Erfahrungsbericht Auswahlverfahren

Polizei Hamburg (Laufbahnabschnitt II)

Der Bewerbungstag im kalten Oktober begann unerfreulich früh. Bereits um halb acht Uhr morgens musste ich mich auf dem Gelände der Polizeischule in Winterhude einfinden. Eigentlich hätten wir eine Gruppe von 30 Teilnehmern sein sollen; acht sind allerdings gar nicht erst gekommen. Der Großteil der Anwesenden waren Frauen, die Jungs waren nur zu sechst oder siebt vertreten. Nachdem wir uns versammelt hatten, erschienen ein Polizist und eine Polizistin, die sich als unsere Ansprechpartner für den Tag vorstellten. Sie erklärten uns den Tagesablauf, und dann ging es auch schon los mit dem Einstellungstest.

Schriftlicher Einstellungstest, Teil 1: Diktat mit Lückentext

Der Einstellungstest der Hamburger Polizei verläuft noch klassisch analog, das heißt ohne Computer. Für das Diktat erhielten wir ein Blatt Papier mit einem Lückentext. Inhaltlich ging es irgendwie um die Polizeiarbeit, aber genau erinnern kann ich mich nicht mehr. Unsere Aufgabe war, die fehlenden Wörter in den Lückentext einfügen. Dazu wurde jeder Satz zweimal vollständig vorgelesen. Der Fokus lag auf schweren Wörtern und Fremdwörtern, etwa „anonymisiert“. Insgesamt hatten wir für das Lückentext-Diktat 45 Minuten Zeit, danach gab es eine Pause von 20 Minuten.

Schriftlicher Einstellungstest, Teil 2: Sachverhaltsschilderung

Nachdem wir zu unseren Arbeitsplätzen zurückgekehrt waren, erhielten wir fünf Bilder, in denen ein Vorgang dargestellt wurde. Wir sollten uns die Bilder genau ansehen und anschließend frei, kurz und prägnant aufschreiben, was geschehen ist. Dabei sollte man sich genau an die Abbildungen halten und nichts Eigenes hineininterpretieren.

Für die Sachverhaltsschilderung hatten wir 45 Minuten Zeit.

Anschließend durften wir zurück in den Warteraum, und die Prüfer haben die Ergebnisse des Diktats und der Sachverhaltsschilderung ausgewertet. Für fünf Leute war der Tag danach schon zu Ende – sie wurden nach Hause geschickt.

Schriftlicher Einstellungstest, Teil 3: Allgemeiner Leistungstest

Für den allgemeinen Leistungstest bekam jeder von uns einen DIN-A4-Ordner. Die eingehefteten Aufgabenblätter gliederten sich in fünf Aufgabenblöcke mit dem Schwerpunkt Logik (visuelle Auffassungsgabe). Für die Bearbeitung eines Blocks hatte man ungefähr sieben Minuten Zeit.

Mit drei Aufgabenblöcken machten die visuellen Analogien den Großteil des Leistungstests aus. Das Schema war immer ähnlich: Eine vorgegebene Figur stand in einem bestimmten Verhältnis zu einer zweiten vorgegebenen Figur. Dieselbe Beziehung herrschte zwischen einer dritten und einer vierten Figur – die mussten wir allerdings im Multiple-Choice-Verfahren selbst herausfinden. Außerdem sollten wir unter anderem Puzzlestücke einer Grundform zuordnen und abgebildete Spielwürfel im Kopf drehen und kippen.

Nach dem allgemeinen Leistungstest war es schon halb 12 – Zeit für die 60-minütige Mittagspause! Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl von unseren Ansprechpartnern: Nicht zu viel essen – nachmittags geht es direkt mit dem Sporttest weiter.

Sporttest

Der Sporttest bestand aus den Disziplinen Wendelauf, Klimmzüge, Standweitsprung, Kasten-Bumerang-Test und Cooper-Test. Beim Cooper-Test durften wir uns sogar aussuchen, ob wir in der Halle oder im Freien auf der Tartanbahn geprüft werden wollen. Wir haben uns dann für die Tartanbahn entschieden, weil man in der Halle ständig Kurven laufen muss und dadurch andauernd den Rhythmus und das Tempo verliert. Die Zeit mit der eigenen Stoppuhr abzulesen war übrigens verboten; wir sollten uns nur auf die Prüfer verlassen.

