Rückstellungen sind ein wichtiger Bestandteil der periodengerechten Erfolgsermittlung im Rechnungswesen. Sie sorgen dafür, dass Aufwendungen und mögliche Verluste bereits in dem Geschäftsjahr berücksichtigt werden, in dem sie wirtschaftlich entstanden sind, auch wenn die tatsächliche Zahlung erst später erfolgt.
Der besondere Unterschied zu normalen Verbindlichkeiten liegt darin, dass bei Rückstellungen entweder die genaue Höhe oder der Zeitpunkt der Zahlung noch ungewiss ist. Unternehmen müssen deshalb den voraussichtlichen Betrag schätzen und diesen bereits in der Bilanz berücksichtigen.
Was sind Rückstellungen?
Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, Aufwendungen oder drohende Verluste, die wirtschaftlich bereits im aktuellen Geschäftsjahr entstanden sind, deren genaue Höhe oder Fälligkeit aber noch nicht sicher feststeht.
Durch die Bildung einer Rückstellung werden zukünftige Ausgaben verursachungsgerecht dem Geschäftsjahr zugeordnet, in dem der wirtschaftliche Grund entstanden ist. Dadurch wird eine periodengerechte Erfolgsermittlung ermöglicht.
Ein Beispiel:
Ein Unternehmen erwartet eine Steuernachzahlung durch das Finanzamt. Es ist bereits absehbar, dass eine Zahlung erfolgen muss, aber der genaue Betrag und der Zeitpunkt der Zahlung stehen noch nicht fest. Das Unternehmen bildet deshalb eine Steuerrückstellung.
Rückstellungen gehören zum Fremdkapital und werden in der Bilanz auf der Passivseite ausgewiesen.
Warum werden Rückstellungen gebildet?
Bei einem Jahresabschluss müssen alle Aufwendungen und Erträge dem richtigen Geschäftsjahr zugeordnet werden. Entscheidend ist dabei nicht der Zeitpunkt der Zahlung, sondern die wirtschaftliche Entstehung.
Ohne Rückstellungen würden bestimmte Aufwendungen erst in dem Jahr erfasst werden, in dem die Zahlung tatsächlich erfolgt. Dadurch könnte der Unternehmenserfolg eines Geschäftsjahres verfälscht werden.
Rückstellungen verhindern dieses Problem. Sie ermöglichen, dass erwartete Belastungen bereits in dem Geschäftsjahr berücksichtigt werden, in dem sie entstanden sind.
Zu den wichtigsten Gründen für die Bildung von Rückstellungen gehören:
• ungewisse Verbindlichkeiten
• drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
• unterlassene Instandhaltungen
• Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung
Liegt einer dieser Fälle vor, besteht nach Handelsrecht grundsätzlich eine Pflicht zur Bildung einer Rückstellung.
Unterschied zwischen Verbindlichkeiten und Rückstellungen
Rückstellungen und gewöhnliche Verbindlichkeiten gehören beide zum Fremdkapital. Sie unterscheiden sich jedoch durch den Grad der Sicherheit.
Bei einer normalen Verbindlichkeit stehen Höhe und Zeitpunkt der Zahlung fest. Ein Beispiel ist eine Rechnung eines Lieferanten, die bereits vorliegt und zu einem bestimmten Termin bezahlt werden muss.
Bei einer Rückstellung sind dagegen mindestens einer der beiden Punkte unsicher:
• die genaue Höhe der Zahlung
• der Zeitpunkt der Zahlung
Beispiel:
Ein Unternehmen erhält eine Rechnung über 10.000 Euro für eine bereits erbrachte Leistung. Hier liegt eine normale Verbindlichkeit vor.
Erwartet das Unternehmen dagegen eine ungewisse Steuernachzahlung, deren Höhe noch geschätzt werden muss, handelt es sich um eine Rückstellung.
Arten von Rückstellungen
Grundsätzlich wird zwischen Aufwandsrückstellungen und Schuldrückstellungen unterschieden.
Aufwandsrückstellungen
Bei Aufwandsrückstellungen geht es um zukünftige Aufwendungen, die wirtschaftlich bereits verursacht wurden. Ein typisches Beispiel sind geplante Instandhaltungsmaßnahmen.
Wurde eine notwendige Reparatur im aktuellen Geschäftsjahr verursacht, aber noch nicht durchgeführt, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Rückstellung gebildet werden.
