Gemäß dem Handelsgesetzbuch (HGB) ist jeder Kaufmann dazu verpflichtet, eine Bilanz aufzustellen. Die Bilanz zeigt die Vermögens- und Kapitalstruktur eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Dabei werden auf der Aktivseite die Vermögenswerte und auf der Passivseite die Finanzierung dieser Vermögenswerte dargestellt. In diesem Abschnitt erfährst du, wie eine Bilanz aufgebaut ist und welche Bedeutung Aktiva, Passiva, Eigenkapital und Fremdkapital haben. Außerdem lernst du, wie die Bilanz mit dem Jahresabschluss zusammenhängt.
Was ist eine Bilanz?
Das Wort „Bilanz“ stammt aus dem Italienischen und geht auf den Begriff „Bilancia“ zurück, was „Waage“ bedeutet. Eine Waage hat zwei Seiten, die immer ausgeglichen sein müssen. Dieses Prinzip gilt auch für die Bilanz: Die Summe der Aktivseite muss immer der Summe der Passivseite entsprechen.
Die Bilanz stellt das Vermögen eines Unternehmens dem vorhandenen Kapital gegenüber. Sie zeigt also einerseits, wofür das Geld eines Unternehmens verwendet wurde, und andererseits, woher dieses Geld stammt.
Die Grundlage für die Erstellung einer Bilanz bilden das Inventar und die Inventur. Während die Inventur alle Vermögenswerte und Schulden eines Unternehmens erfasst, werden diese Werte im Inventar übersichtlich zusammengestellt und anschließend für die Bilanz übernommen.
Aufbau der Bilanz: Aktiva und Passiva
Eine Bilanz besteht aus zwei Seiten:
• Aktiva (linke Seite)
• Passiva (rechte Seite)
Beide Seiten erfüllen unterschiedliche Aufgaben und geben verschiedene Informationen über ein Unternehmen.
Aktiva: Mittelverwendung und Vermögen
Die linke Seite der Bilanz wird als Aktiva oder Aktivseite bezeichnet. Sie zeigt die Mittelverwendung und gibt an, wofür das Kapital des Unternehmens eingesetzt wurde.
Die Aktiva bestehen aus:
• Anlagevermögen
• Umlaufvermögen
Anlagevermögen
Zum Anlagevermögen gehören Vermögenswerte, die einem Unternehmen langfristig dienen sollen. Diese bleiben meistens über mehrere Jahre im Betrieb und werden nicht regelmäßig verkauft oder verbraucht.
Typische Beispiele für Anlagevermögen sind:
• Grundstücke und Gebäude
• Maschinen
• Betriebs- und Geschäftsausstattung
• Firmenfahrzeuge
Das Anlagevermögen ist besonders wichtig, da es die langfristige Grundlage für die Produktion oder Leistungserbringung eines Unternehmens bildet.
Umlaufvermögen
Das Umlaufvermögen umfasst Vermögenswerte, die nur kurzfristig im Unternehmen bleiben und sich regelmäßig verändern.
Dazu gehören beispielsweise:
• Warenbestände
• Forderungen gegenüber Kunden
• Kassenbestand
• Bankguthaben
Während Anlagevermögen langfristig genutzt wird, verändert sich das Umlaufvermögen durch tägliche Geschäftsvorgänge ständig.
Passiva: Mittelherkunft und Kapital
Die rechte Seite der Bilanz wird als Passiva oder Passivseite bezeichnet. Sie zeigt die Mittelherkunft, also woher das Kapital stammt, mit dem das Vermögen auf der Aktivseite finanziert wurde.
Die Passiva bestehen aus:
• Eigenkapital
• Fremdkapital
Eigenkapital
Das Eigenkapital bezeichnet das Kapital, das von den Eigentümern eines Unternehmens eingebracht wurde oder im Unternehmen erwirtschaftet wurde.
Es zeigt den Anteil am Unternehmen, der nicht durch externe Geldgeber finanziert wurde. Ein höheres Eigenkapital kann die finanzielle Stabilität eines Unternehmens beeinflussen, da weniger Fremdkapital benötigt wird.
Fremdkapital
Fremdkapital stammt von externen Kapitalgebern und muss in der Regel zurückgezahlt werden. Ein typisches Beispiel ist ein Kredit von einer Bank.
Fremdkapital kann nach der Laufzeit unterschieden werden:
• kurzfristiges Fremdkapital
• mittelfristiges Fremdkapital
• langfristiges Fremdkapital
Die Einteilung zeigt, wann ein Unternehmen seine Verpflichtungen erfüllen muss.
Warum ist die Bilanz immer ausgeglichen?
