In diesem Abschnitt erfährst du, wie das Kalkulationsschema in Fertigungsbetrieben aufgebaut ist und welche Unterschiede zur Kalkulation in Handelsbetrieben bestehen. In Fertigungsunternehmen müssen alle Kosten berücksichtigt werden, die bei der Herstellung eines Produktes entstehen. Dazu gehören unter anderem Materialkosten, Fertigungskosten sowie Verwaltungs- und Vertriebskosten. Mithilfe verschiedener Kalkulationsarten kann ein Unternehmen prüfen, ob sich ein Auftrag wirtschaftlich lohnt. Für die Abschlussprüfung ist das Kalkulationsschema in Fertigungsbetrieben ein wichtiges Thema.
Inhalte:
- Welche Kalkulationsarten gibt es in Fertigungsbetrieben?
- Vorwärtskalkulation in Fertigungsbetrieben
- Schritt 1: Materialkosten berechnen
- Schritt 2: Fertigungskosten berechnen
- Schritt 3: Herstellkosten berechnen
- Schritt 4: Selbstkosten berechnen
- Schritt 5: Barverkaufspreis berechnen
- Schritt 6: Zielverkaufspreis berechnen
- Schritt 7: Bruttolistenverkaufspreis berechnen
- Differenzkalkulation in Fertigungsbetrieben
- Unterschied zwischen Fertigungs- und Handelsbetrieben
- Zusammenfassung
- Beispielaufgaben
Welche Kalkulationsarten gibt es in Fertigungsbetrieben?
Bevor ein Fertigungsbetrieb ein Produkt herstellt, wird häufig eine Vorkalkulation durchgeführt. Sie dient dazu, die voraussichtlichen Kosten und den möglichen Verkaufspreis eines Auftrags zu berechnen.
Neben der Vorkalkulation gibt es zwei weitere Kalkulationsarten:
Vorkalkulation: Berechnung der Kosten vor Beginn der Produktion.
Nachkalkulation: Überprüfung der tatsächlich entstandenen Kosten nach Abschluss der Produktion.
Zwischenkalkulation: Kontrolle, ob die tatsächlichen Kosten während der Produktion noch im geplanten Rahmen liegen.
Bei der Vorkalkulation können drei verschiedene Kalkulationsformen angewendet werden:
• Vorwärtskalkulation
• Rückwärtskalkulation
• Differenzkalkulation
Vorwärtskalkulation in Fertigungsbetrieben
Bei der Vorwärtskalkulation wird ausgehend von den entstandenen Kosten der Verkaufspreis eines Produktes berechnet. Dabei wird Schritt für Schritt nach einem festen Kalkulationsschema vorgegangen.
Schritt 1: Materialkosten berechnen
Ausgangspunkt der Vorwärtskalkulation sind die Materialkosten. Sie setzen sich aus den Materialeinzelkosten und den Materialgemeinkosten zusammen.
Die Materialeinzelkosten können direkt einem Produkt zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise Rohstoffe, Hilfsstoffe und Zukaufteile, die direkt in das Produkt eingehen.
Beispiele:
• Stahl bei einem Autohersteller als Rohstoff
• Reifen oder Batterien als Zukaufteile
• Schrauben als Hilfsstoffe
Die Materialgemeinkosten können einem einzelnen Produkt nicht direkt zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise:
• Verpackungskosten
• Lagerkosten
• Frachtkosten
• Personalkosten im Lager und Einkauf
• Abschreibungen und Instandhaltungskosten von Lagergebäuden
Schritt 2: Fertigungskosten berechnen
Nach den Materialkosten werden die Fertigungskosten ermittelt. Sie bestehen aus den Fertigungseinzelkosten und den Fertigungsgemeinkosten.
Zu den Fertigungseinzelkosten gehören Kosten, die direkt einem Produkt zugeordnet werden können. Dazu zählen beispielsweise:
Lohnkosten der Produktionsmitarbeiter
Maschinenkosten
Die Fertigungsgemeinkosten können dagegen keinem einzelnen Produkt direkt zugeordnet werden.
