Die Äquivalenzziffernkalkulation ist eine besondere Form der Divisionskalkulation und wird auch als Sortenkalkulation bezeichnet. Sie eignet sich für Unternehmen, die ähnliche Varianten oder Sorten eines Produkts herstellen. Die verschiedenen Sorten unterscheiden sich beispielsweise in Größe, Gewicht, Farbe oder Füllmenge und verursachen dadurch unterschiedlich hohe Kosten. Mithilfe von Äquivalenzziffern werden diese Kostenunterschiede in einem bestimmten Verhältnis dargestellt. Dadurch können die Gesamtkosten auf die einzelnen Sorten verteilt und die Selbstkosten je Sorte berechnet werden. Typische Einsatzbereiche sind beispielsweise Brauereien, Brennereien, Zementwerke oder andere Unternehmen mit Sortenfertigung.
Inhalte:
- Was ist die Äquivalenzziffernkalkulation?
- Wann wird die Äquivalenzziffernkalkulation eingesetzt?
- Wie funktionieren Äquivalenzziffern?
- Beispiel: Äquivalenzziffernkalkulation bei drei Biersorten
- Schritt 1: Hauptsorte festlegen
- Schritt 2: Äquivalenzziffern berechnen
- Schritt 3: Recheneinheiten ermitteln
- Schritt 4: Kosten je Recheneinheit berechnen
- Ablauf der Äquivalenzziffernkalkulation
- Zusammenfassung
- Beispielaufgaben
Was ist die Äquivalenzziffernkalkulation?
Die Äquivalenzziffernkalkulation ist eine Weiterentwicklung der Divisionskalkulation. Während bei der einfachen Divisionskalkulation von weitgehend einheitlichen Produkten ausgegangen wird, können mit der Äquivalenzziffernkalkulation verschiedene Sorten eines ähnlichen Produkts berücksichtigt werden.
Die Sorten stimmen in ihren wesentlichen Eigenschaften überein, unterscheiden sich aber in einzelnen Merkmalen. Beispiele sind unterschiedliche Füllmengen, Größen, Gewichte oder Ausführungen.
Zwischen den Sorten muss ein nachvollziehbares Kostenverhältnis bestehen. Dieses Verhältnis wird durch Äquivalenzziffern dargestellt. Eine Sorte dient dabei als Ausgangs- oder Hauptsorte und erhält normalerweise die Äquivalenzziffer 1.
Wann wird die Äquivalenzziffernkalkulation eingesetzt?
Das Verfahren eignet sich vor allem für die Sortenfertigung. Dabei werden ähnliche Produkte hergestellt, die sich nur in bestimmten Merkmalen voneinander unterscheiden.
Typische Beispiele sind:
• Bier in unterschiedlichen Füllmengen
• Schrauben in verschiedenen Größen
• Bleche mit unterschiedlichen Abmessungen
• Holzbretter in verschiedenen Längen
• Ziegel in unterschiedlichen Formaten
Entscheidend ist, dass sich die Kostenunterschiede zwischen den einzelnen Sorten durch ein sinnvolles Verhältnis ausdrücken lassen.
Die Äquivalenzziffernkalkulation kann dadurch wesentlich genauer sein als eine einfache Divisionskalkulation, bei der alle Produkte gleich behandelt würden.
Wie funktionieren Äquivalenzziffern?
Äquivalenzziffern zeigen, in welchem Verhältnis die verschiedenen Sorten Kosten verursachen.
Eine ausgewählte Hauptsorte erhält die Äquivalenzziffer:
Äquivalenzziffer = 1
Verursacht eine andere Sorte beispielsweise doppelt so hohe Kosten, erhält sie die Äquivalenzziffer:
Äquivalenzziffer = 2
Verursacht eine Sorte zwanzigmal so hohe Kosten wie die Hauptsorte, lautet ihre Äquivalenzziffer:
Äquivalenzziffer = 20
Die Äquivalenzziffern dienen anschließend dazu, die unterschiedlichen Produktionsmengen in vergleichbare Recheneinheiten umzurechnen.
Beispiel: Äquivalenzziffernkalkulation bei drei Biersorten
Ein Unternehmen stellt dasselbe Bier in drei unterschiedlichen Füllmengen her:
0,25 Liter
0,5 Liter
5 Liter
Die Mengen betragen:
0,25 Liter: 10.000 Stück
0,5 Liter: 8.000 Stück
5 Liter: 5.000 Stück
Die gesamten Selbstkosten der Produktion betragen 82.000 €.
Als Grundlage für die Kostenverteilung verwenden wir in diesem vereinfachten Beispiel die Füllmenge. Je größer die Füllmenge, desto höher wird entsprechend das angenommene Kostenverhältnis.
