Als Fremdsprachenkorrespondent/in übernimmst du kaufmännische und organisatorische Aufgaben, bei denen sichere Fremdsprachenkenntnisse gefragt sind. Du bearbeitest internationale Geschäftskorrespondenz, übersetzt Texte, führst Telefonate mit ausländischen Geschäftspartnern und erstellst beispielsweise Rechnungen, Lieferpapiere, Präsentationen oder andere Unterlagen. Der Beruf verbindet Sprachen mit Wirtschaft, Büroorganisation und interkultureller Kommunikation.
Anders als bei vielen kaufmännischen Berufen handelt es sich nicht um eine klassische duale Ausbildung. Fremdsprachenkorrespondent/in ist eine landesrechtlich geregelte schulische Ausbildung an Berufsfachschulen. Je nach Bundesland und Bildungsgang dauert sie in Vollzeit zwei bis drei Jahre, in Teilzeit kann sie bis zu vier Jahre dauern. Dieser Artikel bezieht sich auf diesen schulischen Ausbildungsberuf.
Inhalte:
- Was macht ein Fremdsprachenkorrespondent?
- Wie läuft die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten ab?
- Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
- Was kostet die Ausbildung und gibt es eine Ausbildungsvergütung?
- Wo arbeiten Fremdsprachenkorrespondenten und welche Karrierewege gibt es?
- Einstellungstest und Aufnahmeverfahren für Fremdsprachenkorrespondenten
- So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Was macht ein Fremdsprachenkorrespondent?
Ein großer Teil deiner Arbeit besteht aus internationaler Geschäftskommunikation. Du formulierst beispielsweise E-Mails und Geschäftsbriefe in einer Fremdsprache, beantwortest Anfragen, führst Telefonate und betreust ausländische Geschäftspartner. Dabei reicht es nicht, eine Sprache grammatikalisch richtig zu beherrschen. Du musst auch kulturelle Besonderheiten kennen und deine Kommunikation an unterschiedliche Gesprächspartner anpassen.
Hinzu kommen Übersetzungsaufgaben. Du überträgst beispielsweise Geschäftstexte, Vertragsunterlagen, Produktinformationen, Präsentationen oder andere Dokumente aus einer Fremdsprache ins Deutsche und umgekehrt. Bei Geschäftstreffen, Messen oder Präsentationen kannst du außerdem mündlich zwischen Gesprächspartnern vermitteln.
Auch kaufmännische Aufgaben gehören zum Beruf. Fremdsprachenkorrespondenten prüfen und erstellen beispielsweise Rechnungen, Lieferscheine, Zolldokumente und Warenbegleitpapiere. Moderne digitale Werkzeuge spielen dabei eine zunehmende Rolle. BERUFENET nennt unter anderem Dokumentenmanagementsysteme, elektronische Rechnungen und KI-gestützte maschinelle Übersetzung als Technologien, die den Beruf verändern.
Wie läuft die Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten ab?
Die Ausbildung findet hauptsächlich an einer Berufsfachschule statt. Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Schul- und Prüfungsordnungen. BERUFENET gibt für die landesrechtlich geregelten Bildungsgänge aktuell eine Dauer von zwei bis drei Jahren in Vollzeit beziehungsweise bis zu vier Jahren in Teilzeit an.
Bayern bietet beispielsweise eine zweijährige Vollzeitausbildung zum staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondenten beziehungsweise zur staatlich geprüften Fremdsprachenkorrespondentin an. Dort lernst du mindestens eine erste Fremdsprache mit dem Fachgebiet Wirtschaft oder Technik sowie eine zweite Fremdsprache.
Typische Ausbildungsinhalte sind:
- allgemeine Sprachgrundlagen und mündliche Sprachpraxis
- Übersetzen und Sprachmittlung
- Geschäftskommunikation
- Kommunikation und Organisation
- Wirtschaft oder Technik als Fachgebiet
- interkulturelle Kommunikation und Kulturraumstudien
- digitale Kompetenz und Textverarbeitung
- je nach Bildungsgang eine zweite oder weitere Fremdsprache
Wie aktuell sich das Berufsbild entwickelt, zeigt die bayerische Ausbildungsordnung: Dort gehört inzwischen ausdrücklich „Sprachmittlung und KI-gestützte Translation“ zum Unterricht und zur staatlichen Abschlussprüfung.
