Jedes Unternehmen verfolgt bestimmte Ziele. Manche Betriebe möchten wachsen, andere legen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit oder die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Für die meisten Unternehmen spielt aber auch die Gewinnerzielung eine entscheidende Rolle. Denn wer langfristig erfolgreich wirtschaften möchte, muss seine Einnahmen und Ausgaben im Blick behalten. Wie sich Gewinn und Verlust ermitteln lassen und was sie über den Unternehmenserfolg aussagen, erfährst du hier.
Was bedeutet Gewinnerzielung?
Gewinnerzielung bedeutet, dass ein Unternehmen durch seine wirtschaftliche Tätigkeit einen finanziellen Überschuss erwirtschaften möchte. Dieser entsteht, wenn die Erträge eines bestimmten Zeitraums höher sind als die dafür angefallenen Aufwendungen. Der Gewinn zeigt somit, dass ein Unternehmen mehr Werte erwirtschaftet hat, als es im betrachteten Zeitraum verbraucht hat.
Für viele Unternehmen gehört die Gewinnerzielung zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zielen. Sie möchten nicht nur ihre laufenden Kosten decken, sondern darüber hinaus einen möglichst hohen Gewinn erwirtschaften. Gleichzeitig können Betriebe weitere Ziele verfolgen, beispielsweise neue Arbeitsplätze schaffen, ihre Produkte verbessern oder umweltfreundlicher produzieren.
Auch für deinen Ausbildungsbetrieb ist der wirtschaftliche Erfolg wichtig. Das Unternehmen benötigt finanzielle Mittel, um Mitarbeiter zu bezahlen, Waren einzukaufen und Investitionen zu finanzieren. Dauerhafte Gewinne können dazu beitragen, die wirtschaftliche Stabilität zu sichern und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.
Gewinnerzielung und das erwerbswirtschaftliche Prinzip
Wenn die Gewinnerzielung im Mittelpunkt der unternehmerischen Tätigkeit steht, spricht man vom erwerbswirtschaftlichen Prinzip. Nach diesem Grundsatz streben Unternehmen danach, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Sie möchten ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten nutzen und das eingesetzte Kapital möglichst rentabel einsetzen.
Das erwerbswirtschaftliche Prinzip ist besonders für privatwirtschaftliche Unternehmen von Bedeutung. Die Eigentümer investieren Kapital und tragen damit ein wirtschaftliches Risiko. Im Gegenzug erwarten sie, dass das Unternehmen erfolgreich arbeitet und eine angemessene Rendite erwirtschaftet. Gewinne können beispielsweise für neue Maschinen, die Erweiterung des Betriebs oder die Finanzierung weiterer Geschäftstätigkeiten verwendet werden.
Neben der Gewinnerzielung verfolgen Unternehmen häufig auch soziale und ökologische Ziele. Dazu gehören beispielsweise faire Arbeitsbedingungen, die Weiterbildung von Beschäftigten oder die Verringerung von Umweltbelastungen. Diese Ziele können mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden werden. Ein Unternehmen muss deshalb nicht ausschließlich auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet sein.
Erträge und Aufwendungen: Die Grundlage der Gewinnberechnung
Um den Gewinn eines Unternehmens zu berechnen, müssen zunächst die Erträge und Aufwendungen eines bestimmten Zeitraums ermittelt werden. Diese beiden Größen bilden die Grundlage der Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV.
Erträge sind Wertzuwächse, die während eines bestimmten Zeitraums im Unternehmen entstehen. Dazu gehören insbesondere Umsatzerlöse aus dem Verkauf von Waren oder Dienstleistungen. Verkauft dein Ausbildungsbetrieb beispielsweise Produkte an seine Kunden, entstehen dadurch in der Regel Umsatzerlöse und somit Erträge.
