Erfahrungsbericht Auswahlverfahren Polizei Hessen (gehobener Dienst)

Mein erster Auswahltag bei der Polizei Hessen startete in aller Herrgottsfrühe: Um fünf Uhr musste ich nach einer unruhigen Nacht (danke an den Rauchmelder im Wohnzimmer!) aufstehen. Dann ging es ab zur Polizeiakademie in Wiesbaden. Dort wurden uns 30 Bewerbern zunächst Taschen und Handys abgenommen; es folgte die Kontrolle der Personalausweise. Anschließend begrüßten uns zwei Polizisten und führten uns in einen PC-Raum, wo um Punkt halb acht der erste Prüfungsteil begann.

Computertest

Der Computertest bestand aus verschiedenen Aufgabenblöcken, für die wir insgesamt drei Stunden Zeit hatten. Am Anfang jedes Blocks wurde die Bearbeitungszeit angezeigt, danach jedoch nicht mehr. Man wusste also nicht genau, wie viel Zeit einem noch zur Bearbeitung blieb. Innerhalb eines Aufgabenblocks konnte man zwischen den einzelnen Fragen vor und zurück klicken, sie auslassen oder die Antworten verbessern. Für Nebenrechnungen hatte man uns einen Schmierzettel neben die Computer gelegt.

Logisches Denken

Für die Logikaufgaben waren ungefähr 25 Minuten angesetzt. Zum Einstieg bekamen wir drei Figuren vorgesetzt und mussten die fehlende vierte aus fünf Vorschlägen auswählen. Eine weitere Aufgabe bestand darin, sich vorzustellen, wie ein vorgegebener Würfel nach einer bestimmten Zahl von Drehungen aussah. Auch Wortanalogien kamen dran: Aus mehreren Möglichkeiten musste das Wort ausgesucht werden, das die Analogie sinnvoll vervollständigt. Außerdem mussten wir Oberbegriffe finden.

Konzentrationstest

Im Konzentrationstest war sechs Minuten lang volle Aufmerksamkeit gefordert. Wir erhielten zwei Figurenpaare: Figur A mit Figur B, Figur C mit Figur D. Auf dem Bildschirm erschienen nun in rascher Folge jeweils zwei Figuren. Wenn man eines der eingangs vorgestellten Paare wiedererkannte, musste man die 1 drücken. War aber beispielsweise Figur A mit Figur C zu sehen, hatte man die 0 zu drücken. Die Figurenpaare ploppten immer schneller hintereinander auf, man hatte gar nicht genug Zeit, sie sich genau anzuschauen. Irgendwann habe ich dann nur noch wahllos die 1 oder die 0 gedrückt.

Merkfähigkeit

Im Bereich Merkfähigkeit sollten wir uns – jeweils innerhalb von zwei Minuten – zwei kurze Geschichten merken. Die Texte beinhalteten jede Menge Details: Namen, Daten, Tabellen, Zeiten, Orte, Straßen … Nach einer 20-minütigen Zwischenaufgabe wurden uns dann Multiple-Choice-Fragen zu den Einzelheiten der Geschichten gestellt. Was hatten wir behalten?

Mathematik

Im Matheteil sollten wir Prozentrechen, Zinsrechnen und Zahlenreihen fortsetzen. Für 30 Aufgaben – ein Drittel davon waren Zahlenreihen – hatte man 20 Minuten Zeit.

Diktat mit Lückentext

Über Kopfhörer wurde uns ein Text in zwölf Abschnitten vorgelesen, die gleichzeitig in Schriftform auf dem Monitor erschienen. Allerdings hatte jeder angezeigte Textabschnitt zwei bis fünf Lücken, die wir zu füllen hatten. Dafür durften wir uns jeden Abschnitt dreimal anhören. Inhaltlich ging es um das Mittelalter: Burgen, Schlösser, Stadtgrenzen …

Persönlichkeitsfragebogen

Im Persönlichkeitsfragebogen sollten wir ungefähr 140 Fragen zu unserer Person mit „stimmt“, „stimmt teilweise“ oder „stimmt nicht“ beantworten. Zum Beispiel: Empfinden Sie sich als hilfsbereit? Haben Sie ein gutes Zeitmanagement? Man durfte nicht lange über die Fragen nachdenken, sondern musste spontan antworten.

Am Ende mussten wir den Raum verlassen, damit die Prüfer den Computertest auswerten konnten. Nach ungefähr 45 Minuten wurden wir wieder hineingerufen. Das Ergebnis: Von 30 Leuten sind nur sieben weitergekommen.

Anschließend ging es weiter mit dem Sporttest.

Sporttest

Die Polizei Hessen verlangt beim Sporttest zunächst einen Achterlauf: in Form einer Acht fünfmal um zwei Hindernisse laufen, dabei unterwegs auf einen Kasten setzen und durch einen offenen Kasten kriechen. Es folgten das Bankdrücken, der Fünfer-Sprunglauf und der Wendelauf. Durch gute Ergebnisse in einer Disziplin konnte man Bonuspunkte sammeln und Schwächen an einer anderen Station ausgleichen.

Gruppenaufgabe

Nach dem Mittagessen folgte die Gruppenaufgabe. Im Prüfungsraum wurden wir von einem Gremium aus acht Polizisten erwartet, die uns die Aufgabe vorstellten: Es ging um das Zusammenleben auf engstem Raum nach einer Endzeit-Katastrophe. Wir mussten uns daraufhin in der Gruppe auf die drei wichtigsten Themen einigen, die von den Überlebenden in Angriff genommen werden müssen – zum Beispiel Kriminalität oder Arbeitslosigkeit. Wichtig dabei war Teamarbeit, aktive Beteiligung (nicht zu viel und nicht zu wenig) und die Beachtung der Zeitvorgabe von 30 Minuten.

Einzelinterview

Gleich im Anschluss wurden wir im 30-minütigen Einzelinterview von einem Polizeipsychologen und einer erfahrenen Polizistin befragt. Die Unterhaltung drehte sich um unsere Absichten, Lebensläufe und Persönlichkeiten, aber auch um die Aufgaben und Strukturen der Polizei Hessen.

Polizeiärztliche Untersuchung

Am zweiten Tag des Auswahlverfahrens hieß es noch ein letztes Mal zittern. Um 07:30 Uhr begann die Untersuchung beim Polizeiarzt in Wiesbaden. Neben der kompletten körperlichen Untersuchung und Anamnese wurden noch folgende Dinge mit mir „angestellt“: ein Sehtest, ein Hörtest, ein Lungenfunktionstest, ein Drogenscreening und ein Belastungs-EKG. Bei der Untersuchung muss man auch Verletzungen und frühere Operationen angeben. Tätowierungen sind kein Problem, solange sie im Sommerhemd nicht sichtbar sind. Natürlich sollten die Tattoos keine extremen, rassistischen oder sexistischen Bezüge aufweisen.


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