Als Justizwachtmeister/in sorgst du bei Gerichten und Staatsanwaltschaften für Sicherheit und einen geordneten Dienstbetrieb. Du kontrollierst Besucher, begleitest Gefangene zu Verhandlungen, sicherst Sitzungssäle und übernimmst je nach Dienststelle zusätzliche Aufgaben in Poststelle, Aktenverwaltung, Pforte oder internem Service. Dabei verbindest du Sicherheitsaufgaben mit Bürgerkontakt und organisatorischer Arbeit.
Der Einstieg ist nicht bundesweit einheitlich geregelt. In Nordrhein-Westfalen und Hessen wirst du beispielsweise zunächst als Justizhelfer/in beschäftigt und später für den Justizwachtmeisterdienst qualifiziert. Berlin bietet dagegen einen sechsmonatigen Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis auf Widerruf an. Auch Auswahlverfahren, Vergütung und körperliche Anforderungen unterscheiden sich deshalb zwischen den Ländern.
Inhalte:
- Was macht ein Justizwachtmeister?
- Wie läuft die Ausbildung zum Justizwachtmeister ab?
- Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
- Wie viel verdient man als Justizwachtmeister?
- Wo arbeiten Justizwachtmeister und welche Karrierewege gibt es?
- Einstellungstest und Auswahlverfahren für Justizwachtmeister
- So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Was macht ein Justizwachtmeister?
Ein Schwerpunkt ist der Sicherheits- und Ordnungsdienst. Du führst Eingangskontrollen durch, überprüfst Besucher und Gepäck und sorgst dafür, dass sich Personen in Gerichtsgebäuden an die geltenden Regeln halten. Bei Gerichtsverhandlungen sicherst du Sitzungssäle und kannst Gefangene zu Terminen vorführen und während ihres Aufenthalts beaufsichtigen.
Hinzu kommen zahlreiche organisatorische Aufgaben. In Nordrhein-Westfalen gehören beispielsweise elektronische Poststellen, Digitalisierung von Akten, lokaler IT-Service, Asservatenverwaltung, Archive, Fahr- und Pförtnerdienste sowie allgemeine Hausdienstgeschäfte zum möglichen Tätigkeitsbereich. Auch Auskünfte an Besucher können dazugehören.
Damit ist der Beruf breiter als ein klassischer Sicherheitsdienst. Du arbeitest mitten im Justizbetrieb und hast Kontakt zu Bürgern, Beschäftigten, Verfahrensbeteiligten und Gefangenen. Besonders wichtig sind deshalb Aufmerksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und ein professionelles Auftreten.
Wie läuft die Ausbildung zum Justizwachtmeister ab?
Einen deutschlandweit identischen Ausbildungsweg gibt es nicht. Die Länder bestimmen selbst, wie der Einstieg in den Justizwachtmeisterdienst organisiert wird.
In Nordrhein-Westfalen startest du in der Regel zunächst als Justizhelfer/in. Nach der praktischen Einarbeitung absolvierst du einen zwölfwöchigen fachtheoretischen Lehrgang am Ausbildungszentrum der Justiz in Monschau. Nach erfolgreichem Abschluss und mindestens 18 Monaten Berufserfahrung als Justizhelfer/in kann bei Erfüllung der weiteren Voraussetzungen die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe als Justizwachtmeister/in erfolgen.
In Hessen gibt es aktuell ebenfalls keine klassische Ausbildung als Beamtenanwärter/in. Du wirst zunächst als Justizhelfer/in eingestellt, ausführlich eingearbeitet und besuchst anschließend einen etwa zehnwöchigen Fachlehrgang in Rotenburg an der Fulda. Nach bestandenem Lehrgang und mindestens einjähriger Tätigkeit im Justizwachtmeisterdienst bestehen nach Angaben der hessischen Justiz sehr gute Chancen auf eine Verbeamtung auf Probe.
Anders ist es in Berlin: Dort beginnt der Weg unmittelbar als Beamter beziehungsweise Beamtin auf Widerruf. Der Vorbereitungsdienst dauert aktuell sechs Monate und verbindet fachtheoretische mit berufspraktischen Abschnitten. Vermittelt werden unter anderem rechtliche Grundlagen, Sicherheitsaufgaben, Vorführdienst, Einsatztraining und Deeskalation.
