Warum schließen sich selbstständige Einzelhändler zusammen, obwohl sie auf demselben Markt tätig sind? Durch eine Kooperation können Unternehmen gemeinsam günstiger einkaufen, ihre Kunden besser erreichen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Eine wichtige Form der Zusammenarbeit ist die horizontale Kooperation. Dabei arbeiten Betriebe derselben Wirtschaftsstufe zusammen. Besonders im Einzelhandel gibt es dafür verschiedene Möglichkeiten.
Was ist eine horizontale Kooperation?
Eine Kooperation ist die freiwillige Zusammenarbeit von zwei oder mehreren Unternehmen, die gemeinsame wirtschaftliche Ziele verfolgen. Die beteiligten Betriebe bleiben dabei rechtlich selbstständig. Ihre wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit kann durch die getroffenen Vereinbarungen in bestimmten Bereichen eingeschränkt werden.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen horizontalen und vertikalen Kooperationen. Horizontal bedeutet waagerecht. Den Begriff kannst du dir leicht merken, wenn du an den Horizont denkst, der ebenfalls waagerecht verläuft. Übertragen auf die Wirtschaft bedeutet das, dass Unternehmen auf derselben Stufe der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.
Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mehrerer Einzelhandelsgeschäfte. Sie befinden sich auf derselben Wirtschaftsstufe und können etwa ihren Einkauf, ihre Werbung oder ihre Lagerhaltung gemeinsam organisieren. Kooperiert dagegen ein Einzelhändler mit einem Hersteller, handelt es sich um eine vertikale Kooperation, weil die Unternehmen unterschiedlichen Wirtschaftsstufen angehören.
Welche Vorteile bieten horizontale Kooperationen?
Horizontale Kooperationen ermöglichen es Unternehmen, Aufgaben gemeinsam zu erledigen und ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten zu verbessern. Gerade kleinere Einzelhandelsbetriebe können dadurch Vorteile erreichen, die für sie allein nur schwer zugänglich wären. Die Zusammenarbeit kann einzelne Geschäftsbereiche betreffen oder mehrere betriebliche Aufgaben umfassen.
Ein wichtiges Ziel ist die Kostensenkung. Wenn Händler beispielsweise Waren gemeinsam bestellen oder Werbemaßnahmen zusammen durchführen, können sie häufig bessere Konditionen erzielen und ihre Ausgaben reduzieren. Gleichzeitig lassen sich bestimmte wirtschaftliche Risiken auf mehrere Unternehmen verteilen.
Auch die Absatzsicherung und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit spielen eine wichtige Rolle. Durch gemeinsame Angebote, Werbung oder eine abgestimmte Warenversorgung können die beteiligten Betriebe ihre Marktposition stärken. Allerdings entstehen durch eine Kooperation auch Abstimmungsaufwand und gegenseitige Verpflichtungen. Ob die Zusammenarbeit erfolgreich ist, hängt deshalb von ihrer Organisation und den getroffenen Vereinbarungen ab.
Einkaufsgemeinschaften: Gemeinsam günstiger einkaufen
Eine typische Form der horizontalen Kooperation im Einzelhandel ist die Einkaufsgemeinschaft, die auch als Einkaufsverband bezeichnet wird. Dabei schließen sich mehrere rechtlich selbstständige Handelsunternehmen zusammen, um Waren gemeinsam einzukaufen. Die Zusammenarbeit kann vertraglich geregelt sein und über eine gemeinsame Einkaufsorganisation erfolgen.
Stell dir vor, fünf kleinere Sportgeschäfte möchten jeweils 100 Paar Turnschuhe bei einem Hersteller bestellen. Jedes Geschäft würde einzeln eine vergleichsweise kleine Menge abnehmen. Schließen sich die Geschäfte jedoch zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammen, können sie gemeinsam 500 Paar bestellen. Durch die größere Bestellmenge erhalten sie möglicherweise einen günstigeren Stückpreis.
