Die Preisuntergrenze zeigt, welchen Verkaufspreis ein Unternehmen mindestens erzielen sollte, um bestimmte Kosten zu decken. Sie spielt besonders bei Preisverhandlungen eine wichtige Rolle und wird auf Grundlage der Deckungsbeitragsrechnung ermittelt. Dabei wird zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Preisuntergrenze unterschieden. Die kurzfristige Preisuntergrenze berücksichtigt nur die variablen Kosten, während bei der langfristigen Preisuntergrenze auch die Fixkosten einbezogen werden. Wer beide Werte kennt, kann besser einschätzen, wie weit ein Verkaufspreis in einer Verhandlung gesenkt werden kann.
Inhalte:
Bedeutung der Preisuntergrenze
Bei Preisverhandlungen verfolgen Verkäufer und Käufer unterschiedliche Interessen. Der Hersteller möchte einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen, während der Händler möglichst günstig einkaufen möchte.
Für den Hersteller stellt sich deshalb die Frage, welchen Preis er mindestens verlangen muss. Dabei hilft die Preisuntergrenze.
Ein Unternehmen produziert beispielsweise Fahrradrahmen. Ein Händler bietet 300 € pro Rahmen. Um beurteilen zu können, ob dieser Preis ausreicht, muss das Unternehmen seine kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze kennen.
Kurzfristige Preisuntergrenze
Die kurzfristige Preisuntergrenze wird auch als absolute Preisuntergrenze bezeichnet. Sie entspricht den variablen Stückkosten.
Die Fixkosten werden bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.
Die Formel lautet:
Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Kosten ÷ Produktionsmenge
Wird ein Produkt genau zur kurzfristigen Preisuntergrenze verkauft, werden die variablen Kosten vollständig gedeckt. Es entsteht jedoch kein Deckungsbeitrag zur Finanzierung der Fixkosten.
Ein solcher Preis kann deshalb nur kurzfristig sinnvoll sein, beispielsweise wenn freie Kapazitäten genutzt oder vorübergehend Absatzprobleme überbrückt werden sollen. Dauerhaft reicht dieser Verkaufspreis nicht aus, weil die Fixkosten ebenfalls finanziert werden müssen.
Beispiel zur kurzfristigen Preisuntergrenze
Ein Unternehmen produziert Fahrradrahmen.
Folgende Werte liegen vor:
variable Kosten: 200.000 €
Fixkosten: 100.000 €
Produktionsmenge: 1.000 Stück
Für die kurzfristige Preisuntergrenze werden nur die variablen Kosten berücksichtigt:
200.000 € ÷ 1.000 Stück = 200 € pro Stück
Die kurzfristige Preisuntergrenze beträgt somit 200 €.
Bei einem Verkaufspreis von 200 € pro Fahrradrahmen werden die variablen Kosten gedeckt. Die Fixkosten und ein Gewinn sind darin jedoch noch nicht enthalten.
Langfristige Preisuntergrenze
Bei der langfristigen Preisuntergrenze werden sowohl die variablen als auch die fixen Kosten berücksichtigt.
Sie entspricht damit vereinfacht den Selbstkosten pro Stück. Langfristig sollte ein Unternehmen mindestens diesen Preis erzielen, damit sämtliche Kosten gedeckt werden.
Die Formel lautet:
Langfristige Preisuntergrenze = Gesamtkosten ÷ Produktionsmenge
Dabei gilt:
Gesamtkosten = variable Kosten + Fixkosten
Bei der langfristigen Preisuntergrenze wird noch kein Gewinn berücksichtigt. Der Verkaufspreis deckt lediglich sämtliche Kosten.
Beispiel zur langfristigen Preisuntergrenze
Für den Fahrradrahmen liegen folgende Werte vor:
• variable Kosten: 200.000 €
• Fixkosten: 100.000 €
• Produktionsmenge: 1.000 Stück
Zunächst werden die Gesamtkosten berechnet:
200.000 € + 100.000 € = 300.000 €
Anschließend werden die Gesamtkosten durch die Produktionsmenge geteilt:
300.000 € ÷ 1.000 Stück = 300 € pro Stück
Die langfristige Preisuntergrenze beträgt somit 300 €.
Das Unternehmen muss langfristig mindestens 300 € pro Fahrradrahmen erzielen, damit sämtliche variablen und fixen Kosten gedeckt werden. Ein Gewinn ist bei diesem Preis noch nicht enthalten.
Kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze im Vergleich
Der Unterschied liegt darin, welche Kosten berücksichtigt werden.
Kurzfristige Preisuntergrenze:
berücksichtigt nur die variablen Kosten
liegt im Beispiel bei 200 €
deckt die Fixkosten nicht
eignet sich nur für kurzfristige Entscheidungen
Langfristige Preisuntergrenze:
berücksichtigt variable und fixe Kosten
liegt im Beispiel bei 300 €
deckt die gesamten Kosten
enthält noch keinen Gewinn
ist für die langfristige Preisgestaltung entscheidend
Preisuntergrenzen in der Preisverhandlung
Ein Fahrradhändler bietet dem Unternehmen 300 € pro Fahrradrahmen.
Die bekannten Preisuntergrenzen lauten:
kurzfristige Preisuntergrenze: 200 €
langfristige Preisuntergrenze: 300 €
Bei einem Verkaufspreis von 300 € werden sämtliche variablen und fixen Kosten gedeckt. Ein Gewinn entsteht allerdings noch nicht.
