In unserer Wirtschaft sind Verbraucher und Unternehmen eng miteinander verbunden. Menschen arbeiten in Betrieben, verdienen Geld und kaufen damit Waren oder Dienstleistungen. Unternehmen wiederum benötigen Arbeitskräfte und Einnahmen, um ihre Produkte herstellen und anbieten zu können. Wie diese Beziehungen funktionieren, zeigt der einfache Wirtschaftskreislauf. Das Modell macht sichtbar, welche Güter und Geldbeträge zwischen privaten Haushalten und Unternehmen fließen.
Was ist der einfache Wirtschaftskreislauf?
Der einfache Wirtschaftskreislauf ist ein vereinfachtes Modell der Volkswirtschaft. Er zeigt, wie private Haushalte und Unternehmen miteinander wirtschaften und dabei Leistungen und Geld austauschen. Die privaten Haushalte treten unter anderem als Konsumenten auf: Sie kaufen Güter und Dienstleistungen für ihren Bedarf. Unternehmen sind die Produzenten, die diese Güter herstellen oder Dienstleistungen anbieten.
Damit die grundlegenden Zusammenhänge verständlich bleiben, berücksichtigt das Modell nur diese beiden Wirtschaftssubjekte. Der Staat und das Ausland werden ausgeblendet. Auch Banken und die Möglichkeit, Geld zu sparen, spielen in dieser einfachen Darstellung keine eigenständige Rolle. Wir nehmen an, dass die Haushalte ihr gesamtes Einkommen für den Konsum ausgeben und die Unternehmen die erhaltenen Gelder wieder als Einkommen an die Haushalte weitergeben.
Primärer Sektor: Rohstoffe gewinnen und Naturprodukte erzeugen
Zum primären Sektor gehören Betriebe der Urproduktion. Sie gewinnen Rohstoffe aus der Natur oder erzeugen land- und forstwirtschaftliche Produkte. Typische Beispiele sind Landwirtschaftsbetriebe, Fischereibetriebe, Forstbetriebe und Bergwerke. Ein Bauernhof produziert etwa Getreide, ein Forstbetrieb liefert Holz und ein Bergwerk fördert Erze.
Entscheidend ist, dass in dieser Wirtschaftsstufe Rohstoffe gewonnen oder ursprüngliche Naturprodukte erzeugt werden. Die industrielle Weiterverarbeitung gehört dagegen zum sekundären Sektor. Ein Wasserkraftwerk wird üblicherweise nicht dem primären Sektor zugerechnet: Es erzeugt elektrischen Strom und zählt damit zur Energieversorgung, die in der klassischen Dreisektoren-Einteilung dem sekundären Sektor zugeordnet wird.
Einkommen und Konsum: die Formel Y = C
Eine wichtige Annahme des einfachen Wirtschaftskreislaufs lautet: Die privaten Haushalte sparen nicht, sondern geben ihr gesamtes verfügbares Einkommen für Konsumgüter und Dienstleistungen aus. Deshalb gilt in diesem vereinfachten Modell die Gleichung:
\[ Y=C \]
Dabei steht Y für das Einkommen und C für die Konsumausgaben. Erhalten die Haushalte zusammen beispielsweise 5.000 € Einkommen, geben sie im Modell auch 5.000 € für Güter und Dienstleistungen aus. Auf diese Weise fließt das Geld vollständig an die Unternehmen zurück. In der Realität ist das anders: Menschen sparen einen Teil ihres Einkommens, zahlen Steuern und erhalten gegebenenfalls staatliche Leistungen. Diese zusätzlichen Vorgänge werden erst in erweiterten Wirtschaftskreislaufmodellen berücksichtigt.
Güterstrom: Was Haushalte und Unternehmen austauschen
Im einfachen Wirtschaftskreislauf unterscheidet man zwei miteinander verbundene Ströme: den Güterstrom und den Geldstrom. Zum Güterstrom zählen nicht nur fertige Waren, sondern auch Dienstleistungen und die Leistungen der Produktionsfaktoren. Die beiden Richtungen lassen sich gut nachvollziehen.
Private Haushalte stellen den Unternehmen Produktionsfaktoren zur Verfügung, vor allem Arbeitskraft sowie die Nutzung von Boden und Kapital. Mit diesen Mitteln können Unternehmen Güter herstellen und Dienstleistungen erbringen. Die fertigen Waren und Leistungen fließen anschließend von den Unternehmen zu den privaten Haushalten, die sie konsumieren. Beispielsweise arbeitet eine Person in einer Bäckerei und kauft später Brot, Kleidung oder andere Waren ein.
Der Güterstrom umfasst damit zwei gegenläufige Leistungsströme: Produktionsfaktorleistungen von den Haushalten zu den Unternehmen und Konsumgüter beziehungsweise Dienstleistungen von den Unternehmen zu den Haushalten.
Geldstrom: Wie das Geld im Kreis fließt
Dem Güterstrom steht der Geldstrom gegenüber. Haushalte bezahlen die Waren und Dienstleistungen, die sie bei Unternehmen kaufen. Die Unternehmen erhalten dadurch Einnahmen. Um produzieren zu können, bezahlen sie wiederum die Produktionsfaktoren, die ihnen die Haushalte zur Verfügung stellen.
Für geleistete Arbeit erhalten Beschäftigte beispielsweise Lohn oder Gehalt. Für die Überlassung einer Immobilie kann Miete gezahlt werden; für zur Verfügung gestelltes Kapital können Zinsen oder andere Kapitaleinkommen anfallen. Diese Zahlungen bilden Einkommen der privaten Haushalte. Wenn die Haushalte das Geld erneut für Konsum ausgeben, schließt sich der Geldkreislauf.