Zu den typischen Ausbildungs- und Qualifizierungsinhalten gehören je nach Bundesland:
- Sitzungs-, Vorführungs-, Sicherheits- und Ordnungsdienst
- Eingangskontrollen und Gepäckdurchleuchtung
- Fremd- und Eigensicherung
- Grundlagen des Waffenrechts
- unmittelbarer Zwang und seine rechtlichen Grenzen
- Gerichtsorganisation und Dienstrecht
- Erste Hilfe
- Kommunikation und Deeskalation
- Post-, Akten- und Verwaltungsaufgaben
In Nordrhein-Westfalen gehören beispielsweise auch Strahlenschutz, Handfunkgeräte und der professionelle Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt zum Fachlehrgang.
Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
Die Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Nordrhein-Westfalen verlangt aktuell mindestens einen Hauptschulabschluss sowie gesundheitliche Eignung und körperliche Fitness. Eine abgeschlossene Berufsausbildung, insbesondere im handwerklichen Bereich, ist dort erwünscht, aber nicht generell vorgeschrieben. Für eine spätere Verbeamtung gelten zusätzliche beamtenrechtliche Voraussetzungen.
Hessen setzt ebenfalls mindestens einen Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Abschluss voraus. Bewerber müssen mindestens 18 Jahre alt, körperlich fit und gesundheitlich geeignet sein. Eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen Beruf ist nach Möglichkeit erwünscht. Für die spätere Verbeamtung nennt Hessen aktuell grundsätzlich eine Altersgrenze von 50 Jahren sowie bestimmte Anforderungen an die Staatsangehörigkeit.
Berlin verlangt für den aktuellen Ausbildungsjahrgang mindestens die Berufsbildungsreife oder einen gleichwertigen Abschluss und ein Mindestalter von 21 Jahren. Zusätzlich musst du die gesundheitlichen und beamtenrechtlichen Voraussetzungen erfüllen und einen justizinternen Sporttest bestehen.
Persönlich brauchst du vor allem Verantwortungsbewusstsein, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Gleichzeitig solltest du Konflikte möglichst ruhig und professionell lösen können. Körperliche Fitness ist wichtig, weil du Gefangene begleitest, bei Sicherheitsstörungen reagieren musst und je nach Einsatz längere Zeit stehst oder unterwegs bist.
Wie viel verdient man als Justizwachtmeister?
Die Bezahlung hängt stark davon ab, welchen Ausbildungs- beziehungsweise Qualifizierungsweg das Bundesland verwendet. In Nordrhein-Westfalen wirst du zunächst als Justizhelfer/in nach Entgeltgruppe 4 TV-L bezahlt. Nach der Übernahme in den Beamtenstatus erfolgt der Einstieg als Justizoberwachtmeister/in in Besoldungsgruppe A 5. Beförderungen sind dort je nach Funktion bis A 7 möglich.
Hessen beschäftigt angehende Justizwachtmeister ebenfalls zunächst als Justizhelfer/in nach Entgeltgruppe 4 TV-H. Nach Fachlehrgang und mindestens einjähriger Tätigkeit ist bei entsprechender Eignung eine Verbeamtung auf Probe in Besoldungsgruppe A 6 möglich. Als Führungskraft reichen die dort genannten Beförderungsmöglichkeiten bis A 8.
Berlin zahlt während des sechsmonatigen Vorbereitungsdienstes aktuell 1.557,66 Euro brutto Anwärterbezüge im Monat. Nach der Ausbildung nennt die Berliner Justiz derzeit 2.884,84 Euro brutto in A 5. Zusätzlich können unter anderem Sonderzahlung, Hauptstadtzulage und Familienzuschläge hinzukommen.
Diese Beispiele zeigen, warum sich für den Beruf keine deutschlandweit einheitliche Ausbildungsvergütung angeben lässt. Entscheidend sind immer Landesrecht, Beschäftigungsform und der konkrete Zeitpunkt deiner Einstellung.
