Bestände an unfertigen und fertigen Erzeugnissen können sich während eines Geschäftsjahres ständig verändern. Unternehmen produzieren Waren, verkaufen diese weiter und müssen am Jahresende feststellen, welche Bestände noch vorhanden sind. Diese Veränderungen wirken sich auf das Betriebsergebnis aus, da sie über die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) berücksichtigt werden. In diesem Abschnitt erfährst du, wie Bestandsveränderungen entstehen, wie sie gebucht werden und welche Auswirkungen Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen auf den Wareneinsatz haben.
Was sind Bestandsveränderungen?
Bestandsveränderungen entstehen, wenn sich der Bestand an unfertigen oder fertigen Erzeugnissen zwischen dem Anfang eines Geschäftsjahres und dem Ende eines Geschäftsjahres verändert.
Unternehmen möchten ihre produzierten Erzeugnisse normalerweise verkaufen, um Umsätze und Gewinne zu erzielen. In der Praxis ist es jedoch nicht immer möglich, alle produzierten Waren innerhalb eines Geschäftsjahres abzusetzen.
Dadurch kann es passieren, dass der Bestand am Jahresende höher oder niedriger ist als zu Beginn des Jahres.
Diese Veränderung wird als Bestandsveränderung bezeichnet.
Man unterscheidet zwischen:
• Bestandsmehrung
• Bestandsminderung
Bestandskonto „Fertige Erzeugnisse“
Um Bestandsveränderungen zu verstehen, betrachten wir zunächst das Bestandskonto „Fertige Erzeugnisse“.
Da aufwandsorientiert gebucht wird, befinden sich auf diesem Konto nur zwei Werte:
• der Anfangsbestand
• der Endbestand
Der Anfangsbestand wird aus dem Eröffnungsbilanzkonto übernommen und steht auf der Sollseite des Kontos.
Der Endbestand wird am Geschäftsjahresende durch die Inventur ermittelt. Dabei werden die vorhandenen Bestände beispielsweise durch Zählen, Wiegen oder Messen festgestellt. Der Endbestand wird anschließend auf die Habenseite des Kontos eingetragen und später in das Schlussbilanzkonto übernommen.
Da Anfangsbestand und Endbestand meistens nicht gleich hoch sind, entsteht eine Differenz. Diese Differenz wird als Bestandsveränderung bezeichnet.
Bestandsmehrung
Eine Bestandsmehrung liegt vor, wenn der Bestand an unfertigen oder fertigen Erzeugnissen am Jahresende höher ist als am Jahresanfang.
Das bedeutet:
Es wurden mehr Erzeugnisse produziert als verkauft.
Ein Teil der Produktion befindet sich noch im Lager.
Der Bestand hat zugenommen.
Beispiel:
Anfangsbestand: 10.000 €
Endbestand: 15.000 €
Der Bestand ist um 5.000 € gestiegen. Diese Bestandsmehrung wird als Ertrag behandelt und erhöht das Betriebsergebnis.
Bestandsminderung
Eine Bestandsminderung liegt vor, wenn der Bestand am Jahresende niedriger ist als am Jahresanfang.
Das bedeutet:
Es wurden mehr Erzeugnisse verkauft oder verbraucht als produziert.
Zusätzlich wurden möglicherweise ältere Lagerbestände verkauft.
Der Bestand nimmt ab.
Beispiel:
Anfangsbestand: 10.000 €
Endbestand: 6.000 €
Der Bestand ist um 4.000 € gesunken. Diese Bestandsminderung wird als Aufwand behandelt und verringert das Betriebsergebnis.
Auswirkungen auf den Wareneinsatz
Bestandsveränderungen beeinflussen den Wareneinsatz und damit den Erfolg des Unternehmens.
Bestandsmehrung
Eine Bestandsmehrung mindert den Wareneinsatz.
Der Grund:
Die produzierte Menge wurde nicht vollständig verkauft. Ein Teil der Herstellungskosten steckt noch in den Lagerbeständen und gehört deshalb nicht zum Aufwand des aktuellen Geschäftsjahres.
Bestandsminderung
Eine Bestandsminderung erhöht den Wareneinsatz.