Aufwendungen beschreiben dagegen den bewerteten Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Man spricht dabei auch von Werteverzehr. Dazu gehören beispielsweise Personalaufwendungen, Mietaufwendungen für Lager- und Verkaufsräume sowie Aufwendungen für verbrauchte Materialien. Auch Abschreibungen auf Maschinen oder Fahrzeuge zählen zu den Aufwendungen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Erträgen und Einnahmen sowie zwischen Aufwendungen und Ausgaben. Die Begriffe werden im Alltag häufig gleichgesetzt, haben im Rechnungswesen aber unterschiedliche Bedeutungen. Ein Unternehmen kann beispielsweise einen Ertrag erzielen, obwohl der Kunde seine Rechnung noch nicht bezahlt hat. Ebenso kann ein Aufwand entstehen, ohne dass im selben Moment Geld abfließt. Für die Gewinnermittlung werden deshalb Erträge und Aufwendungen betrachtet.
Wie berechnet man den Gewinn?
Die Berechnung des Gewinns ist grundsätzlich einfach. Du ziehst die gesamten Aufwendungen eines bestimmten Zeitraums von den gesamten Erträgen desselben Zeitraums ab. Das Ergebnis zeigt, ob das Unternehmen einen Gewinn oder einen Verlust erwirtschaftet hat.
Die Formel lautet:
Gewinn = Erträge − Aufwendungen
Schauen wir uns dazu ein Beispiel an. Dein Ausbildungsunternehmen weist in seiner Gewinn- und Verlustrechnung folgende Werte aus:
Erträge: 25.600.000 €
Aufwendungen: 22.700.000 €
Um den Gewinn zu berechnen, setzt du die beiden Werte in die Formel ein:
25.600.000 € − 22.700.000 € = 2.900.000 €
Ergebnis: Das Unternehmen hat einen Gewinn von 2.900.000 € erwirtschaftet.
Die Erträge sind also um 2.900.000 € höher als die Aufwendungen. Das Unternehmen hat in diesem Zeitraum einen positiven Unternehmenserfolg erzielt. Ein solcher Gewinn kann beispielsweise im Betrieb verbleiben, für Investitionen verwendet oder unter bestimmten Voraussetzungen an die Eigentümer ausgeschüttet werden.
Wann entsteht ein Verlust?
Nicht immer gelingt es einem Unternehmen, einen Gewinn zu erwirtschaften. Wenn die Aufwendungen höher sind als die Erträge, entsteht ein Verlust. Der Unternehmenserfolg ist in diesem Fall negativ.
Betrachten wir dazu ein zweites Beispiel. Ein Unternehmen weist für einen bestimmten Zeitraum folgende Werte aus:
Erträge: 28.300.000 €
Aufwendungen: 30.800.000 €
Auch hier verwendest du die bekannte Formel:
28.300.000 € − 30.800.000 € = −2.500.000 €
Ergebnis: Das Unternehmen hat einen Verlust von 2.500.000 € erwirtschaftet.
Die Aufwendungen übersteigen die Erträge um 2.500.000 €. Deshalb fällt das Ergebnis negativ aus. In der Gewinn- und Verlustrechnung wird ein solcher Verlust auch als Jahresfehlbetrag bezeichnet, wenn es sich um das entsprechende negative Jahresergebnis handelt.
Ein Verlust bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das Unternehmen sofort zahlungsunfähig ist. Es kann beispielsweise noch über ausreichende liquide Mittel oder finanzielle Rücklagen verfügen. Dauerhafte Verluste können jedoch die wirtschaftliche Existenz gefährden, weil sie das Eigenkapital verringern und die Finanzierung des Geschäftsbetriebs erschweren können.
Warum ist die Gewinnerzielung für Unternehmen wichtig?
Gewinne sind für viele Unternehmen eine wichtige Voraussetzung, um sich langfristig am Markt zu behaupten. Sie ermöglichen es, finanzielle Rücklagen aufzubauen, Investitionen zu tätigen und die weitere Entwicklung des Betriebs aus eigenen Mitteln zu unterstützen. Ein Unternehmen kann mit erwirtschafteten Gewinnen beispielsweise zusätzliche Maschinen kaufen, neue Produkte entwickeln oder seine Geschäftsräume erweitern.