Wo arbeiten Justizwachtmeister und welche Karrierewege gibt es?
Justizwachtmeister arbeiten vor allem bei Gerichten und Staatsanwaltschaften. In Nordrhein-Westfalen sind beispielsweise Einsätze bei ordentlicher, Verwaltungs-, Sozial-, Arbeits- und Finanzgerichtsbarkeit sowie bei Staatsanwaltschaften möglich.
Mit Berufserfahrung kannst du zusätzliche Aufgaben übernehmen. In Nordrhein-Westfalen ist beispielsweise die Entwicklung zur Leitung oder stellvertretenden Leitung einer Wachtmeisterei möglich. Dort kannst du Aufgaben verteilen und neue Beschäftigte einarbeiten. Beförderungen reichen abhängig von der Funktion bis A 7.
Hessen ermöglicht Führungskräften im Wachtmeisterdienst Beförderungen bis A 8 und unterstützt außerdem Weiterqualifizierungen, beispielsweise zum Justizfachwirt. Berlin nennt unter anderem Teamleitung, Lehrtätigkeit und Qualifizierungen für Aufgaben auf Geschäftsstellen als mögliche Entwicklungsschritte.
Einstellungstest und Auswahlverfahren für Justizwachtmeister
Einen bundesweit einheitlichen Einstellungstest gibt es nicht. Schon die Ausbildungswege unterscheiden sich deutlich. Nordrhein-Westfalen erklärt ausdrücklich, dass das Auswahlverfahren je nach Einstellungsbehörde aus einem Vorstellungsgespräch und gegebenenfalls einem zusätzlichen schriftlichen Aufgabenteil besteht. Wer in die engere Auswahl kommt, muss außerdem gesundheitliche Eignung und insbesondere körperliche Fitness nachweisen.
Ein besonders detailliertes aktuelles Beispiel bietet Berlin. Dort absolvieren Bewerber zunächst ein Online-Assessment. Getestet werden Allgemeinwissen, Logik, Sprache, visuelles Denken und Konzentrationsvermögen. Für angehende Justizhauptwachtmeister folgt anschließend ein Sporttest. Danach findet ein Auswahlgespräch mit fachlichen und situativen Fragen statt.
Deutsch und Sprachverständnis
Sprachliche Aufgaben sind im Berliner Online-Test ausdrücklich vorgesehen. Je nach Aufgabenstellung können beispielsweise Rechtschreibung, Grammatik, Wortverständnis oder das Erfassen kurzer Texte relevant sein.
Im Berufsalltag musst du Dienstanweisungen, gerichtliche Informationen und Sicherheitsvorgaben korrekt verstehen. Gleichzeitig erteilst du Bürgern Auskünfte und arbeitest mit vielen unterschiedlichen Personen zusammen. Ein sicherer sprachlicher Ausdruck gehört deshalb auch unabhängig vom konkreten Testverfahren zu den wichtigen Grundlagen.
Logisches und visuelles Denken
Berlin nennt Logik und visuelles Denken ausdrücklich als Bereiche des aktuellen Online-Assessments. Denkbar sind beispielsweise Reihen, Zuordnungen, Figuren oder Aufgaben, bei denen du eine Regel erkennen und konsequent anwenden musst.
Solche Fähigkeiten sind im Sicherheitsdienst hilfreich, weil du Situationen schnell erfassen und Zusammenhänge erkennen musst. Trainiere deshalb logische Reihen, Figurenaufgaben und einfache Schlussfolgerungen, ohne davon auszugehen, dass jedes Bundesland dieselben Formate verwendet.
Konzentration
Konzentrationsvermögen gehört ebenfalls zu den offiziell genannten Berliner Testbereichen. Typische Übungsformen können verlangen, Zeichen, Zahlen oder andere Informationen unter Zeitdruck zu vergleichen.
Im Justizwachtmeisterdienst ist Aufmerksamkeit besonders wichtig. Bei Eingangskontrollen, Gefangenenvorführungen oder Verhandlungen musst du dein Umfeld beobachten und gleichzeitig Vorschriften einhalten. Übe deshalb möglichst genau und nicht nur schnell.