Soll das Produkt dauerhaft gewinnbringend verkauft werden, muss der Verkaufspreis deshalb über 300 € liegen.
Ein Preis zwischen 200 € und 300 € würde zwar mehr als die variablen Kosten decken und damit einen positiven Deckungsbeitrag liefern. Er reicht jedoch nicht aus, um langfristig sämtliche Kosten des Unternehmens zu decken.
Bedeutung für betriebliche Entscheidungen
Preisuntergrenzen zeigen dem Unternehmen, welchen Verhandlungsspielraum es bei seinen Verkaufspreisen besitzt.
Die kurzfristige Preisuntergrenze ist besonders für vorübergehende Entscheidungen interessant. Die langfristige Preisuntergrenze ist dagegen entscheidend, wenn Produkte dauerhaft angeboten werden sollen.
Unternehmen sollten deshalb beide Werte kennen. Dadurch lässt sich besser einschätzen, ob ein angebotener Preis kurzfristig noch akzeptabel oder langfristig wirtschaftlich tragfähig ist.
Zusammenfassung
Die Preisuntergrenze zeigt, welcher Verkaufspreis mindestens erforderlich ist, um bestimmte Kosten zu decken.
Die kurzfristige Preisuntergrenze entspricht den variablen Stückkosten.
Bei der kurzfristigen Preisuntergrenze werden die Fixkosten nicht berücksichtigt.
Die langfristige Preisuntergrenze berücksichtigt variable und fixe Kosten.
Sie entspricht vereinfacht den Selbstkosten pro Stück.
Bei der langfristigen Preisuntergrenze werden alle Kosten gedeckt, aber noch kein Gewinn erzielt.
Ein Preis zwischen kurzfristiger und langfristiger Preisuntergrenze liefert einen Beitrag zur Deckung der Fixkosten, deckt jedoch nicht sämtliche Kosten.
Bei Preisverhandlungen sollten Unternehmen beide Preisuntergrenzen kennen, um ihren wirtschaftlichen Verhandlungsspielraum einschätzen zu können.
Beispielaufgaben
Welche Aussagen zur Preisuntergrenze sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Die Preisuntergrenze bezeichnet den Verkaufspreis, der mindestens erzielt werden muss, damit kein Verlust erwirtschaftet wird.
B. Die Preisuntergrenze bezeichnet den Verkaufspreis, der mindestens erzielt werden muss, damit ein Gewinn erwirtschaftet wird.
C. Gerade bei Preisverhandlungen zwischen Hersteller und Händler spielt die Preisuntergrenze eine wichtige Rolle.
D. Die langfristige Preisuntergrenze wird auch als absolute Preisuntergrenze bezeichnet.
E. Bei der Preisuntergrenze wird zwischen der kurzfristigen und der langfristigen Preisuntergrenze unterschieden.
Welche Aussagen zur kurzfristigen Preisuntergrenze sind richtig?
Antwortmöglichkeiten
A. Die kurzfristige Preisuntergrenze wird manchmal auch als absolute Preisuntergrenze bezeichnet.
B. Die kurzfristige Preisuntergrenze darf nur einen Tag lang angewendet werden.
C. Die kurzfristige Preisuntergrenze entspricht den variablen Stückkosten, die bei der Herstellung eines Produktes entstehen.
D. Die kurzfristige Preisuntergrenze ist der Preis, den wir mindestens erzielen müssen, um insgesamt keinen Verlust zu machen.
E. Wenn ein Produkt genau zur kurzfristigen Preisuntergrenze verkauft wird, wird ein Gewinn erwirtschaftet.
Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen eines Reifenherstellers liegen uns vor:
variable Kosten: 200.000 €
Fixkosten: 100.000 €
Produktionsmenge: 1.000 Stück
Wie lautet die kurzfristige Preisuntergrenze je Stück?
Antwortmöglichkeiten
A. Die kurzfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 150 €.
B. Die kurzfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 170 €.
C. Die kurzfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 200 €.
D. Die kurzfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 550 €.
E. Die kurzfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 350 €.
Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen eines Reifenherstellers liegen uns vor:
variable Kosten: 200.000 €
Fixkosten: 100.000 €
Produktionsmenge: 1.000 Stück
Wie lautet die langfristige Preisuntergrenze je Stück?
Antwortmöglichkeiten
A. Die langfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 150 €.
B. Die langfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 170 €.
C. Die langfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 300 €.
D. Die langfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 550 €.
E. Die langfristige Preisuntergrenze pro Stück beträgt 350 €.
Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen eines Reifenherstellers liegen uns vor:
Selbstkosten: 300 € pro Stück
variable Stückkosten: 200 € pro Stück
Wie hoch ist die absolute Preisuntergrenze je Stück?
Antwortmöglichkeiten
A. Die absolute Preisuntergrenze je Stück beträgt 170 €.
B. Die absolute Preisuntergrenze je Stück entspricht den variablen Stückkosten.
C. Die absolute Preisuntergrenze je Stück beträgt 300 €.
D. Die absolute Preisuntergrenze je Stück beträgt 250 €.
E. Die absolute Preisuntergrenze je Stück beträgt 220 €.








