Erfahrungsbericht: Auswahlverfahren Bundespolizei (mittlerer Dienst)

Für das Auswahlverfahren der Bundespolizei musste ich einen Tag vorher an einem Ausbildungszentrum in Bayern erscheinen. Auf dem Gelände angekommen, hat man mich erst einmal über den Ablauf der nächsten Tage aufgeklärt. Nach und nach trudelten auch die anderen Bewerber ein – mit ihnen habe ich abends im Aufenthaltsraum noch ein bisschen geredet.

Tag 1: Schriftlicher Test und Sporttest

Nach dem Frühstück führte man unsere Gruppe – 5 Frauen, 7 Männer – in einen Arbeitsraum. Dort startete der Tag mit dem schriftlichen Test.

Schriftlicher Test

Jeder setzte sich an einen Platz, dann verteilte einer der Prüfer die Testbögen. Pro Aufgabenblock hatten wir eine bestimmte Bearbeitungszeit. Die Prüfer haben zwischendurch regelmäßig die Restzeit angesagt. Jeder Aufgabentyp wurde vorher durch ein Beispiel erklärt.

Diktat

Den Anfang des Tests machte ein halbstündiges Diktat. Zu Beginn wurde der Text einmal komplett vorgelesen, wobei Absätze laut angesagt wurden. Dazu durften wir uns auf einem Zettel Notizen machen. Beim zweiten Vorlesen mussten wir dann mitschreiben. Hier war auch auf die Form zu achten – alle Absätze mussten an der richtigen Stelle sein. Weil der Prüfer immer absichtlich lange Pausen machte, konnte man diese Stellen allerdings ziemlich gut heraushören. Inhaltlich drehte sich der Text um das Thema Sicherheit und Überwachung: Sollten zum Schutz der Bürger Videokameras an Bahnübergängen angebracht werden? Das Diktat strotze vor Fremdwörtern, aber ich kam gut zurecht.

Allgemeinwissen

Der Test zum Allgemeinwissen dauerte ungefähr 45 Minuten. Die Antworten musste man teilweise hinschreiben, teilweise im Multiple-Choice-Verfahren ankreuzen. Hier waren sehr gute Kenntnisse in Geschichte, Politik und Geografie nötig. Eine Frage lautete zum Beispiel: Was war die Weimarer Republik? Im Bereich Geografie musste man berühmte Baudenkmäler auf einem Bild erkennen, etwa den Kölner Dom oder den Petersdom in Rom. Das gleiche Spiel gab es später mit Politikern, wobei ich mich ziemlich schwer getan habe. Die abgebildeten Personen waren mir zwar vom Gesicht her bekannt, aber ich konnte ihnen keine Namen zuordnen. Ein Freund von mir hatte seinen Einstellungstest bei der Bundespolizei an einem anderen Tag, für ihn lief es besser: Er bekam Bilder von Wladimir Putin und George W. Bush vorgelegt – die kennt nun wirklich jeder.

Konzentration

In einer Reihe stand 30 bis 40 Mal der Buchstabe d, manchmal hatte sich auch ein b eingeschlichen. Über und unter den Buchstaben waren mehrere Striche zu sehen. Jedes d mit zwei Strichen musste man markieren, wobei die Striche unterschiedlich positioniert sein durften: Mal waren beide über dem d, mal beide unter dem d, mal einer über und einer unter dem d. Man merkt: Hier war volle Konzentration gefordert! Für die Bearbeitung einer Reihe hatte man nur sehr wenig Zeit. Wenn der Prüfer „Weiter!“ sagte, musste man sofort zur nächsten Reihe wechseln.

Nach dem schriftlichen Test gab es eine lange Wartepause, in der wir uns über unsere bisherigen Erfahrungen im Auswahlverfahren der Bundespolizei ausgetauscht haben. Je länger es dauerte, desto nervöser wurden wir – wer durfte denn nun das Auswahlverfahren fortsetzen? Erst nach geschlagenen zweieinhalb Stunden baten uns die Beamten wieder in den Prüfungsraum, um das Ergebnis zu verkünden: Keiner der Männer hatte den Test bestanden. Nur wir 5 Frauen waren noch übrig! Das hat uns alle, auch die Prüfer, ziemlich umgehauen. Anschließend zogen wir Übriggebliebenen uns auf unseren Zimmern schnell um, damit wir in der Sporthalle antreten konnten. Die nächste Station war nämlich der Bundespolizei-Sporttest!

