Grundlagen des Wirtschaftens
Die Grundlagen des Wirtschaftens bilden die Basis für viele weitere Themen der Wirtschafts- und Sozialkunde. Du lernst, warum Menschen wirtschaften müssen, wie aus Bedürfnissen eine Nachfrage entsteht und welche Rolle knappe Güter dabei spielen. Außerdem beschäftigst du dich mit dem ökonomischen Prinzip, Wirtschaftlichkeit und Produktivität sowie mit dem Wirtschaftskreislauf. Auf betrieblicher Ebene geht es um Unternehmensziele, Zielkonflikte, Kooperationen und die verschiedenen Produktionsfaktoren. Auch Markt, Preisbildung, Globalisierung und Werbung gehören zu den wirtschaftlichen Grundlagen. Für die IHK-Prüfung solltest du vor allem die Zusammenhänge zwischen diesen Themen verstehen und typische betriebliche Situationen richtig einordnen können.
Inhaltsübersicht
- Wirtschaftsstufen
- Ökonomisches Prinzip beziehungsweise Wirtschaftlichkeitsprinzip
- Einfacher Wirtschaftskreislauf
- Erweiterter Wirtschaftskreislauf
- Gewinnerzielung
- Wirtschaftlichkeit
- Betriebserhaltung und Arbeitsplatzsicherung
- Umweltverträglichkeit
- Zielhierarchie und Zielkonflikte
- Produktivität
- Ziele von Kooperationen
- Horizontale Kooperationen
- Vertikale Kooperationen
- Vor- und Nachteile von Kooperationen
- Unternehmenskooperation und Unternehmenskonzentration
- Bedürfnisse und Bedarf
- Individual- und Kollektivbedürfnisse
- Freie Güter
- Knappe Güter, Rechte und Dienstleistungen
- Produktionsgüter und Konsumgüter
- Wirtschaftliche Zielsetzungen
- Angebot, Nachfrage und Preis
- Ökologische Ziele
- Produktionsfaktor Boden
- Produktionsfaktor Arbeit
- Produktionsfaktor Kapital
- Arbeitsteilung
- Globalisierung: Chancen und Risiken
- Arten der Werbung
- Ziele der Werbung
- Werbemittel und Werbeträger
Bedürfnisse, Bedarf und Güter
Ausgangspunkt allen Wirtschaftens sind die Bedürfnisse der Menschen. Ein Bedürfnis entsteht, wenn ein Mensch einen Mangel empfindet und diesen beseitigen möchte. Wird ein Bedürfnis mit vorhandener Kaufkraft verbunden, entsteht daraus ein Bedarf; tritt dieser Bedarf am Markt tatsächlich als Kaufabsicht auf, spricht man von Nachfrage. Bedürfnisse können außerdem in Individualbedürfnisse und Kollektivbedürfnisse unterschieden werden. Individualbedürfnisse betreffen einzelne Menschen, während Kollektivbedürfnisse von vielen Menschen gemeinsam empfunden werden und häufig durch gemeinschaftliche oder staatliche Leistungen erfüllt werden.
Nicht alle Güter sind knapp. Freie Güter stehen grundsätzlich in ausreichender Menge zur Verfügung und besitzen deshalb normalerweise keinen wirtschaftlichen Preis. Knappe beziehungsweise wirtschaftliche Güter sind dagegen nur begrenzt vorhanden und müssen bewirtschaftet werden. Dabei kann es sich nicht nur um körperliche Sachen handeln, sondern auch um Dienstleistungen oder wirtschaftlich nutzbare Rechte. Güter lassen sich außerdem nach ihrer Verwendung unterscheiden. Produktionsgüter werden zur Herstellung weiterer Güter eingesetzt, während Konsumgüter unmittelbar der Bedürfnisbefriedigung dienen.
Wirtschaftskreislauf
Der einfache Wirtschaftskreislauf zeigt die Beziehungen zwischen privaten Haushalten und Unternehmen. Haushalte stellen den Unternehmen beispielsweise ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten dafür Einkommen. Mit diesem Einkommen kaufen sie Waren und Dienstleistungen von Unternehmen. Dadurch entstehen zwei entgegengesetzte Ströme: ein Güterstrom und ein Geldstrom. Das Modell vereinfacht die tatsächliche Wirtschaft, hilft aber dabei, grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen.
