Bei einer Inventur werden die Vermögenswerte und Schulden eines Unternehmens erfasst und bewertet. Anschließend werden die tatsächlich vorhandenen Bestände mit den gespeicherten Beständen aus der Buchhaltung oder dem Warenwirtschaftssystem verglichen. Dabei können Abweichungen entstehen.
Diese Abweichungen zwischen den tatsächlichen Beständen und den erwarteten Beständen werden als Inventurdifferenzen bezeichnet. Sie können verschiedene Ursachen haben, beispielsweise Fehler bei der Erfassung, falsche Zählungen oder Diebstahl. Unternehmen versuchen daher, Inventurdifferenzen möglichst früh zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden.
Was sind Inventurdifferenzen?
Eine Inventurdifferenz liegt vor, wenn der Istbestand aus der Inventur nicht mit dem Sollbestand aus der Buchhaltung oder dem Warenwirtschaftssystem übereinstimmt.
Der Istbestand beschreibt die tatsächlich vorhandene Menge eines Artikels, die bei der Inventur festgestellt wird. Der Sollbestand zeigt dagegen, welcher Bestand laut Aufzeichnungen vorhanden sein müsste.
Eine Inventurdifferenz kann sowohl positiv als auch negativ ausfallen. In der Praxis treten jedoch häufiger negative Inventurdifferenzen auf. Das bedeutet, dass bei der Inventur weniger Artikel gezählt werden, als laut Buchhaltung vorhanden sein sollten.
Beispiel:
Im Warenwirtschaftssystem sind 100 Stück eines Artikels erfasst. Bei der Inventur werden jedoch nur 95 Stück gezählt. Es liegt eine negative Inventurdifferenz von 5 Stück vor.
Wie entstehen Inventurdifferenzen?
Inventurdifferenzen können unterschiedliche Ursachen haben. Besonders häufig entstehen sie durch Zählfehler und Erfassungsfehler.
Bei einem Zählfehler wird die tatsächliche Menge eines Artikels falsch aufgenommen. Solche Fehler können beispielsweise beim Wareneingang entstehen, wenn gelieferte Waren nicht korrekt gezählt werden.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen erhält eine Lieferung mit mehreren Artikeln. Beim Auspacken werden versehentlich weniger Stück gezählt, als tatsächlich geliefert wurden. Dadurch stimmt der erfasste Bestand nicht mit dem tatsächlichen Bestand überein.
Auch bei der Inventur selbst können Zählfehler entstehen. Werden Artikel übersehen oder falsch gezählt, führt dies zu einer Abweichung zwischen dem tatsächlichen Bestand und den gespeicherten Daten.
Erfassungsfehler bei Wareneingang und Warenausgang
Neben Zählfehlern können auch Erfassungsfehler zu Inventurdifferenzen führen. Dabei werden vorhandene Waren zwar gezählt, aber falsch im System erfasst.
Ein solcher Fehler kann beispielsweise beim Wareneingang auftreten, wenn verschiedene Sorten eines Artikels unter derselben Artikelnummer gespeichert werden. Dadurch kann das Warenwirtschaftssystem die Bestände nicht mehr korrekt unterscheiden.
Auch beim Warenausgang können Fehler entstehen. Wird beispielsweise an der Kasse versehentlich eine falsche Artikelnummer verwendet, stimmen die verkauften Mengen nicht mit den tatsächlichen Beständen überein.
Durch regelmäßige Kontrollen und Zwischeninventuren können solche Fehler frühzeitig erkannt und korrigiert werden.
Inventurdifferenzen durch Diebstahl
Eine weitere häufige Ursache für Inventurdifferenzen sind Diebstähle. Dabei können sowohl Kundendiebstähle als auch Diebstähle durch Mitarbeiter eine Rolle spielen.
Besonders gefährdete Artikel werden im Handel häufig besonders gesichert. Dazu gehören beispielsweise kleine und wertvolle Waren, die leicht entwendet werden können.
Um Diebstähle zu reduzieren, setzen Unternehmen verschiedene Maßnahmen ein. Dazu gehören unter anderem Warensicherungssysteme, Videoüberwachung oder eine bessere Platzierung gefährdeter Artikel im Verkaufsbereich.
Die Kosten für solche Sicherheitsmaßnahmen müssen Unternehmen jedoch berücksichtigen. Aufwendige Sicherungssysteme können die Betriebskosten erhöhen und werden häufig in die Verkaufspreise einkalkuliert.
Wie können Inventurdifferenzen vermieden werden?
Unternehmen können verschiedene Maßnahmen ergreifen, um Inventurdifferenzen zu reduzieren. Dabei müssen nicht immer teure Sicherheitssysteme eingesetzt werden.
