Weltweit werden immer mehr Waren hergestellt, transportiert und verbraucht. Das belastet die Umwelt und verbraucht wertvolle Ressourcen. Damit unsere Erde auch für kommende Generationen lebenswert bleibt, müssen Unternehmen und Verbraucher verantwortungsvoll handeln. Umweltverträglichkeit ist deshalb ein wichtiges ökologisches Unternehmensziel. Besonders der Einzelhandel kann dazu beitragen, umweltfreundliche Produkte zu fördern und Umweltbelastungen zu verringern.
Was bedeutet Umweltverträglichkeit?
Umweltverträglichkeit beschreibt, wie stark ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine wirtschaftliche Tätigkeit die Umwelt beeinflusst. Dabei geht es darum, schädliche Auswirkungen auf das Klima, die natürlichen Ressourcen und die Ökosysteme möglichst gering zu halten. Unternehmen sollen beispielsweise Energie und Rohstoffe sparsam einsetzen, Schadstoffe vermeiden und Abfälle reduzieren.
Für viele Betriebe gehört Umweltverträglichkeit inzwischen zu den wichtigen ökologischen Unternehmenszielen. Neben wirtschaftlichen Zielen wie der Gewinnerzielung und sozialen Zielen wie der Arbeitsplatzsicherung übernehmen Unternehmen damit auch Verantwortung für den Schutz der Umwelt. Dabei spielt nicht nur die eigentliche Herstellung eines Produkts eine Rolle. Entscheidend ist vielmehr dessen gesamter Lebensweg.
Um die Umweltverträglichkeit eines Produkts zu beurteilen, betrachtet man insbesondere vier Bereiche: die Herstellung, die Bereitstellung, den Gebrauch beziehungsweise Verbrauch und die Entsorgung. In jeder dieser Phasen können unterschiedliche Umweltbelastungen entstehen. Mithilfe einer sogenannten Ökobilanz lassen sich diese Auswirkungen über den gesamten Lebensweg eines Produkts systematisch untersuchen.
Umweltbelastungen bei der Herstellung von Produkten
Bereits bei der Gewinnung von Rohstoffen können erhebliche Umweltbelastungen entstehen. Für die Herstellung vieler Produkte werden beispielsweise Holz, Metalle, Erdöl oder andere natürliche Ressourcen benötigt. Ihre Gewinnung beansprucht Flächen, verbraucht Energie und kann empfindliche Ökosysteme beeinträchtigen.
Ein Beispiel ist die Abholzung tropischer Regenwälder. Werden große Waldflächen gerodet, verlieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Gleichzeitig können wichtige natürliche Kohlenstoffspeicher verloren gehen. Auch die Überfischung der Meere ist ein ökologisches Problem, weil zu große Fangmengen die Fischbestände und das Gleichgewicht der Meeresökosysteme gefährden.
Beim Abbau von Bodenschätzen können ebenfalls Schäden entstehen. Je nach Abbauverfahren werden große Mengen Wasser und Energie benötigt oder Chemikalien eingesetzt, die bei unsachgemäßem Umgang Böden und Gewässer belasten. Auch die anschließende industrielle Verarbeitung der Rohstoffe kann Schadstoffe und Treibhausgase verursachen.
Unternehmen können diese Belastungen verringern, indem sie beispielsweise ressourcenschonende Produktionsverfahren einsetzen, recycelte Materialien verwenden und auf die Herkunft ihrer Rohstoffe achten. Ziel ist es, bereits bei der Herstellung möglichst wenige negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verursachen.
Umweltbelastungen durch Transport und Bereitstellung
Viele Waren legen weite Strecken zurück, bevor sie in einem Supermarkt oder einem anderen Einzelhandelsgeschäft angeboten werden. Rohstoffe werden häufig in einem Land gewonnen, in einem anderen verarbeitet und anschließend an die Verkaufsstellen transportiert. Dadurch entstehen zusätzliche Umweltbelastungen.
Ein bekanntes Beispiel sind Nordseekrabben. Ein Teil der in der Nordsee gefangenen Krabben wird zur Verarbeitung beziehungsweise zum Schälen nach Marokko transportiert und anschließend wieder nach Deutschland gebracht. Solche internationalen Verarbeitungsketten können wirtschaftliche Vorteile bieten, führen aber zu zusätzlichen Transportwegen und dem damit verbundenen Energieverbrauch.
Der Transport von Waren mit Lastwagen, Schiffen, Zügen oder Flugzeugen verursacht je nach Verkehrsmittel unterschiedlich hohe Treibhausgas- und Schadstoffemissionen. Außerdem kann Verkehr zu Lärm und weiteren Umweltbelastungen führen. Auch die Kühlung und Lagerung empfindlicher Lebensmittel benötigen Energie.
Allerdings bedeutet ein kurzer Transportweg nicht automatisch, dass ein Produkt insgesamt umweltfreundlicher ist. Entscheidend sind beispielsweise auch die Produktionsbedingungen, das Transportmittel und der Energieverbrauch. Regionales Obst und Gemüse aus saisonalem Freilandanbau kann deshalb besonders vorteilhaft sein, während der Anbau in einem stark beheizten Gewächshaus trotz kurzer Transportwege eine hohe Umweltbelastung verursachen kann.