Wirtschaftlichkeitsprinzip, Wirtschaftlichkeit und Produktivität
Da Bedürfnisse grundsätzlich umfangreich sind, die zur Verfügung stehenden Mittel jedoch begrenzt bleiben, müssen Menschen und Unternehmen wirtschaftlich handeln. Grundlage dafür ist das ökonomische Prinzip, das auch als Wirtschaftlichkeitsprinzip bezeichnet wird. Beim Minimalprinzip soll ein festgelegtes Ziel mit möglichst geringem Mitteleinsatz erreicht werden. Beim Maximalprinzip soll dagegen mit vorgegebenen Mitteln ein möglichst großes Ergebnis erzielt werden. Beide Ausprägungen verfolgen das Ziel, vorhandene Ressourcen möglichst sinnvoll einzusetzen.
Die Wirtschaftlichkeit beschreibt das Verhältnis zwischen dem erzielten Ertrag und dem dafür erforderlichen Aufwand. Vereinfacht gilt: Wirtschaftlichkeit = Ertrag / Aufwand. Liegt der Wert über 1, übersteigt der Ertrag den Aufwand. Davon zu unterscheiden ist die Produktivität. Sie beschreibt das mengenmäßige Verhältnis von Ausbringungsmenge zu eingesetzten Produktionsfaktoren und kann vereinfacht als Produktivität = Output / Input dargestellt werden. Ein Betrieb kann deshalb seine Produktivität steigern, ohne dass sich seine Wirtschaftlichkeit im gleichen Umfang verbessert, beispielsweise wenn gleichzeitig die Kosten stark steigen.
Wirtschaftsstufen und Wirtschaftskreislauf
Güter und Dienstleistungen durchlaufen häufig mehrere Wirtschaftsstufen, bevor sie den Endverbraucher erreichen. Am Anfang steht die Gewinnung beziehungsweise Erzeugung von Rohstoffen, darauf folgen Verarbeitung und Produktion sowie anschließend Handel und Dienstleistungen. Diese Stufen stehen miteinander in Verbindung und bilden arbeitsteilige Wertschöpfungsprozesse. In einer modernen Volkswirtschaft sind Unternehmen deshalb auf Lieferanten, Dienstleister, Handel und Verbraucher angewiesen. Veränderungen auf einer Wirtschaftsstufe können sich auf viele andere Unternehmen und Märkte auswirken.
Der einfache Wirtschaftskreislauf stellt die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen privaten Haushalten und Unternehmen vereinfacht dar. Haushalte stellen den Unternehmen beispielsweise Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten dafür Einkommen. Unternehmen produzieren Güter und Dienstleistungen, die von den Haushalten gekauft werden. Dadurch entstehen Güter-, Leistungs- und Geldströme in entgegengesetzte Richtungen. Der erweiterte Wirtschaftskreislauf berücksichtigt zusätzlich insbesondere Staat, Kreditinstitute beziehungsweise den Finanzsektor und das Ausland. Dadurch lässt sich darstellen, wie Steuern, staatliche Ausgaben, Sparen, Investitionen, Kredite sowie Importe und Exporte in den Wirtschaftskreislauf eingebunden sind.
Unternehmensziele und Zielkonflikte
Unternehmen verfolgen in der Regel mehrere wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele gleichzeitig. Zu den wirtschaftlichen Zielsetzungen gehören beispielsweise Gewinnerzielung, Rentabilität, Wirtschaftlichkeit, Wachstum oder die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Gewinne sind für Unternehmen wichtig, weil sie unter anderem Investitionen ermöglichen, Risiken abdecken und die langfristige Existenz des Betriebs sichern können. Neben der Gewinnerzielung spielen deshalb auch Betriebserhaltung und Arbeitsplatzsicherung eine wichtige Rolle. Die Ziele können unterschiedlich gewichtet und innerhalb einer Zielhierarchie nach ihrer Bedeutung geordnet werden.
