Unternehmen verfolgen oft mehrere Ziele gleichzeitig: Sie möchten Gewinne erzielen, ihre Beschäftigten unterstützen und die Umwelt schützen. Doch nicht alle Ziele lassen sich problemlos miteinander verbinden. Manche fördern sich gegenseitig, andere stehen in Konflikt. Damit ein Unternehmen sinnvoll entscheiden kann, muss es die Beziehungen zwischen seinen Zielen kennen und festlegen, welche Ziele besonders wichtig sind.
Was sind Unternehmensziele?
Unternehmensziele beschreiben, was ein Betrieb in einem bestimmten Zeitraum erreichen möchte. Dazu zählen wirtschaftliche Ziele wie die Gewinnsteigerung, soziale Ziele wie höhere Mitarbeiterzufriedenheit und ökologische Ziele wie eine umweltverträglichere Produktion. Häufig verfolgt ein Unternehmen mehrere dieser Ziele gleichzeitig. Dabei müssen die Verantwortlichen entscheiden, wie sie ihre finanziellen Mittel, ihre Arbeitszeit und andere Ressourcen einsetzen.
Stell dir vor, dein Ausbildungsbetrieb möchte einerseits seinen Gewinn steigern und andererseits allen Beschäftigten ein höheres Weihnachtsgeld zahlen. Ein höheres Weihnachtsgeld erhöht zunächst den Personalaufwand und kann bei unveränderten Erträgen den Gewinn verringern. Beide Ziele stehen damit kurzfristig in einem Konflikt. Die Geschäftsführung kann trotzdem beschließen, die höhere Sonderzahlung vorzuziehen, weil ihr die Zufriedenheit der Mitarbeiter besonders wichtig ist.
Zielbeziehungen: neutral, komplementär oder konkurrierend
Wie sich zwei Ziele gegenseitig beeinflussen, bezeichnet man als Zielbeziehung. Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten: neutrale, komplementäre und konkurrierende beziehungsweise konfliktäre Ziele. Entscheidend ist, ob die Verfolgung eines Ziels die Erreichung des anderen Ziels fördert, behindert oder nicht beeinflusst.
Neutrale Ziele sind voneinander unabhängig. Komplementäre Ziele begünstigen sich gegenseitig. Konkurrierende Ziele behindern sich dagegen zumindest unter den betrachteten Bedingungen. Eine Zielbeziehung kann sich allerdings verändern, zum Beispiel wenn ein Unternehmen andere Maßnahmen auswählt oder einen längeren Zeitraum betrachtet.
Neutrale und komplementäre Ziele
Bei einer neutralen Zielbeziehung hat die Verfolgung des einen Ziels keinen wesentlichen Einfluss auf das andere. Ein Betrieb könnte beispielsweise die Umweltverträglichkeit einer bestimmten Verpackung verbessern und gleichzeitig die Zufriedenheit seiner Beschäftigten durch ein unabhängiges Weiterbildungsangebot erhöhen. Wenn die beiden Maßnahmen tatsächlich keine nennenswerten Auswirkungen aufeinander haben, sind die Ziele in dieser Situation neutral.
Komplementäre Ziele unterstützen sich gegenseitig. Möchte ein Unternehmen seinen Marktanteil ausbauen und seinen Umsatz steigern, können beide Ziele zusammenwirken: Gewinnt der Betrieb bei einem unveränderten Gesamtmarkt und vergleichbaren Preisen zusätzliche Kunden, steigt in der Regel auch sein Umsatz. Der Zusammenhang gilt jedoch nicht automatisch, etwa wenn Verkaufspreise stark sinken. Auch eine gute Mitarbeiterschulung kann sowohl die Arbeitsqualität verbessern als auch die Kundenzufriedenheit erhöhen.
