Mit der Divisionskalkulation werden die Herstell- oder Selbstkosten je Leistungseinheit eines Produkts ermittelt. Das Grundprinzip ist einfach: Die angefallenen Kosten werden durch die entsprechende Produktions- oder Absatzmenge geteilt. Das Verfahren eignet sich vor allem für Unternehmen, die ein einheitliches Massenerzeugnis herstellen, beispielsweise Strom, Trinkwasser oder bestimmte standardisierte Industrieprodukte. Je nach Produktionsablauf wird zwischen einstufiger und mehrstufiger Divisionskalkulation unterschieden. Auch Bestandsveränderungen können bei der Berechnung eine Rolle spielen. Für deine Ausbildung ist besonders wichtig, dass du die jeweilige Kostenbasis und die richtige Bezugsmenge unterscheiden kannst.
Inhalte:
- Was ist die Divisionskalkulation?
- Voraussetzungen für die Divisionskalkulation
- Einstufige Divisionskalkulation
- Mehrstufige Divisionskalkulation
- Bestandsveränderungen berücksichtigen
- Beispiel zur Divisionskalkulation
- Von den Herstellkosten zu den Selbstkosten des Umsatzes
- Einstufige und mehrstufige Divisionskalkulation im Vergleich
- Zusammenfassung
- Beispielaufgaben
Was ist die Divisionskalkulation?
Die Divisionskalkulation ist ein Verfahren der Kostenträgerstückrechnung. Mit ihr wird berechnet, wie hoch die Kosten für eine einzelne Leistungseinheit sind.
Das Grundprinzip lautet:
Stückkosten = Gesamtkosten ÷ Leistungseinheiten
Werden beispielsweise in einer Abrechnungsperiode 10.000 gleiche Produkte hergestellt und entstehen dafür Kosten von 1.000 €, betragen die Kosten je Stück:
1.000 € ÷ 10.000 Stück = 0,10 € pro Stück
Die Divisionskalkulation ist besonders einfach, wenn ein Unternehmen nur ein einheitliches Produkt in großen Mengen herstellt. Typische Beispiele sind Unternehmen der Stromerzeugung oder Trinkwasseraufbereitung sowie bestimmte Bereiche der industriellen Massenfertigung.
Voraussetzungen für die Divisionskalkulation
Die Divisionskalkulation eignet sich vor allem für eine Einproduktfertigung beziehungsweise für weitgehend gleichartige Leistungen. Die produzierten Einheiten müssen vergleichbar sein, damit die Gesamtkosten sinnvoll auf die Ausbringungsmenge verteilt werden können.
Außerdem müssen die Kosten der betrachteten Periode bekannt sein. Dadurch ist die Divisionskalkulation häufig vergangenheitsbezogen: Erst wenn feststeht, welche Kosten tatsächlich entstanden sind und welche Menge hergestellt wurde, lassen sich die Stückkosten genau berechnen.
Je komplexer ein Produktionsprozess wird, desto wichtiger ist die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Stufen der Divisionskalkulation.
Einstufige Divisionskalkulation
Die einstufige Divisionskalkulation betrachtet den gesamten Produktionsprozess als eine Einheit. Die Gesamtkosten einer Periode werden durch die in dieser Periode hergestellte Menge geteilt.
Die Formel lautet:
Stückkosten = Gesamtkosten der Periode ÷ Produktionsmenge
Das Verfahren eignet sich insbesondere dann, wenn:
nur ein einheitliches Produkt hergestellt wird,
keine unterschiedlichen Produktionsstufen getrennt betrachtet werden müssen,
Produktion und Absatz weitgehend übereinstimmen.
Die einstufige Divisionskalkulation ist sehr einfach anzuwenden. In der Praxis sind die Voraussetzungen jedoch nicht immer erfüllt, weil häufig Bestände entstehen oder mehrere Produktionsstufen durchlaufen werden.
Mehrstufige Divisionskalkulation
Die mehrstufige Divisionskalkulation wird eingesetzt, wenn ein Produkt mehrere Produktionsstufen durchläuft und die Kosten dieser Stufen getrennt erfasst werden können. Dabei werden die Kosten jeder Produktionsstufe durch die jeweils bearbeitete Menge geteilt.
Dadurch lassen sich beispielsweise unterschiedliche Mengen zwischen einzelnen Fertigungsstufen berücksichtigen. Auch Verwaltungs- und Vertriebskosten können getrennt von den eigentlichen Herstellkosten betrachtet werden.
