In diesem Abschnitt erfährst du, wie Materialien und Handelswaren beschafft und gebucht werden. Produzierende Unternehmen benötigen beispielsweise Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die sie für die Herstellung ihrer Produkte einkaufen. Handelsunternehmen beschaffen dagegen Waren, um sie anschließend weiterzuverkaufen. Für die Buchung der Einkäufe kannst du zwischen der aufwandsorientierten und der bestandsorientierten Methode unterscheiden. Beide Verfahren bilden denselben wirtschaftlichen Vorgang ab, erfassen den Aufwand jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Außerdem erfährst du, welche Rolle Bezugskosten wie Fracht oder Transportversicherung spielen und wie sie in einen Buchungssatz einfließen.
Inhalte:
- Warum müssen Unternehmen Material und Waren einkaufen?
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
- Was sind Rohstoffe?
- Was sind Hilfsstoffe?
- Was sind Betriebsstoffe?
- Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Überblick
- Was sind Handelswaren?
- Wie werden Materialien und Handelswaren gebucht?
- 1. Aufwandsorientiertes Buchen
- Beispiel: Handelswaren aufwandsorientiert buchen
- Was ist der Vorteil des aufwandsorientierten Buchens?
- Wie werden die Aufwandskonten abgeschlossen?
- 2. Bestandsorientiertes Buchen
- Beispiel: Handelswaren bestandsorientiert buchen
- Was passiert später beim bestandsorientierten Buchen?
- Werden beim bestandsorientierten Verfahren Einkäufe und Verkäufe auf demselben Konto gebucht?
- Unterschied zwischen aufwandsorientiertem und bestandsorientiertem Buchen
- Werden die beiden Verfahren unterschiedlich abgeschlossen?
- Welches Verfahren wird in der Prüfung verwendet?
- Was sind Bezugskosten?
- Wie werden Bezugskosten gebucht?
- Beispiel: Bezugskosten für Hilfsstoffe
- Warum gehören Bezugskosten zum Material- beziehungsweise Warenwert?
- Vorsteuer bei Bezugskosten
- Einkauf auf Ziel, bar oder per Bank
- Beispiel: Zwei Buchungsmethoden im direkten Vergleich
- Warum führen beide Verfahren zum gleichen Ergebnis?
- Die wichtigsten Konten im Beispiel
- Zusammenfassung
- Typische Geschäftsvorfälle: Konten erkennen und richtig buchen
Warum müssen Unternehmen Material und Waren einkaufen?
Unternehmen benötigen für ihren Geschäftsbetrieb zahlreiche Güter, die sie nicht selbst herstellen.
Ein Produktionsunternehmen muss beispielsweise Materialien einkaufen, aus denen seine Produkte hergestellt werden. Dazu gehören insbesondere Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.
Ein Möbelhersteller benötigt zum Beispiel Holz, Schrauben, Leim und Schmierstoffe. Diese Materialien erfüllen innerhalb der Produktion unterschiedliche Aufgaben und werden deshalb auch buchhalterisch unterschieden.
Handelsunternehmen kaufen dagegen Handelswaren ein. Diese Waren werden nicht für die eigene Produktion benötigt, sondern sollen grundsätzlich weiterverkauft werden.
Ein Möbelgroßhandel kann beispielsweise fertige Schränke vom Hersteller einkaufen und anschließend an Einzelhändler oder andere Kunden weiterverkaufen.
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe gehören zu den Vorräten eines Unternehmens.
Sie werden jedoch unterschiedlich eingesetzt.
Rohstoffe und Hilfsstoffe gehen in das hergestellte Produkt ein. Betriebsstoffe werden für den Produktionsprozess benötigt, werden aber grundsätzlich nicht Bestandteil des fertigen Produkts.
Für Buchführungsaufgaben solltest du diese drei Materialarten sicher unterscheiden können.
Was sind Rohstoffe?
Rohstoffe sind Materialien, die bei der Herstellung eines Produkts verarbeitet werden und einen wesentlichen Bestandteil des fertigen Produkts bilden.
Bei einem Möbelhersteller kann beispielsweise Holz ein Rohstoff sein.
Aus dem Holz werden Tische, Schränke oder Stühle gefertigt. Das Material geht unmittelbar in das fertige Produkt ein und macht einen wesentlichen Teil des Produkts aus.
