Kosten- und Leistungsrechnung: Kalkulation in Fertigungsbetrieben

In diesem Abschnitt erfährst du, wie das Kalkulationsschema in Fertigungsbetrieben aufgebaut ist und welche Unterschiede zur Kalkulation in Handelsbetrieben bestehen. In Fertigungsunternehmen müssen alle Kosten berücksichtigt werden, die bei der Herstellung eines Produktes entstehen. Dazu gehören unter anderem Materialkosten, Fertigungskosten sowie Verwaltungs- und Vertriebskosten. Mithilfe verschiedener Kalkulationsarten kann ein Unternehmen prüfen, ob sich ein Auftrag wirtschaftlich lohnt. Für die Abschlussprüfung ist das Kalkulationsschema in Fertigungsbetrieben ein wichtiges Thema.

Welche Kalkulationsarten gibt es in Fertigungsbetrieben?

Bevor ein Fertigungsbetrieb ein Produkt herstellt, wird häufig eine Vorkalkulation durchgeführt. Sie dient dazu, die voraussichtlichen Kosten und den möglichen Verkaufspreis eines Auftrags zu berechnen.

Neben der Vorkalkulation gibt es zwei weitere Kalkulationsarten:

Vorkalkulation: Berechnung der Kosten vor Beginn der Produktion.

Nachkalkulation: Überprüfung der tatsächlich entstandenen Kosten nach Abschluss der Produktion.

Zwischenkalkulation: Kontrolle, ob die tatsächlichen Kosten während der Produktion noch im geplanten Rahmen liegen.

Bei der Vorkalkulation können drei verschiedene Kalkulationsformen angewendet werden:

• Vorwärtskalkulation
• Rückwärtskalkulation
• Differenzkalkulation

Vorwärtskalkulation in Fertigungsbetrieben

Bei der Vorwärtskalkulation wird ausgehend von den entstandenen Kosten der Verkaufspreis eines Produktes berechnet. Dabei wird Schritt für Schritt nach einem festen Kalkulationsschema vorgegangen.

Schritt 1: Materialkosten berechnen

Ausgangspunkt der Vorwärtskalkulation sind die Materialkosten. Sie setzen sich aus den Materialeinzelkosten und den Materialgemeinkosten zusammen.

Die Materialeinzelkosten können direkt einem Produkt zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise Rohstoffe, Hilfsstoffe und Zukaufteile, die direkt in das Produkt eingehen.

Beispiele:

• Stahl bei einem Autohersteller als Rohstoff
• Reifen oder Batterien als Zukaufteile
• Schrauben als Hilfsstoffe

Die Materialgemeinkosten können einem einzelnen Produkt nicht direkt zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise:

• Verpackungskosten
• Lagerkosten
• Frachtkosten
• Personalkosten im Lager und Einkauf
• Abschreibungen und Instandhaltungskosten von Lagergebäuden

Schritt 2: Fertigungskosten berechnen

Nach den Materialkosten werden die Fertigungskosten ermittelt. Sie bestehen aus den Fertigungseinzelkosten und den Fertigungsgemeinkosten.

Zu den Fertigungseinzelkosten gehören Kosten, die direkt einem Produkt zugeordnet werden können. Dazu zählen beispielsweise:

Lohnkosten der Produktionsmitarbeiter
Maschinenkosten

Die Fertigungsgemeinkosten können dagegen keinem einzelnen Produkt direkt zugeordnet werden.

Dazu gehören beispielsweise:

• Hilfslöhne im Fertigungsbereich
• Gehalt der Produktionsleitung
• Stromkosten
• Mietkosten
• Reinigungskosten der Produktionshalle

Schritt 3: Herstellkosten berechnen

Im dritten Schritt werden die Materialkosten und Fertigungskosten zusammengeführt.

Die Formel lautet:

Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten der Produktion

Schritt 4: Selbstkosten berechnen

Zu den Herstellkosten werden anschließend die Verwaltungs- und Vertriebskosten addiert.

Dadurch erhält man die Selbstkosten eines Produktes.

Zusätzlich können auch Sondereinzelkosten des Vertriebs berücksichtigt werden.

Die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge werden aus der Kosten- und Leistungsrechnung übernommen.

Schritt 5: Barverkaufspreis berechnen

Im nächsten Schritt wird der Gewinn berücksichtigt. Dazu wird auf die Selbstkosten ein Gewinnzuschlag aufgeschlagen.

Die Höhe des Gewinnzuschlagsatzes wird ebenfalls aus der Kosten- und Leistungsrechnung übernommen.

Das Ergebnis ist der Barverkaufspreis.

Schritt 6: Zielverkaufspreis berechnen

In Fertigungsbetrieben wird häufig nicht sofort bezahlt. Deshalb müssen weitere Preisbestandteile berücksichtigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

• Kundenskonto
• Vertreterprovisionen

Werden diese Werte zum Barverkaufspreis addiert, erhält man den Zielverkaufspreis.

Schritt 7: Bruttolistenverkaufspreis berechnen

Im letzten Schritt wird der Kundenrabatt berücksichtigt. Dieser wird zum Zielverkaufspreis addiert.