Auch die Beschäftigten profitieren von einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen. Stabile wirtschaftliche Verhältnisse können dazu beitragen, Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze langfristig zu sichern. Gleichzeitig schafft ein Gewinn finanzielle Spielräume, etwa für Weiterbildungen oder zusätzliche betriebliche Leistungen.
Allerdings lässt sich der gesamte Unternehmenserfolg nicht allein anhand des Gewinns beurteilen. Auch die Kundenzufriedenheit, die Qualität der Produkte, die wirtschaftliche Zahlungsfähigkeit und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit spielen eine wichtige Rolle. Ein hoher Gewinn in einem einzelnen Geschäftsjahr bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich ist.
Für die wirtschaftliche Beurteilung solltest du dir vor allem den grundlegenden Zusammenhang merken: Übersteigen die Erträge die Aufwendungen, entsteht ein Gewinn. Sind die Aufwendungen höher als die Erträge, entsteht ein Verlust. Die Differenz aus beiden Größen zeigt den finanziellen Erfolg oder Misserfolg des betrachteten Zeitraums.
Typische Prüfungsaufgaben:
1. Welche Aussage über den Gewinn eines Unternehmens ist falsch?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Die Gewinnerzielung gehört zu den wichtigsten wirtschaftlichen Zielen vieler Unternehmen.
B. Die Erwirtschaftung von Gewinnen kann zum langfristigen Erfolg eines Unternehmens beitragen.
C. Der Gewinn wird berechnet, indem man die Aufwendungen von den Erträgen abzieht.
D. Der Gewinn erhöht sich, wenn die Aufwendungen steigen und die Erträge unverändert bleiben.
E. Übersteigen die Aufwendungen die Erträge, entsteht ein Verlust.
2. Was besagt das erwerbswirtschaftliche Prinzip?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Das Streben nach einem möglichst hohen Gewinn
B. Das Streben nach einer vollständigen Kostendeckung ohne Gewinnerzielung
C. Das Streben nach einem möglichst hohen Umsatz unabhängig von den Aufwendungen
D. Das Streben nach möglichst hohen Erträgen unabhängig von den Aufwendungen
E. Das Streben nach einem möglichst geringen Werteverzehr unabhängig vom Unternehmenserfolg
3. Dein Ausbildungsbetrieb hat in einem Geschäftsjahr Erträge in Höhe von 35.000.000 € erwirtschaftet. Die gesamten Aufwendungen betragen 27.500.000 €.
Wie hoch ist der Gewinn des Unternehmens?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. 75.000.000 €
B. 7.500.000 €
C. 962.500.000 €
D. 7.900.000 €
E. 1.272.727 €
4. Welche der folgenden Einrichtungen verfolgen in erster Linie gemeinwirtschaftliche Ziele und nicht das erwerbswirtschaftliche Prinzip?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Eine staatliche Berufsschule, die aus öffentlichen Mitteln finanziert wird
B. Ein privatwirtschaftlicher Ausbildungsbetrieb, der Gewinne erwirtschaften möchte
C. Ein kommerziell betriebener Freizeitpark, dessen Ziel die Gewinnerzielung ist
D. Ein kommunales Krankenhaus, dessen vorrangiges Ziel die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist
E. Ein privatwirtschaftliches Bekleidungsgeschäft, das einen möglichst hohen Gewinn erzielen möchte
5. Ein Krankenhaus weist in seiner Gewinn- und Verlustrechnung für ein Geschäftsjahr Erträge von 95.700.000 € aus. Die Aufwendungen betragen insgesamt 97.900.500 €.
Wie hoch ist das Jahresergebnis des Krankenhauses?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. 2.200.500 € Gewinn
B. 2.200.000 € Gewinn
C. 2.200.500 € Verlust
D. 5.200.500 € Verlust
E. 3.200.500 € Verlust








