Wirtschafts- und Sozialkunde IHK Prüfung:
Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

In einer Volkswirtschaft stehen viele verschiedene Wirtschaftsteilnehmer miteinander in Verbindung. Menschen arbeiten in Unternehmen, kaufen Waren, zahlen Steuern und sparen Geld. Unternehmen produzieren Güter, nehmen Kredite auf und verkaufen ihre Produkte auch ins Ausland. Wie diese wirtschaftlichen Beziehungen zusammenhängen, zeigt der erweiterte Wirtschaftskreislauf. Er baut auf dem einfachen Wirtschaftskreislauf auf und berücksichtigt zusätzlich den Staat, die Banken und das Ausland.

Was ist der erweiterte Wirtschaftskreislauf?

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf ist ein Modell, das die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Wirtschaftssubjekten vereinfacht darstellt. Im Mittelpunkt stehen fünf Wirtschaftssektoren: private Haushalte, Unternehmen, Staat, Banken und Ausland. Zwischen ihnen fließen Geld, Güter, Dienstleistungen und Produktionsfaktorleistungen. Diese Austauschbeziehungen verdeutlichen, wie eng die einzelnen Bereiche einer Volkswirtschaft miteinander verbunden sind.

Stell dir Klaus und seine Frau Lisa vor. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern leben sie in einem Einfamilienhaus in Deutschland. Sie bilden einen privaten Haushalt. Im wirtschaftlichen Sinn muss ein Haushalt allerdings nicht aus mehreren Personen bestehen. Auch eine alleinlebende Person gilt als privater Haushalt.

Klaus und Lisa arbeiten beide in einem Unternehmen. Sie stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten dafür monatlich ihr Gehalt. Einen Teil dieses Einkommens geben sie für Lebensmittel, Kleidung und andere Güter aus. Die Unternehmen stellen diese Waren und Dienstleistungen bereit und erhalten dafür Geld. Genau diese Beziehungen zwischen Haushalten und Unternehmen kennst du bereits aus dem einfachen Wirtschaftskreislauf.

Haushalte und Unternehmen: Der einfache Kreislauf als Grundlage

Zwischen privaten Haushalten und Unternehmen entstehen gegenläufige Geld- und Leistungsströme. Klaus und Lisa stellen ihrem Arbeitgeber den Produktionsfaktor Arbeit zur Verfügung. Dafür erhalten sie Lohn beziehungsweise Gehalt. Die Arbeitsleistung fließt also von den Haushalten zu den Unternehmen, während das Geld in die entgegengesetzte Richtung fließt.

Wenn die Familie anschließend einkauft, kehren sich die Richtungen um. Die Unternehmen liefern Güter und Dienstleistungen an den Haushalt. Dafür bezahlt die Familie den entsprechenden Kaufpreis. Die Waren fließen somit von den Unternehmen zu den Haushalten, während das Geld von den Haushalten zu den Unternehmen gelangt.

Im einfachen Wirtschaftskreislauf wird angenommen, dass die Haushalte ihr gesamtes Einkommen wieder für Konsum ausgeben. Im erweiterten Wirtschaftskreislauf ist das anders. Hier können Haushalte einen Teil ihres Geldes sparen, müssen Steuern zahlen und können staatliche Leistungen erhalten. Außerdem werden wirtschaftliche Beziehungen zum Ausland berücksichtigt.

Der Staat: Steuern, Transferzahlungen und Subventionen

Klaus und Lisa müssen auf ihre steuerpflichtigen Einkünfte gegebenenfalls Einkommensteuer zahlen. Außerdem fallen beim Kauf vieler Waren und Dienstleistungen indirekte Steuern an, beispielsweise die Umsatzsteuer. Diese Einnahmen fließen dem Staat zu. Auch Unternehmen zahlen Steuern, etwa auf ihre Gewinne oder im Zusammenhang mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit.

Der Staat verwendet seine Einnahmen, um öffentliche Aufgaben zu finanzieren. Dazu gehören beispielsweise Schulen, Straßen, Polizei, Verwaltung und Landesverteidigung. Außerdem beschäftigt er Lehrkräfte, Polizeibeamte und viele weitere Mitarbeiter. Für seine Leistungen kauft der Staat auch Güter und Dienstleistungen bei Unternehmen ein.

Eine weitere wichtige Aufgabe sind staatliche Transferzahlungen. Dabei handelt es sich um Geldleistungen, denen keine unmittelbar entsprechende Gegenleistung des Empfängers gegenübersteht. Wenn Klaus oder Lisa arbeitslos werden, können sie beispielsweise unter bestimmten Voraussetzungen Arbeitslosengeld erhalten. Dieses wird im Rahmen der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung finanziert.