Weitere Beispiele können je nach Unternehmen sein:
• Stahl bei einem Maschinenhersteller
• Leder bei der Herstellung von Ledertaschen
• Mehl bei einem Lebensmittelhersteller
• Entscheidend ist nicht allein die Materialart, sondern ihre Bedeutung für das jeweils hergestellte Produkt.
Was sind Hilfsstoffe?
Hilfsstoffe gehen ebenfalls in das fertige Produkt ein, haben dort jedoch im Vergleich zu den Rohstoffen eine untergeordnete mengen- oder wertmäßige Bedeutung.
Bei einem Möbelhersteller können beispielsweise Schrauben, Nägel oder Klebstoffe Hilfsstoffe sein.
Eine Schraube bleibt Bestandteil des fertigen Schranks. Im Verhältnis zum Holz besitzt sie für das Produkt jedoch nur eine untergeordnete Bedeutung.
Typische Beispiele für Hilfsstoffe können sein:
• Schrauben
• Nägel
• Klebstoffe
• Farbstoffe
• Lacke
Welche Materialien als Hilfsstoffe gelten, hängt wiederum vom jeweiligen Produktionsprozess ab.
Was sind Betriebsstoffe?
Betriebsstoffe werden während der Produktion verbraucht, gehen aber grundsätzlich nicht in das fertige Produkt ein.
Sie werden benötigt, damit Maschinen, Anlagen oder andere Produktionsmittel eingesetzt werden können.
Typische Beispiele sind:
• Schmieröle
• Schmierfette
• Kühlmittel
• Reinigungsmittel für Produktionsanlagen
• Kraftstoffe
Betriebsstoffe sind damit von Roh- und Hilfsstoffen abzugrenzen.
Roh- und Hilfsstoffe werden Bestandteil des Produkts. Betriebsstoffe unterstützen dagegen den Produktionsprozess.
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Überblick
Rohstoff: Holz (Wesentlicher Bestandteil des Produkts).
Hilfsstoff: Schrauben (Untergeordneter Bestandteil des Produkts).
Betriebsstoff: Schmieröl (Für den Produktionsprozess erforderlich).
Diese Unterscheidung ist auch für die Auswahl des richtigen Kontos wichtig.
Im IKR stehen beispielsweise unterschiedliche Aufwandskonten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe zur Verfügung.
Was sind Handelswaren?
Handelswaren werden von einem Unternehmen eingekauft, um anschließend grundsätzlich ohne wesentliche eigene Bearbeitung weiterverkauft zu werden.
Ein Möbelgroßhandel kauft beispielsweise fertige Schränke vom Hersteller und verkauft diese anschließend weiter.
Für ihn sind die Schränke Handelswaren.
Auch ein Unternehmen, das eigene Produkte herstellt, kann zusätzlich Handelswaren verkaufen. Ein reines Handelsunternehmen kann sein Geschäft dagegen vollständig mit dem Ein- und Verkauf von Handelswaren betreiben.
Handelswaren solltest du deshalb von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen unterscheiden:
Materialien → dienen der eigenen Produktion
Handelswaren → werden zum Weiterverkauf eingekauft
Wie werden Materialien und Handelswaren gebucht?
Für die Buchung der Beschaffung werden in der Buchführungslehre insbesondere zwei Verfahren unterschieden:
1. aufwandsorientiertes Buchen
2. bestandsorientiertes Buchen
Der wesentliche Unterschied liegt darin, wann der Einkauf als Aufwand erfasst wird.
Beim aufwandsorientierten Verfahren wird der Einkauf zunächst direkt als Aufwand gebucht.
Beim bestandsorientierten Verfahren wird der Einkauf zunächst als Vermögenszugang auf einem Bestandskonto erfasst. Erst beim Verbrauch beziehungsweise Wareneinsatz entsteht der Aufwand.
1. Aufwandsorientiertes Buchen
Beim aufwandsorientierten Buchen, teilweise auch als verbrauchsorientierte Buchung bezeichnet, wird der Einkauf zunächst direkt auf einem Aufwandskonto erfasst.
Welches Konto verwendet wird, hängt davon ab, was eingekauft wurde.
Im Industriekontenrahmen gibt es beispielsweise:
6000 Aufwendungen für Rohstoffe
6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe
6030 Aufwendungen für Betriebsstoffe
6080 Aufwendungen für Waren
Das Konto 6020 „Aufwendungen für Hilfsstoffe“ und das Konto 6080 „Aufwendungen für Waren“ gehören im IKR zur Kontenklasse 6 der betrieblichen Aufwendungen.