Umweltbelastungen bei Gebrauch und Entsorgung
Nicht nur die Herstellung und der Transport, sondern auch die Nutzung vieler Produkte wirkt sich auf die Umwelt aus. Besonders deutlich wird das bei elektrischen Geräten. Smartphones, Computer, Tablets und Haushaltsgeräte benötigen Strom, dessen Erzeugung je nach Energiequelle unterschiedliche Umweltbelastungen verursacht. Auch die Herstellung der Geräte selbst beansprucht Rohstoffe und Energie.
Unternehmen können die Umweltverträglichkeit verbessern, indem sie energiesparende und langlebige Produkte anbieten. Für Verbraucher ist es sinnvoll, Geräte möglichst lange zu nutzen, bei Bedarf reparieren zu lassen und auf den Energieverbrauch zu achten. Ein funktionierendes Smartphone muss beispielsweise nicht allein deshalb ersetzt werden, weil ein neueres Modell erhältlich ist.
Am Ende der Nutzungsdauer entsteht eine weitere Herausforderung: die Entsorgung. Batterien, Akkus, Druckerpatronen, Elektrogeräte und Verpackungen enthalten unterschiedliche Materialien, die möglichst wiederverwendet oder recycelt werden sollten. Werden Abfälle falsch entsorgt, können Schadstoffe in die Umwelt gelangen und wertvolle Rohstoffe verloren gehen.
Besonders problematisch ist die unsachgemäße Behandlung von Elektroschrott. Werden ausgediente Geräte unter unzureichenden Umwelt- und Arbeitsschutzbedingungen zerlegt oder verbrannt, können Menschen und Umwelt erheblichen Belastungen ausgesetzt sein. Deshalb sind geeignete Sammel- und Recyclingverfahren wichtig. Elektroaltgeräte und Batterien gehören nicht in den gewöhnlichen Hausmüll, sondern müssen über dafür vorgesehene Rückgabestellen entsorgt werden.
Wie kann der Einzelhandel die Umweltverträglichkeit verbessern?
Der Einzelhandel nimmt eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Herstellern und Verbrauchern ein. Er entscheidet mit darüber, welche Produkte angeboten werden und welche Informationen Kunden beim Einkauf erhalten. Dadurch kann er einen umweltbewussten Konsum fördern und Hersteller zu umweltverträglicheren Angeboten anregen.
- Umweltfreundliche Produkte anbieten: Das Sortiment um langlebige, reparierbare, ressourcenschonende oder umweltverträglich hergestellte Waren erweitern.
- Regionale und saisonale Produkte fördern: Bei Lebensmitteln auf Herkunft, Anbauweise und Transportwege achten.
- Problematische Produkte reduzieren: Waren mit besonders umweltbelastenden Inhaltsstoffen oder unnötig hohem Ressourcenverbrauch nach Möglichkeit durch geeignetere Alternativen ersetzen.
- Verpackungen vermeiden: Unnötiges Verpackungsmaterial reduzieren und geeignete Mehrweg- oder Nachfüllsysteme anbieten.
- Rückgabe und Recycling unterstützen: Gesetzlich vorgesehene und freiwillige Rückgabemöglichkeiten für beispielsweise Batterien und Elektroaltgeräte bereitstellen.
Auch dein Ausbildungsbetrieb kann diese Maßnahmen umsetzen. Ein Supermarkt könnte beispielsweise regionale Lebensmittel anbieten, auf Mehrweggetränke hinweisen oder Verpackungsmaterial einsparen. Außerdem können Händler ihre Kunden über die richtige Verwendung und Entsorgung bestimmter Produkte informieren.
Dabei ist wichtig, dass umweltfreundliche Eigenschaften nachvollziehbar sind. Nicht jedes Produkt, das mit Begriffen wie „grün“ oder „nachhaltig“ beworben wird, ist tatsächlich besonders umweltverträglich. Aussagekräftige Umweltzeichen und überprüfbare Produkteigenschaften können bei der Beurteilung helfen.
Beispiele für umweltverträgliche Produkte im Einzelhandel
An drei typischen Produktgruppen lässt sich zeigen, wie sich der Einzelhandel für mehr Umweltverträglichkeit einsetzen kann.
Obst und Gemüse: Regionales und saisonales Obst und Gemüse aus Freilandanbau kann gegenüber weit transportierten oder energieintensiv erzeugten Produkten Umweltvorteile haben. Besonders günstig ist häufig der Kauf saisonaler Lebensmittel, die weder aufwendig beheizt noch über lange Zeit gekühlt werden müssen. Allerdings sind regionale Produkte nicht grundsätzlich umweltfreundlicher: Auch die Anbauweise und der Energieverbrauch müssen berücksichtigt werden.