Dazu gehören beispielsweise:
• Hilfslöhne im Fertigungsbereich
• Gehalt der Produktionsleitung
• Stromkosten
• Mietkosten
• Reinigungskosten der Produktionshalle
Schritt 3: Herstellkosten berechnen
Im dritten Schritt werden die Materialkosten und Fertigungskosten zusammengeführt.
Die Formel lautet:
Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten der Produktion
Schritt 4: Selbstkosten berechnen
Zu den Herstellkosten werden anschließend die Verwaltungs- und Vertriebskosten addiert.
Dadurch erhält man die Selbstkosten eines Produktes.
Zusätzlich können auch Sondereinzelkosten des Vertriebs berücksichtigt werden.
Die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge werden aus der Kosten- und Leistungsrechnung übernommen.
Schritt 5: Barverkaufspreis berechnen
Im nächsten Schritt wird der Gewinn berücksichtigt. Dazu wird auf die Selbstkosten ein Gewinnzuschlag aufgeschlagen.
Die Höhe des Gewinnzuschlagsatzes wird ebenfalls aus der Kosten- und Leistungsrechnung übernommen.
Das Ergebnis ist der Barverkaufspreis.
Schritt 6: Zielverkaufspreis berechnen
In Fertigungsbetrieben wird häufig nicht sofort bezahlt. Deshalb müssen weitere Preisbestandteile berücksichtigt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
• Kundenskonto
• Vertreterprovisionen
Werden diese Werte zum Barverkaufspreis addiert, erhält man den Zielverkaufspreis.
Schritt 7: Bruttolistenverkaufspreis berechnen
Im letzten Schritt wird der Kundenrabatt berücksichtigt. Dieser wird zum Zielverkaufspreis addiert.
Anschließend wird die Umsatzsteuer berechnet.
Das Ergebnis ist der Bruttolistenverkaufspreis, also der Preis, den der Kunde tatsächlich bezahlt.
Rückwärtskalkulation in Fertigungsbetrieben
Bei der Rückwärtskalkulation wird nicht von den Kosten, sondern vom bekannten Verkaufspreis ausgegangen.
Der Ausgangspunkt ist der Listenverkaufspreis. Von diesem Wert wird rückwärts gerechnet, um den maximal möglichen Einkaufspreis beziehungsweise Bezugspreis zu ermitteln.
Das Ziel ist herauszufinden, welchen Preis ein Unternehmen höchstens für ein Produkt bezahlen darf, damit die Kosten gedeckt sind und ein Gewinn erzielt werden kann.
Schema der Rückwärtskalkulation:
Bruttoverkaufspreis
- Umsatzsteuer
= Nettoverkaufspreis
- Gewinn
= Selbstkosten
- Handlungskosten
= Bezugspreis
Differenzkalkulation in Fertigungsbetrieben
Die Differenzkalkulation kombiniert Elemente der Vorwärts- und Rückwärtskalkulation.
Dabei werden zunächst ausgehend vom Bezugspreis die Selbstkosten berechnet. Anschließend wird ausgehend vom Verkaufspreis der Barverkaufspreis ermittelt.
Die Differenz zwischen Barverkaufspreis und Selbstkosten zeigt, ob ein Gewinn oder Verlust entsteht.
Die Formel lautet:
Barverkaufspreis - Selbstkosten = Gewinn oder Verlust
Für eine bessere Vergleichbarkeit wird der Gewinn oder Verlust anschließend häufig als Prozentsatz der Selbstkosten dargestellt.
Die Formel lautet:
Gewinn bzw. Verlust ÷ Selbstkosten × 100 = Gewinn- bzw. Verlustsatz
Unterschied zwischen Fertigungs- und Handelsbetrieben
Die Kalkulation in Fertigungsbetrieben unterscheidet sich von der Kalkulation in Handelsbetrieben vor allem durch die Herstellungskosten.
