Die Gewinn- und Verlustrechnung liefert wichtige Informationen über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Sie stellt die innerhalb eines Geschäftsjahres angefallenen Aufwendungen und Erträge gegenüber. Dadurch kannst du beispielsweise erkennen, wie hoch der Warenumsatz, der Wareneinsatz und der Warenrohgewinn sind. Auch die Handlungskosten und der Reingewinn lassen sich aus den Zahlen der GuV ableiten. Gerade in der Abschlussprüfung kann es deshalb wichtig sein, eine vorgegebene Gewinn- und Verlustrechnung richtig auszuwerten.
Aufbau der Gewinn- und Verlustrechnung
Die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, stellt die Aufwendungen und Erträge eines Geschäftsjahres gegenüber. Die Aufwendungen stehen auf der Sollseite, also der linken Seite, und die Erträge auf der Habenseite, also der rechten Seite.
Mit Hilfe der GuV lässt sich das Unternehmensergebnis ermitteln. Übersteigen die Erträge die Aufwendungen, entsteht ein Gewinn. Sind die Aufwendungen höher als die Erträge, entsteht ein Verlust.
Auf der Habenseite können beispielsweise Umsatzerlöse für Warenverkäufe (UfW) und Zinserträge stehen. Auf der Sollseite werden unter anderem die Aufwendungen für Waren (AfW) sowie weitere Aufwendungen erfasst.
Warenumsatz und Wareneinsatz
Das Konto Umsatzerlöse für Warenverkäufe (UfW) erfasst die Erträge aus dem Verkauf von Waren im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Der Warenumsatz wird dabei zum Nettopreis, also ohne Umsatzsteuer, betrachtet.
Der Umsatz ist eine wichtige Kennzahl, sagt allein aber noch nichts darüber aus, ob ein Unternehmen tatsächlich einen Gewinn erzielt hat. Dafür müssen auch die mit dem Umsatz verbundenen Aufwendungen berücksichtigt werden.
Auf der Sollseite der GuV steht unter anderem das Konto Aufwendungen für Waren (AfW). Dort werden die Aufwendungen für die Waren erfasst, die das Unternehmen einkauft, um sie anschließend weiterzuverkaufen.
Der auf die verkauften Waren entfallende Wert wird als Wareneinsatz bezeichnet. Er entspricht dem Wert der verkauften Waren, bewertet zum Einstandspreis beziehungsweise Bezugspreis.
In unserem Beispiel beträgt der Wareneinsatz: 300.000 €
Warenrohgewinn berechnen
Werden Warenumsatz und Wareneinsatz miteinander verglichen, ergibt sich daraus der Rohgewinn, auch Warenrohgewinn genannt.
Die Formel lautet:
Warenumsatz
− Wareneinsatz
= Warenrohgewinn
In unserem Beispiel beträgt der Warenumsatz 630.000 € und der Wareneinsatz 300.000 €.
Die Berechnung lautet:
630.000 € − 300.000 € = 330.000 €
Der Warenrohgewinn beträgt damit 330.000 €.
Der Warenrohgewinn liefert mehr Informationen als der Warenumsatz allein. Ein hoher Umsatz bedeutet nämlich noch nicht automatisch, dass das Unternehmen einen entsprechend hohen Gewinn erzielt. Erst wenn der Wareneinsatz berücksichtigt wird, wird sichtbar, welcher Betrag nach Abzug des Warenwerts verbleibt.
Handlungskosten
Für eine genauere Beurteilung des Unternehmenserfolgs müssen auch die weiteren Aufwendungen betrachtet werden.
Die Handlungskosten umfassen die Aufwendungen, die in einem Handelsunternehmen anfallen, um die handelsbetrieblichen Leistungen zu erbringen. Dazu gehören beispielsweise:
• Personalkosten
• Raumkosten
• Mieten
• Zinsen
• Abschreibungen
Ausgehend von der GuV ergeben sich die Handlungskosten aus den weiteren Aufwendungen neben dem Wareneinsatz.
Der Warenrohgewinn steht dem Unternehmen somit nicht vollständig als Gewinn zur Verfügung. Zunächst müssen davon noch die Handlungskosten gedeckt werden.
Reingewinn berechnen
Eine weitere wichtige Kennzahl bei der Auswertung der GuV ist der Reingewinn. Er ergibt sich, wenn vom Warenrohgewinn die Handlungskosten abgezogen werden.
