Erfahrungsbericht Auswahlverfahren Polizei Niedersachsen (gehobener Dienst)

Nachdem ich mich schriftlich für das Duale Studium bei der Polizei Niedersachsen beworben hatte, kam einige Monate später die Einladung zum vierstündigen Computertest und anschließendem 5-km-Lauf. Das Auswahlverfahren fand in Hann. Münden statt. Man hatte die Wahl, am Vortag anzureisen und auf dem Gelände zu übernachten. Ich entschied mich jedoch dafür, am Testtag mit der Bahn anzureisen. Nach einer ziemlich turbulenten Fahrt fand ich mich mit den etwa 20 anderen Mitbewerbern in einem Computerraum wieder.

Einstellungstest am Computer

Der folgende Test war in einzelne Blöcke unterteilt, die vom Testleiter freigeschaltet wurden, wenn die Zeit abgelaufen war. Allerdings wurde die Zeit während der einzelnen Aufgaben nicht angezeigt. Nach etwa zwei Stunden gab es eine große Pause.

Erinnerungsvermögen

Direkt am Anfang gab es Aufgaben zum Erinnerungsvermögen. Man musste sich Details zu einem Hausdiebstahl merken (Namen, geklaute Gegenstände, Ort, Adresse, usw.). Bei der zweiten Merkaufgabe sollte man vorher eingeprägten Gesichtsbildern die richtigen Namen zuordnen. Beide Aufgaben wurden ca. 10 und 30 Minuten später erneut abgefragt. Zusätzlich sollte man sich die wichtigsten Punkte eines Fallbeispiel einprägen und als Polizeiprotokoll in Stichpunkten wiedergeben.

Sprachverständnis

Hier musste man unter anderem einen vorliegenden Text auf Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler prüfen. Weiterhin sollten wir einen Lückentext ausfüllen, indem wir Nomen, Verben, Adjektive, Präpostionen einfügten. Besonderes Augenmerk galt dabei dem richtigen Konjugieren. Außerdem galt es, in durcheinandergewürfelten Buchstaben ein Wort erkennen und per Lautsprecher angesagte Wörter fehlerfrei in den Computer tippen.

Logisches Denkvermögen

Bei den Logikaufgaben kam es zunächst darauf an, anhand eines Flussdiagramms richtige Entscheidungen zu treffen und zu schlussfolgern. Außerdem erhielten wir Muster, die eine Gemeinsamkeit hatten, und sollten aus vier weiteren Mustern das passende auswählen. Weitere Aufgaben waren, Wortanalogien zu vervollständigen und Termine im polizeilichen Alltag nach ihrer Wichtigkeit zu ordnen.

Nach dem Test hatte ich ein ziemlich schlechtes Gefühl, weil ich nicht alle Aufgaben in der vorgegeben Zeit geschafft habe und manchmal mitten in der Aufgabe abbrechen musste. Ich rate daher, sich auf den Computertest vorzubereiten, damit man etwas routinierter ist und nicht zu sehr unter Druck gesetzt wird. Meist ist der Test so konzipiert, dass man gar nicht alle Aufgaben schaffen kann.

Wenig später erfuhren wir die Ergebnisse, ob bestanden oder nicht. Von den anfangs 20 Bewerbern musste etwa die Hälfte wieder nach Hause fahren. Der Rest, darunter auch ich, wurde belehrt und konnte sich nach einer Mittagspause auf den Sporttest vorbereiten.

Sporttest

Der Sporttest – ein 5-Kilometer-Lauf – war für mich gut zu schaffen. Zwar mussten die 5 Kilometer in einer nach Alter festgesetzten Zeit absolviert werden, aber mit ein bisschen Übung ist das wirklich machbar. Die Testleiter waren allesamt sehr freundlich, haben einen angespornt und nach jeder Runde die Zeit angesagt. Als ich auch diese Hürde genommen hatte, war die Hälfte des Auswahlverfahrens geschafft. Bereits am nächsten Tag erhielt ich einen Anruf meiner Wunschbehörde, um mich zum strukturierten Interview einzuladen.

Strukturiertes Interview

Vor dem Interview hatte ich wirklich Respekt, da ich im Internet nichts Gutes darüber gelesen hatte. Mir saßen drei Personen gegenüber, von denen mir zwei Fragen gestellt haben. Zuerst sollte ich mich selbst darstellen und meinen Lebenslauf in Worte fassen, natürlich schön ausformuliert.

Im zweiten Teil musste ich Beispiele aus meiner Biographie nennen und mein Verhalten beschreiben. Mir wurden Fragen gestellt wie: „Wann wurden Sie in Ihrem Leben so richtig enttäuscht? Nennen Sie uns ein Beispiel und beschreiben Sie Ihre Gedanken und Empfindungen möglichst genau.“ Leider habe ich in diesem Teil nicht so gut abgeschnitten, da ich entweder zu lange gebraucht habe, bis mir ein Beispiel einfiel, oder aber mein Beispiel zu allgemein war, also nicht konkret genug.

Der dritte Teil des Interviews beinhaltete Fragen zu meinem Verhalten in typischen Situationen des Polizeialltags. Dabei wurde vor allem viel Wert auf die präventiven Polizeiaufgaben gelegt. Mir wurde die folgende Situation geschildert: „Zwei Kinder stehen an einer roten Fußgängerampel und warten. Plötzlich geht ein erwachsener Mann bei Rot über die Straße. Beschreiben Sie Ihr Verhalten ganz genau.“ Wichtig ist hierbei, dass es nicht nur darum geht, dem Mann eine Strafe aufzuerlegen, sondern vielmehr den Kindern zu erklären, was der Mann falsch gemacht hat. Schließlich sollen die Kinder das verkehrswidrige Verhalten nicht nachmachen. Unfälle werden somit vermieden.

Hinterher bekam man ein Feedback zu seinen Leistungen. Dann wurden die Bewerber in Kategorien eingeteilt; mit besonders guten Leistungen konnte man eine Direktzusage erhalten. Bei bestandenem mündlichen Auswahlverfahren ohne Direktzusage wird man in ein Ranking aufgenommen und muss noch etwas warten.

Der polizeiärztliche Test

Eine weitere Stufe ist für alle bestandenen Bewerber der polizeiärztliche Test. Dabei wird alles durchgecheckt: Getestet werden das Hör- und Sehvermögen, das Lungenvolumen, das Blut und der Urin. Außerdem gibt es ein Leistungs-EKG und ein Arztgespräch. Der ärztliche Test dauerte bei mir nur einen Vormittag und war nicht aufwendig. Die Polizeidiensttauglichkeit hängt unter anderem auch von den kleinen Details ab, zum Beispiel von Leberwerten, die eventuell vom Hausarzt erneut getestet werden müssen. Lasst euch deswegen aber nicht aus der Ruhe bringen.

Im Februar kam die Zusage der Polizei Niedersachsen mit einer beigefügten Dienstverfügung.

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