Eine übersichtliche Gestaltung der Verkaufsfläche kann helfen, besonders gefährdete Artikel besser zu kontrollieren. Kleine oder wertvolle Waren können beispielsweise in Bereichen platziert werden, die vom Personal gut einsehbar sind.
Auch im Wareneingang kann zusätzliches Personal dazu beitragen, Zähl- und Erfassungsfehler zu vermeiden. Werden Lieferungen sorgfältig kontrolliert, lassen sich Fehler bereits früh erkennen.
Regelmäßige Schulungen des Kassenpersonals helfen ebenfalls dabei, Erfassungsfehler beim Verkauf zu reduzieren. Mitarbeiter lernen dadurch, Artikel korrekt zu erfassen und typische Fehler zu vermeiden.
Welche Rolle spielen Warenwirtschaftssysteme?
Moderne Warenwirtschaftssysteme unterstützen Unternehmen bei der Kontrolle ihrer Bestände. Mithilfe digitaler Erfassung können Warenbewegungen nachvollzogen und Bestände schneller überprüft werden.
Bei einer Inventur können die ermittelten Istbestände mit den gespeicherten Sollbeständen verglichen werden. Dadurch lassen sich Abweichungen feststellen und mögliche Ursachen untersuchen.
Besonders mobile Scanner und digitale Inventurlisten erleichtern die Aufnahme von Beständen und verringern das Risiko von manuellen Fehlern.
Zusammenfassung
Inventurdifferenzen entstehen durch Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Istbestand und dem Sollbestand aus der Buchhaltung.
Häufige Ursachen sind Zählfehler, Erfassungsfehler sowie Kunden- und Personaldiebstähle.
Durch Inventuren und Bestandskontrollen können Abweichungen erkannt werden.
Warenwirtschaftssysteme unterstützen Unternehmen bei der Erfassung und Kontrolle von Beständen.
Durch Schulungen, bessere Organisation und geeignete Sicherheitsmaßnahmen können Inventurdifferenzen reduziert werden.
Beispielaufgaben
Was ist unter einer Inventurdifferenz zu verstehen?
A. Als Inventurdifferenz wird der Bestand an Vermögen bezeichnet, der bei der Inventur durch Zählen, Messen und Wiegen erfasst wurde.
B. Als Inventurdifferenz wird der Bestand an Schulden bezeichnet, der bei der Inventur durch Zählen, Messen und Wiegen erfasst wurde.
C. Als Inventurdifferenz wird die Menge zwischen dem Melde- und Höchstbestand bezeichnet.
D. Als Inventurdifferenz wird die Menge zwischen Eisernem Bestand und Meldebestand bezeichnet.
E. Als Inventurdifferenz wird eine Abweichung zwischen dem Istbestand aus der Inventur und dem Sollbestand aus der Buchhaltung bezeichnet.
Welche Gründe kann es für eine Inventurdifferenz geben?
A. Ein Grund dafür ist beispielsweise der Zählfehler, welcher beim Wareneingang entstanden sein könnte.
B. Hohe Inventurdifferenzen sind häufig auf sinkende Umsätze zurückzuführen.
C. Hohe Inventurdifferenzen sind sehr häufig auf Ladendiebstähle zurückzuführen.
D. Ein Grund dafür ist beispielsweise der Erfassungsfehler, welcher beim Scannen der Waren an der Kasse entstanden sein könnte.
E. Inventurdifferenzen sind häufig auf Zählfehler zurückzuführen, die beim Wareneingang, beim Warenausgang und sogar bei der Inventur selbst entstanden sein können.
Wodurch entstehen keine Inventurdifferenzen?
A. Ein defekter Artikel wird aus dem Bestand gebucht und entsorgt.
B. Im Verkaufsregal wird eine leere Verpackung gefunden, die entsorgt wird.
C. Eine Kundenrücksendung wird wieder in den Bestand gebucht und die Ware in den Verkauf gestellt.
D. Ein beschädigter Artikel wird aus dem Verkaufsregal genommen und entsorgt.
E. Im Wareneingang wird eine Korrektur vorgenommen, da versehentlich verschiedene Sorten unter der gleichen Artikelnummer vereinnahmt wurden.
Für wen ist eine Inventur gesetzlich vorgeschrieben?
A. Für alle Gewerbetreibenden.
B. Für alle, die nach Handelsgesetzbuch Kaufmann sind.
C. Für alle Kleinunternehmer.
D. Für alle bilanzierenden Unternehmen.
E. Für alle Freiberufler.
Wie können Inventurdifferenzen vermieden bzw. bekämpft werden?
A. Durch spezielle Warensicherungssysteme.
B. Durch einen Lieferantenwechsel.
C. Durch eine Videoüberwachung.
D. Durch eine bessere Platzierung von besonders gefährdeten Artikeln.
E. Durch zusätzliches Personal.








