oder einen sehr guten Realschulabschluss.
Hilfreich sind besonders gute Grundlagen in Mathematik, Deutsch, Englisch und Wirtschaft. Du solltest gerne organisieren, mit Zahlen arbeiten und wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen. Kommunikationsfähigkeit ist ebenfalls wichtig, weil du mit Kunden, Lieferanten und Kollegen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen zusammenarbeitest. Bei international tätigen Industrieunternehmen spielt zudem Englisch eine wichtige Rolle. Aktuelle Rheinmetall-Ausschreibungen nennen Deutsch, Englisch und Mathematik ausdrücklich als relevante schulische Bereiche.
Außerdem solltest du sorgfältig arbeiten und dich für digitale Anwendungen interessieren. Die modernisierte Ausbildungsordnung enthält ausdrücklich digitale Geschäftsprozesse und die digitalisierte Arbeitswelt.
Wie viel verdient man während der Ausbildung?
Eine bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütung gibt es nicht. Die Höhe richtet sich unter anderem nach Branche, Region, Tarifbindung und Unternehmen. Gerade in tarifgebundenen Industrieunternehmen liegt sie häufig deutlich über der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung.
Aktuelle Stellen für den Ausbildungsbeginn 2027 zeigen beispielsweise folgende Werte: Siemens Mobility nennt in Krefeld 1.242,96 Euro im ersten, 1.297,67 Euro im zweiten und 1.378,93 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Rheinmetall nennt an einem Standort 1.373 Euro, 1.408 Euro und 1.443 Euro. Andere Unternehmen liegen darunter oder darüber.
Zusätzlich können Leistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Fahrtkostenzuschüsse oder betriebliche Altersvorsorge hinzukommen. Entscheidend ist deshalb immer die konkrete Stellenausschreibung beziehungsweise der geltende Tarifvertrag.
Wo arbeiten Industriekaufleute und welche Karrierewege gibt es?
Industriekaufleute finden Beschäftigung in Unternehmen nahezu aller industriellen Wirtschaftsbereiche. Je nach Unternehmen kannst du beispielsweise in Maschinenbau, Metall- und Elektroindustrie, Chemie, Fahrzeugbau, Energieversorgung, Lebensmittelproduktion oder anderen Branchen arbeiten. Typische Arbeitsplätze liegen vor allem in Büro- und Besprechungsräumen, teilweise aber auch direkt an Schnittstellen zu Produktion oder Lager.
Große Unternehmen lassen ihre Auszubildenden häufig mehrere Abteilungen durchlaufen. BASF nennt beispielsweise Logistik, Vertrieb, Einkauf, Marketing, Personal und Rechnungswesen. Siemens beschreibt ebenfalls Einsätze in Einkauf, Logistik, Personal, Marketing sowie Finanz- und Rechnungswesen.
Nach der Ausbildung kannst du dich auf einen Bereich wie Einkauf, Vertrieb, Controlling, Personal oder Logistik spezialisieren. Anerkannte Aufstiegsfortbildungen sind unter anderem Geprüfte/r Industriefachwirt/in, Wirtschaftsfachwirt/in, Bilanzbuchhalter/in, Controller/in, Fachwirt/in für Einkauf oder Personalfachkaufmann/-frau. Mit entsprechender Hochschulzugangsberechtigung kommt außerdem ein Studium, etwa in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Supply Chain Management, infrage.
Einstellungstest und Auswahlverfahren für Industriekaufleute
Einen einheitlichen Einstellungstest für Industriekaufleute gibt es nicht. Jeder Ausbildungsbetrieb entscheidet selbst, wie er Bewerber auswählt. Bei kleineren Unternehmen können Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgespräch genügen. Große Industrieunternehmen arbeiten dagegen häufiger mit Online-Assessments oder Eignungstests.
Bei BASF beginnt das aktuelle Auswahlverfahren mit einem Online-Test. Wer erfolgreich ist, wird zu einem ausführlicheren Eignungstest am Standort eingeladen. Danach folgt ein persönliches Vorstellungsgespräch und bei bestimmten Ausbildungsberufen gegebenenfalls eine werksärztliche Untersuchung.
BASF veröffentlicht auch konkrete Informationen zu den möglichen Testbereichen. Der Eignungstest enthält Aufgaben aus dem sprachlichen und rechnerischen Bereich sowie zur Konzentration. Je nach Ausbildungsberuf kommen zusätzlich Englisch oder mechanisch-technisches Verständnis hinzu. In Mathematik nennt BASF unter anderem Bruchrechnung, Geometrie und Prozentrechnung. Allgemeinwissen wird beim BASF-Eignungstest nach eigenen Angaben dagegen nicht geprüft.
Mathematik und kaufmännisches Rechnen
Mathematik gehört zu den wichtigsten Vorbereitungsbereichen. Bei BASF werden für Ausbildungsbewerber unter anderem Bruchrechnung, Geometrie und Prozentrechnung genannt. Die Orientierungshilfe der Bundesagentur für Arbeit weist außerdem darauf hin, dass bei kaufmännischen Berufen Textaufgaben besonders relevant sein können.
Trainiere deshalb Grundrechenarten, Prozentrechnung, Dreisatz, Brüche und einfache kaufmännische Sachaufgaben. Im späteren Beruf brauchst du diese Grundlagen beispielsweise bei Angebotskalkulationen, Kosten, Preisen und Kennzahlen.