Auch Unternehmen können finanzielle Unterstützung erhalten. Solche staatlichen Leistungen bezeichnet man unter bestimmten Voraussetzungen als Subventionen. Beispielsweise kann ein Unternehmen Fördermittel erhalten, wenn es besonders energieeffiziente Produktionsanlagen anschafft. Der Staat beeinflusst dadurch wirtschaftliche Entscheidungen und kann bestimmte Entwicklungen gezielt fördern.

Im Wirtschaftskreislauf fließt somit Geld in Form von Steuern und Abgaben von Haushalten und Unternehmen an den Staat. In der Gegenrichtung erfolgen unter anderem Transferzahlungen, Fördermittel und staatliche Ausgaben. Zusätzlich stellt der Staat öffentliche Leistungen bereit.

Banken: Sparen, Kredite und Zinsen

Klaus und Lisa verdienen mehr Geld, als sie für ihren täglichen Lebensunterhalt benötigen. Den übrigen Betrag legen sie bei einer Bank an. Anders als im einfachen Wirtschaftskreislauf wird im erweiterten Modell also berücksichtigt, dass private Haushalte einen Teil ihres Einkommens sparen können.

Für bestimmte Geldanlagen erhalten die beiden Zinsen. Die Höhe hängt unter anderem von der gewählten Anlageform und den vereinbarten Konditionen ab. Aus Sicht der Haushalte stellen die Ersparnisse eine Vermögensbildung dar. Banken übernehmen dabei eine wichtige Vermittlungsfunktion zwischen Geldanlegern und Kreditnehmern.

Möchten Klaus und Lisa beispielsweise ein Haus kaufen, können sie bei einer Bank einen Kredit aufnehmen. Die Bank stellt ihnen den vereinbarten Geldbetrag zur Verfügung. Dafür müssen sie den Kredit zurückzahlen und in der Regel Zinsen bezahlen. Auch Unternehmen nutzen Bankkredite, etwa um Maschinen anzuschaffen, neue Gebäude zu errichten oder Investitionen zu finanzieren.

Damit entstehen weitere Geldströme im Wirtschaftskreislauf. Haushalte können Geld bei Banken anlegen und dafür Zinsen erhalten. Banken vergeben Kredite an Haushalte und Unternehmen und erhalten dafür Zinszahlungen sowie Tilgungsleistungen. Das Bankensystem unterstützt damit die Finanzierung wirtschaftlicher Aktivitäten. Die Kreditvergabe ist dabei nicht ausschließlich von zuvor eingezahlten Spargeldern abhängig.

Das Ausland: Exporte und Importe

Bisher haben wir hauptsächlich die wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb Deutschlands betrachtet. In der Realität kaufen und verkaufen Unternehmen ihre Produkte jedoch auch über Landesgrenzen hinweg. Deshalb gehört das Ausland ebenfalls zum erweiterten Wirtschaftskreislauf.

Klaus und Lisa arbeiten beispielsweise bei einem deutschen Automobilhersteller. Das Unternehmen verkauft seine Fahrzeuge nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, etwa in Italien, China oder den USA. Verkauft der Hersteller ein Auto an einen ausländischen Kunden, handelt es sich um einen Export. Das Fahrzeug wird ins Ausland geliefert und der deutsche Hersteller erhält dafür eine Zahlung.

Bei einem Export fließen somit Güter oder Dienstleistungen von Deutschland ins Ausland. Der zugehörige Geldstrom verläuft grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung, also vom Ausland nach Deutschland. Diese Einnahmen bezeichnet man als Exporterlöse.

Umgekehrt benötigt der Automobilhersteller möglicherweise ein spezielles Bauteil aus China. Kauft er dieses bei einem chinesischen Unternehmen, handelt es sich um einen Import. Das Bauteil gelangt aus dem Ausland nach Deutschland, während die Zahlung an den ausländischen Lieferanten fließt. Solche Zahlungen werden als Importausgaben bezeichnet.

Auch private Haushalte können importierte Waren kaufen, und Unternehmen können Dienstleistungen aus dem Ausland beziehen. Exporte und Importe sind deshalb wichtige Bestandteile der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Sie zeigen, dass eine Volkswirtschaft nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern mit anderen Ländern verflochten ist.

Wie hängen die fünf Wirtschaftssektoren zusammen?

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf verdeutlicht, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten der einzelnen Sektoren voneinander abhängen. Private Haushalte stellen Unternehmen Produktionsfaktoren zur Verfügung und erhalten dafür Einkommen. Mit diesem Geld kaufen sie Güter und Dienstleistungen, zahlen Steuern oder bilden Ersparnisse. Unternehmen verwenden ihre Einnahmen wiederum, um Beschäftigte zu bezahlen, Produktionsmittel zu beschaffen und Investitionen zu finanzieren.

