Erfahrungsbericht Feuerwehr – Berufsfeuerwehr

Wer weiß, dass nur etwa 3 bis 5 Prozent aller Bewerber bei der Feuerwehr angenommen werden, kann sich vorstellen, wie aufgeregt ich vor dem Einstellungstest war. Um anderen Bewerbern ein wenig Angst zu nehmen und die Vorbereitung zu erleichtern, möchte ich von meinen Erfahrungen erzählen.

Bei mir in Hessen bestand der Einstellungstest aus folgenden Teilen:

  1. Schriftlicher Einstellungstest mit praktischer Übung
  2. Sporttest
  3. Vorstellungsgespräch
  4. Ärztliche Untersuchung

1. Schriftlicher Einstellungstest mit praktischer Übung

Am ersten Tag musste ich morgens um 8:30 Uhr im Personalauswahlzentrum sein, um den schriftlichen Einstellungstest zu absolvieren. Nachdem man mich und die restlichen 24 Bewerber in einen Konferenzraum gebeten hatte, wurde der Prüfungsablauf erklärt. Dann ging es direkt los. Zuerst wurde ein Diktat vorgelesen, das wir als Lückentext vorliegen hatten und korrekt ergänzen sollten. Einzusetzende Worte waren zum Beispiel „Widerstand“ oder „Konkurrenz“. Im zweiten Rechtschreibtest gab man uns mehrere Lösungen für ein Wort vor und wir mussten die richtige Variante ankreuzen.

Besonders Angst machte mir der darauf folgende Mathetest, denn da durften wir keinen Taschenrechner benutzen. Es wurden die Grundrechenarten, Dreisatz, Brüche und Geometrie geprüft. Alle Nebenrechnungen, die auf einem Extrablatt gemacht wurden, mussten mit abgegeben werden: Die Tester wollten sehen, wie wir zur Lösung gekommen sind. Danach durften wir kurz verschnaufen, während drinnen die Tests korrigiert wurden. Als wir wieder in den Raum gebeten wurden, musste schon die Hälfte der Bewerber ihre Sachen packen, da sie den Anforderungen nicht genügten. Zum Glück durfte ich in die nächste Runde.

Nun wurden Logik, technisches Verständnis und Physik geprüft. Bei der Logik gab es zum Beispiel eine Aufgabe, bei der wir aus einer Reihe von geometrischen Figuren diejenige ankreuzen sollten, die nicht in die Reihe passt. Um unser technisches Verständnis zu beweisen, mussten wir eine Zeichnung erklären und beispielweise ankreuzen, in welche Pfeilrichtung sich ein bestimmtes Rad dreht, wenn ein weiteres Zahnrad bewegt wird. Die Physikaufgaben bestanden aus Verständnisfragen und kleinen Skizzen.

Damit war der schriftliche Teil schon zu Ende und nach Auswertung der Aufgaben wurden wir einzeln in den Raum gebeten, wo die Prüfer uns unser Ergebnis mitteilten. Ich habe gelesen, dass etwa zwei Drittel aller Bewerber schon beim schriftlichen Test durchfallen und kann dies nun nach meinen Erfahrungen auch bestätigen. Neben mir blieben nur noch 6 Bewerber übrig!

Im nachfolgenden praktischen Teil mussten wir eine 30 Meter hohe Leiter hochklettern. Wer Feuerwehrmann werden will, darf keine Höhenangst haben, das muss jedem klar sein. Da ich vollkommen schwindelfrei bin, war die Prüfung kein Problem für mich. Damit hatte ich auch den letzten Punkt meines ersten Prüfungstages mit Bravour bestanden.

2. Sporttest

Am nächsten Tag wurde unsere körperliche Tauglichkeit im Sporttest geprüft. Zuerst mussten vier Kilometer in maximal 20 Minuten gelaufen werden. Wer überholt wurde oder wem die Puste ausging, schied automatisch aus. Bereitet euch gut vor, Kondition bekommt man nicht in zwei Tagen! Zur Orientierung kann man sich vornehmen, einen Kilometer in fünf Minuten zu laufen.

Die nächste Übung war nichts für Schwächlinge: Bäuchlings auf einem Kasten liegend musste man etwa 20mal eine 40 Kilogramm schwere Hantel von unten nach oben bis über eine bestimmte Markierung ziehen. Mir taten vor allem die zwei Mädels leid, denn die mussten die gleiche Leistung bringen wie die männlichen Bewerber. Wer in einem der Tests schlechter abschneidet, muss das in den anderen Tests durch Bestleistungen wieder ausgleichen.

Danach war ich ziemlich erschöpft – aber es ging gleich weiter! In fünf Sprüngen mindestens 12 Meter schaffen, so lautete die Aufgabe. Wir durften zwar zwischen jedem Sprung eine Pause einlegen, aber anstrengend war es trotzdem. Beim Hindernis-Parcours haben einige schon deutlich gezeigt, dass sie vollkommen außer Puste waren. Ich habe mich zusammen gerissen und den Parcours ganz gut gemeistert.

Danach wurden die vorgelesen, die den Sporttest nicht bestanden hatten und daher nicht zum persönlichen Gespräch eingeladen wurden. Mein Name wurde nicht genannt und ich kam der Einstellung ein gutes Stück näher!

3. Vorstellungsgespräch

Mit einem ziemlich flauen Gefühl saß ich drei Prüfern gegenüber, die mir erst einmal zu meinen bisherigen Leistungen gratulierten. Als sie wissen wollten, was mich an der Berufsfeuerwehr reize, war aber alle Nervosität vergessen – ich konnte von meinem großen Hobby berichten: der Freiwilligen Feuerwehr. Außerdem sollte ich noch ein bisschen von meiner Mechatroniker-Ausbildung erzählen. Danach wurde ich gefragt, wie ich in einer bestimmten Gefahrensituation reagieren würde. Dank meiner Feuerwehr-Erfahrung wusste ich ziemlich genau, worauf es ankommt: auf überlegtes, entschlossenes und verantwortungsbewusstes Handeln. Nach einer kurzen Wartepause teilten mir die Prüfer mit, dass ich es geschafft hatte!

4. Feuerwehrärztliche Untersuchung

Zu guter Letzt musste ich noch die ärztliche Untersuchung überstehen. Entscheidend für die Zulassung ist, dass die Krankenakte in den letzten zehn Jahren keine schwerwiegenden Erkrankungen verzeichnet. Ich hatte als Kind beispielsweise leichtes Asthma, bin jetzt aber vollständig geheilt und musste mir daher keine Sorgen machen.

Nach einem Hör- und Sehtest prüfte der Arzt meine Lungenfunktion und machte ein Belastungs-EKG. Diese Tests sind vor allem in Hinblick auf extreme Einsätze mit Atemschutzmasken und schwerer Schutzkleidung wichtig. Zum Schluss noch eine Urin- und Blutprobe, dann wurde ich für tauglich erklärt.


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