Konkurrierende Ziele und Zielkonflikte
Bei konkurrierenden oder konfliktären Zielen erschwert die Verfolgung eines Ziels die Erreichung eines anderen. Ein Unternehmen möchte beispielsweise seinen Gewinn erhöhen und zugleich allen Beschäftigten ein Dienstfahrrad zur Verfügung stellen. Die Anschaffung oder Finanzierung der Fahrräder verursacht zunächst zusätzliche Kosten. Bleiben die übrigen Bedingungen gleich, vermindern diese Kosten den kurzfristigen Gewinn.
Ein Zielkonflikt muss allerdings nicht dauerhaft bestehen. Wenn Beschäftigte die Dienstfahrräder regelmäßig nutzen, kann das beispielsweise ihre Zufriedenheit erhöhen. Denkbar sind auch positive Auswirkungen auf Gesundheit, Motivation und Mitarbeiterbindung. Ob daraus tatsächlich geringere Fehlzeiten oder wirtschaftliche Vorteile entstehen, ist nicht garantiert. Deshalb sollte ein Unternehmen die kurz- und langfristigen Folgen einer Maßnahme getrennt beurteilen.
Zielhierarchie: Oberziele und Unterziele
Unternehmen können ihre Ziele nach Wichtigkeit ordnen und miteinander verknüpfen. Diese Ordnung nennt man Zielhierarchie. Übergeordnete Ziele heißen Oberziele; untergeordnete Ziele konkretisieren, wie ein Oberziel erreicht werden soll. Daraus lassen sich weitere Teilziele und konkrete Maßnahmen ableiten.
Ein Beispiel: Das Oberziel eines Unternehmens lautet, seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Ein dazugehöriges Unterziel könnte sein, die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Ein weiteres Teilziel wäre, Reklamationen schneller zu bearbeiten. Als konkrete Maßnahme könnte der Betrieb seine Beschäftigten im Kundenservice schulen. So wird aus einem allgemeinen Ziel eine nachvollziehbare Handlungsrichtung.
Die Rangfolge zeigt zugleich, welche Ziele bei Entscheidungen Vorrang haben. Im Beispiel mit dem Weihnachtsgeld kann die Geschäftsführung der Mitarbeiterzufriedenheit eine höhere Priorität einräumen als einer kurzfristigen Gewinnsteigerung. Wichtig ist aber die Unterscheidung: Die Hierarchie von Ober- und Unterzielen beschreibt, wie Ziele aufeinander aufbauen; die Priorität beschreibt, welches Ziel im Konfliktfall wichtiger ist.
Wie können Unternehmen Zielkonflikte lösen?
Ein Unternehmen kann Zielkonflikte nicht immer vollständig vermeiden. Es kann sie aber bewusst steuern, indem es die betroffenen Ziele benennt, ihre Auswirkungen vergleicht und Prioritäten setzt. Häufig sind Kompromisse möglich. Statt sofort ein sehr hohes Weihnachtsgeld zu zahlen, könnte ein Betrieb beispielsweise eine finanzierbare Sonderzahlung vereinbaren, die sowohl die Mitarbeiterzufriedenheit als auch die wirtschaftliche Stabilität berücksichtigt.
Auch bei Dienstfahrrädern kann der Betrieb verschiedene Modelle prüfen, etwa eine schrittweise Einführung oder eine Kostenbeteiligung. Wichtig ist, die Folgen nicht nur kurzfristig zu betrachten. Ein Ziel, das zunächst zusätzliche Aufwendungen verursacht, kann später andere Unternehmensziele unterstützen. Neutrale, komplementäre und konkurrierende Ziele sowie die Zielhierarchie helfen dir deshalb, unternehmerische Entscheidungen besser zu verstehen und einzuordnen.
Typische Prüfungsaufgaben:
1. Wann liegt ein Zielkonflikt zwischen verschiedenen Unternehmenszielen vor?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Wenn mehrere Unternehmensziele gleichzeitig erreicht werden können und sich gegenseitig unterstützen.