Der Staat nimmt Steuern und Abgaben ein und verwendet seine Mittel unter anderem für öffentliche Leistungen, Transferzahlungen und Subventionen. Banken ermöglichen Geldanlagen und stellen Kredite bereit. Durch den Außenhandel entstehen zusätzliche Güter- und Geldströme zwischen der heimischen Volkswirtschaft und dem Ausland.

Anders als beim einfachen Wirtschaftskreislauf wird das Einkommen der Haushalte somit nicht vollständig für den Konsum verwendet. Ein Teil fließt beispielsweise in Ersparnisse oder an den Staat. Gleichzeitig gelangen über Kredite, staatliche Ausgaben und Exporterlöse zusätzliche Mittel in die verschiedenen Wirtschaftsbereiche.

Das Modell hilft dir dabei, die Zusammenhänge einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft zu verstehen. Für die Zuordnung einzelner Vorgänge ist besonders wichtig, wer eine Leistung erbringt, wer dafür bezahlt und in welche Richtung die jeweiligen Geld- und Güterströme verlaufen.

Typische Prüfungsaufgaben:

1. Welche Wirtschaftssubjekte werden im erweiterten Wirtschaftskreislauf berücksichtigt?

Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.

A. Private Haushalte, Unternehmen und Banken
B. Private Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland
C. Private Haushalte, Unternehmen, Staat, Banken und Ausland
D. Private Haushalte, Unternehmen, Staat und Versicherungen
E. Private Haushalte, Unternehmen, Banken und Versicherungen

2. Welche Aussage über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen privaten Haushalten und dem Staat trifft zu?

Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.

A. Private Haushalte zahlen ausschließlich Steuern an das Ausland und erhalten dafür staatliche Transferzahlungen.
B. Private Haushalte zahlen Steuern an den Staat. Dieser finanziert damit unter anderem öffentliche Aufgaben und Sozialleistungen.
C. Sämtliche staatlichen Geldleistungen an private Haushalte sind grundsätzlich steuerfrei.
D. Im einfachen Wirtschaftskreislauf werden bereits Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland berücksichtigt.
E. Der Staat finanziert seine Ausgaben ausschließlich durch Steuern und darf keine Kredite aufnehmen.

3. Welche Aussagen über die Geld- und Leistungsströme zwischen privaten Haushalten und Unternehmen sind richtig?

Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.

A. Private Haushalte stellen Unternehmen ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten dafür Lohn oder Gehalt.
B. Unternehmen stellen den privaten Haushalten grundsätzlich Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten dafür Lohn.
C. Private Haushalte bezahlen die Güter und Dienstleistungen, die sie von Unternehmen beziehen.
D. Unternehmen liefern Güter und Dienstleistungen an private Haushalte und erhalten dafür Geld.
E. Private Haushalte erhalten sämtliche Konsumgüter kostenlos, weil sie den Unternehmen bereits ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

4. Welche Aussagen über die Aufgaben von Banken und Staat im erweiterten Wirtschaftskreislauf sind richtig?

Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.

A. Banken gehören nicht zum erweiterten Wirtschaftskreislauf, da sie keine Waren herstellen.
B. Banken nehmen Ersparnisse entgegen und vergeben Kredite an private Haushalte und Unternehmen.
C. Unternehmen zahlen ihre Steuern grundsätzlich an Banken, die das Geld anschließend an den Staat weiterleiten.
D. Der erweiterte Wirtschaftskreislauf ergänzt den einfachen Wirtschaftskreislauf um Staat, Banken und Ausland.
E. Der Staat darf seine Einnahmen ausschließlich zur Finanzierung von Unternehmen verwenden.

5. Welche Aussagen über Importe, Exporte und den internationalen Wirtschaftskreislauf sind richtig?

Bei dieser Frage sind vier Antworten richtig.

A. Der erweiterte Wirtschaftskreislauf stellt die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Haushalten, Unternehmen, Staat, Banken und Ausland vereinfacht dar.
B. Importausgaben sind staatliche Geldleistungen, die private Haushalte ohne unmittelbare Gegenleistung erhalten.
C. Das Ausland wird im erweiterten Wirtschaftskreislauf als eigener Wirtschaftssektor berücksichtigt, weil Volkswirtschaften internationale Handelsbeziehungen unterhalten.
D. Beim Import von Waren gelangen Güter aus dem Ausland ins Inland, während der zugehörige Geldstrom grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung verläuft.
E. Beim Export werden Güter oder Dienstleistungen an ausländische Abnehmer verkauft und dafür Zahlungen aus dem Ausland erhalten.

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