Nicht alle Unternehmensziele lassen sich gleichzeitig ohne Einschränkungen erreichen. Von einem Zielkonflikt spricht man, wenn die Verfolgung eines Ziels die Erreichung eines anderen erschwert. Höhere Löhne können beispielsweise die Motivation und Mitarbeiterbindung verbessern, gleichzeitig aber die Personalkosten erhöhen. Ziele können sich jedoch auch gegenseitig unterstützen oder unabhängig voneinander sein. Neben wirtschaftlichen und sozialen Zielen gewinnen ökologische Ziele und Umweltverträglichkeit an Bedeutung. Unternehmen können beispielsweise Energie und Rohstoffe einsparen, Emissionen reduzieren, Abfälle vermeiden oder umweltverträglichere Produktionsverfahren einsetzen.
Kooperationen und Unternehmenskonzentration
Unternehmen können zusammenarbeiten, um gemeinsame wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Kooperationen ermöglichen beispielsweise Kosteneinsparungen, eine bessere Auslastung von Ressourcen, gemeinsame Forschung, stärkere Einkaufsmacht oder die Erschließung neuer Märkte. Dabei bleiben die beteiligten Unternehmen grundsätzlich rechtlich selbstständig. Eine Kooperation kann auf unterschiedliche Weise ausgestaltet sein und sich nur auf einzelne Unternehmensbereiche oder auf eine längerfristige Zusammenarbeit beziehen. Neben den möglichen Vorteilen entstehen auch Risiken, etwa eine zunehmende Abhängigkeit von Partnern, Interessenkonflikte oder zusätzlicher Abstimmungsaufwand.
Bei einer horizontalen Kooperation arbeiten Unternehmen derselben Wirtschaftsstufe zusammen, beispielsweise zwei Hersteller ähnlicher Produkte. Bei einer vertikalen Kooperation verbinden sich Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftsstufen, etwa Hersteller und Handelsunternehmen. Davon ist die Unternehmenskonzentration abzugrenzen, bei der die wirtschaftliche oder rechtliche Selbstständigkeit beteiligter Unternehmen stärker eingeschränkt werden kann. Konzentrationsprozesse können Unternehmen größere Marktanteile und Kostenvorteile verschaffen. Gleichzeitig können sie den Wettbewerb reduzieren, weshalb größere Unternehmenszusammenschlüsse auch unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten eine Rolle spielen.
Produktionsfaktoren und Arbeitsteilung
Für die Herstellung von Gütern und Dienstleistungen werden Produktionsfaktoren benötigt. In der klassischen volkswirtschaftlichen Betrachtung gehören dazu vor allem Boden, Arbeit und Kapital. Der Produktionsfaktor Boden umfasst natürliche Ressourcen und Flächen, beispielsweise Grundstücke, Rohstoffe, Wasser oder landwirtschaftlich nutzbare Böden. Zum Produktionsfaktor Arbeit gehören die körperlichen und geistigen Leistungen der Menschen im Produktionsprozess. Kapital umfasst produzierte Produktionsmittel wie Maschinen, Werkzeuge, Gebäude oder technische Anlagen, die zur Herstellung weiterer Güter eingesetzt werden.
Eng mit den Produktionsfaktoren verbunden ist die Arbeitsteilung. Dabei wird ein Produktionsprozess in einzelne Tätigkeiten oder Aufgaben zerlegt, die von unterschiedlichen Personen, Betrieben oder Volkswirtschaften übernommen werden. Arbeitsteilung kann Spezialisierung ermöglichen und dadurch Produktivität und Effizienz erhöhen. Gleichzeitig entsteht eine stärkere gegenseitige Abhängigkeit, weil einzelne Beteiligte nicht mehr den gesamten Produktionsprozess selbst durchführen. Arbeitsteilung findet deshalb sowohl innerhalb eines Unternehmens als auch zwischen Unternehmen und auf internationaler Ebene statt. Moderne Produktions- und Lieferketten sind ohne diese Spezialisierung kaum vorstellbar.