Waschmittel: Umweltverträgliche Waschmittel können dazu beitragen, die Belastung von Gewässern und den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren. Entscheidend sind unter anderem die Inhaltsstoffe, die biologische Abbaubarkeit und die richtige Dosierung. Hochkonzentrierte Waschmittel können beispielsweise Verpackungsmaterial einsparen. Auch die Verbraucher tragen Verantwortung, indem sie das Waschmittel entsprechend der Wasserhärte, dem Verschmutzungsgrad und den Herstellerangaben dosieren.
Getränkeverpackungen: Mehrwegflaschen können mehrfach gereinigt und wiederbefüllt werden. Dadurch lassen sich Verpackungsabfälle und häufig auch Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen reduzieren. Besonders vorteilhaft sind gut ausgelastete Mehrwegsysteme mit kurzen Transportwegen. Dabei sind sowohl Glas- als auch Kunststoffmehrwegflaschen eine Möglichkeit. Entscheidend ist nicht allein das Material, sondern unter anderem auch, wie oft eine Flasche wiederverwendet wird und wie weit sie transportiert werden muss.
Die Beispiele zeigen, dass Umweltverträglichkeit zahlreiche Entscheidungen im Einzelhandel beeinflusst. Unternehmen können durch eine bewusste Sortimentsgestaltung, umweltgerechte Verpackungen und geeignete Rückgabesysteme dazu beitragen, natürliche Ressourcen zu schonen und Umweltbelastungen zu verringern.
Typische Prüfungsaufgaben:
1. Was bedeutet Umweltverträglichkeit im wirtschaftlichen Zusammenhang?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen möglichst erhalten.
B. Ausschließlich die gesundheitlichen Auswirkungen von Produkten auf Menschen berücksichtigen.
C. Die Wirtschaft unabhängig von ihren Auswirkungen auf die Umwelt möglichst stark wachsen lassen.
D. Die negativen Auswirkungen von Produkten und wirtschaftlichen Tätigkeiten auf die Umwelt minimieren.
E. Rohstoffe ausschließlich dann wiederverwenden, wenn dadurch die Kosten eines Unternehmens sinken.
2. Dein Ausbildungsbetrieb möchte sein Sortiment umweltverträglicher gestalten. Dabei achtet er besonders darauf, unnötige Verpackungsabfälle zu vermeiden und wiederverwendbare Alternativen anzubieten.
Welches der folgenden Produkte passt am wenigsten zu diesem Ziel?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Energiesparende LED-Lampen mit langer Lebensdauer
B. Getränke in regionalen Mehrwegflaschen
C. Wiederverwendbare Einkaufstaschen aus langlebigem Material
D. Einweg-Plastikflaschen, die nach einmaliger Verwendung entsorgt werden
E. Saisonales Obst und Gemüse aus regionalem Freilandanbau
3. Was kann ein Einzelhandelsbetrieb tun, um die Wiederverwertung von Rohstoffen und einen funktionierenden Stoffkreislauf zu fördern?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Reinigungsmittel ausschließlich in möglichst großen Verpackungen anbieten.
B. Verpackungsmaterialien nach ihrer Nutzung grundsätzlich im Restmüll entsorgen.
C. Geeignete Rückgabe- und Sammelsysteme für wiederverwertbare Materialien unterstützen.
D. Verwendete Kunststoffverpackungen grundsätzlich verbrennen lassen, anstatt sie zu recyceln.
E. Sämtliche anfallenden Abfälle ohne vorherige Trennung auf einer Deponie entsorgen.
4. Welche Maßnahmen des Einzelhandels können dazu beitragen, die Umweltbelastung zu verringern?
Bei dieser Frage sind vier Antworten richtig.
A. Verstärkt regionale und saisonale Produkte aus umweltverträglicher Erzeugung anbieten.
B. Ausschließlich Produkte mit besonders hohem Ressourcenverbrauch verkaufen.
C. Produkte mit problematischen Inhaltsstoffen nach Möglichkeit durch umweltverträglichere Alternativen ersetzen.
D. Den Verbrauch von Energie, Wasser und Rohstoffen im Betrieb reduzieren.
E. Mehrwegverpackungen fördern und unnötiges Verpackungsmaterial vermeiden.
5. In welchen der folgenden Situationen wird die Umweltverträglichkeit offensichtlich nicht ausreichend berücksichtigt?
Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.
A. Jonas wirft sein altes Smartphone in den Restmüll, weil er sich ein neues Gerät gekauft hat.
B. Ein Unternehmen lässt lebende Tiere über sehr weite Strecken transportieren, obwohl eine geeignete regionale Verarbeitung möglich wäre, und berücksichtigt dabei weder die zusätzlichen Umweltbelastungen noch den Tierschutz.
C. Ein Supermarkt bietet verstärkt saisonales Obst und Gemüse aus regionalem Freilandanbau an.
D. Ein Bergbauunternehmen setzt umweltgefährdende Chemikalien ein, ohne ausreichende Schutzmaßnahmen gegen die Belastung von Böden und Gewässern zu treffen.
E. Ein Getränkehändler bietet Getränke in wiederbefüllbaren Mehrwegflaschen mit kurzen Transportwegen an.