Schritt 1: Hauptsorte festlegen
Zunächst wird eine Sorte als Hauptsorte ausgewählt. Sie dient als Vergleichsgröße für alle anderen Sorten und erhält die Äquivalenzziffer 1.
In unserem Beispiel wählen wir die kleinste Füllmenge:
0,25 Liter = Äquivalenzziffer 1
Alle weiteren Äquivalenzziffern werden nun im Verhältnis zu dieser Hauptsorte berechnet.
Schritt 2: Äquivalenzziffern berechnen
Die Äquivalenzziffern der anderen Sorten werden berechnet, indem ihre Füllmenge durch die Füllmenge der Hauptsorte geteilt wird.
Sorte mit 0,5 Litern
0,5 Liter ÷ 0,25 Liter = 2
Die Äquivalenzziffer beträgt 2.
Sorte mit 5 Litern
5 Liter ÷ 0,25 Liter = 20
Die Äquivalenzziffer beträgt 20.
Damit ergeben sich:
0,25 Liter: Äquivalenzziffer 1
0,5 Liter: Äquivalenzziffer 2
5 Liter: Äquivalenzziffer 20
Schritt 3: Recheneinheiten ermitteln
Nun wird die Menge jeder Sorte mit ihrer Äquivalenzziffer multipliziert.
Die Formel lautet:
Menge × Äquivalenzziffer = Recheneinheiten
0,25-Liter-Sorte
10.000 Stück × 1
= 10.000 Recheneinheiten
0,5-Liter-Sorte
8.000 Stück × 2
= 16.000 Recheneinheiten
5-Liter-Sorte
5.000 Stück × 20
= 100.000 Recheneinheiten
Anschließend werden alle Recheneinheiten addiert:
10.000
16.000
100.000
= 126.000 Recheneinheiten
Schritt 4: Kosten je Recheneinheit berechnen
Die gesamten Selbstkosten betragen 82.000 €. Diese werden nun durch die insgesamt 126.000 Recheneinheiten geteilt.
82.000 € ÷ 126.000 Recheneinheiten = ca. 0,6508 € je Recheneinheit
Gerundet entspricht das etwa 0,65 € je Recheneinheit.
Damit können die Selbstkosten je Stück für die einzelnen Sorten berechnet werden.
Selbstkosten je Sorte berechnen
Die Kosten je Recheneinheit werden mit der jeweiligen Äquivalenzziffer multipliziert.
0,25-Liter-Sorte
0,6508 € × 1
= ca. 0,65 € Selbstkosten je Stück
0,5-Liter-Sorte
0,6508 € × 2
= ca. 1,30 € Selbstkosten je Stück
5-Liter-Sorte
0,6508 € × 20
= ca. 13,02 € Selbstkosten je Stück
Je höher die Äquivalenzziffer ist, desto höher fallen damit auch die zugerechneten Selbstkosten pro Stück aus.
Gesamte Selbstkosten auf die Sorten verteilen
Nun können auch die gesamten Selbstkosten jeder Sorte berechnet werden.
Dazu werden die Kosten je Recheneinheit mit der Anzahl der Recheneinheiten multipliziert.
0,25-Liter-Sorte
0,6508 € × 10.000 Recheneinheiten
= ca. 6.507,94 €
0,5-Liter-Sorte
0,6508 € × 16.000 Recheneinheiten
= ca. 10.412,70 €
5-Liter-Sorte
0,6508 € × 100.000 Recheneinheiten
= ca. 65.079,37 €
Zusammen ergeben sich gerundet wieder etwa 82.000 € Selbstkosten.
Würde bereits während der Rechnung auf 0,65 € je Recheneinheit gerundet, ergäbe sich eine geringfügige Differenz. Deshalb solltest du bei Rechenaufgaben möglichst erst am Ende runden.
Ablauf der Äquivalenzziffernkalkulation
Für Aufgaben in Berufsschule oder Prüfung kannst du dir die Berechnung in fünf Schritten merken:
1. Hauptsorte festlegen und Äquivalenzziffer 1 vergeben
2. Äquivalenzziffern der übrigen Sorten bestimmen
3. Mengen mit den Äquivalenzziffern multiplizieren
4. Gesamtkosten durch die Summe der Recheneinheiten teilen
5. Kosten je Sorte mithilfe der Äquivalenzziffern berechnen
Wichtig ist vor allem, dass du die Äquivalenzziffern und Recheneinheiten nicht verwechselst. Die Äquivalenzziffer beschreibt das Kostenverhältnis einer Sorte. Die Recheneinheiten entstehen dagegen erst durch die Multiplikation von Menge und Äquivalenzziffer.