Schuldrückstellungen
Schuldrückstellungen beziehen sich auf ungewisse Verpflichtungen des Unternehmens. Dazu gehören beispielsweise:
• Steuerrückstellungen
• Pensionsrückstellungen
• Garantierückstellungen
• Prozesskostenrückstellungen
• Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
Diese Rückstellungen müssen in der Handelsbilanz auf der Passivseite ausgewiesen werden.
Buchung einer Rückstellung
Bei der Bildung einer Rückstellung wird zunächst ein Aufwand gebucht. Gleichzeitig entsteht eine Rückstellung als passives Bestandskonto.
Beispiel:
Ein Unternehmen erwartet eine Steuernachzahlung in Höhe von 10.000 Euro.
Der Buchungssatz lautet:
7000 Gewerbesteuern 10.000 €
an
3800 Steuerrückstellungen 10.000 €
Das Konto „Steuerrückstellungen“ stellt eine ungewisse Verbindlichkeit dar und wird auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen.
Auflösung von Rückstellungen
Sobald die tatsächliche Zahlung erfolgt und die genaue Höhe feststeht, muss die Rückstellung aufgelöst werden.
Dabei gibt es drei verschiedene Fälle:
Die Schätzung entspricht der tatsächlichen Zahlung
Die gebildete Rückstellung entspricht genau der späteren Zahlung.
Beispiel:
Die Rückstellung beträgt 10.000 Euro und die tatsächliche Steuernachzahlung beträgt ebenfalls 10.000 Euro.
Buchung:
3800 Steuerrückstellungen 10.000 €
an
2800 Bank 10.000 €
Die Rückstellung wird vollständig aufgelöst.
Die Rückstellung wurde zu hoch geschätzt
Die tatsächliche Zahlung fällt geringer aus als die gebildete Rückstellung.
Beispiel:
Die Rückstellung beträgt 10.000 Euro, tatsächlich müssen aber nur 2.000 Euro bezahlt werden.
Buchung:
3800 Steuerrückstellungen 10.000 €
an
2800 Bank 2.000 €
5480 Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 8.000 €
Der nicht benötigte Teil der Rückstellung führt zu einem Ertrag.
Die Rückstellung wurde zu niedrig geschätzt
Die tatsächliche Zahlung fällt höher aus als ursprünglich angenommen.
Beispiel:
Die Rückstellung beträgt 10.000 Euro, tatsächlich müssen 15.000 Euro bezahlt werden.
Buchung:
3800 Steuerrückstellungen 10.000 €
6690 periodenfremde Aufwendungen 5.000 €
an
2800 Bank 15.000 €
Der zusätzliche Betrag wird als Aufwand erfasst.
Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
Eine besondere Form der Rückstellung sind Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften.
Ein schwebendes Geschäft liegt vor, wenn beide Vertragsparteien ihre Verpflichtungen noch nicht erfüllt haben. Der Kunde hat beispielsweise noch nicht bezahlt und der Lieferant hat noch nicht geliefert.
Entsteht aus diesem Geschäft ein zukünftiger Verlust, muss dieser bereits im aktuellen Geschäftsjahr berücksichtigt werden.
Beispiel:
Ein Unternehmen bestellt Waren für 20.000 Euro. Bis zum Bilanzstichtag wurden die Waren noch nicht geliefert. Inzwischen ist der Marktpreis der Waren auf 15.000 Euro gesunken.
Es droht ein Verlust von 5.000 Euro. Dieser Verlust wird bereits im alten Geschäftsjahr durch eine Rückstellung berücksichtigt.
Der Buchungssatz lautet:
6080 Aufwendungen für Handelswaren 5.000 €
an
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
Rückstellungen in der Bilanz
Rückstellungen werden auf der Passivseite der Bilanz ausgewiesen. Sie gehören zum Fremdkapital, obwohl Zeitpunkt und Höhe der Zahlung noch nicht sicher sind.
Sie unterscheiden sich damit von normalen Verbindlichkeiten, bei denen bereits feststeht, welcher Betrag wann gezahlt werden muss.
Durch die Bilanzierung von Rückstellungen wird sichergestellt, dass erwartete Belastungen eines Unternehmens richtig dem jeweiligen Geschäftsjahr zugeordnet werden.
Zusammenfassung
Rückstellungen dienen der periodengerechten Erfassung von zukünftigen Ausgaben und Verlusten, deren Höhe oder Zeitpunkt noch ungewiss ist.