Die Summe der Aktiva entspricht immer der Summe der Passiva.
Diese Regel ergibt sich aus dem Prinzip der doppelten Buchführung, auch DOPPIK genannt. Jeder Geschäftsfall wird dabei immer auf mindestens zwei Konten erfasst. Dadurch bleibt das Verhältnis zwischen Vermögen und Kapital erhalten.
Beispiel:
Ein Unternehmen nimmt einen Kredit über 10.000 € auf.
Buchungssatz:
Bank an Darlehen 10.000 €
Auswirkung:
• Das Bankguthaben auf der Aktivseite steigt um 10.000 €.
• Das Fremdkapital auf der Passivseite steigt ebenfalls um 10.000 €.
Die Bilanz bleibt ausgeglichen.
Sollte die Summe der Aktiva und Passiva nicht übereinstimmen, liegt ein Fehler bei der Buchführung oder bei der Erstellung der Bilanz vor.
Bilanz als Teil des Jahresabschlusses
Die Bilanz ist ein wichtiger Bestandteil des Jahresabschlusses eines Unternehmens. Sie zeigt die wirtschaftliche Situation zu einem bestimmten Stichtag und stellt damit eine Momentaufnahme dar.
Im Gegensatz zu einer Gewinn- und Verlustrechnung, die den Erfolg eines Zeitraums betrachtet, zeigt die Bilanz den Zustand des Unternehmens an einem bestimmten Tag.
Bilanzen verschiedener Geschäftsjahre können miteinander verglichen werden. Dadurch lassen sich Entwicklungen erkennen und wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen ableiten.
Die Bilanz ermöglicht außerdem Vergleiche zwischen Unternehmen einer Branche und hilft dabei, die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu beurteilen.
Zusammenhang zwischen Bilanz und Jahresabschluss
Der Jahresabschluss besteht je nach Unternehmensgröße und Rechtsform aus verschiedenen Bestandteilen. Zu den wichtigsten Bestandteilen gehören:
• Bilanz
• Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
Während die Bilanz Vermögen und Kapital gegenüberstellt, zeigt die GuV, ob ein Unternehmen innerhalb eines Geschäftsjahres einen Gewinn oder Verlust erzielt hat.
Der ermittelte Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag wirkt sich anschließend auf das Eigenkapital aus und wird im Rahmen der Abschlussarbeiten berücksichtigt.
Zusammenfassung
• Die Bilanz stellt Vermögen und Kapital eines Unternehmens gegenüber.
• Die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung und besteht aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen.
• Die Passivseite zeigt die Mittelherkunft und besteht aus Eigenkapital und Fremdkapital.
• Die Bilanz muss immer ausgeglichen sein: Aktiva = Passiva.
• Grundlage für die Bilanz sind Inventur und Inventar.
• Die Bilanz ist eine Stichtagsbetrachtung und ein wichtiger Bestandteil des Jahresabschlusses.
• Durch den Vergleich mehrerer Bilanzen lassen sich Entwicklungen eines Unternehmens erkennen.
Beispielaufgaben
Welche Informationen können aus der Bilanz eines Unternehmens entnommen werden?
A. Die Zusammensetzung von Umlauf- und Anlagevermögen.
B. Alter und Herkunft der Warenbestände.
C. Die Höhe des Eigenkapitals.
D. Die Summe der Schulden und die Namen der Gläubiger.
E. Die Aufwendungen und Erträge des Unternehmens.
Wie heißt die Seite einer Bilanz, auf der das Vermögen steht?
A. Vermögensseite
B. Aktiva
C. Passiva
D. Soll
E. Haben
Welche Bilanzpositionen stehen auf der Passivseite der Bilanz?
A. Das Anlage- und Umlaufvermögen.
B. Das Eigen- und Fremdkapital.
C. Die Aufwendungen und Erträge.
D. Die Kosten und Leistungen.
E. Die Einnahmen und Ausgaben.
Welche Aussagen zur Unternehmensbilanz sind richtig?
A. Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Eigen- und Fremdkapital.
B. Jeder Kaufmann ist zur Aufstellung einer Bilanz verpflichtet.
C. Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Anlage- und Umlaufvermögen.
D. Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital.
E. Das Wort „Bilanz“ kommt aus dem Italienischen („Bilancia“) und bedeutet „Waage“.
Bei welchen Begriffen handelt es sich um typische Bilanzpositionen?
A. Variable und fixe Kosten
B. Kosten und Leistungen
C. Eigen- und Fremdkapital
D. Einzel- und Gemeinkosten
E. Anlage- und Umlaufvermögen