Anschließend wird die Umsatzsteuer berechnet.

Das Ergebnis ist der Bruttolistenverkaufspreis, also der Preis, den der Kunde tatsächlich bezahlt.

Rückwärtskalkulation in Fertigungsbetrieben

Bei der Rückwärtskalkulation wird nicht von den Kosten, sondern vom bekannten Verkaufspreis ausgegangen.

Der Ausgangspunkt ist der Listenverkaufspreis. Von diesem Wert wird rückwärts gerechnet, um den maximal möglichen Einkaufspreis beziehungsweise Bezugspreis zu ermitteln.

Das Ziel ist herauszufinden, welchen Preis ein Unternehmen höchstens für ein Produkt bezahlen darf, damit die Kosten gedeckt sind und ein Gewinn erzielt werden kann.

Schema der Rückwärtskalkulation:

Bruttoverkaufspreis

- Umsatzsteuer
= Nettoverkaufspreis

- Gewinn
= Selbstkosten

- Handlungskosten
= Bezugspreis

Differenzkalkulation in Fertigungsbetrieben

Die Differenzkalkulation kombiniert Elemente der Vorwärts- und Rückwärtskalkulation.

Dabei werden zunächst ausgehend vom Bezugspreis die Selbstkosten berechnet. Anschließend wird ausgehend vom Verkaufspreis der Barverkaufspreis ermittelt.

Die Differenz zwischen Barverkaufspreis und Selbstkosten zeigt, ob ein Gewinn oder Verlust entsteht.

Die Formel lautet:

Barverkaufspreis - Selbstkosten = Gewinn oder Verlust

Für eine bessere Vergleichbarkeit wird der Gewinn oder Verlust anschließend häufig als Prozentsatz der Selbstkosten dargestellt.

Die Formel lautet:

Gewinn bzw. Verlust ÷ Selbstkosten × 100 = Gewinn- bzw. Verlustsatz

Unterschied zwischen Fertigungs- und Handelsbetrieben

Die Kalkulation in Fertigungsbetrieben unterscheidet sich von der Kalkulation in Handelsbetrieben vor allem durch die Herstellungskosten.

Während Handelsunternehmen Waren einkaufen und weiterverkaufen, entstehen in Fertigungsbetrieben eigene Produktionskosten.

Im Fertigungsbetrieb spielen deshalb insbesondere folgende Kosten eine Rolle:

• Materialkosten
• Fertigungskosten
• Herstellkosten
• Verwaltungs- und Vertriebskosten

Im Handelsbetrieb steht dagegen der Bezugspreis beziehungsweise Einstandspreis einer Ware im Mittelpunkt.

Zusammenfassung

In Fertigungsbetrieben werden verschiedene Kalkulationsarten wie Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation eingesetzt.

Die Vorwärtskalkulation berechnet ausgehend von den Kosten den Verkaufspreis eines Produktes.

Die Rückwärtskalkulation ermittelt ausgehend vom Verkaufspreis den maximal möglichen Einkaufspreis.

Die Differenzkalkulation zeigt, ob mit einem Produkt ein Gewinn oder Verlust erzielt wird.

Herstellkosten setzen sich aus Materialkosten und Fertigungskosten zusammen.

Selbstkosten entstehen durch die Addition von Verwaltungs- und Vertriebskosten zu den Herstellkosten.

Die Kalkulation in Fertigungsbetrieben unterscheidet sich von der Kalkulation in Handelsbetrieben vor allem durch die Produktionskosten.

Beispielaufgaben

Welcher Wert steht bei der Vorwärtskalkulation im Kalkulationsschema ganz unten?

Antwortmöglichkeiten

A. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Selbstkostenpreis ganz unten im Kalkulationsschema.
B.
Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bruttoverkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
C.
Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bezugspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
D.
Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bareinkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
E.
Bei der Vorwärtskalkulation steht der Zieleinkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.

Welche Aussagen zur Rückwärtskalkulation sind richtig?

Antwortmöglichkeiten

A. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Selbstkostenpreis.
B. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Bruttoverkaufspreis.
C. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Bezugspreis.
D. Bei der Rückwärtskalkulation wird genau umgekehrt wie bei der Vorwärtskalkulation gerechnet.
E. Bei der Rückwärtskalkulation wird im Kalkulationsschema von unten nach oben gerechnet.

Welcher Wert wird bei der Rückwärtskalkulation ermittelt?

Antwortmöglichkeiten

A. Bei der Rückwärtskalkulation wird der Selbstkostenpreis ermittelt.
B. Bei der Rückwärtskalkulation wird der maximale Listeneinkaufspreis ermittelt.
C. Bei der Rückwärtskalkulation wird der Bruttoverkaufspreis ermittelt.
D. Bei der Rückwärtskalkulation werden die Materialkosten ermittelt.
E. Bei der Rückwärtskalkulation werden alle Einzel- und Gemeinkosten ermittelt.

Welche Aussagen zur Differenzkalkulation sind richtig?