Beispiel: Hilfsstoffe aufwandsorientiert buchen
Ein Möbelhersteller kauft Nägel im Wert von 100 € netto bar.
Die Nägel werden als Hilfsstoffe behandelt.
Bei 19 % Umsatzsteuer ergeben sich:
Hilfsstoffe netto: 100 €
Vorsteuer: 19 €
Barzahlung: 119 €
Der Buchungssatz lautet:
6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe 100 €
2600 Vorsteuer 19 €
an 2880 Kasse 119 €
Das Konto „Aufwendungen für Hilfsstoffe“ nimmt im Soll zu.
Auch die Vorsteuer wird im Soll gebucht.
Da bar bezahlt wird, nimmt der Kassenbestand ab. Das Aktivkonto Kasse wird deshalb im Haben gebucht.
Beispiel: Handelswaren aufwandsorientiert buchen
Ein Möbelgroßhandel kauft Schränke für 10.000 € netto auf Ziel.
Bei 19 % Umsatzsteuer beträgt die Vorsteuer:
1.900 €
Der gesamte Rechnungsbetrag beträgt:
11.900 €
Beim aufwandsorientierten Buchen lautet der Buchungssatz:
6080 Aufwendungen für Waren 10.000 €
2600 Vorsteuer 1.900 €
an 4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 11.900 €
Da auf Ziel gekauft wird, entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber dem Lieferanten.
Was ist der Vorteil des aufwandsorientierten Buchens?
Beim aufwandsorientierten Verfahren werden Material- beziehungsweise Wareneinkäufe unmittelbar auf den entsprechenden Aufwandskonten erfasst.
Dadurch ist während des Geschäftsjahres direkt erkennbar, welche Einkäufe auf den einzelnen Materialaufwandskonten erfasst wurden.
Für Handelswaren werden beim bereits behandelten Warenkontensystem Einkauf und Verkauf außerdem getrennt dargestellt:
Einkauf → Aufwendungen für Waren
Verkauf → Umsatzerlöse für Waren
Am Geschäftsjahresende muss allerdings geprüft werden, ob der gebuchte Aufwand dem tatsächlichen Verbrauch beziehungsweise Wareneinsatz entspricht.
Ist noch Material oder Ware vorhanden, wird der Bestand über die Bestandsveränderung berücksichtigt.
Wie werden die Aufwandskonten abgeschlossen?
Die Konten „Aufwendungen für Rohstoffe“, „Aufwendungen für Hilfsstoffe“, „Aufwendungen für Betriebsstoffe“ und „Aufwendungen für Waren“ sind Aufwandskonten.
Sie gehören damit zu den Erfolgskonten.
Nach den erforderlichen Bestandskorrekturen werden ihre Salden über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen.
Grundsätzlich gilt:
GuV an Aufwandskonto
Das zugehörige Bestandskonto wird dagegen als aktives Bestandskonto über das Schlussbilanzkonto abgeschlossen.
2. Bestandsorientiertes Buchen
Beim bestandsorientierten Buchen wird ein Material- oder Wareneinkauf zunächst nicht unmittelbar als Aufwand behandelt.
Der Einkauf erhöht stattdessen das entsprechende Bestandskonto.
Für Handelswaren kann im IKR beispielsweise das Konto:
2280 Waren/Handelswaren
verwendet werden.
Bei Werkstoffen gibt es entsprechend eigene Bestandskonten für Rohstoffe, Hilfsstoffe oder Betriebsstoffe.
Bei der bestandsorientierten Beschaffung werden die Anschaffungskosten zunächst auf dem Bestandskonto erfasst. Wird Material anschließend verbraucht oder werden Waren als Wareneinsatz erfasst, wird der entsprechende Betrag vom Bestandskonto auf ein Aufwandskonto übertragen.
Beispiel: Handelswaren bestandsorientiert buchen
Ein Möbelgroßhandel kauft Schränke für 10.000 € netto auf Ziel.
Bei 19 % Umsatzsteuer ergibt sich:
Handelswaren: 10.000 €
Vorsteuer: 1.900 €
Verbindlichkeit: 11.900 €
Der Buchungssatz beim bestandsorientierten Einkauf lautet:
2280 Waren/Handelswaren 10.000 €
2600 Vorsteuer 1.900 €
an 4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 11.900 €
Der Einkauf erhöht zunächst das aktive Bestandskonto Waren.