Zusammenfassung
Die Äquivalenzziffernkalkulation ist eine besondere Form der Divisionskalkulation und eignet sich für die Sortenfertigung. Sie wird eingesetzt, wenn ähnliche Produkte hergestellt werden, die unterschiedlich hohe Kosten verursachen. Mithilfe von Äquivalenzziffern werden die einzelnen Sorten nach ihrem Kostenverhältnis gewichtet. Aus Produktionsmenge und Äquivalenzziffer entstehen Recheneinheiten, auf die anschließend die Gesamtkosten verteilt werden. Dadurch lassen sich sowohl die Selbstkosten je Stück als auch die gesamten Selbstkosten der einzelnen Sorten ermitteln.
Beispielaufgaben
Wann ist eine Anwendung der Äquivalenzziffernkalkulation sinnvoll?
Antwortmöglichkeiten
A. Für eine sinnvolle Anwendung der Äquivalenzziffernkalkulation müssen die Kosten und Kostenarten eines Betriebes bekannt sein.
B. Die Äquivalenzziffernkalkulation kann dann sinnvoll angewendet werden, wenn es sich bei dem Unternehmen um einen Fertigungsbetrieb handelt.
C. Die Äquivalenzziffernkalkulation kann unabhängig von der Produktart in allen Fertigungsbetrieben sinnvoll angewendet werden.
D. Die Äquivalenzziffernkalkulation kann dann sinnvoll angewendet werden, wenn es sich bei dem Unternehmen um einen Handelsbetrieb handelt.
E. Die Äquivalenzziffernkalkulation kann in Einproduktunternehmen sinnvoll angewendet werden, also dort, wo ähnliche Produkte oder Sorten eines Produktes hergestellt werden.
Was ist das Ziel der Äquivalenzziffernkalkulation?
Antwortmöglichkeiten
A. Mithilfe der Äquivalenzziffernkalkulation werden die Kosten verursachungsgerecht auf verschiedene Sorten eines Produktes verteilt.
B. Das Ziel der Äquivalenzziffernkalkulation ist, die Herstellkosten für unterschiedliche Produkte zu ermitteln.
C. Das Ziel der Äquivalenzziffernkalkulation ist, die Fertigungskosten für unterschiedliche Produkte zu ermitteln.
D. Mithilfe der Äquivalenzziffernkalkulation werden die Selbstkosten für verschiedene Sorten eines Produktes ermittelt.
E. Das Ziel der Äquivalenzziffernkalkulation ist, die Materialkosten für verschiedene Sorten eines Produktes zu ermitteln.
Welche Aussagen zur Äquivalenzziffernkalkulation sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Sie ist eine spezielle Form der Divisionskalkulation und wird auch als Sortenkalkulation bezeichnet.
B. Die Anwendung der Äquivalenzziffernkalkulation ist dort sinnvoll, wo unterschiedliche Produktarten hergestellt werden.
C. Bei der Äquivalenzziffernkalkulation wird eine Gewichtung der hergestellten Produkte mithilfe von Äquivalenzziffern vorgenommen.
D. Bei der Äquivalenzziffernkalkulation wird mit Planzahlen für die Zukunft gearbeitet.
E. Die Anwendung der Äquivalenzziffernkalkulation ist dort sinnvoll, wo ein Produkt in verschiedenen Sorten hergestellt wird.
Eine Brauerei bietet ein bestimmtes Bier in drei verschiedenen Füllmengen an:
Füllmenge 1: 0,25 Liter
Füllmenge 2: 0,5 Liter
Füllmenge 3: 5 Liter
Welche Äquivalenzziffern drücken das Füllverhältnis der drei Biersorten richtig aus?
Antwortmöglichkeiten
A. 2 | 5 | 8
B. 1 | 2 | 20
C. 2,5 | 50 | 20
D. 3 | 9 | 60
E. 4 | 10 | 80
Ordne die verschiedenen Schritte bei der Äquivalenzziffernkalkulation in die richtige Reihenfolge.
Antwortmöglichkeiten
A. Hauptsorte festlegen → Äquivalenzziffern ermitteln → Recheneinheiten je Sorte ermitteln → Recheneinheiten zusammenrechnen → Selbstkosten je Sorte berechnen
B. Äquivalenzziffern ermitteln → Hauptsorte festlegen → Recheneinheiten zusammenrechnen → Recheneinheiten je Sorte ermitteln → Selbstkosten je Sorte berechnen
C. Hauptsorte festlegen → Recheneinheiten je Sorte ermitteln → Äquivalenzziffern ermitteln → Recheneinheiten zusammenrechnen → Selbstkosten je Sorte berechnen
D. Recheneinheiten je Sorte ermitteln → Hauptsorte festlegen → Äquivalenzziffern ermitteln → Selbstkosten je Sorte berechnen → Recheneinheiten zusammenrechnen
E. Hauptsorte festlegen → Äquivalenzziffern ermitteln → Selbstkosten je Sorte berechnen → Recheneinheiten je Sorte ermitteln → Recheneinheiten zusammenrechnen








