Kosten- und Leistungsrechnung: Vorwärtskalkulation

Mit der Vorwärtskalkulation wird ausgehend vom Listeneinkaufspreis der Bruttoverkaufspreis einer Ware berechnet. Sie verbindet die Bezugskalkulation mit der Verkaufskalkulation und bildet damit den gesamten Weg vom Einkauf bis zum Verkauf ab. Zunächst wird ermittelt, welchen Preis das Unternehmen tatsächlich für die Ware bezahlt. Anschließend werden die betrieblichen Handlungskosten und der gewünschte Gewinn berücksichtigt. Im letzten Schritt kommt die Umsatzsteuer hinzu. Für kaufmännische Azubis ist die Vorwärtskalkulation besonders wichtig, weil sie typische Inhalte aus Einkauf, Rechnungswesen und Verkauf miteinander verbindet.

Was ist die Vorwärtskalkulation?

Stell dir vor, ein Handelsunternehmen möchte eine neue Jeanshose in sein Sortiment aufnehmen. Bekannt ist zunächst nur der Preis, den der Lieferant für die Ware verlangt. Das Unternehmen möchte nun wissen, zu welchem Preis die Jeanshose verkauft werden muss, damit alle Kosten gedeckt sind und zusätzlich ein Gewinn erzielt wird.

Genau dafür wird die Vorwärtskalkulation eingesetzt. Sie beginnt mit dem Listeneinkaufspreis und endet mit dem Bruttoverkaufspreis. Der Bruttoverkaufspreis ist der Verkaufspreis einschließlich Umsatzsteuer, den der Kunde letztlich bezahlt.

Bezugskalkulation und Verkaufskalkulation

Die Vorwärtskalkulation lässt sich in zwei große Bereiche unterteilen:

• Bezugskalkulation
• Verkaufskalkulation

Bei der Bezugskalkulation wird ausgehend vom Listeneinkaufspreis der Bezugspreis, auch Einstandspreis genannt, ermittelt. Dazu werden Rabatt und Skonto abgezogen und anschließend die Bezugskosten hinzugerechnet.

Bei der Verkaufskalkulation wird vom Bezugspreis aus weitergerechnet. Handlungskosten und Gewinn werden aufgeschlagen und anschließend wird die Umsatzsteuer berücksichtigt. Das Ergebnis ist der Bruttoverkaufspreis.

Schema der Vorwärtskalkulation

Die Vorwärtskalkulation folgt einem festen Schema:

Listeneinkaufspreis

- Rabatt
= Zieleinkaufspreis

- Skonto
= Bareinkaufspreis

- Bezugskosten
= Bezugspreis

+ Handlungskosten
= Selbstkosten

+ Gewinn
= Nettoverkaufspreis

+ Umsatzsteuer
= Bruttoverkaufspreis

Die Reihenfolge ist wichtig, weil die einzelnen Prozentwerte jeweils auf unterschiedliche Ausgangswerte berechnet werden.

Schritt 1: Bezugspreis berechnen

Im ersten Teil der Vorwärtskalkulation wird der Bezugspreis ermittelt. Dieser zeigt, welchen Betrag das Unternehmen tatsächlich für die Ware aufwenden muss.

Vom Listeneinkaufspreis wird zunächst ein möglicher Rabatt abgezogen. Danach wird der Skonto vom Zieleinkaufspreis abgezogen. Zum Bareinkaufspreis werden anschließend die Bezugskosten hinzugerechnet.

Zu den Bezugskosten gehören zum Beispiel:

• Transportkosten

• Verpackungskosten

• Frachtkosten

Rabatt und Skonto verringern dagegen den Einkaufspreis.

Schritt 2: Bruttoverkaufspreis berechnen

Nachdem der Bezugspreis feststeht, beginnt die Verkaufskalkulation. Dabei werden zunächst die Handlungskosten berücksichtigt.

Zu den Handlungskosten gehören alle Kosten der handelsbetrieblichen Tätigkeit, zum Beispiel:

• Personalkosten
• Mietkosten
• Lagerkosten
• Abschreibungen
• Verwaltungskosten
• Instandhaltungskosten

Bezugskosten gehören nicht dazu, weil sie bereits im Bezugspreis enthalten sind.

Bezugspreis und Handlungskosten ergeben zusammen die Selbstkosten. Anschließend wird der gewünschte Gewinn aufgeschlagen. Dadurch entsteht der Nettoverkaufspreis. Zum Schluss wird die Umsatzsteuer hinzugerechnet und der Bruttoverkaufspreis ermittelt.

Beispiel für eine Vorwärtskalkulation

Ein Unternehmen möchte eine neue Jeanshose in sein Sortiment aufnehmen. Folgende Werte liegen vor:

Listeneinkaufspreis: 50,00 €
Rabatt: 10 %
Skonto: 2 %
Bezugskosten: 3,00 €
Handlungskostenzuschlagsatz: 30 %
Gewinnzuschlagsatz: 20 %
Umsatzsteuersatz: 19 %

Bezugskalkulation

Listeneinkaufspreis: 50,00 €

- Rabatt: 5,00 € (10 % von 50,00 €)
= Zieleinkaufspreis: 45,00 €

- Skonto: 0,90 € (2 % von 45,00 €)
= Bareinkaufspreis: 44,10 €

- Bezugskosten: 3,00 €
= Bezugspreis: 47,10 €

Verkaufskalkulation

Bezugspreis: 47,10 €

+ Handlungskosten: 14,13 € (30 % von 47,10 €)
= Selbstkosten: 61,23 €

+ Gewinn: 12,25 € (20 % von 61,23 €)
= Nettoverkaufspreis: 73,48 €

+ Umsatzsteuer: 13,96 € (19 % von 73,48 €)
= Bruttoverkaufspreis: 87,44 €

Der rechnerische Bruttoverkaufspreis beträgt damit 87,44 €. In der Praxis könnte das Unternehmen beispielsweise einen gerundeten Verkaufspreis von 89,90 € festlegen.