Sporttest

Zuerst bekam jedes Mädel ein Leibchen mit einer Nummer, damit die Beamten uns eindeutig auseinanderhalten konnten. Dann verließen wir geschlossen die Sporthalle und wurden einzeln nacheinander zum Kasten-Bumerang-Test wieder hereingerufen. Der Kasten-Bumerang-Parcours musste innerhalb von 21 Sekunden bewältigt werden. Danach kamen der Standweitsprung und die Liegestütze dran. Am Ende mussten wir beim Cooper-Test mindestens 20 100-Meter-Runden laufen. Die Zeit wurde zwischendurch angesagt, die bewältigte Rundenzahl allerdings nicht. Die Prüfer der Bundespolizei haben uns durch Zurufe motiviert. Ich bin sehr sportlich, daher war der Sporttest für mich kein Problem. Einige Bewerberinnen haben sich allerdings bei den Liegestützen schwer getan.

Nach dem Sporttest gab es Abendessen, danach haben wir uns mit Anwärtern aus dem ersten Ausbildungsjahr unterhalten, die allesamt sehr nett und hilfsbereit waren. Die geistigen und körperlichen Anstrengungen des Tages haben sich bei mir aber schnell bemerkbar gemacht: Ich wurde auf einmal hundemüde und bin sehr früh ins Bett gegangen. Tag 1 des Auswahlverfahrens der Bundespolizei war geschafft!

Tag 2: Vorstellungsgespräch

Nach dem erneut zeitigen Frühstück begannen um 8 Uhr morgens die Vorstellungsgespräche. Diejenigen mit dem weitesten Heimweg kamen als erste dran. Für jedes Interview waren 45 Minuten eingeplant. Der Zeitplan hat sich aber schon nach dem ersten Gespräch nach hinten verschoben. Ich war als zweite an der Reihe und sah mich nach dem Eintreten in den Gesprächsraum einem Gremium von drei Interviewern gegenüber. Erwartet hatte ich einen eher lockeren Gesprächston – weit gefehlt! Das Gespräch verlief überhaupt nicht locker, es war eher ein Kreuzverhör. Fragen zu meiner persönlichen Motivation, zur Bundespolizei zu gehen, gab es kaum. Die Prüfer fragten alles Mögliche zu den Themen Geografie und aktuelle Politik, etwa zum Bürgerkrieg in Syrien. Außerdem musste ich den Unterschied zwischen der Bundespolizei und einer Landespolizei erklären. Dann sollte ich auf einer Weltkarte zeigen, wo bestimmte Länder liegen.

Ein sehr stressiger Teil des Vorstellungsgesprächs bestand aus assoziativen Fragen. Einmal musste ich zum Beispiel drei Länder mit Hauptstädten aufsagen. Dabei nannte ich unter anderem Ungarn mit der Hauptstadt Budapest, weil ich dort Verwandte habe. Sofort kam die Anschlussfrage: Was fällt Ihnen denn spontan zu Ungarn ein? Da war ich kurz etwas panisch, bevor ich mich an die aktuellen Pläne des ungarischen Ministerpräsidenten erinnerte, eine Internetsteuer einzuführen. Bei diesem assoziativen Teil sollte man sich vorher sehr genau überlegen, was man sagt. Während des Gesprächs hat man generell kaum Zeit zum Erholen, die Fragen kommen ohne Pause wie aus der Pistole geschossen.

Nach dem Vorstellungsgespräch baten mich die Prüfer, den Raum zu verlassen. Wenige Minuten später riefen sie mich wieder herein: Ich kann im nächsten Jahr als Anwärterin bei der Bundespolizei anfangen – vorausgesetzt, ich bestehe die ärztliche Untersuchung im Dezember. Die endgültige Entscheidung erfahre ich im Januar.

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