Die genaue Abschlussprüfung hängt vom Bundesland ab. In Bayern werden in der ersten Fremdsprache unter anderem Sprachmittlung beziehungsweise Fachübersetzung sowie Kommunikation und Organisation schriftlich geprüft. Hinzu kommen Prüfungen in der zweiten Fremdsprache und mündliche Prüfungen beispielsweise zu Kommunikation, interkulturellen Themen sowie Wirtschaft oder Technik.
Welche Voraussetzungen solltest du mitbringen?
Für die schulische Ausbildung wird in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt. Die Schulen können darüber hinaus eigene Auswahlkriterien festlegen. BERUFENET nennt den mittleren Bildungsabschluss als übliche Voraussetzung. In Bayern ist er für die reguläre Aufnahme in das erste Schuljahr der Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe ausdrücklich vorgeschrieben.
Besonders wichtig sind sehr gute sprachliche Fähigkeiten. Du solltest dich nicht nur für Fremdsprachen interessieren, sondern auch gerne präzise formulieren und Texte bearbeiten. Kommunikationsfähigkeit, interkulturelle Kompetenz, Kundenorientierung sowie gutes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen gehören laut BERUFENET zu den zentralen Anforderungen.
Die konkreten sprachlichen Anforderungen können von der Schule abhängen. In Bayern kann eine Berufsfachschule beispielsweise eine Prüfung durchführen, wenn Zweifel bestehen, ob deine Kenntnisse in der ersten Fremdsprache ausreichen. Bewerber ohne deutschen mittleren Schulabschluss können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls über eine Eignungsprüfung zugelassen werden. Wer eine andere Muttersprache als Deutsch hat, muss ausreichende Deutschkenntnisse nachweisen, in Bayern beispielsweise grundsätzlich auf Niveau B2 oder durch eine schulinterne Prüfung.
Neben Fremdsprachen sind Deutsch, wirtschaftliches Verständnis und ein sicherer Umgang mit digitalen Arbeitsmitteln hilfreich. Du solltest außerdem sorgfältig arbeiten, denn kleine sprachliche Fehler können bei Verträgen, Rechnungen oder internationaler Geschäftskorrespondenz erhebliche Auswirkungen haben.
Was kostet die Ausbildung und gibt es eine Ausbildungsvergütung?
Bei der Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten erhältst du normalerweise keine Ausbildungsvergütung. Das liegt daran, dass es sich um eine schulische und nicht um eine duale Ausbildung mit Ausbildungsbetrieb handelt. BERUFENET weist ausdrücklich darauf hin, dass während der schulischen Ausbildung keine Vergütung gezahlt wird.
Ob Kosten entstehen, hängt von der Schule ab. Staatliche Berufsfachschulen sind grundsätzlich kostenfrei, wobei beispielsweise Ausgaben für Lernmittel, Fahrten oder Unterbringung entstehen können. Private Berufsfachschulen verlangen dagegen häufig Schulgeld sowie gegebenenfalls Aufnahme- oder Prüfungsgebühren.
Du solltest deshalb vor der Bewerbung genau prüfen, ob es sich um eine staatliche oder private Schule handelt und welche Kosten für den gesamten Bildungsgang entstehen.
Wo arbeiten Fremdsprachenkorrespondenten und welche Karrierewege gibt es?
Fremdsprachenkorrespondenten können in Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche arbeiten, wenn dort internationale Kontakte bestehen. Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es außerdem bei international tätigen Verbänden und Organisationen. Der Arbeitsplatz befindet sich meist in Büro- und Besprechungsräumen, teilweise aber auch auf Messen, bei Kunden oder im mobilen Arbeiten.