Warum ist die Reihenfolge wichtig?

Bei der Vorwärtskalkulation darf die Reihenfolge der einzelnen Schritte nicht vertauscht werden. Der Rabatt wird beispielsweise vom Listeneinkaufspreis berechnet, während der Skonto auf den bereits verminderten Zieleinkaufspreis angewendet wird.

Auch bei der Verkaufskalkulation ändern sich die Berechnungsgrundlagen. Die Handlungskosten werden auf den Bezugspreis berechnet, der Gewinn auf die Selbstkosten und die Umsatzsteuer auf den Nettoverkaufspreis.

Ein falscher Grundwert führt deshalb schnell zu einem falschen Endergebnis. Für Aufgaben in Berufsschule und Prüfung solltest du das Kalkulationsschema daher sicher beherrschen.

Vorwärtskalkulation im Handels- und Fertigungsbetrieb

Werden die Handlungskosten hinzugerechnet, entstehen die Selbstkosten.

In einem Industrie- oder Fertigungsbetrieb wird dagegen zunächst mit den Herstellkosten gearbeitet. Diese setzen sich aus Material- und Fertigungskosten zusammen. Werden Verwaltungs- und Vertriebskosten hinzugerechnet, erhält man ebenfalls die Selbstkosten.

Die Handlungskosten eines Handelsunternehmens erfüllen damit eine ähnliche Funktion wie Verwaltungs- und Vertriebskosten in einem Fertigungsbetrieb: Sie berücksichtigen die weiteren betrieblichen Kosten, die über den reinen Warenbezug beziehungsweise die Herstellung hinaus entstehen.

Zusammenfassung

Die Vorwärtskalkulation verbindet Bezugskalkulation und Verkaufskalkulation miteinander. Ausgangspunkt ist der Listeneinkaufspreis, von dem Rabatt und Skonto abgezogen werden. Nach Addition der Bezugskosten erhält man den Bezugspreis. Anschließend werden Handlungskosten und Gewinn aufgeschlagen und die Umsatzsteuer hinzugerechnet. Das Ergebnis ist der Bruttoverkaufspreis, den der Kunde für die Ware bezahlt.

Beispielaufgaben

Wie lautet die richtige Reihenfolge bei der Vorwärtskalkulation ausgehend vom Listeneinkaufspreis?

Antwortmöglichkeiten

A. Listeneinkaufspreis → Zieleinkaufspreis → Bareinkaufspreis → Bezugskosten → Bezugspreis
B. Listeneinkaufspreis → Bareinkaufspreis → Zieleinkaufspreis → Bezugskosten → Bezugspreis
C. Bareinkaufspreis → Listeneinkaufspreis → Zieleinkaufspreis → Bezugskosten → Bezugspreis
D. Listeneinkaufspreis → Bezugskosten → Zieleinkaufspreis → Bareinkaufspreis → Bezugspreis
E. Zieleinkaufspreis → Listeneinkaufspreis → Bareinkaufspreis → Bezugskosten → Bezugspreis

Wie lautet die richtige Reihenfolge bei der Vorwärtskalkulation ausgehend vom Bezugspreis?

Antwortmöglichkeiten

A. Bezugspreis → Handlungskosten → Selbstkosten → Nettoverkaufspreis → Bruttoverkaufspreis
B. Bezugspreis → Selbstkosten → Handlungskosten → Nettoverkaufspreis → Bruttoverkaufspreis
C. Handlungskosten → Bezugspreis → Selbstkosten → Nettoverkaufspreis → Bruttoverkaufspreis
D. Bezugspreis → Handlungskosten → Bruttoverkaufspreis → Selbstkosten → Nettoverkaufspreis
E. Bezugspreis → Nettoverkaufspreis → Selbstkosten → Handlungskosten → Bruttoverkaufspreis

Welcher Wert wird vom Listeneinkaufspreis abgezogen, um den Zieleinkaufspreis zu berechnen?

Antwortmöglichkeiten

A. Der Skonto.
B. Die Bezugskosten.
C. Der Rabatt.
D. Die Handlungskosten.
E. Die Selbstkosten.

Folgende Zahlen aus dem Rechnungswesen liegen vor:

Der Bareinkaufspreis für die Ware beträgt 44,10 €.
Die Bezugskosten betragen 3,00 €.
Der Handlungskostenzuschlagsatz beträgt 30 % vom Bezugspreis.
Der Gewinnzuschlagsatz beträgt 20 % von den Selbstkosten.

Wie hoch ist der Nettoverkaufspreis?

Antwortmöglichkeiten

A. Der Nettoverkaufspreis beträgt 73,48 €.
B. Der Nettoverkaufspreis beträgt 87,44 €.
C. Der Nettoverkaufspreis beträgt 61,23 €.
D. Der Nettoverkaufspreis beträgt 47,10 €.
E. Der Nettoverkaufspreis beträgt 48,10 €.

Welcher Wert wird berechnet, wenn wir vom Listeneinkaufspreis alle Lieferantennachlässe abziehen und anschließend die Bezugs- und Handlungskosten dazurechnen?

Antwortmöglichkeiten

A. Der Nettoverkaufspreis.
B. Der Bezugspreis.
C. Der Selbstkostenpreis.
D. Der Zieleinkaufspreis.
E. Der Bareinkaufspreis.

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