Die Formel lautet:
Warenrohgewinn
− Handlungskosten
= Reingewinn
Der Reingewinn lässt sich auch direkt aus der Gewinn- und Verlustrechnung bestimmen. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen den gesamten Erträgen und den gesamten Aufwendungen.
Die allgemeine Berechnung lautet:
Erträge − Aufwendungen = Reingewinn
Beim Abschluss des GuV-Kontos entspricht der Reingewinn dem Saldo, der entsteht, wenn die Erträge höher sind als die Aufwendungen.
Vom Warenumsatz zum Reingewinn
Die wichtigsten Größen bei der Auswertung der GuV bauen aufeinander auf:
Warenumsatz
− Wareneinsatz
= Warenrohgewinn
Anschließend:
Warenrohgewinn
− Handlungskosten
= Reingewinn
Dadurch kannst du Schritt für Schritt nachvollziehen, wie sich aus den Umsatzerlösen letztlich der Unternehmenserfolg ergibt.
Der Warenumsatz zeigt zunächst, welche Erlöse mit den Warenverkäufen erzielt wurden. Der Wareneinsatz berücksichtigt den Wert der verkauften Waren. Die Differenz ergibt den Warenrohgewinn. Werden davon noch die übrigen betrieblichen Aufwendungen beziehungsweise Handlungskosten abgezogen, erhältst du den Reingewinn.
Zusammenfassung
Die GuV stellt die Aufwendungen und Erträge eines Geschäftsjahres gegenüber.
Aufwendungen stehen auf der Sollseite, Erträge auf der Habenseite.
Der Warenumsatz entspricht den Erlösen aus den Warenverkäufen.
Der Wareneinsatz bezeichnet den Wert der verkauften Waren zum Einstandspreis.
Der Warenrohgewinn ergibt sich aus Warenumsatz − Wareneinsatz.
Handlungskosten sind weitere Aufwendungen eines Handelsunternehmens, beispielsweise für Personal, Räume, Mieten, Zinsen oder Abschreibungen.
Der Reingewinn ergibt sich aus Warenrohgewinn − Handlungskosten beziehungsweise aus Erträge − Aufwendungen.
Im Beispiel beträgt der Warenrohgewinn bei 630.000 € Warenumsatz und 300.000 € Wareneinsatz 330.000 €.
Beispielaufgaben
Welche Werte lassen sich aus dem Gewinn- und Verlustkonto (GuV) ohne große Berechnung leicht ablesen?
A. Der Wareneinsatz
B. Der Warenrohgewinn
C. Der Reingewinn
D. Die Personalkosten
E. Der Warenumsatz
Welche Konten sind Unterkonten des Eigenkapitals?
A. Das Gewinn- und Verlustkonto (GuV)
B. Die Privatkonten (Privateinlagen und Privatentnahmen)
C. Die Erfolgskonten (Aufwands- und Ertragskonten)
D. Das Bankkonto
E. Das Kassenkonto
Was ist unter dem Wareneinsatz zu verstehen?
A. Die verkauften Waren, bewertet zum Einstandspreis
B. Die eingekauften Waren, bewertet zum Einstandspreis
C. Die verkauften Waren, bewertet zum Selbstkostenpreis
D. Die eingekauften Waren, bewertet zum Selbstkostenpreis
E. Die Summe aller verbrauchten Waren in einem Geschäftsjahr
Wie wird der Rohgewinn berechnet?
A. Rohgewinn = Wareneinsatz + Aufwendungen für Waren (AfW)
B. Rohgewinn = Erträge − Aufwendungen
C. Rohgewinn = Umsatzerlöse für Waren (UfW) − Aufwendungen für Waren (AfW)
D. Rohgewinn = Umsatzerlöse für Waren (UfW) + Aufwendungen für Waren (AfW)
E. Rohgewinn = Wareneinsatz + Warenendbestand laut Inventur
Wie wird der Reingewinn berechnet?
A. Reingewinn = Umsatzerlöse für Waren (UfW) − Aufwendungen für Waren (AfW)
B. Reingewinn = Erträge − Aufwendungen
C. Reingewinn = Erträge + Aufwendungen
D. Reingewinn = Umsatzerlöse für Waren (UfW) + Aufwendungen für Waren (AfW)
E. Reingewinn = Wareneinsatz + Warenendbestand laut Inventur