Deutsch und Sprachverständnis
Sprachliche Aufgaben gehören bei BASF ausdrücklich zum Eignungstest. Dabei können beispielsweise Rechtschreibung, Wortschatz, Grammatik oder das Verständnis kurzer Texte eine Rolle spielen.
Gute Deutschkenntnisse brauchst du später unter anderem für Geschäftskorrespondenz, Angebote, Bestellungen und interne Kommunikation. Gerade bei kaufmännischen Tätigkeiten ist es wichtig, Informationen präzise zu verstehen und klar weiterzugeben.
Logisches Denken und Auffassungsgabe
Größere Auswahltests prüfen häufig nicht nur Schulwissen, sondern auch allgemeine kognitive Fähigkeiten. Die von BASF verlinkte Orientierungshilfe der Bundesagentur beschreibt beispielsweise psychologische Fähigkeitstests zu Auffassungsgabe, Lernfähigkeit und schlussfolgerndem Denken. Dazu gehören unter anderem Zahlenreihen und andere Regelaufgaben.
Solche Aufgaben passen gut zum Beruf, weil du betriebliche Zusammenhänge erkennen und Informationen aus verschiedenen Abteilungen miteinander verbinden musst. Übe deshalb Zahlenfolgen, Analogien, Zuordnungen und einfache Schlussfolgerungen.
Konzentration
BASF nennt Konzentration ausdrücklich als Bereich seines Eignungstests. Dabei kommt es darauf an, auch unter Zeitdruck schnell und möglichst fehlerfrei zu arbeiten.
Im späteren Beruf bearbeitest du beispielsweise Zahlen, Rechnungen, Bestellungen, Termine und Kundendaten. Kleine Fehler können Auswirkungen auf Lieferungen oder Kosten haben. Typische Übungen vergleichen Zeichen, Zahlen oder andere Informationen und verlangen, Abweichungen schnell zu erkennen.
Englisch
Englisch kann laut BASF abhängig vom Ausbildungsberuf Bestandteil des Tests sein. Für Industriekaufleute ist die Vorbereitung besonders sinnvoll, weil viele Industrieunternehmen international tätig sind und mit ausländischen Kunden, Lieferanten oder Standorten zusammenarbeiten.
Wiederhole vor allem Schulgrammatik, grundlegenden Wortschatz und Textverständnis. Aktuelle Ausbildungsstellen von Rheinmetall nennen gute Englischkenntnisse ausdrücklich als passende Voraussetzung für die internationale Kommunikation.
Wirtschaftliches Verständnis
Betriebswirtschaftliches Fachwissen aus der Ausbildung musst du vor dem ersten Arbeitstag noch nicht beherrschen. Ein grundlegendes Verständnis wirtschaftlicher Abläufe ist für den Beruf aber hilfreich. Du solltest beispielsweise wissen, was Einkauf, Vertrieb, Produktion, Kosten, Umsatz und Gewinn grundsätzlich bedeuten.
Aktuelle Ausbildungsstellen nennen Interesse an Wirtschaft beziehungsweise betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen ausdrücklich als Voraussetzung. Siemens Mobility erwartet beispielsweise Interesse an Wirtschaft und Mathematik.
Persönlichkeit und soziale Kompetenzen
Bei BASF werden zusätzlich Fragen zur Persönlichkeit und zu sozialen Kompetenzen eingesetzt. Das Unternehmen möchte damit unter anderem einen Eindruck davon gewinnen, wie Bewerber mit anderen Menschen umgehen.
Auch in anderen Auswahlverfahren sind Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikation wichtige Themen. Gerade Industriekaufleute arbeiten an vielen Schnittstellen und müssen Informationen zwischen Abteilungen, Kunden und Lieferanten koordinieren. Versuche bei Persönlichkeitsfragen nicht, vermeintlich perfekte Antworten zu erraten, sondern antworte konsistent und realistisch.
Vorstellungsgespräch und Motivation
Nach erfolgreichen Tests folgt bei vielen größeren Arbeitgebern ein persönliches Gespräch. BASF möchte dabei ausdrücklich mehr über deine Person, deine Motivation sowie deine Interessen und Aktivitäten erfahren.
Bereite dich darauf vor zu erklären, warum du Industriekaufmann/-frau werden möchtest und warum du dich gerade für dieses Unternehmen interessierst. Du solltest außerdem wissen, dass der Beruf weit über klassische Büroarbeit hinausgeht und eng mit Produktion, Lieferketten, Vertrieb und anderen betrieblichen Prozessen verbunden ist.
So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Prüfe zunächst, welches Auswahlverfahren dein Wunschunternehmen tatsächlich verwendet. Für einen klassischen kaufmännischen Einstellungstest solltest du besonders Mathematik, Deutsch, Konzentration und logisches Denken trainieren. Bei international tätigen Unternehmen ist außerdem Englisch sinnvoll. Wiederhole Prozentrechnung, Dreisatz und Bruchrechnung und übe Aufgaben möglichst unter Zeitdruck.
Beschäftige dich außerdem mit dem Unternehmen und seinen Produkten. Für das Vorstellungsgespräch solltest du erklären können, warum dich industrielle Prozesse und kaufmännische Aufgaben interessieren. Beim Ausbildungspark kannst du typische Aufgabenformate aus Einstellungstests kennenlernen und Mathematik, Deutsch, Logik, Konzentration und Englisch gezielt trainieren.
Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.