Während Handelsunternehmen Waren einkaufen und weiterverkaufen, entstehen in Fertigungsbetrieben eigene Produktionskosten.
Im Fertigungsbetrieb spielen deshalb insbesondere folgende Kosten eine Rolle:
• Materialkosten
• Fertigungskosten
• Herstellkosten
• Verwaltungs- und Vertriebskosten
Im Handelsbetrieb steht dagegen der Bezugspreis beziehungsweise Einstandspreis einer Ware im Mittelpunkt.
Zusammenfassung
In Fertigungsbetrieben werden verschiedene Kalkulationsarten wie Vorwärts-, Rückwärts- und Differenzkalkulation eingesetzt.
Die Vorwärtskalkulation berechnet ausgehend von den Kosten den Verkaufspreis eines Produktes.
Die Rückwärtskalkulation ermittelt ausgehend vom Verkaufspreis den maximal möglichen Einkaufspreis.
Die Differenzkalkulation zeigt, ob mit einem Produkt ein Gewinn oder Verlust erzielt wird.
Herstellkosten setzen sich aus Materialkosten und Fertigungskosten zusammen.
Selbstkosten entstehen durch die Addition von Verwaltungs- und Vertriebskosten zu den Herstellkosten.
Die Kalkulation in Fertigungsbetrieben unterscheidet sich von der Kalkulation in Handelsbetrieben vor allem durch die Produktionskosten.
Beispielaufgaben
Welcher Wert steht bei der Vorwärtskalkulation im Kalkulationsschema ganz unten?
Antwortmöglichkeiten
A. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Selbstkostenpreis ganz unten im Kalkulationsschema.
B. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bruttoverkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
C. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bezugspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
D. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Bareinkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
E. Bei der Vorwärtskalkulation steht der Zieleinkaufspreis ganz unten im Kalkulationsschema.
Welche Aussagen zur Rückwärtskalkulation sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Selbstkostenpreis.
B. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Bruttoverkaufspreis.
C. Ausgangspunkt bei der Rückwärtskalkulation ist der Bezugspreis.
D. Bei der Rückwärtskalkulation wird genau umgekehrt wie bei der Vorwärtskalkulation gerechnet.
E. Bei der Rückwärtskalkulation wird im Kalkulationsschema von unten nach oben gerechnet.
Welcher Wert wird bei der Rückwärtskalkulation ermittelt?
Antwortmöglichkeiten
A. Bei der Rückwärtskalkulation wird der Selbstkostenpreis ermittelt.
B. Bei der Rückwärtskalkulation wird der maximale Listeneinkaufspreis ermittelt.
C. Bei der Rückwärtskalkulation wird der Bruttoverkaufspreis ermittelt.
D. Bei der Rückwärtskalkulation werden die Materialkosten ermittelt.
E. Bei der Rückwärtskalkulation werden alle Einzel- und Gemeinkosten ermittelt.
Welche Aussagen zur Differenzkalkulation sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Bei der Differenzkalkulation wird die Differenz zwischen Barverkaufspreis und Selbstkostenpreis berechnet.
B. Bei der Differenzkalkulation wird der Gewinn beziehungsweise Verlust berechnet.
C. Bei der Differenzkalkulation kann der Gewinn in Prozent der Selbstkosten ausgedrückt werden.
D. Bei der Differenzkalkulation werden die Handlungskosten berechnet.
E. Bei der Differenzkalkulation werden die Preisnachlässe berechnet.
Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen liegen uns vor:
Barverkaufspreis: 93,10 €
Selbstkosten: 75,00 €
Wie hoch ist der Gewinn in Prozent der Selbstkosten ausgedrückt?
Antwortmöglichkeiten
A. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 24,13 %.
B. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 22,31 %.
C. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 20,31 %.
D. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 26,51 %.
E. Der Prozentsatz für den Gewinn beträgt 18,10 €.








