In diesem Abschnitt erfährst du, was unter drohenden Verlusten aus schwebenden Geschäften zu verstehen ist und wie diese in der Buchführung behandelt werden. Solche Verluste entstehen, wenn ein Geschäft zum Bilanzstichtag noch nicht vollständig erfüllt wurde, aber bereits erkennbar ist, dass daraus künftig ein Verlust entstehen wird.
Da die wirtschaftliche Ursache des Verlustes bereits im alten Geschäftsjahr liegt, muss dieser Verlust nach dem Grundsatz der periodengerechten Erfolgsermittlung bereits zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt werden. Hierzu werden sogenannte Drohverlustrückstellungen gebildet.
Was sind drohende Verluste aus schwebenden Geschäften?
Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften werden auch als Drohverlustrückstellungen bezeichnet. Sie dienen dazu, erwartete Verluste aus zukünftigen Geschäftsvorgängen bereits im Geschäftsjahr ihrer wirtschaftlichen Entstehung zu berücksichtigen.
Bei Rückstellungen geht es grundsätzlich darum, Aufwendungen oder Verluste, die erst in der Zukunft eintreten, bereits heute zu erfassen. Der wirtschaftliche Grund für den Verlust wird dadurch dem richtigen Geschäftsjahr zugeordnet.
Nach handelsrechtlichen Vorschriften müssen Drohverlustrückstellungen in der Handelsbilanz berücksichtigt werden. In der Steuerbilanz dürfen sie dagegen nicht angesetzt werden. Dadurch können sich Unterschiede zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz ergeben.
Voraussetzungen für eine Drohverlustrückstellung
Damit eine Drohverlustrückstellung gebildet werden darf, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Es muss ein drohender Verlust vorliegen.
2. Der Verlust muss aus einem schwebenden Geschäft entstehen.
Erst wenn beide Voraussetzungen erfüllt sind, darf eine entsprechende Rückstellung gebildet werden.
Was ist ein schwebendes Geschäft?
Ein schwebendes Geschäft liegt vor, wenn ein Geschäft abgeschlossen wurde, aber beide Vertragspartner ihre Verpflichtungen zum Bilanzstichtag noch nicht erfüllt haben.
Ein Geschäft besteht grundsätzlich aus zwei Teilen:
dem Verpflichtungsgeschäft, bei dem sich die Parteien zu einer Leistung verpflichten,
dem Erfüllungsgeschäft, bei dem die vereinbarten Leistungen tatsächlich erbracht werden.
Bei einem schwebenden Geschäft wurden beide Seiten noch nicht erfüllt. Der Kunde hat beispielsweise noch nicht bezahlt und der Lieferant hat die Ware noch nicht geliefert. Das Geschäft befindet sich also noch in einem unerfüllten Zustand.
Wird aus diesem Geschäft ein Verlust erwartet, muss dieser Verlust bereits im alten Geschäftsjahr berücksichtigt werden.
Beispiel für einen drohenden Verlust
Ein Unternehmen bestellt am 15. Dezember Waren im Wert von 20.000 €. Die Lieferung und Rechnungsstellung erfolgen erst am 15. Januar des Folgejahres.
Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember liegt noch ein schwebendes Geschäft vor, da weder die Lieferung noch die Zahlung erfolgt sind.
Am Bilanzstichtag stellt das Unternehmen fest, dass der Marktpreis der Ware inzwischen um 25 % gesunken ist. Die Ware besitzt nur noch einen Wert von 15.000 €.
Es entsteht somit ein erwarteter Verlust:
Kaufpreis: 20.000 €
aktueller Wert der Ware: 15.000 €
drohender Verlust: 5.000 €
Dieser Verlust muss bereits im alten Geschäftsjahr berücksichtigt werden.
Buchung einer Drohverlustrückstellung
Da der Verlust wirtschaftlich bereits im alten Geschäftsjahr entstanden ist, wird eine Rückstellung gebildet.
Der Buchungssatz lautet:
6080 Aufwendungen für Handelswaren 5.000 €
an
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
Durch diese Buchung wird der erwartete Verlust als Aufwand erfasst und das Jahresergebnis des alten Geschäftsjahres entsprechend angepasst.
Buchung im neuen Geschäftsjahr bei Lieferung der Ware
Am 15. Januar des Folgejahres wird die Ware geliefert und die Rechnung gestellt.
Die tatsächliche Buchung lautet:
6080 Aufwendungen für Handelswaren 20.000 €
2600 Vorsteuer 3.800 €
an
4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 23.800 €
Die Ware wird zunächst mit dem tatsächlichen Einkaufspreis eingebucht.
Auflösung der Rückstellung bei Eintritt des Verlustes
Da der erwartete Verlust nun tatsächlich eingetreten ist, wird die zuvor gebildete Rückstellung aufgelöst.
Der Buchungssatz lautet:
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
an
6080 Aufwendungen für Handelswaren 5.000 €
Durch diese Buchung wird der Warenaufwand um den bereits erwarteten Verlust reduziert.
Der tatsächliche Aufwand beträgt dadurch:
20.000 € Einkaufspreis - 5.000 € Rückstellung = 15.000 €
Die Ware wird somit mit ihrem tatsächlichen Wert beziehungsweise Wiederbeschaffungswert berücksichtigt.
Bedeutung für den Jahresabschluss
Drohverlustrückstellungen sorgen dafür, dass Verluste dem Geschäftsjahr zugeordnet werden, in dem sie wirtschaftlich entstanden sind. Ohne diese Rückstellung würde der Verlust erst im Folgejahr berücksichtigt werden, obwohl die Ursache bereits vorher bekannt war.