Der Grund:
Es wurden mehr Waren verkauft, als im aktuellen Geschäftsjahr produziert wurden. Zusätzlich wurden vorhandene Lagerbestände aus vorherigen Jahren verkauft.
Dadurch steigt der Aufwand.
Das Konto „5200 Bestandsveränderungen“
Für Bestandsveränderungen bei fertigen und unfertigen Erzeugnissen wird das Konto „5200 Bestandsveränderungen“ verwendet.
Dieses Konto ist ein besonderes Erfolgskonto:
Bei einer Bestandsminderung wird auf der Sollseite gebucht.
Bei einer Bestandsmehrung wird auf der Habenseite gebucht.
Damit ist es das einzige Erfolgskonto, bei dem Buchungen sowohl im Soll als auch im Haben möglich sind.
Der Grund liegt darin, dass Bestandsveränderungen je nach Situation entweder einen Aufwand oder einen Ertrag darstellen.
Beispiel: Bestandsminderung buchen
Auf dem Konto „2200 Fertige Erzeugnisse“ stehen folgende Werte:
Anfangsbestand: 8.000 €
Endbestand: 1.000 €
Der Bestand hat sich somit vermindert:
8.000 € − 1.000 € = 7.000 €
Es wurden also Waren im Wert von 7.000 € mehr verkauft, als neu produziert wurden.
Diese Bestandsminderung wird als Aufwand gebucht:
5200 Bestandsveränderungen an 2200 Fertige Erzeugnisse 7.000 €
Das Konto „5200 Bestandsveränderungen“ wird anschließend über das Konto „Aufwendungen für Waren“ abgeschlossen.
Die Bestandsminderung erhöht dadurch den Wareneinsatz in der GuV.
Buchung bei Bestandsmehrung
Bei einer Bestandsmehrung erfolgt die Buchung spiegelverkehrt.
Wenn der Endbestand höher ist als der Anfangsbestand, wird die Differenz auf der Habenseite des Kontos „5200 Bestandsveränderungen“ gebucht.
Beispiel:
Anfangsbestand: 5.000 €
Endbestand: 8.000 €
Bestandsmehrung:
8.000 € − 5.000 € = 3.000 €
Buchung:
2200 Fertige Erzeugnisse an 5200 Bestandsveränderungen 3.000 €
Die Bestandsmehrung wird als Ertrag berücksichtigt.
Zusammenhang mit der Gewinn- und Verlustrechnung
Bestandsveränderungen wirken sich indirekt auf die GuV aus.
Der Ablauf:
1. Bestandsveränderung wird über das Konto „5200 Bestandsveränderungen“ erfasst.
2. Das Konto wird über „Aufwendungen für Waren“ abgeschlossen.
3. Der Saldo des Kontos „Aufwendungen für Waren“ entspricht dem Wareneinsatz.
4. Der Wareneinsatz wird in die GuV übertragen.
5. Zusammen mit den Umsatzerlösen wird das Betriebsergebnis ermittelt.
Damit beeinflussen Bestandsveränderungen letztlich den Gewinn oder Verlust eines Unternehmens.
Zusammenfassung
Bestandsveränderungen entstehen durch Unterschiede zwischen Anfangsbestand und Endbestand.
Man unterscheidet zwischen Bestandsmehrung und Bestandsminderung.
Eine Bestandsmehrung liegt vor, wenn der Endbestand höher als der Anfangsbestand ist.
Eine Bestandsminderung liegt vor, wenn der Endbestand niedriger als der Anfangsbestand ist.
Bestandsmehrungen wirken als Ertrag und mindern den Wareneinsatz.
Bestandsminderungen wirken als Aufwand und erhöhen den Wareneinsatz.
Das Konto „5200 Bestandsveränderungen“ wird für unfertige und fertige Erzeugnisse verwendet.
Es ist das einzige Erfolgskonto, bei dem sowohl Soll- als auch Habenbuchungen möglich sind.
Der Wareneinsatz wird anschließend über die GuV zur Ermittlung des Betriebsergebnisses berücksichtigt.