Allgemeinwissen
Berlin prüft im Online-Assessment ausdrücklich auch Allgemeinwissen. Welche einzelnen Themen abgefragt werden, veröffentlicht die Justiz nicht als festen Katalog.
Sinnvoll sind Grundlagen aus Staat, Gesellschaft und öffentlichem Leben. Darüber hinaus solltest du wissen, welche Aufgaben Gerichte, Staatsanwaltschaften und Justizwachtmeister grundsätzlich übernehmen. Spezielles juristisches Fachwissen aus der späteren Ausbildung wird dadurch aber nicht automatisch vorausgesetzt.
Sport und körperliche Leistungsfähigkeit
Für den Wachtmeisterdienst kann körperliche Fitness eine entscheidende Auswahlvoraussetzung sein. Berlin verlangt aktuell einen justizinternen Sporttest. Dieser enthält unter anderem einen Laufparcours mit Kraft-, Schnelligkeits-, Koordinations- und Beweglichkeitsübungen sowie Hindernissen und einen Pendellauf. Vor der Teilnahme ist eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung erforderlich.
Auch Bayern verlangt grundsätzlich den Nachweis der körperlichen Leistungsfähigkeit durch eine Sportprüfung, bei der Beweglichkeit, Belastbarkeit, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Ausdauer berücksichtigt werden. Die konkrete Prüfung deines Bundeslandes solltest du deshalb immer anhand der aktuellen offiziellen Informationen trainieren.
Situatives Verhalten und Konfliktfähigkeit
Im Berliner Auswahlgespräch werden ausdrücklich fachliche und situative Fragen gestellt. Dabei kann beispielsweise eine konfliktreiche Situation beschrieben werden, zu der du erklären sollst, wie du handeln würdest.
Für den Beruf ist wichtig, weder unsicher noch unnötig aggressiv aufzutreten. Du musst Regeln konsequent durchsetzen, trotzdem respektvoll kommunizieren und Gefahren möglichst früh erkennen. Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Konfliktfähigkeit und Belastbarkeit gehören deshalb auch im Berliner Anforderungsprofil ausdrücklich zu den wichtigen persönlichen Eigenschaften.
Vorstellungsgespräch und Berufsverständnis
Ein persönliches Gespräch gehört in vielen Ländern beziehungsweise Einstellungsbehörden zur Auswahl. Nordrhein-Westfalen nennt das Vorstellungsgespräch ausdrücklich als regulären Bestandteil, Berlin führt nach den vorherigen Teststufen ebenfalls ein Auswahlgespräch durch.
Du solltest deshalb erklären können, warum du im Justizwachtmeisterdienst arbeiten möchtest und welche Aufgaben dich erwarten. Informiere dich über Eingangskontrollen, Vorführdienst, Sitzungssicherheit und organisatorische Tätigkeiten. Wichtig ist außerdem, dass du den Justizwachtmeisterdienst nicht mit dem allgemeinen Vollzugsdienst einer Justizvollzugsanstalt verwechselst.
So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Informiere dich zuerst über das Verfahren deines Bundeslandes und deiner konkreten Einstellungsbehörde. Für das Berliner Verfahren solltest du beispielsweise Allgemeinwissen, Logik, Sprache, visuelles Denken und Konzentration trainieren und dich zusätzlich gezielt auf den veröffentlichten Sporttest vorbereiten. In Nordrhein-Westfalen kann je nach Behörde ein schriftlicher Aufgabenteil hinzukommen, daneben spielen Gespräch und körperliche Eignung eine wichtige Rolle.
Bereite dich außerdem auf situative Fragen vor. Beschäftige dich mit den Aufgaben in Gerichten und Staatsanwaltschaften und überlege, wie du in Konflikten ruhig, konsequent und sicher handeln würdest. Beim Ausbildungspark kannst du typische Aufgabenformate aus Einstellungstests kennenlernen und insbesondere Deutsch, Logik, Konzentration und Allgemeinwissen unter Zeitdruck trainieren.
Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.