Vereinfacht gilt:
Kosten je Produktionsstufe = Kosten der Produktionsstufe ÷ bearbeitete Menge
Die Kosten der einzelnen Stufen werden anschließend zusammengeführt. So können die Herstellkosten beziehungsweise die Selbstkosten je Leistungseinheit genauer bestimmt werden.
Bestandsveränderungen berücksichtigen
Bei der Kostenrechnung können sich die Bestände an fertigen oder unfertigen Erzeugnissen während einer Abrechnungsperiode verändern. Diese Bestandsveränderungen müssen berücksichtigt werden, wenn von den Herstellkosten der Periode zu den Herstellkosten des Umsatzes übergegangen wird.
Dabei gilt:
• Bestandsmehrungen werden abgezogen.
• Bestandsminderungen werden hinzugerechnet.
Eine Bestandsmehrung bedeutet, dass ein Teil der hergestellten Produkte noch nicht verkauft wurde. Die entsprechenden Kosten gehören deshalb nicht zu den Herstellkosten des Umsatzes.
Bei einer Bestandsminderung werden dagegen Erzeugnisse aus früheren Perioden verkauft. Deren Kosten müssen deshalb zusätzlich berücksichtigt werden.
Beispiel zur Divisionskalkulation
Ein Unternehmen stellt Schrauben her. In einer Abrechnungsperiode werden 10.000 Schrauben produziert.
Folgende Werte liegen vor:
Selbstkosten: 1.000 €
Bestandsminderung an unfertigen Erzeugnissen: 100 €
Produktionsmenge: 10.000 Stück
Zunächst werden die Kosten um die Bestandsminderung angepasst:
1.000 €
100 € Bestandsminderung
= 1.100 € berücksichtigte Kosten
Anschließend werden die Kosten durch die Produktionsmenge geteilt:
1.100 € ÷ 10.000 Stück = 0,11 € pro Schraube
In diesem vereinfachten Beispiel ergeben sich damit Kosten von 0,11 € je Schraube.
Herstellkosten der Periode und Herstellkosten des Umsatzes
In einem Fertigungsunternehmen müssen die Herstellkosten einer Periode von den Herstellkosten des Umsatzes unterschieden werden.
Die Herstellkosten der Periode setzen sich zunächst aus Material- und Fertigungskosten zusammen:
Materialeinzelkosten
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten
= Fertigungskosten
Anschließend gilt:
Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten der Periode
Durch die Berücksichtigung von Bestandsveränderungen erhält man die Herstellkosten des Umsatzes:
Herstellkosten der Periode
- Bestandsmehrungen
+ Bestandsminderungen
= Herstellkosten des Umsatzes
Von den Herstellkosten zu den Selbstkosten des Umsatzes
Die Herstellkosten des Umsatzes enthalten noch nicht alle betrieblichen Kosten. Hinzu kommen unter anderem Verwaltungs- und Vertriebskosten.
Das Schema lautet:
Herstellkosten des Umsatzes
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten des Umsatzes
Die Verwaltungsgemeinkosten und Vertriebsgemeinkosten werden häufig mithilfe von Zuschlagssätzen berechnet. Die Selbstkosten des Umsatzes zeigen damit, welche gesamten Kosten den tatsächlich verkauften Produkten zugerechnet werden.
Einstufige und mehrstufige Divisionskalkulation im Vergleich
Die einstufige Divisionskalkulation betrachtet die Produktion als einen einheitlichen Prozess. Die gesamten Kosten werden direkt durch die gesamte Produktionsmenge geteilt. Sie eignet sich daher besonders für einfache Produktionsabläufe mit einem einheitlichen Massenerzeugnis.
Bei der mehrstufigen Divisionskalkulation werden dagegen mehrere Produktionsstufen getrennt betrachtet. Für jede Stufe können eigene Kosten und Mengen ermittelt werden. Dadurch lässt sich die Kalkulation genauer an komplexere Produktionsprozesse anpassen.
Zusammenfassung
Mit der Divisionskalkulation werden die Kosten je Leistungseinheit eines Produkts berechnet. Das Grundprinzip besteht darin, die angefallenen Kosten durch die entsprechende Produktions- oder Leistungsmenge zu teilen. Die einstufige Divisionskalkulation eignet sich vor allem für einfache Einproduktfertigungen, während die mehrstufige Divisionskalkulation mehrere Produktionsstufen getrennt berücksichtigen kann. Bestandsmehrungen werden bei der Ermittlung der Herstellkosten des Umsatzes abgezogen, Bestandsminderungen werden hinzugerechnet. Dadurch lassen sich die Herstell- und Selbstkosten eines Produkts nachvollziehbar ermitteln.