Beispielaufgaben
Welche beiden Salden werden in das Bestandsveränderungskonto übertragen?
A. Der Saldo aus dem Konto „Fertige Erzeugnisse“
B. Der Saldo aus dem Konto „Aufwendungen für Waren“
C. Der Saldo aus dem Konto „Unfertige Erzeugnisse“
D. Der Saldo aus dem Konto „Umsatzerlöse für Waren“
E. Der Saldo aus dem Konto „Abschreibungen auf Waren“
Wie wird eine Bestandsmehrung an unfertigen und fertigen Erzeugnissen gebucht?
A. Eine Bestandsmehrung wird als Aufwand gebucht und erhöht den Wareneinsatz.
B. Eine Bestandsmehrung wird als Ertrag gebucht, damit Wareneinkäufe und Warenverkäufe miteinander vergleichbar sind.
C. Eine Bestandsmehrung wird als Ertrag gebucht und mindert den Wareneinsatz.
D. Eine Bestandsmehrung wird als Aufwand gebucht, damit Wareneinkäufe und Warenverkäufe miteinander vergleichbar sind.
E. Eine Bestandsmehrung wird als Ertrag gebucht, um die gebuchten Aufwendungen um diesen Betrag zu mindern.
Wie wird eine Bestandsminderung an unfertigen und fertigen Erzeugnissen gebucht?
A. Eine Bestandsminderung wird als Aufwand gebucht und erhöht den Wareneinsatz.
B. Eine Bestandsminderung wird als Ertrag gebucht, damit Wareneinkäufe und Warenverkäufe miteinander vergleichbar sind.
C. Eine Bestandsminderung wird als Aufwand gebucht und mindert den Wareneinsatz.
D. Eine Bestandsminderung wird als Aufwand gebucht, damit Wareneinkäufe und Warenverkäufe miteinander vergleichbar sind.
E. Eine Bestandsminderung wird als Aufwand gebucht, um die gebuchten Aufwendungen um diesen Betrag zu erhöhen.
Welche Aussagen zu den folgenden Geschäftsvorgängen sind richtig?
A. Eine Bestandsveränderung kann in Form einer Bestandsmehrung oder Bestandsminderung erfolgen.
B. In einem Produktionsbetrieb werden innerhalb eines Geschäftsjahres unfertige Erzeugnisse zu Fertigerzeugnissen verarbeitet. Es liegt eine Bestandsminderung an Fertigerzeugnissen vor.
C. In einem Produktionsbetrieb werden innerhalb eines Geschäftsjahres unfertige Erzeugnisse zu Fertigerzeugnissen verarbeitet. Es liegt eine Bestandsminderung an unfertigen Erzeugnissen vor.
D. In einem Produktionsbetrieb werden innerhalb eines Geschäftsjahres unfertige Erzeugnisse zu Fertigerzeugnissen verarbeitet. Es liegt eine Bestandsmehrung an Fertigerzeugnissen vor.
E. Ein Reifenhersteller verkauft in einem Geschäftsjahr lediglich die Hälfte der hergestellten Reifen. Es liegt eine Bestandsmehrung am Geschäftsjahresende vor.
Warum werden Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen bei der Berechnung des Warenrohgewinns berücksichtigt?
A. Der Wareneinsatz ist um die Bestandsminderungen zu erhöhen, damit dem Warenumsatz der korrekte Aufwand gegenübersteht.
B. Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen innerhalb einer Rechnungsperiode müssen bei der Berechnung des Warenrohgewinns berücksichtigt werden, damit dem Warenumsatz der tatsächlich entstandene Wareneinsatz gegenübergestellt werden kann.
C. Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen können bei der Berechnung des Warenrohertrags unberücksichtigt bleiben, da es keine Rolle spielt, wann der Wareneinsatz entstanden ist.
D. Der Wareneinsatz ist um die Bestandsmehrungen zu mindern, damit dem Warenumsatz der korrekte Aufwand gegenübersteht.
E. Der Wareneinsatz ist um die Bestandsmehrungen zu erhöhen, damit dem Warenumsatz der korrekte Aufwand gegenübersteht.