B. Wenn sich die Führungskräfte eines Unternehmens nicht auf eine gemeinsame Zielhierarchie einigen können.
C. Wenn die Verfolgung eines Unternehmensziels die Erreichung eines anderen Ziels behindert oder erschwert.
D. Wenn verschiedene Unternehmensziele unabhängig voneinander bestehen und sich nicht gegenseitig beeinflussen.
E. Wenn ein Unternehmensziel aus moralischen Gründen nicht vertretbar ist.
2. Ein Schreibwarengeschäft möchte seine Waren künftig umweltfreundlicher verpacken. Gleichzeitig plant die Geschäftsführung regelmäßige Mitarbeitertage, um das Betriebsklima zu verbessern. Die beiden Maßnahmen beeinflussen sich unter den gegebenen Bedingungen nicht gegenseitig.
Welche Zielbeziehung liegt vor?
Bei dieser Frage ist eine Antwort richtig.
A. Eine konfliktäre Zielbeziehung
B. Eine neutrale Zielbeziehung
C. Eine hierarchische Zielbeziehung
D. Eine rechtswidrige Zielbeziehung
E. Eine komplementäre Zielbeziehung
3. Ein Schreibwarengeschäft möchte seinen Gewinn maximieren und gleichzeitig regelmäßig Schreibwaren an ein örtliches Kinderheim spenden. Die Spenden verursachen zusätzliche Aufwendungen und verringern bei unveränderten Erträgen den Gewinn. Der Geschäftsführer entscheidet, dass ihm die Unterstützung des Kinderheims wichtiger ist als die kurzfristige Gewinnmaximierung.
Welche Aussagen treffen auf diese Situation zu?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Zwischen der Gewinnerzielung und den Spenden besteht ein Zielkonflikt.
B. Die beiden Ziele sind neutral, weil sie sich nicht gegenseitig beeinflussen.
C. Der Geschäftsführer legt eine Rangordnung beziehungsweise Priorität zwischen den Unternehmenszielen fest.
D. Die beiden Ziele sind komplementär, weil höhere Spenden automatisch den Gewinn erhöhen.
E. Die Spenden sind grundsätzlich rechtswidrig, weil sie den Unternehmensgewinn verringern.
4. Welche Aussagen über Unternehmensziele, Zielbeziehungen und Zielhierarchien sind falsch?
Bei dieser Frage sind zwei Antworten richtig.
A. Ein Unternehmen kann in der Regel nicht alle seine Ziele gleichzeitig und in gleichem Umfang verwirklichen.
B. Sämtliche Unternehmensziele besitzen grundsätzlich die gleiche Bedeutung und Priorität.
C. Eine Zielhierarchie gliedert Unternehmensziele in übergeordnete und untergeordnete Ziele.
D. Ziele, die sich gegenseitig behindern, werden als komplementäre Ziele bezeichnet.
E. Ziele, die kurzfristig miteinander konkurrieren, können sich langfristig unter bestimmten Bedingungen gegenseitig unterstützen.
5. Ein Unternehmen möchte seinen Kundenservice verbessern. Dafür werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult, damit sie Kundenanfragen schneller und kompetenter bearbeiten können. Die Kundenzufriedenheit steigt, und zufriedene Kunden kaufen häufiger bei dem Unternehmen ein.
Welche Aussagen über diese Unternehmensziele sind richtig?
Bei dieser Frage sind drei Antworten richtig.
A. Die Verbesserung des Kundenservice und die Erhöhung der Kundenzufriedenheit können komplementäre Ziele sein.
B. Komplementäre Ziele zeichnen sich dadurch aus, dass die Verfolgung eines Ziels die Erreichung eines anderen Ziels begünstigt.
C. Die Schulung der Mitarbeiter führt zwangsläufig zu einem Zielkonflikt, weil Weiterbildungen immer Kosten verursachen.
D. Eine höhere Kundenzufriedenheit kann unter bestimmten Bedingungen zur Umsatzsteigerung beitragen.
E. Zwischen Kundenservice und Kundenzufriedenheit besteht grundsätzlich eine neutrale Zielbeziehung, weil beide Ziele unabhängig voneinander sind.