Dadurch wird verhindert, dass der Jahresabschluss ein falsches Bild der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens vermittelt.
Zusammenfassung
Drohende Verluste aus schwebenden Geschäften werden auch als Drohverlustrückstellungen bezeichnet.
Sie entstehen, wenn ein noch nicht erfülltes Geschäft voraussichtlich zu einem Verlust führt.
Für die Bildung einer Rückstellung müssen ein drohender Verlust und ein schwebendes Geschäft vorliegen.
Der erwartete Verlust wird bereits im Geschäftsjahr der wirtschaftlichen Entstehung als Aufwand gebucht.
Drohverlustrückstellungen müssen in der Handelsbilanz berücksichtigt werden.
In der Steuerbilanz dürfen sie nicht angesetzt werden.
Bei Eintritt des Verlustes wird die Rückstellung wieder aufgelöst.
Beispielaufgaben
Wann liegt ein schwebendes Geschäft vor?
A. Bei einem schwebendem Geschäft haben beide Parteien noch nicht erfüllt. Es liegt also ein unerfülltes Geschäft vor.
B. Bei einem schwebenden Geschäft ist nur der Käufer seiner Verpflichtung nachgekommen, nicht aber der Verkäufer.
C. Bei einem schwebenden Geschäft ist nur der Verkäufer seiner Verpflichtung nachgekommen, nicht aber der Käufer.
D. Bei einem schwebendem Geschäft hat der Kunde noch nicht bezahlt und der Lieferant noch nicht geliefert.
E. Bei einem schwebenden Geschäft sind Käufer und Verkäufer von ihren Verpflichtungen befreit.
Wir haben Waren zum Nettopreis von 20.000 € bestellt. Die Ware soll am 15. März des Folgejahres geliefert werden. Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember stellen wir fest, dass die Ware nur noch einen Wert von 15.000 € hat, da der Preis stark gesunken ist. Wie ist am Bilanzstichtag zu buchen?
A. Am Bilanzstichtag ist eine Rückstellung für drohende Verluste von 15.000 € zu buchen.
B. Am Bilanzstichtag ist eine Rückstellung für drohende Verluste von 20.000 € zu buchen.
C. Am Bilanzstichtag ist eine Rückstellung für drohende Verluste von 5.000 € zu buchen.
D. Am Bilanzstichtag sind Aufwendungen für Handelswaren von 15.000 € zu buchen.
E. Am Bilanzstichtag sind Aufwendungen für Handelswaren von 5.000 € zu buchen.
Wir haben Waren zum Nettopreis von 20.000 € bestellt. Die Ware soll am 15. März des Folgejahres mit der Rechnung zusammen geliefert werden. Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember stellen wir fest, dass die Ware nur noch einen Wert von 15.000 € hat, da der Preis stark gesunken ist. Wie ist am 15. März des Folgejahres zu buchen? Der Mehrwertsteuersatz beträgt 19 %.
A. "4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" 17.850 €
an
"6080 Aufwendungen für Handelswaren" 15.000 €
"2600 Vorsteuer" 2.850 €
B. "6080 Aufwendungen für Handelswaren" 15.000 €
"2600 Vorsteuer" 2.850 €
an
"4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" 17.850 €
C. "6080 Aufwendungen für Handelswaren" 20.000 €
"2600 Vorsteuer" 3.800 €
an
"4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" 23.800 €
D. "4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" 23.800 €
an
"6080 Aufwendungen für Handelswaren" 20.000 €
"2600 Vorsteuer" 3.800 €
E. "6080 Aufwendungen für Handelswaren" 20.000 €
"2600 Vorsteuer" 3.800 €
an
"3970 Rückstellungen für drohende Verluste" 23.800 €
Wir haben Waren zum Nettopreis von 20.000 € bestellt. Die Ware soll am 15. März des Folgejahres geliefert werden. Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember stellen wir fest, dass die Ware nur noch einen Wert von 15.000 € hat, da der Preis stark gesunken ist. Mit welchem Wert wird die Ware im neuen Geschäftsjahr in die Bilanz aufgenommen?
A. Zum Anschaffungswert von 20.000 €.
B. Zum Höchstwert von 20.000 €.
C. Zum Wiederbeschaffungswert von 15.000 €.
D. Zum Gebrauchtwert von 12.000 €.
E. Zum Herstellungswert von 10.000 €.
Wir haben Waren zum Nettopreis von 20.000 € bestellt. Die Ware soll am 15. März des Folgejahres geliefert werden. Zum Bilanzstichtag am 31. Dezember stellen wir fest, dass die Ware nur noch einen Wert von 15.000 € hat, da der Preis stark gesunken ist. Im alten Geschäftsjahr haben wir entsprechend zum Bilanzstichtag eine Rückstellung von 5.000 € für drohende Verluste gebucht. Nun tritt der erwartete Verlust tatsächlich im neuen Geschäftsjahr ein. Die im alten Jahr gebildete Rückstellung muss nun aufgelöst werden. Wie lautet der Buchungssatz hierzu?
A.
6080 Aufwendungen für Handelswaren 5.000 €
an
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
B.
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
an
6080 Aufwendungen für Handelswaren 5.000 €
C.
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 20.000 €
an
6080 Aufwendungen für Handelswaren 20.000 €
D.
6080 Aufwendungen für Handelswaren 20.000 €
2600 Vorsteuer 3.800 €
an
4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 23.800 €
E.
3970 Rückstellungen für drohende Verluste 5.000 €
an
4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 5.000 €








