Forderungen aus Lieferungen und Leistungen müssen am Geschäftsjahresende bewertet werden. Nicht jede Forderung kann jedoch immer vollständig bezahlt werden. Gründe dafür können beispielsweise Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsunwilligkeit eines Kunden sein. In solchen Fällen muss der Wert der Forderung in der Buchhaltung angepasst werden. In diesem Abschnitt erfährst du, welche Arten von Forderungen es gibt, wie Forderungsausfälle entstehen und wie einbringliche, zweifelhafte und uneinbringliche Forderungen gebucht werden.
Bewertung von Forderungen
Zum Jahresabschluss müssen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bewertet werden. Nach dem strengen Niederstwertprinzip müssen Forderungen mit dem Wert angesetzt werden, der am Bilanzstichtag tatsächlich erwartet werden kann.
Grundsätzlich werden Forderungen zunächst mit ihrem Nennbetrag bewertet. Dabei handelt es sich um den Bruttobetrag inklusive Umsatzsteuer.
Wenn Zweifel bestehen, ob eine Forderung vollständig bezahlt wird, muss ihr Wert angepasst werden. Die Forderung wird dann nur noch mit dem Betrag angesetzt, der wahrscheinlich tatsächlich erzielt werden kann.
Für die Bewertung von Forderungen gibt es verschiedene Verfahren:
• Einzelwertberichtigung (EWB)
• Pauschalwertberichtigung (PWB)
gemischtes Verfahren aus Einzel- und Pauschalwertberichtigung
Ein tatsächlicher Forderungsausfall liegt vor, wenn ein Kunde seine Rechnung ganz oder teilweise nicht mehr begleichen kann.
Gründe für Forderungsausfälle
Ein Forderungsausfall kann verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen Ausfälle durch:
• Zahlungsunfähigkeit des Schuldners
• Zahlungsunwilligkeit des Schuldners
• Insolvenz eines Kunden
• erfolglose Zwangsvollstreckung
Forderungsausfälle wirken sich negativ auf ein Unternehmen aus. Der Umsatz wurde zwar zunächst gebucht, die Zahlung bleibt jedoch aus. Dadurch sinkt die Liquidität des Unternehmens.
Um Forderungsausfälle zu vermeiden, können Unternehmen verschiedene Maßnahmen ergreifen:
• Bonitätsprüfung neuer Kunden
• schnelle Erstellung von Ausgangsrechnungen
• regelmäßige Kontrolle der Zahlungseingänge
• Vereinbarung von Barzahlung oder kurzen Zahlungsfristen
Arten von Forderungen
Abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines Zahlungseingangs werden Forderungen in drei Gruppen eingeteilt:
1. einbringliche Forderungen
2. zweifelhafte Forderungen
3. uneinbringliche Forderungen
Einbringliche Forderungen
Einbringliche Forderungen sind Forderungen, bei denen mit einem vollständigen Zahlungseingang gerechnet wird.
Diese Forderungen stellen den Normalfall im Geschäftsverkehr dar. Es besteht kein besonderes Ausfallrisiko, weshalb sie weiterhin mit ihrem vollständigen Nennbetrag in der Bilanz angesetzt werden.
Der Buchungssatz für eine normale Forderung lautet:
2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
an
5000 Umsatzerlöse für eigene Erzeugnisse
Die Forderung wird also zunächst vollständig erfasst.
Zweifelhafte Forderungen
Eine Forderung wird als zweifelhaft bezeichnet, wenn ein teilweises oder vollständiges Ausfallrisiko besteht.
Der Zahlungseingang und die Höhe der Zahlung sind unsicher. Unternehmen müssen deshalb beurteilen, ob eine Forderung als zweifelhaft einzustufen ist.
Aus Gründen der Bilanzklarheit werden zweifelhafte Forderungen getrennt von normalen Forderungen ausgewiesen.
Die Umbuchung erfolgt:
2470 Zweifelhafte Forderungen
an
2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
Durch diese Buchung wird die Forderung lediglich umgegliedert.
Wichtig:
Die Einstufung als zweifelhafte Forderung verändert zunächst nicht den Gewinn des Unternehmens. Erst wenn tatsächlich ein Forderungsausfall eintritt und eine Abschreibung notwendig wird, entsteht ein Aufwand.
Uneinbringliche Forderungen
Uneinbringliche Forderungen liegen vor, wenn feststeht, dass der Kunde die Forderung nicht mehr bezahlen wird.
In diesem Fall muss die Forderung vollständig abgeschrieben werden.
Typische Gründe können sein:
• erfolglose Zwangsvollstreckung
• Insolvenzverfahren mangels Masse
• Verjährung der Forderung
Bei einer uneinbringlichen Forderung muss zusätzlich die Umsatzsteuer korrigiert werden. Der Grund dafür ist, dass das Unternehmen die Umsatzsteuer vom Kunden nicht erhalten hat.