Beispielaufgaben
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit die Divisionskalkulation sinnvoll angewendet werden kann?
Antwortmöglichkeiten
A. Die Gesamtkosten im Betrieb müssen bekannt sein.
B. Die produzierten Mengen im Betrieb müssen bekannt sein.
C. Die Divisionskalkulation kann sinnvoll in Betrieben mit einer Einproduktfertigung angewendet werden.
D. Die Divisionskalkulation kann sinnvoll in Betrieben angewendet werden, die ganz unterschiedliche Produkte produzieren.
E. Die Divisionskalkulation kann nur angewendet werden, wenn es keine Bestandsminderungen und Bestandsmehrungen an unfertigen Erzeugnissen gibt.
Welcher Wert wird bei der Divisionskalkulation ermittelt?
Antwortmöglichkeiten
A. Die Bestandsminderungen an unfertigen Erzeugnissen.
B. Die Ausbringungsmenge in einer Abrechnungsperiode.
C. Die Bestandsmehrungen an unfertigen Erzeugnissen.
D. Die Bezugskosten pro Stück.
E. Die Selbstkosten pro Stück.
Welche Aussagen zur Divisionskalkulation sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Um die berichtigten Selbstkosten pro Stück zu ermitteln, müssen Bestandsmehrungen an unfertigen Erzeugnissen von den Selbstkosten abgezogen werden.
B. Um die berichtigten Selbstkosten pro Stück zu ermitteln, müssen Bestandsmehrungen an unfertigen Erzeugnissen zu den Selbstkosten dazugerechnet werden.
C. Um die berichtigten Selbstkosten pro Stück zu ermitteln, müssen Bestandsminderungen an unfertigen Erzeugnissen zu den Selbstkosten addiert werden.
D. Bestandsmehrungen und Bestandsminderungen an unfertigen Erzeugnissen werden bei der Berechnung der berichtigten Selbstkosten pro Stück nicht berücksichtigt.
E. Um die berichtigten Selbstkosten pro Stück zu ermitteln, müssen Bestandsminderungen an unfertigen Erzeugnissen von den Selbstkosten abgezogen werden.
Wieso ist es wichtig, bei der Ermittlung der berichtigten Selbstkosten pro Stück die Bestandsveränderungen an unfertigen Erzeugnissen zu berücksichtigen?
Antwortmöglichkeiten
A. Bei der Herstellung von Fertigerzeugnissen stellt der Verbrauch, also die Bestandsminderung an unfertigen Erzeugnissen, einen Aufwand dar, der bei der Ermittlung der berichtigten Selbstkosten berücksichtigt werden muss.
B. Die Bestandsveränderungen an unfertigen Erzeugnissen müssen bei der Ermittlung der berichtigten Selbstkosten berücksichtigt werden, da sie immer einen Verbrauch und damit Aufwand darstellen.
C. Eine Bestandsmehrung an unfertigen Erzeugnissen stellt einen Aufwand dar, der bei der Ermittlung der berichtigten Selbstkosten als Verbrauch berücksichtigt werden muss.
D. Eine Bestandsmehrung an unfertigen Erzeugnissen erhöht den Aufwand, der für die Produktion von Fertigerzeugnissen entstanden ist.
E. Eine Bestandsminderung an unfertigen Erzeugnissen erhöht den Aufwand, der für die Produktion von Fertigerzeugnissen entstanden ist.
In einem Fertigungsbetrieb sind in einer Abrechnungsperiode 100.000 Reifen des gleichen Typs produziert worden. An Selbstkosten sind insgesamt 1.000.000 € angefallen. Zudem verringerte sich der Bestand an unfertigen Erzeugnissen in dieser Abrechnungsperiode um 200.000 €.
Wie hoch sind die berichtigten Selbstkosten pro Reifen?
Antwortmöglichkeiten
A. Die berichtigten Selbstkosten pro Stück betragen 10 €.
B. Die berichtigten Selbstkosten pro Stück betragen 8 €.
C. Die berichtigten Selbstkosten pro Stück betragen 12 €.
D. Die berichtigten Selbstkosten pro Stück betragen 1.200.000 €.
E. Die berichtigten Selbstkosten pro Stück betragen 100.000 €.