Besonders naheliegend sind Tätigkeiten in Export und Import, internationalem Vertrieb, Einkauf, Logistik, Assistenz oder Kundenbetreuung. Je nach Arbeitgeber kannst du beispielsweise ausländische Geschäftspartner betreuen, Korrespondenz bearbeiten, Präsentationen vorbereiten oder bei internationalen Projekten unterstützen.
Nach dem Abschluss kannst du deine Sprachkenntnisse weiter ausbauen oder eine zusätzliche Qualifikation erwerben. In Bayern kannst du beispielsweise in einem weiteren Schuljahr den Abschluss als staatlich geprüfte/r Euro-Korrespondent/in erwerben. Der erfolgreiche Abschluss als Fremdsprachenkorrespondent ermöglicht dort außerdem den Besuch einer Fachakademie für Sprachen und internationale Kommunikation mit dem Ziel, staatlich geprüfte/r Übersetzer/in beziehungsweise Übersetzer/in und Dolmetscher/in zu werden.
Einstellungstest und Aufnahmeverfahren für Fremdsprachenkorrespondenten
Einen bundesweit einheitlichen Einstellungstest gibt es nicht. Das ist schon deshalb wichtig, weil du dich zunächst meist nicht bei einem Ausbildungsbetrieb, sondern bei einer Berufsfachschule bewirbst. Die Zugangsvoraussetzungen und möglichen Aufnahmeprüfungen richten sich nach dem jeweiligen Bundesland und der Schule.
In Bayern ist beispielsweise kein genereller Einstellungstest für alle Bewerber vorgeschrieben, wenn die regulären Voraussetzungen erfüllt sind. Bestehen jedoch Zweifel an den Kenntnissen in der ersten Fremdsprache, darf die Berufsfachschule diese durch eine Prüfung feststellen. Auch für bestimmte Sonderzugänge ohne regulären mittleren Schulabschluss oder für einen direkten Einstieg in ein höheres Schuljahr sind Aufnahmeprüfungen vorgesehen.
Wenn eine Schule einen Sprach- oder Eignungstest durchführt, stehen naturgemäß sprachliche Fähigkeiten im Vordergrund. Bei späteren Bewerbungen um einen Arbeitsplatz können Unternehmen zusätzlich eigene Auswahlverfahren verwenden. Dabei sind insbesondere Fremdsprachen, Deutsch, Textverständnis, kaufmännisches Verständnis und Kommunikation naheliegende Testbereiche.
Fremdsprachenkenntnisse
Die erste Fremdsprache ist der wichtigste Bereich. Je nach Schule können Grammatik, Wortschatz, Textverständnis oder schriftlicher Ausdruck überprüft werden. Möglich sind beispielsweise Lückentexte, Übersetzungen oder kurze Aufgaben zur Geschäftskommunikation. In Bayern darf die Schule ausdrücklich prüfen, ob Bewerber die notwendigen Kenntnisse in der ersten Fremdsprache besitzen.
Für die spätere Ausbildung solltest du Fremdsprachen nicht nur auswendig lernen. Entscheidend ist, Texte sicher zu verstehen und dich schriftlich und mündlich angemessen ausdrücken zu können.
Deutsch und Sprachverständnis
Auch sehr gute Deutschkenntnisse sind unverzichtbar. Übersetzen bedeutet schließlich nicht nur, die Ausgangssprache zu verstehen, sondern den Inhalt anschließend sprachlich korrekt und stilistisch passend auf Deutsch wiederzugeben.
BERUFENET nennt mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen ausdrücklich als zentrale berufliche Anforderung. Bei einem Eignungstest können deshalb Rechtschreibung, Grammatik, Wortschatz oder Textverständnis vorkommen.
Übersetzen und Sprachmittlung
Je nach Aufnahmeverfahren kann überprüft werden, ob du einfache Inhalte sinngemäß zwischen zwei Sprachen übertragen kannst. Wichtig ist dabei nicht immer eine wörtliche Übersetzung. Du musst den Inhalt verstehen und sprachlich passend formulieren.