Antwortmöglichkeiten

A. Bei der Differenzkalkulation wird die Differenz zwischen Barverkaufspreis und Selbstkostenpreis berechnet.
B. Bei der Differenzkalkulation wird der Gewinn beziehungsweise Verlust berechnet.
C. Bei der Differenzkalkulation kann der Gewinn in Prozent der Selbstkosten ausgedrückt werden.
D. Bei der Differenzkalkulation werden die Handlungskosten berechnet.
E. Bei der Differenzkalkulation werden die Preisnachlässe berechnet.

Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen liegen uns vor:

Barverkaufspreis: 93,10 €
Selbstkosten: 75,00 €

Wie hoch ist der Gewinn in Prozent der Selbstkosten ausgedrückt?

Antwortmöglichkeiten

A. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 24,13 %.
B. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 22,31 %.
C. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 20,31 %.
D. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 26,51 %.
E. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 18,10 €.

Unsere Empfehlungen für dich:

j
Wir benötigen deine Einwilligung, ehe du unsere Website besuchen kannst. Wir verwenden Cookies und andere Technologien auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, die Website und deine Erfahrung zu verbessern. Personenbezogene Daten können verarbeitet werden (z. B. IP-Adressen), etwa für personalisierte Anzeigen und Inhalte oder die Messung von Anzeigen und Inhalten. Dabei können Daten außerhalb der Europäischen Union übertragen und dort verarbeitet werden. Weitere Informationen über die Verwendung deiner Daten findest du in unserer Datenschutzerklärung. Es besteht keine Verpflichtung, in die Verarbeitung deiner Daten einzuwilligen, um dieses Angebot zu nutzen. Du kannst deine Auswahl jederzeit unter Einstellungen widerrufen oder anpassen. Bitte beachte, dass aufgrund individueller Einstellungen möglicherweise nicht alle Funktionen der Website verfügbar sind.
Notwendig
Diese Dienste sind für das fehlerfreie Funktionieren unserer Website erforderlich. weniger Infos
Login + Warenkorb: Um die Inhalte deines Warenkorbs und deinen Login-Status (angemeldet oder nicht) zu sichern, setzen wir einen Cookie. Solltest du die Website zwischenzeitlich verlassen, können wir diesen Cookie bei deinem nächsten Besuch wiedererkennen und deinen Warenkorb sowie deinen Login-Status erhalten. Online-Tests: Damit du unsere kostenlosen Online-Tests nutzen kannst, erhältst du für die Dauer deines Besuchs eine anonymisierte, zufällig generierte Session ID. Cookie-Präferenzen: Wir speichern, welche Cookies du akzeptiert hast. Du kannst deine Präferenzen jederzeit anpassen. Google Tag Manager: ein Tag-Management-System von Google, mit dem wir Messcodes und zugehörige Codefragmente auf unserer Website aktualisieren können. Merkliste: Die Merkliste speichert die von dir markierten Produkte für die Dauer einer Sitzung. Einige Produktdaten werden für die Dauer einer Sitzung im Browser gespeichert.
Funktional
Diese Dienste optimieren deine Benutzererfahrung auf unserer Website. weniger Infos
Merkliste: Über die Merkliste-Funktion kannst du Produkte speichern und später leicht wiederfinden. Deine Auswahl wird gesichert, auch wenn du unsere Website verlässt.
Info-Leiste: Dieses Cookie speichert, ob du unsere Info-Leiste geschlossen hast, damit sie bei deinem nächsten Besuch nicht erneut angezeigt wird.
Jobbörse: Die Firmenlogos in unserem Stellenportal übernehmen wir von unseren Partnern ausbildung.de und aubi-plus.de.
Video
Mit deiner Zustimmung werden Inhalte von Video-Plattformen auf dieser Website angezeigt. weniger Infos
YouTube: Wir binden auf einigen Seiten Videos unseres YouTube-Kanals ein. Damit du diese Videos abspielen kannst, musst du dem YouTube-Cookie zustimmen. Diesen nutzt YouTube zur User-Identifikation und speichert Informationen für Werbezwecke sowie über persönliche Präferenzen, Eingaben und Einverständniserklärungen.
Vimeo ist eine Videoplattform, auf der Nutzer Videos hochladen, ansehen und teilen können. Wenn du diesem Dienst einwilligst, werden Inhalte von Vimeo auf dieser Website angezeigt.
Statistiken
Statistik-Dienste setzen wir ein, um das Nutzerverhalten auf unserer Website zu verstehen und zu verbessern. Dafür werden anonyme Nutzungsdaten erfasst. weniger Infos
Google Analytics: Mit Google Analytics erfassen wir, wie die Website genutzt wird – zum Beispiel, welche Bereiche häufiger besucht werden als andere. Auch hier erfolgt die Speicherung anonymisiert per Session ID.
Marketing
Diese Dienste helfen uns, unsere Werbeaktivitäten zu verbessern. Sie können dazu Nutzerinformationen über Websites hinweg verbinden. weniger Infos
Google Ads Conversion Tracking ermöglicht es, Nutzeraktivitäten wie Käufe oder Anmeldungen nach einem Anzeigenklick zu verfolgen. Google kann dabei Nutzungsdaten mit anderen Diensten verknüpfen.