Sie werden gebildet, wenn wirtschaftliche Ursachen bereits im aktuellen Geschäftsjahr liegen, die tatsächliche Zahlung aber erst später erfolgt.
Rückstellungen gehören zum Fremdkapital und stehen auf der Passivseite der Bilanz. Wichtige Arten sind Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten, drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, unterlassene Instandhaltungen und Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung.
Bei der Bildung wird ein Aufwand gebucht. Sobald die tatsächliche Zahlung erfolgt, wird die Rückstellung aufgelöst und mit dem tatsächlichen Betrag verrechnet.
Beispielaufgaben
Welche Aussagen über Rückstellungen sind richtig?
A. Rückstellungen müssen zeitlich abgegrenzt werden, da der Zeitpunkt ihrer Fälligkeit und ihre Höhe unbekannt sind.
B. Rückstellungen und Rücklagen sind das Gleiche.
C. Durch die Bildung von Rückstellungen werden Ausgaben, die in Zukunft zu erwarten sind, verursachungsgerecht der Periode zugerechnet, in der sie entstanden sind.
D. Rückstellungen sind handelsrechtlich Verbindlichkeiten, die in der Zukunft zu erwarten sind, deren Zeitpunkt und Höhe aber ungewiss sind.
E. Rückstellungen sind ungewisse Verbindlichkeiten für beispielsweise Prozessrückstellungen, Garantieverpflichtungen und Rückstellungen für latente Steuern.
Wir haben im letzten Geschäftsjahr 10.000 € an Rückstellungen für eine ungewisse Steuernachzahlung gebildet. Vom Finanzamt haben wir nun erfahren, dass die zu zahlende Steuerlast tatsächlich nur 2.000 € beträgt. Auf welchem Konto wird die Differenz gebucht?
A. Auf dem Konto „6690 periodenfremde Aufwendungen“.
B. Auf dem Konto „3800 Steuerrückstellungen“.
C. Auf dem Konto „5480 Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen“.
D. Auf dem Konto „2800 Bank“.
E. Auf dem Konto „2880 Kasse“.
Wir haben im letzten Geschäftsjahr 10.000 € an Rückstellungen für eine ungewisse Steuernachzahlung gebildet. Vom Finanzamt haben wir nun erfahren, dass die zu zahlende Steuerlast tatsächlich 15.000 € beträgt. Auf welchem Konto wird die Differenz gebucht?
A. Auf dem Konto „6690 periodenfremde Aufwendungen“.
B. Auf dem Konto „3800 Steuerrückstellungen“.
C. Auf dem Konto „5480 Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen“.
D. Auf dem Konto „2800 Bank“.
E. Auf dem Konto „2880 Kasse“.
Wir haben im letzten Geschäftsjahr 10.000 € an Rückstellungen für eine ungewisse Steuernachzahlung gebildet. Vom Finanzamt haben wir nun erfahren, dass die zu zahlende Steuerlast tatsächlich genau 10.000 € beträgt. Wie lautet der Buchungssatz, wenn wir per Bank bezahlen?
A. „2800 Bank“ 10.000 € an „3800 Steuerrückstellungen“ 10.000 €
B. „7000 Gewerbesteuern“ 10.000 € an „3800 Steuerrückstellungen“ 10.000 €
C. „3800 Steuerrückstellungen“ 10.000 € an „2800 Bank“ 10.000 €
D. „6690 periodenfremde Aufwendungen“ 10.000 € an „2800 Bank“ 10.000 €
E. „3800 Steuerrückstellungen“ 10.000 € an „5480 Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen“ 10.000 €
Für welchen Fall darf keine Rückstellung gebildet werden?
A. Bei drohenden Verlusten aus einem schwebenden Geschäft.
B. Bei Steuernachzahlungen für das alte Geschäftsjahr, die im Laufe des Geschäftsjahres zu erwarten sind.
C. Bei zu erwartenden Prozesskosten für ein Gerichtsverfahren, das im alten Geschäftsjahr begonnen hat und noch kein Urteil gefällt wurde.
D. Für Instandhaltungsarbeiten, die im aktuellen Geschäftsjahr angefallen sind, aber nicht durchgeführt wurden.
E. Für die jährliche Heizungswartung, die im nächsten Geschäftsjahr wieder ansteht.