Hersteller und Großhändler gewähren bei größeren Abnahmemengen häufig Mengenrabatte. Einkaufsgemeinschaften können diese Preisvorteile nutzen und dadurch die Warenbeschaffung günstiger gestalten. Auch bessere Lieferbedingungen oder gemeinsame Transportlösungen sind möglich. Die einzelnen Geschäfte bleiben dabei rechtlich selbstständig und verkaufen ihre Waren weiterhin auf eigene Rechnung, sofern nichts anderes vereinbart wurde.
Einkaufszentren: Zusammenarbeit an einem Standort
Auch in Einkaufszentren können horizontale Kooperationen zwischen Einzelhandelsbetrieben entstehen. In einem Einkaufszentrum befinden sich zahlreiche Geschäfte an einem gemeinsamen Standort. Häufig bieten sie unterschiedliche Waren und Dienstleistungen an, beispielsweise Kleidung, Lebensmittel, Schuhe oder Elektronikartikel.
Die räumliche Nähe allein macht ein Einkaufszentrum allerdings noch nicht zu einer Kooperation. Erst wenn die selbstständigen Händler bestimmte Aufgaben gemeinsam organisieren oder aufeinander abstimmen, liegt eine entsprechende Zusammenarbeit vor. Dazu können beispielsweise gemeinsame Werbeaktionen, Veranstaltungen oder Maßnahmen zur Kundeninformation gehören.
Ein Einkaufszentrum kann von solchen gemeinsamen Aktivitäten profitieren, weil die Geschäfte zusammen eine große Auswahl an Waren und Dienstleistungen bieten. Für Kunden wird der Standort dadurch attraktiver. Die Händler wiederum können zusätzliche Besucher gewinnen und von einer höheren Kundenfrequenz profitieren. Bei der gemeinsamen Zusammenarbeit von Einzelhändlern handelt es sich um eine horizontale Kooperation, weil die beteiligten Handelsbetriebe derselben Wirtschaftsstufe angehören.
Shop-in-Shop-System: Ein Geschäft im Geschäft
Eine weitere Form der Zusammenarbeit im Handel ist das Shop-in-Shop-System. Dabei stellt ein größeres Einzelhandelsunternehmen einem anderen Unternehmen einen abgegrenzten Teil seiner Verkaufsfläche zur Verfügung. Der Partner kann dort seine eigenen Produkte präsentieren und verkaufen. Dadurch entsteht gewissermaßen ein kleiner Laden innerhalb eines größeren Geschäfts.
Stell dir beispielsweise ein großes Warenhaus vor, das einem selbstständigen Schmuckhändler eine Verkaufsfläche überlässt. Der Schmuckhändler gestaltet seinen Verkaufsbereich eigenständig und bietet dort seine Waren an. Für das Warenhaus kann diese Zusammenarbeit vorteilhaft sein, weil es sein Sortiment erweitert und zusätzliche Kunden anspricht. Der Schmuckhändler profitiert wiederum von der Bekanntheit und den Besuchern des Warenhauses.
Ein Shop-in-Shop-System kann eine horizontale Kooperation darstellen, wenn zwei selbstständige Einzelhandelsunternehmen zusammenarbeiten. Es ist allerdings nicht automatisch eine horizontale Kooperation. Betreibt beispielsweise ein Hersteller selbst eine Verkaufsfläche innerhalb eines Einzelhandelsgeschäfts, können auch unterschiedliche Wirtschaftsstufen beteiligt sein. Entscheidend ist deshalb, welche Unternehmen tatsächlich zusammenarbeiten und welche Aufgaben sie übernehmen.
Wie unterscheiden sich die Kooperationsformen?
Die verschiedenen Formen horizontaler Kooperationen verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte. Bei einer Einkaufsgemeinschaft steht vor allem die gemeinsame Warenbeschaffung im Mittelpunkt. Die beteiligten Händler möchten größere Bestellmengen erreichen und dadurch günstigere Einkaufskonditionen erzielen.
Bei der Zusammenarbeit in einem Einkaufszentrum geht es dagegen häufig darum, die Attraktivität des gemeinsamen Standorts zu erhöhen. Die Geschäfte können durch gemeinsame Werbung, Veranstaltungen oder andere Maßnahmen mehr Kunden ansprechen. Das Shop-in-Shop-System ermöglicht es wiederum, Verkaufsflächen gemeinsam zu nutzen und das Warenangebot zu ergänzen.