Er wird damit zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Warenaufwand erfasst.
Was passiert später beim bestandsorientierten Buchen?
Beim bestandsorientierten Verfahren muss der tatsächliche Materialverbrauch beziehungsweise Wareneinsatz später auf das zugehörige Aufwandskonto übertragen werden.
Angenommen, von den zuvor eingekauften Waren werden Waren mit einem Einstandswert von 7.000 € als Wareneinsatz erfasst.
Dann lautet die Umbuchung vereinfacht:
Aufwendungen für Waren 7.000 € an Warenbestand 7.000 €
Dadurch vermindert sich der Warenbestand und gleichzeitig entsteht der entsprechende Warenaufwand.
Bei Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffen funktioniert das Prinzip entsprechend.
Für Hilfsstoffe kann beispielsweise gelten:
Aufwendungen für Hilfsstoffe an Hilfsstoffe
Das bestandsorientierte Verfahren ermöglicht damit eine laufende beziehungsweise beleggestützte Zuordnung zwischen Bestand und tatsächlichem Verbrauch. Bei Werkstoffen werden dafür beispielsweise Materialentnahmescheine oder entsprechende Daten aus der Lagerbuchhaltung verwendet.
Werden beim bestandsorientierten Verfahren Einkäufe und Verkäufe auf demselben Konto gebucht?
Nein.
Diese Aussage aus der ursprünglichen Vorlage wäre zu korrigieren.
Beim bestandsorientierten Verfahren wird der Einkauf zunächst auf dem Bestandskonto erfasst.
Der Verbrauch beziehungsweise Wareneinsatz führt anschließend zu einer Verminderung dieses Bestands und zu einem Aufwand.
Der eigentliche Warenverkauf wird davon getrennt als Umsatzerlös erfasst.
Beispielsweise kann ein Barverkauf mit Umsatzsteuer weiterhin lauten:
Kasse an Umsatzerlöse für Waren und Umsatzsteuer
Der Verkaufserlös wird also nicht einfach auf dem Warenbestandskonto gebucht.
Unterschied zwischen aufwandsorientiertem und bestandsorientiertem Buchen
Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitpunkt der Aufwandserfassung.
Aufwandsorientiert:
• Einkauf wird zunächst als Aufwand gebucht.
• Aufwandskonto wird direkt angesprochen.
• Bestand wird am Periodenende korrigiert.
• Beispiel: 6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe.
Bestandsorientiert:
• Einkauf wird zunächst als Bestand gebucht.
• Bestandskonto wird direkt angesprochen.
• Verbrauch wird vom Bestand in den Aufwand übertragen.
• Beispiel: Bestandskonto Hilfsstoffe
Vereinfacht:
Aufwandsorientiert: Einkauf → Aufwand
Bestandsorientiert: Einkauf → Bestand → später Verbrauch/Aufwand
Beide Methoden müssen am Ende zum wirtschaftlich richtigen Material- beziehungsweise Warenverbrauch der Periode führen.
Werden die beiden Verfahren unterschiedlich abgeschlossen?
Ja, aber nicht in dem Sinn, dass bei einem Verfahren grundsätzlich nur die GuV und beim anderen nur das SBK verwendet wird.
Auch beim aufwandsorientierten Verfahren gibt es sowohl Bestands- als auch Aufwandskonten.
Auch beim bestandsorientierten Verfahren gibt es sowohl Bestands- als auch Aufwandskonten.
Deshalb gilt bei beiden Verfahren grundsätzlich:
Bestandskonten → Schlussbilanzkonto
Aufwandskonten → Gewinn- und Verlustkonto
Der Unterschied besteht darin, wie und wann Einkäufe, Bestände und Verbrauch während des Geschäftsjahres erfasst werden.
Welches Verfahren wird in der Prüfung verwendet?
Welche Buchungsmethode du verwenden musst, hängt von der konkreten Aufgabe, dem Ausbildungsberuf und dem zugrunde gelegten Kontenplan ab.
Deshalb solltest du nicht pauschal davon ausgehen, dass immer das aufwandsorientierte Verfahren verwendet werden muss, wenn keine Angabe vorhanden ist.
Oft lässt sich das Verfahren bereits an den vorgegebenen Konten erkennen.
Wird beispielsweise beim Einkauf das Konto:
6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe
angesprochen, handelt es sich um das aufwandsorientierte Verfahren.