Nach dem Cooper-Test ging es erst mal unter die Dusche. Das war das auch bitter nötig! Ungefähr eine Stunde konnten wir uns ausruhen, dann ging es zur zusätzlichen Prüfung für den Laufbahnabschnitt II.

Zusätzliche Prüfung

In der zusätzlichen Prüfung waren wir nur zu acht. Wieder legten uns die Polizisten einen DIN-A4-Aufgabenordner auf den Tisch. Im Bereich Merkfähigkeit mussten wir uns eine schematische Geländekarte eine Minute lang einprägen und anschließend bestimmte Angaben in eine zweite Karte übertragen. Außerdem wurde unser interkulturelles Wissen geprüft (z. B. „Was ist die Thora?“). Im Logikteil ging es um Zahlenreihen.

Die Bilanz des ersten Tages: Nur ich und zwei andere Kandidaten für den Laufbahnabschnitt II hatten alle Prüfungen bestanden. Die anderen fünf Bewerber, die am Zusatztest gescheitert waren, bekamen das Angebot, ins Bewerbungsverfahren von Laufbahnabschnitt I zu wechseln. Ein Mädchen hat diesen Vorschlag angenommen.

Ungefähr drei Wochen später erhielt ich die Einladung zum zweiten Auswahltag im Dezember: Vorgesehen waren ein Einzelgespräch und ein Rollenspiel.

Einzelgespräch

Der zweite Auswahltag begann mittags mit dem Vorstellungsgespräch. In den Gesprächsraum wurde ich von einem Kripo-Beamten und einem Schutzpolizisten geführt, die dann auch meine Interviewpartner waren. Zuerst hatte ich fünf Minuten Zeit, mich selbst vorzustellen. Dabei musste ich nicht meinen Lebenslauf runter rattern – die Vorgabe lautete lediglich: Erzählen Sie, was Sie bei sich für wichtig halten und was andere über Sie wissen sollten. Anschließend nahm jeder Interviewer einen Aktenordner mit einem Fragenkatalog in die Hand, den sie anschließend abhakten: Was würden Sie als Polizistin an einem Unfallort zuerst machen? Warum haben Sie sich für Hamburg entschieden? Was ist bei der Polizei Hamburg anders als bei anderen Polizeien? Es gab auch persönliche Fragen: Sind Sie Ihren Freunden gegenüber loyal? Sind Sie kommunikativ? Haben Sie Ihren Freunden schon in schwierigen Situationen geholfen? Jedes Mal hatte ich eine Minute Zeit zu antworten.

Das Einzelgespräch dauerte geschlagene 90 Minuten. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, mich ständig zu wiederholen. Teilweise habe ich mir auch einfach was aus den Fingern gesaugt. Meinen Gesprächspartnern haben meine Antworten aber wohl gefallen: Sie meinten, ich sei sehr empathisch.

Rollenspiel

Im Rollenspiel sollte ich den zwei Beamten, die ich aus dem Vorstellungsgespräch kannte, etwas „vorspielen“. Zuerst erhielt ich einen Zettel mit einem Briefing zu meiner Rolle, mit der ich mich innerhalb von 15 Minuten vertraut machen durfte: Ich hatte als Polizistin auf einer Wache eine aufgeregte Bürgerin (gespielt von einer Polizistin) zu beruhigen, die sich ständig von irgendjemandem bedroht oder genötigt fühlt. Als Spielzeit waren zehn Minuten angesetzt.

Polizeiärztliche Untersuchung

Meine ärztliche Untersuchung fand dieses Jahr im März statt. Überprüft wurden der Ruhepuls, Augen und Ohren, die Lungenfunktion und vieles mehr. Auch eine Blut- und eine Urinprobe musste ich abgeben. Danach ging es zum Belastungs-EKG auf das Fahrradergometer.

Mir wurde gesagt, dass ein Viertel bis ein Drittel der Bewerber die ärztliche Untersuchung nicht besteht. Zu denen gehöre ich aber nicht – dieses Jahr beginne ich meine Ausbildung bei der Polizei Hamburg!


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