Erfahrungsbericht: Auswahlverfahren
mittlerer Dienst (Zoll)

Ich bin 18 Jahre alt und habe mich relativ spät für die Stelle als Zollbeamter im mittleren Dienst beworben. Vorher hatte ich es bei der Bundespolizei versucht, kam im Auswahlverfahren aber aufgrund mehrerer Allergien nicht weiter. Das Auswahlverfahren beim Zoll besteht aus einem Einstellungstest, einem Assessment Center und einem Vorstellungsgespräch. Einen Sporttest muss man nicht mehr absolvieren – stattdessen legt man das Deutsche Sportabzeichen vor. Das darf dann allerdings maximal ein Jahr alt sein.

Nachdem die Bewerbungsfrist abgelaufen war, habe ich relativ schnell die Einladung zum schriftlichen Einstellungstest in einem Hauptzollamt erhalten. In Prüfungssituationen werde ich sehr schnell nervös, deswegen habe ich mich ordentlich vorbereitet. Vor allem habe ich mich auf den mathematischen Teil vorbereitet, in dem Zins- und Prozentaufgaben drankommen sollten. Von Tag zu Tag hat sich die Nervosität immer mehr bemerkbar gemacht.

Tag 1: Schriftlicher Einstellungstest

Am Tag X wurde ich mit 40 anderen in einen Raum gebeten. Dort musste man kurz die Papiere vorzeigen und seine Sachen abgeben. An den Sitzplatz durften wir nur einen Stift und einen Taschenrechner mitnehmen. Nach einer kurzen „Nicht-schummeln“-Ansprache ging es los.

Sprache

Der sprachliche Test fing mit einer Aufgabe zu gegenteiligen Begriffen an. Aus einer Liste musste man zu einem Begriff, zum Beispiel „schwarz“, das Gegenteil ankreuzen – in diesem Fall also „weiß“. Darauf ging es um die richtige Schreibung von Wörtern: „Fahrrad“, „Farrad“, „Fahrad“, oder „Farhrad“? Auch die Gesetzesanwendung kam beim Test nicht zu kurz: Unter einem schriftlichen Sachverhalt standen mehrere Gesetzestexte. Es galt anzukreuzen, inwiefern welcher Gesetzestext auf den Sachverhalt zutrifft.

Mathematik

Der Matheteil bestand aus vier Aufgaben: zwei davon zum Thema Dreisatz, die anderen zur Zins- und Prozentrechnung. Die Aufgaben waren leicht, ich habe höchstens zwei Minuten gebraucht.

Postkorbübung

Die anspruchsvollste Aufgabe war die Postkorbübung. Ich bekam fünf verschiedene Texte zu einem Sachverhalt. Aus diesen Texten musste man einen kurzen, möglichst vollständigen Bericht schreiben. Die wesentlichen Informationen waren auf die Texte verteilt. Ich habe mir dazu ein Konzeptblatt erstellt und die Abfolge der Geschehnisse skizziert. Ich kann jedem empfehlen, sich für diese Aufgabe Zeit zu nehmen und sie sorgfältig zu bearbeiten: Sie kann einem 30 leicht verdiente Punkte bringen. Das schwierigste an dieser Aufgabe war der Kampf mit der Hand, denn man hatte viel zu schreiben.

Allgemeinwissen

Als letztes kamen Fragen zum Allgemeinwissen dran. Sie gingen aber nicht in die Wertung ein. Unter vier Antwortmöglichkeiten befand sich die richtige. Gefragt wurde zum Beispiel: Wer hat die Atombombe entwickelt? Wer damals im Physikunterricht gut aufgepasst hat, weiß darauf natürlich die Antwort: Robert Oppenheimer.

Nach ungefähr zwei Stunden und 45 Minuten war ich mit dem schriftlichen Einstellungstest fertig und habe meinen Bogen abgegeben. Fazit: Nervosität umsonst. Ende November habe ich die Zusage zum mündlichen Auswahlverfahren drei Monate später bekommen. Wie jeder, der mindestens 50 von 100 Punkten erreicht hat.

Um mein Gewissen zu beruhigen, habe ich einen Lernzettel erstellt. Darauf standen die Aufgaben des Zolls, meine Stärken und Schwächen, mein Lebenslauf und meine Hobbys. Dieser Zettel hat mich anderthalb Monate begleitet. Ich habe ihn immer wieder studiert, weil ich Angst davor hatte, in der Prüfungssituation einen Blackout zu bekommen. Mit jedem Tag stieg die Nervosität und eine Woche vorher war es kaum auszuhalten. Die Schule habe ich in der Zeit komplett vernachlässigt.