Geld- und Güterstrom verlaufen bei jedem Tausch in entgegengesetzte Richtungen: Für gelieferte Waren fließt Geld vom Haushalt zum Unternehmen. Für bereitgestellte Arbeitskraft fließt Geld vom Unternehmen zum Haushalt. Insgesamt betrachtet gibt es also zwei Leistungsströme und zwei entgegengesetzt gerichtete Geldströme zwischen den beiden Sektoren.
Produktionsfaktoren: Arbeit, Boden und Kapital
Produktionsfaktoren sind die Mittel, die Unternehmen benötigen, um Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Im einfachen Wirtschaftskreislauf unterscheidet man üblicherweise Arbeit, Boden und Kapital. Die Haushalte stellen diese Faktoren beziehungsweise deren Nutzung bereit und erhalten dafür Einkommen.
Der Produktionsfaktor Arbeit umfasst die menschliche Arbeitsleistung. Wenn du in deinem Ausbildungsbetrieb mitarbeitest, stellst du deine Arbeitskraft zur Verfügung und bekommst dafür eine Ausbildungsvergütung. Boden steht für Grundstücke und natürliche Ressourcen. Vermietet eine Privatperson einem Unternehmen beispielsweise ein Grundstück oder eine Lagerhalle, erhält sie dafür Miete oder Pacht. Kapital umfasst im wirtschaftlichen Sinn insbesondere Mittel, die für die Produktion eingesetzt werden. Stellt ein Haushalt einem Unternehmen Geld als Darlehen zur Verfügung, kann er dafür Zinsen erhalten; als Eigentümer kann er am Gewinn beteiligt sein. Zinsen und Gewinnbeteiligungen sind dabei nicht dasselbe.
Die Entlohnung der Produktionsfaktoren verbindet die Produktion mit dem Einkommen der Haushalte. Dieses Einkommen bildet wiederum die Grundlage für deren Konsumausgaben.
Beispiel aus deinem Ausbildungsbetrieb
Den einfachen Wirtschaftskreislauf kannst du in deinem Ausbildungsalltag beobachten. Du stellst deinem Betrieb deine Arbeitskraft zur Verfügung. Dafür erhältst du eine Ausbildungsvergütung. Wenn du anschließend mit deinem Geld beispielsweise Lebensmittel oder Schuhe kaufst, bezahlst du Waren, die Unternehmen bereitstellen. Die Unternehmen verwenden ihre Einnahmen unter anderem dazu, Beschäftigte zu bezahlen und weitere Produktionsmittel zu nutzen.
Das Modell macht somit die gegenseitige Abhängigkeit deutlich: Unternehmen benötigen die Leistungen der Haushalte, und Haushalte benötigen die Güter und Dienstleistungen sowie die Einkommen der Unternehmen. Im einfachen Wirtschaftskreislauf fließen die Leistungs- und Geldströme fortlaufend zwischen beiden Seiten. Weil Staat, Ausland und Sparen ausgeklammert sind, lässt sich der grundlegende Zusammenhang besonders leicht erkennen.
Typische Prüfungsaufgaben:
1. Welche Tätigkeiten übernehmen private Haushalte im einfachen Wirtschaftskreislauf?
Bei dieser Frage sind vier Antworten richtig.
A. Arbeitskraft zur Verfügung stellen
B. Güter und Dienstleistungen für den Verkauf produzieren
C. Boden zur Verfügung stellen
D. Kapital zur Verfügung stellen
E. Güter und Dienstleistungen konsumieren
2. Welche Aussagen über die Geld- und Güterströme im einfachen Wirtschaftskreislauf sind falsch?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Geldströme fließen ausschließlich von den Unternehmen zu den privaten Haushalten.
B. Güter- und Leistungsströme verlaufen sowohl von Unternehmen zu Haushalten als auch in umgekehrter Richtung.
C. Zu den Güter- und Leistungsströmen gehören Produktionsfaktorleistungen sowie Güter und Dienstleistungen.
D. Güter- und Leistungsströme fließen ausschließlich von privaten Haushalten zu Unternehmen.
E. Geldströme verlaufen sowohl von Unternehmen zu Haushalten als auch von Haushalten zu Unternehmen.
3. Eine Familie bestellt bei einem Möbelunternehmen einen neuen Schreibtisch. Das Unternehmen liefert den Schreibtisch direkt nach Hause. Anschließend überweist die Familie den Rechnungsbetrag.
Welche Ströme des einfachen Wirtschaftskreislaufs werden dabei angesprochen?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Ausschließlich Güterströme
B. Ausschließlich Geldströme
C. Güterströme und Geldströme
D. Ausschließlich Ströme zwischen Staat und Unternehmen
E. Weder Güterströme noch Geldströme
4. Mit welcher Formel lässt sich die Beziehung zwischen Einkommen und Konsum im einfachen Wirtschaftskreislauf beschreiben?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. I = C
B. Y < C
C. Y = I
D. Y > C
E. Y = C
5. Ein Unternehmen benötigt für seine Produktion Arbeitskräfte, eine Lagerhalle und zusätzliches Kapital. Die benötigten Produktionsfaktoren werden von privaten Haushalten zur Verfügung gestellt.
Welche Aussagen über die entsprechenden Einkommensarten sind richtig?
Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.
A. Für ihre Arbeitsleistung erhalten Beschäftigte Lohn oder Gehalt.
B. Für die Vermietung einer Lagerhalle erhält der Eigentümer grundsätzlich Zinsen.
C. Für die Überlassung einer Lagerhalle kann der Eigentümer Miete erhalten.
D. Für die Bereitstellung von Geldkapital als Darlehen können Zinsen gezahlt werden.
E. Für die Bereitstellung von Arbeitskraft erhalten Beschäftigte grundsätzlich Mieteinnahmen.