Wird dagegen zunächst ein Bestandskonto für Hilfsstoffe verwendet, wird bestandsorientiert gebucht.
Beide Verfahren werden in einschlägigen Lehrmaterialien zur Materialbeschaffung behandelt.
Was sind Bezugskosten?
Beim Einkauf von Materialien oder Handelswaren können neben dem eigentlichen Einkaufspreis weitere Kosten entstehen.
Diese werden als Bezugskosten beziehungsweise Anschaffungsnebenkosten bezeichnet, soweit sie dem Beschaffungsvorgang zuzurechnen sind.
Typische Beispiele sind:
• Frachtkosten
• Transportkosten
• Transportversicherungen
• Bestimmte Verpackungskosten
• Einfuhrzölle
• Bestimmte Beschaffungsprovisionen
Bezugskosten erhöhen grundsätzlich die Anschaffungskosten des beschafften Materials beziehungsweise der Ware.
Wie werden Bezugskosten gebucht?
Beim aufwandsorientierten Verfahren können Bezugskosten auf einem gesonderten Unterkonto des jeweiligen Aufwandskontos erfasst werden.
Im IKR gibt es beispielsweise für Hilfsstoffe:
6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe
und als zugehöriges Konto:
6021 Bezugskosten für Hilfsstoffe
Das Bezugskostenkonto ermöglicht es, den eigentlichen Einkaufspreis und die zusätzlich entstandenen Bezugskosten getrennt darzustellen. Solche Bezugskostenkonten werden als Unterkonten der entsprechenden Materialaufwandskonten geführt und später mit dem Hauptkonto verrechnet beziehungsweise über dieses abgeschlossen.
Beispiel: Bezugskosten für Hilfsstoffe
Ein Möbelhersteller kauft Nägel als Hilfsstoffe.
Der Nettowert der Nägel beträgt:
100 €
Zusätzlich berechnet der Lieferant:
10 € Versandkosten netto
Unter der Annahme, dass auf beide Beträge 19 % Umsatzsteuer entfallen, ergibt sich zunächst:
100 € + 10 € = 110 € netto
Die Vorsteuer beträgt:
110 € × 19 % = 20,90 €
Der Rechnungsbetrag beträgt damit:
130,90 €
Beim aufwandsorientierten Buchen lautet der Buchungssatz:
6020 Aufwendungen für Hilfsstoffe 100 €
6021 Bezugskosten für Hilfsstoffe 10 €
2600 Vorsteuer 20,90 €
an 4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 130,90 €
Damit sind Materialwert und Bezugskosten getrennt erfasst.
Warum gehören Bezugskosten zum Material- beziehungsweise Warenwert?
Die Bezugskosten entstehen, damit die eingekauften Güter überhaupt in einen für das Unternehmen nutzbaren Zustand beziehungsweise an den vorgesehenen Ort gelangen.
Ein Unternehmen zahlt beispielsweise nicht nur den Kaufpreis für seine Materialien, sondern zusätzlich die Fracht für deren Lieferung.
Wirtschaftlich gehören diese Kosten deshalb zur Beschaffung.
Für die Ermittlung des tatsächlichen Material- oder Wareneinsatzes reicht es somit nicht immer aus, nur den reinen Rechnungspreis der Waren zu betrachten.
Auch die zurechenbaren Bezugskosten müssen berücksichtigt werden.
Vorsteuer bei Bezugskosten
Enthält eine Eingangsrechnung steuerpflichtige Bezugskosten, muss auch die darauf entfallende Umsatzsteuer berücksichtigt werden, sofern das Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt ist.
Im Beispiel betragen die gesamten steuerpflichtigen Nettobeträge:
100 € Hilfsstoffe + 10 € Versand = 110 €
Bei 19 % ergibt sich:
20,90 € Vorsteuer
Die Vorsteuer wird getrennt vom Materialaufwand beziehungsweise von den Bezugskosten gebucht.
Dabei solltest du in einer Aufgabe immer auf den tatsächlich angegebenen Umsatzsteuersatz und die konkrete Rechnung achten.
Einkauf auf Ziel, bar oder per Bank
Neben der Buchungsmethode musst du beim Einkauf auch die Zahlungsweise beachten.
Kauft das Unternehmen auf Ziel, entsteht eine:
Verbindlichkeit aus Lieferungen und Leistungen
Bei Barzahlung wird:
Kasse
angesprochen.