Tag 2: Assessment Center und Vorstellungsgespräch

Zum zweiten Tag des Auswahlverfahrens kam ich gut gekleidet, aber nicht zu überkandidelt: Hemd, braune Jeanshose und schwarze Schuhe. Die anderen Bewerber – alle in meinem Alter – hatten ganz unterschiedliche Kleidung an. Von ganz normaler Alltagskleidung mit Turnschuhen und Schlabberhose bis zum Business-Look war alles dabei. Für den Tag habe ich mir reichlich Essen und Trinken mitgenommen.

Der Beginn war auf 8:45 Uhr angesetzt. Ich war bereits um 7:30 Uhr da, weil mein Vater mich sehr früh hingefahren hatte. Die anderen Bewerber trafen um 8:30 Uhr ein. Eine Mitarbeiterin erklärte uns den Tagesablauf: zunächst eine Gruppendiskussion, dann ein Rollenspiel, abschließend das Vorstellungsgespräch. Sie forderte uns auf, eine Reihenfolge für das Rollenspiel und das Vorstellungsgespräch zu bilden. Mein Tipp: Wenn man nervös ist, immer zuerst melden. Ich war zu schüchtern und hab mich als Letzter gemeldet. Deswegen musste ich beim Rollenspiel eine Stunde und beim Vorstellungsgespräch knapp drei Stunden warten, bis ich dran kam. Während der Wartezeit habe ich mich natürlich verrückt gemacht.

Gruppendiskussion

Um neun Uhr ging es mit der Gruppendiskussion los. Wir wurden in einen Raum geschickt, in dem bereits die Prüfungskommission, bestehend aus zwei Männern und zwei Frauen, saß. Alle waren sehr nett und haben sich kurz vorgestellt. Während der Gruppendiskussion haben wir Bewerber gar nicht mehr auf die Prüfer geachtet. Wir haben fast alle gleich viel geredet und uns immer angelächelt, sodass die Nervosität nach zehn Sekunden auf null gesunken ist. Es war eine sehr entspannte Atmosphäre, das Thema war schnell verstanden und bot viel Diskussionsstoff. Es lautete: Warum bewerben sich so viele Menschen bei Casting-Shows und schauen Unterhaltungsshows? Nach 20 Minuten war die Diskussion vorüber und wir durften wieder in den Aufenthaltsraum. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Rollenspiel

Eine Stunde später wurde ich endlich zum Rollenspiel aufgerufen. Ich erhielt einen Zettel, auf dem folgender Sachverhalt beschrieben wurde: „Obwohl ihr ein Team seid, macht dein Arbeitskollege die einfache und bequeme Arbeit beim Zoll und du nur „Drecksarbeit“. Finde eine Lösung!“ Die Zeitvorgabe für diese Aufgabe lautete acht Minuten. Hört sich im ersten Moment nach viel an, ist es aber nicht. Als es los ging, habe ich tief durchgeatmet und den Raum betreten. Drinnen standen zwei Stühle. Auf dem einen saß die Person, die den Kollegen mimte. Während des Rollenspiels hat die Person ständig auf stur geschaltet und abgeblockt: „Ich hab keine Lust, ich mach das nicht, du kannst das viel besser ...“ Die Prüfer wollten sehen, wie ich reagiere. Wichtig ist, dass man sich nicht verstellt, sondern so reagiert, wie man das im normalen Leben tut.

Vorstellungsgespräch

Nach dem Rollenspiel durfte ich wieder lange warten. Als ich den Raum betreten hatte, wurde ich zum Tisch gebeten. Es war genug Abstand zwischen mir und den Prüfern, etwa zwei Meter. Zuerst musste ich mich vorstellen. Sofort habe ich meinen Lebenslauf, meine Hobbys und meine Stärken und Schwächen runter gerattert. Der Prüfer hat mich die ganze Zeit angelächelt, mir zugenickt und sich ab und zu Notizen gemacht. Dann fragte er Fragen wie: Warum möchten Sie zum Zoll? Wie wurden Sie auf den Zoll aufmerksam? Könnten Sie sich vorstellen, das Bundesland zu wechseln? Trauen Sie sich zu, mit Waffen umzugehen? Darauf konnte ich frei antworten. Während des Gesprächs wurde viel gelacht und Smalltalk gehalten, was die ganze Situation sehr aufgelockert hat. Am Ende konnte ich noch Fragen stellen. Das Gespräch hat nicht länger als eine halbe Stunde gedauert.

Als ich das Hauptzollamt nach sechs Stunden wieder verlassen habe, war ich sehr erleichtert und froh, dass es vorbei war. Ich kann jedem nur empfehlen, sich nicht zu viele Gedanken im Voraus zu machen. Das ist natürlich leicht gesagt. Aber wenn man erst in der Prüfungssituation ist, verschwindet die Nervosität wie im Flug.


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