Alle drei Beispiele zeigen, wie Unternehmen im Einzelhandel durch Zusammenarbeit Vorteile erzielen können. Für die Einordnung als horizontale Kooperation ist jedoch nicht allein die äußere Form entscheidend. Wichtig ist, dass rechtlich selbstständige Unternehmen derselben Wirtschaftsstufe freiwillig zusammenarbeiten.
Typische Prüfungsaufgaben:
1. Wie bezeichnet man die freiwillige Zusammenarbeit zwischen rechtlich selbstständigen Einzelhandelsunternehmen, die gemeinsame wirtschaftliche Ziele verfolgen?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Kartell
B. Verein
C. Unternehmensgruppe
D. Kooperation
E. Einzelbetrieb
2. Welche Vorteile kann ein Einzelhändler durch den Beitritt zu einer Einkaufsgemeinschaft beziehungsweise einem Einkaufsverband erzielen?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Er kann durch größere gemeinsame Bestellmengen bessere Einkaufskonditionen erhalten.
B. Er kann vom Fachwissen und den Erfahrungen anderer Einzelhändler profitieren.
C. Seine Kunden müssen beim Einkauf grundsätzlich weniger Umsatzsteuer bezahlen.
D. Er erhält automatisch die Berechtigung, sein Geschäft auch an Sonn- und Feiertagen zu öffnen.
E. Seine Gewerbesteuer wird durch den Beitritt zur Einkaufsgemeinschaft automatisch gesenkt.
3. Welche Aussage beschreibt eine horizontale Kooperation richtig?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Ein Einzelhändler arbeitet mit einem Hersteller zusammen, der seine Waren produziert.
B. Mehrere Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftsstufen schließen sich zu einem einzigen rechtlich unselbstständigen Betrieb zusammen.
C. Zwei rechtlich selbstständige Einzelhandelsunternehmen arbeiten auf derselben Wirtschaftsstufe zusammen.
D. Ein Unternehmen übernimmt einen Wettbewerber vollständig, sodass dieser seine rechtliche Selbstständigkeit verliert.
E. Ein Hersteller verkauft seine Produkte direkt an private Endverbraucher, ohne mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten.
4. Welche der folgenden Beispiele können Formen horizontaler Kooperationen im Einzelhandel darstellen?
Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.
A. Ein einzelner Tante-Emma-Laden betreibt sein Geschäft vollständig unabhängig von anderen Unternehmen.
B. Mehrere selbstständige Einzelhändler gründen eine Einkaufsgemeinschaft, um Waren gemeinsam zu beschaffen.
C. Ein Warenhaus überlässt einem anderen selbstständigen Einzelhändler eine abgegrenzte Verkaufsfläche für ein Shop-in-Shop-System.
D. Ein Hersteller schließt mit einem selbstständigen Einzelhändler einen Franchisevertrag über den Vertrieb seiner Produkte.
E. Mehrere selbstständige Einzelhändler in einem Einkaufszentrum organisieren gemeinsam Werbung und Veranstaltungen.
5. Vier selbstständige Sportgeschäfte schließen sich zu einer horizontalen Kooperation zusammen. Sie bestellen ihre Waren künftig gemeinsam und organisieren eine einheitliche Werbekampagne. Jedes Geschäft bleibt rechtlich selbstständig.
Welche Aussagen über diese Zusammenarbeit sind richtig?
Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.
A. Durch gemeinsame Bestellungen können die Sportgeschäfte größere Mengenrabatte erhalten.
B. Die Unternehmen verlieren durch die Kooperation automatisch ihre rechtliche Selbstständigkeit.
C. Eine gemeinsame Werbekampagne kann dazu beitragen, die Bekanntheit der beteiligten Geschäfte zu erhöhen.
D. Durch die Kooperation müssen die Sportgeschäfte ihre Produkte grundsätzlich zu identischen Preisen verkaufen.
E. Die beteiligten Geschäfte können gemeinsame Werbekosten untereinander aufteilen.