Bei unmittelbarer Zahlung über das Bankkonto wird:
Bank
angesprochen.
Beispiel auf Ziel:
Aufwendungen für Hilfsstoffe
Vorsteuer
an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Beispiel bar:
Aufwendungen für Hilfsstoffe
Vorsteuer
an Kasse
Beispiel Bank:
Aufwendungen für Hilfsstoffe
Vorsteuer
an Bank
Beispiel: Zwei Buchungsmethoden im direkten Vergleich
Ein Unternehmen kauft Hilfsstoffe im Wert von 1.000 € netto auf Ziel. Es gelten im Beispiel 19 % Umsatzsteuer.
Der Rechnungsbetrag beträgt:
1.190 €
Beim aufwandsorientierten Buchen lautet die Buchung:
Aufwendungen für Hilfsstoffe 1.000 €
Vorsteuer 190 €
an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.190 €
Der Einkauf wird sofort als Aufwand erfasst.
Beim bestandsorientierten Buchen lautet die Buchung dagegen sinngemäß:
Hilfsstoffe 1.000 €
Vorsteuer 190 €
an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 1.190 €
Der Einkauf erhöht zunächst den Bestand.
Werden später beispielsweise Hilfsstoffe im Wert von 700 € verbraucht, wird dieser Verbrauch gebucht:
Aufwendungen für Hilfsstoffe 700 € an Hilfsstoffe 700 €
Erst jetzt entsteht der Aufwand in Höhe von 700 €.
Warum führen beide Verfahren zum gleichen Ergebnis?
Beide Verfahren unterscheiden sich zunächst im Zeitpunkt der Buchung.
Beim aufwandsorientierten Verfahren wird der Einkauf sofort als Aufwand behandelt und der Bestand später korrigiert.
Beim bestandsorientierten Verfahren wird der Einkauf zunächst als Bestand behandelt und der tatsächliche Verbrauch anschließend als Aufwand erfasst.
Wenn alle Buchungen und Bestandsveränderungen richtig berücksichtigt werden, muss am Periodenende bei gleichen wirtschaftlichen Sachverhalten derselbe tatsächliche Material- beziehungsweise Wareneinsatz entstehen.
Der Unterschied betrifft also vor allem den Buchungsweg, nicht das wirtschaftlich korrekte Endergebnis.
Die wichtigsten Konten im Beispiel
Für die hier verwendeten IKR-Beispiele sind insbesondere folgende Konten wichtig:
• Waren/Handelswaren
• Vorsteuer
• Kasse
• Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
• Aufwendungen für Hilfsstoffe
• Bezugskosten für Hilfsstoffe
• Aufwendungen für Waren
Die Kontonummern gelten für den hier verwendeten Industriekontenrahmen (IKR). In anderen Kontenrahmen können sich die Kontonummern unterscheiden.
Zusammenfassung
Produzierende Unternehmen benötigen für ihre Leistungserstellung unter anderem Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Handelsunternehmen kaufen dagegen Handelswaren, um sie weiterzuverkaufen.
Rohstoffe sind wesentliche Bestandteile des hergestellten Produkts. Hilfsstoffe gehen ebenfalls in das Produkt ein, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle. Betriebsstoffe werden für die Produktion benötigt, gehen jedoch grundsätzlich nicht in das Produkt ein.
Beim aufwandsorientierten Buchen wird der Einkauf zunächst direkt auf einem Aufwandskonto erfasst:
Einkauf → Aufwand
Beim bestandsorientierten Buchen wird der Einkauf zunächst auf einem Bestandskonto gebucht:
Einkauf → Bestand → Verbrauch → Aufwand
Bezugskosten wie Fracht oder Transportversicherung gehören zur Beschaffung und können auf eigenen Bezugskostenkonten erfasst werden.
Beim Einkauf mit Umsatzsteuer muss außerdem die Vorsteuer getrennt berücksichtigt werden.
Für die Prüfung solltest du vor allem erkennen, welche Buchungsmethode vorausgesetzt wird, welches Material beziehungsweise welche Ware beschafft wird und welche Zahlungsart vorliegt. Daraus kannst du anschließend die richtigen Konten und den passenden Buchungssatz ableiten.
Typische Geschäftsvorfälle: Konten erkennen und richtig buchen
Welche Werte werden beim aufwandsorientierten Buchen auf dem zugehörigen Bestandskonto erfasst?