Markt, Angebot und Nachfrage
Auf einem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Anbieter möchten Waren oder Dienstleistungen verkaufen, während Nachfrager diese erwerben möchten. Der Preis eines Gutes wird dabei unter anderem durch das Verhältnis von angebotener und nachgefragter Menge beeinflusst. Steigt die Nachfrage bei unverändertem Angebot, kann der Preis tendenziell steigen. Nimmt dagegen das Angebot zu, während die Nachfrage unverändert bleibt, kann der Preis sinken. Für die Preisbildung spielen in der Realität zusätzlich Kosten, Wettbewerb, Erwartungen und weitere Marktbedingungen eine Rolle.
Das Zusammenspiel von Angebot, Nachfrage und Preis beeinflusst Entscheidungen von Unternehmen und Verbrauchern. Steigende Preise können Unternehmen beispielsweise dazu bewegen, ihr Angebot auszuweiten. Verbraucher können bei höheren Preisen ihre Nachfrage reduzieren oder auf andere Produkte ausweichen. Märkte übernehmen deshalb eine wichtige Koordinationsfunktion in einer Marktwirtschaft. Für die WiSo-Prüfung solltest du insbesondere verstehen, wie sich Veränderungen von Angebot und Nachfrage grundsätzlich auf Preis und Menge auswirken können. Dieses Wissen bildet gleichzeitig die Grundlage für spätere Themen der Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik.
Globalisierung: Chancen und Risiken
Unter Globalisierung versteht man die zunehmende weltweite Verflechtung von Wirtschaft, Handel, Produktion, Kapital und Kommunikation. Unternehmen können dadurch internationale Absatzmärkte erschließen und Produkte oder Vorleistungen aus unterschiedlichen Ländern beziehen. Arbeitsteilung und Spezialisierung über Ländergrenzen hinweg können Kosten senken und das Warenangebot vergrößern. Gleichzeitig können Unternehmen Zugang zu neuen Technologien, Fachkräften und Geschäftspartnern erhalten. Für Verbraucher kann Globalisierung zu einer größeren Produktauswahl und teilweise günstigeren Preisen führen.
Die zunehmende internationale Verflechtung bringt jedoch auch Risiken mit sich. Unternehmen können stärker von internationalen Lieferketten, Rohstoffpreisen und politischen Entwicklungen abhängig werden. Produktionsverlagerungen können Arbeitsplätze in einzelnen Regionen gefährden, während gleichzeitig an anderen Standorten neue Beschäftigung entsteht. Unterschiede bei Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards können zusätzliche Probleme verursachen. Globale Krisen können sich außerdem schneller auf viele Volkswirtschaften übertragen. Deshalb solltest du Globalisierung nicht ausschließlich als Vorteil oder Nachteil betrachten, sondern Chancen und Risiken gegeneinander abwägen können.
Werbung und ihre Ziele
Unternehmen nutzen Werbung, um Produkte, Dienstleistungen oder das eigene Unternehmen bekannt zu machen und das Verhalten von Kunden zu beeinflussen. Je nach Zielgruppe und Kommunikationsweg können unterschiedliche Arten der Werbung eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Einzelwerbung, Gemeinschaftswerbung, Direktwerbung oder verschiedene Formen der Onlinewerbung. Werbung kann auf einzelne Produkte, Marken oder das gesamte Unternehmen ausgerichtet sein. Welche Werbeform geeignet ist, hängt unter anderem von Zielgruppe, Produkt, Budget und Werbeziel ab.
Zu den typischen Werbezielen gehören die Steigerung von Bekanntheit, Absatz und Umsatz, die Gewinnung neuer Kunden und die Bindung bestehender Kunden. Dabei solltest du zwischen Werbemitteln und Werbeträgern unterscheiden. Das Werbemittel ist die konkrete Gestaltung der Werbebotschaft, beispielsweise ein Plakat, eine Anzeige, ein Werbespot oder ein Onlinebanner. Der Werbeträger ist das Medium, mit dessen Hilfe die Botschaft verbreitet wird, beispielsweise eine Zeitung, eine Website, ein Radiosender oder eine Außenwerbefläche. Für eine erfolgreiche Werbemaßnahme müssen Zielgruppe, Werbebotschaft, Werbemittel und Werbeträger sinnvoll aufeinander abgestimmt sein.