Während der bayerischen Ausbildung wird Sprachmittlung einschließlich Fachübersetzung intensiv unterrichtet und später staatlich geprüft. In der aktuellen Prüfungsordnung wird dabei sogar der Einsatz KI-gestützter Translation berücksichtigt.
Textverständnis und Konzentration
Fremdsprachenkorrespondenten arbeiten häufig mit umfangreichen Dokumenten. Du musst wichtige Informationen zuverlässig erfassen und darfst beispielsweise Zahlen, Lieferbedingungen oder Vertragsdetails nicht verwechseln.
Bei einem Auswahltest sind deshalb Aufgaben denkbar, bei denen du Texte analysierst, Aussagen zuordnest oder Fehler findest. Konzentrationsübungen können ebenfalls sinnvoll sein. Dieser Bereich ist besonders relevant, weil der Beruf ein hohes Maß an sprachlicher Genauigkeit verlangt.
Wirtschaftliches Verständnis
Viele Aufgaben beziehen sich auf internationale Geschäftsprozesse. Du arbeitest beispielsweise mit Rechnungen, Lieferpapieren, Zolldokumenten oder Geschäftskorrespondenz. Deshalb können einfache wirtschaftliche Zusammenhänge Teil eines schulischen oder betrieblichen Auswahlverfahrens sein.
Vor Beginn der Ausbildung musst du noch kein Experte für Außenhandel sein. Du solltest aber verstehen, was Bestellung, Angebot, Rechnung, Lieferung und Zahlung grundsätzlich bedeuten und Interesse an wirtschaftlichen Themen mitbringen.
Kommunikation und interkulturelles Verständnis
Gute Sprachkenntnisse allein reichen für den Beruf nicht aus. Du kommunizierst mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und musst berücksichtigen, dass Umgangsformen und Erwartungen voneinander abweichen können.
Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz gehören laut BERUFENET ausdrücklich zu den zentralen Anforderungen. In Bayern sind interkulturelle Kommunikation und Kulturraumstudien sogar Bestandteil der mündlichen Abschlussprüfung.
Motivation und persönliches Gespräch
Wenn die Schule ein Aufnahmegespräch führt, solltest du erklären können, warum du Fremdsprachenkorrespondent/in werden möchtest. Nur zu sagen, dass du gerne reist, reicht dafür kaum aus. Im Berufsalltag geht es vor allem um professionelle Kommunikation, Büroarbeit, Übersetzungen und internationale Geschäftsprozesse.
Informiere dich deshalb über den konkreten Bildungsgang, die angebotenen Fremdsprachen und das Fachgebiet der Schule. Besonders sinnvoll ist es, schon vor der Bewerbung zu überlegen, ob dich eher wirtschaftliche oder technische Fachsprache interessiert.
So bereitest du dich auf den Einstellungstest vor
Prüfe zunächst, ob deine Berufsfachschule überhaupt eine Aufnahmeprüfung durchführt und welche Anforderungen sie nennt. Wenn ein Sprachtest vorgesehen ist, solltest du besonders Grammatik, Wortschatz, Textverständnis und schriftlichen Ausdruck in deiner ersten Fremdsprache wiederholen. Trainiere zusätzlich Deutsch, Konzentration und das sinngemäße Übersetzen kurzer Texte. Auch grundlegende wirtschaftliche Begriffe können hilfreich sein.
Beim Ausbildungspark kannst du typische Aufgabenformate aus Einstellungstests kennenlernen und insbesondere Deutsch, Sprachverständnis, Konzentration und weitere kognitive Grundlagen unter Zeitdruck trainieren. Der Ausbildungspark Verlag ist Bildungspartner unter anderem der Gewerkschaft der Polizei, des Olympiastützpunktes Hessen, des Deutschen Bundeswehrverbandes und der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft und engagiert sich gemeinsam mit seinen Partnern für einen erfolgreichen Berufseinstieg junger Menschen.