Der Buchungssatz lautet:
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
4800 Umsatzsteuer
an
2470 Zweifelhafte Forderungen
Teilweiser Forderungsausfall
In der Praxis kommt es häufig vor, dass ein Kunde einen Teilbetrag bezahlt, aber den Rest nicht mehr begleichen kann.
Beispiel:
Eine zweifelhafte Forderung beträgt: 1.190 € brutto
Der Kunde bezahlt überraschend die Hälfte: 595 €
Die Zahlung wird gebucht:
2800 Bank 595 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 595 €
Der verbleibende Betrag von 595 € fällt anschließend aus.
Da die Umsatzsteuer korrigiert werden muss, wird der Restbetrag aufgeteilt:
Nettoforderung: 595 € : 119 × 100 = 500 €
Umsatzsteuer: 595 € − 500 € = 95 €
Die Abschreibung wird gebucht:
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 500 €
4800 Umsatzsteuer 95 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 595 €
Zusammenhang zwischen Forderungen und Bilanz
Forderungen gehören zum Umlaufvermögen eines Unternehmens. Sie entstehen, wenn ein Unternehmen Waren liefert oder Leistungen erbringt, aber die Zahlung erst später erhält.
Bei der Bilanzbewertung ist entscheidend, welcher Betrag am Bilanzstichtag tatsächlich erwartet werden kann.
Deshalb müssen unsichere oder ausgefallene Forderungen angepasst werden. Dadurch wird verhindert, dass Vermögenswerte in der Bilanz zu hoch ausgewiesen werden.
Zusammenfassung
Forderungen müssen am Jahresende bewertet werden.
Grundsätzlich werden Forderungen mit ihrem Nennbetrag inklusive Umsatzsteuer angesetzt.
Forderungen können einbringlich, zweifelhaft oder uneinbringlich sein.
Einbringliche Forderungen werden vollständig in der Bilanz ausgewiesen.
Zweifelhafte Forderungen werden auf das Konto „2470 Zweifelhafte Forderungen“ umgebucht.
Eine zweifelhafte Forderung beeinflusst zunächst nicht den Gewinn.
Uneinbringliche Forderungen müssen vollständig abgeschrieben werden.
Bei tatsächlichen Forderungsausfällen muss die Umsatzsteuer korrigiert werden.
Forderungsausfälle verringern die Liquidität eines Unternehmens und können das Betriebsergebnis belasten.
Durch Bonitätsprüfungen und Kontrolle der Zahlungseingänge können Unternehmen Forderungsausfälle reduzieren.
Beispielaufgaben
Wie lautet der Buchungssatz zu einer zweifelhaften Forderung über 3.570 € inklusive 19 % Umsatzsteuer?
A. „2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ an „2470 Zweifelhafte Forderungen“ 3.570 €
B. „2470 Zweifelhafte Forderungen“ an „2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ 3.570 €
C. „2470 Zweifelhafte Forderungen“ an „2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ 3.000 €
D. „2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ an „2470 Zweifelhafte Forderungen“ 3.000 €
E. „2400 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ an „5100 Umsatzerlöse für Handelswaren“
Wie lautet der Buchungssatz zu einer uneinbringlichen Forderung über 3.570 € inklusive 19 % Umsatzsteuer?
A.
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
an
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3.000 €
2600 Vorsteuer 570 €
B.
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3.570 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
C.
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3.000 €
4800 Umsatzsteuer 570 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
D.
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3.000 €
2600 Vorsteuer 570 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
E.
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
an
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 3.000 €
4800 Umsatzsteuer 570 €
Welche Forderungsart tritt in der Praxis am häufigsten auf?
A. Die einbringliche Forderung.
B. Die zweifelhafte Forderung.
C. Die uneinbringliche Forderung.
D. Die kleine Forderung.
E. Die Kundenforderung.
Wie lautet der Buchungssatz, wenn eine zweifelhafte Forderung über 3.570 € inklusive Umsatzsteuer überraschenderweise doch noch von unserem Kunden per Banküberweisung bezahlt wird?
A.
2880 Kasse 3.570 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
B.
2800 Bank 3.570 €
an
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
C.
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
an
2800 Bank 3.570 €
D.
6951 Abschreibungen auf Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
4800 Umsatzsteuer
an
2470 Zweifelhafte Forderungen
E.
2470 Zweifelhafte Forderungen 3.570 €
an
2880 Kasse 3.570 €
Welche Maßnahmen können getroffen werden, um das Risiko eines Forderungsausfalls zu minimieren?
A. Eine Bonitätsprüfung bei Neukunden durchführen.
B. Zahlungseingänge unregelmäßig kontrollieren, damit der Kunde mehr Zeit hat seine Rechnung zu begleichen.
C. Zahlungseingänge regelmäßig und zeitnah kontrollieren.
D. Dem Kunden ein langes Zahlungsziel einräumen.
E. Ausgangsrechnungen zeitnah und schnell erstellen.