A. Der Anfangsbestand
B. Der Endbestand
C. Die laufenden Zugänge
D. Die laufenden Abgänge
E. Die laufenden Einkäufe
Welche Aussagen zu den Bezugskosten sind richtig?
A. Bei einer nachträglichen Gutschrift von Bezugskosten darf die Umsatzsteuer nicht mehr berücksichtigt werden.
B. Bezugskosten können auf einem gesonderten Unterkonto des jeweiligen Aufwandskontos gebucht werden.
C. Bezugskosten dürfen grundsätzlich nicht gesondert erfasst werden.
D. Zu den Bezugskosten gehören beispielsweise Frachtkosten, bestimmte Verpackungskosten und Transportversicherungen.
E. Fällt auf die Bezugskosten Umsatzsteuer an und besteht Vorsteuerabzugsberechtigung, wird die Vorsteuer berücksichtigt.
Wir bekommen von unserem Lieferanten Rohstoffe im Wert von 10.000 € netto auf Rechnung geliefert. Zusätzlich fallen 300 € netto Versand- und Verpackungskosten an. Es gelten 19 % Umsatzsteuer. Welche Buchungen sind richtig?
A. „6001 Bezugskosten für Rohstoffe“ 300 € im Soll buchen.
B. „6000 Aufwendungen für Rohstoffe“ 10.000 € im Soll buchen.
C. „6000 Aufwendungen für Rohstoffe“ 10.000 € im Haben buchen.
D. „2600 Vorsteuer“ 1.957 € im Soll buchen.
E. „4400 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ 12.257 € im Haben buchen.
Welche Aussagen treffen auf Bezugskosten zu?
A. Bezugskosten werden nur beim bestandsorientierten Verfahren separat gebucht.
B. Bezugskosten können auf gesonderten Bezugskostenkonten beziehungsweise Unterkonten erfasst werden.
C. Bezugskosten werden nur beim aufwandsorientierten Verfahren separat gebucht.
D. Bezugskosten sind Nebenkosten, die bei der Beschaffung von Materialien oder Waren anfallen.
E. Zu den Bezugskosten können beispielsweise Verpackungskosten, Transportversicherungen und Einfuhrzölle gehören.
Welche Aussagen zu Rohstoffen sind richtig?
A. Rohstoffe gehen in das hergestellte Produkt ein und bilden einen wesentlichen Bestandteil davon.
B. Schrauben und Nägel sind bei der Möbelherstellung typische Rohstoffe.
C. Bretter können bei der Herstellung von Möbeln Rohstoffe sein.
D. Fertiggestellte Möbel gehören zu den Rohstoffen eines Möbelherstellers.
E. Rohstoffe werden für die Produktion benötigt, gehen aber grundsätzlich nicht in das fertige Produkt ein.
Welche Aussagen zu Hilfsstoffen sind richtig?
A. Hilfsstoffe gehen bei der Produktion in das Endprodukt ein.
B. Zu den Hilfsstoffen gehören bei einem Möbelhersteller beispielsweise Schrauben oder Klebstoffe.
C. Hilfsstoffe sind zwar Bestandteil des Endproduktes, spielen aber mengen- und wertmäßig eine entscheidende Rolle.
D. Hilfsstoffe sind zwar Bestandteil des Endproduktes, spielen aber mengen- und wertmäßig nur eine untergeordnete Rolle.
E. Bretter gehören bei einem Möbelhersteller typischerweise zu den Hilfsstoffen.
Welche Aussagen zu Betriebsstoffen sind richtig?
A. Betriebsstoffe gehen bei der Produktion in das Endprodukt ein.
B. Betriebsstoffe gehen bei der Produktion grundsätzlich nicht in das Endprodukt ein.
C. Betriebsstoffe werden für den Produktionsprozess benötigt und dabei verbraucht.
D. Betriebsstoffe bilden einen wesentlichen Bestandteil des fertigen Produkts.
E. Zu den Betriebsstoffen können beispielsweise Schmierfette, Kühlmittel oder Strom gehören.
Wie werden Aufwendungen für Hilfsstoffe beim aufwandsorientierten Buchen bei einem Barkauf gebucht?
A. Aufwendungen für Hilfsstoffe + Mehrwertsteuer an Kasse
B. Aufwendungen für Hilfsstoffe + Vorsteuer an Kasse
C. Über die Bezugskosten
D. Aufwendungen für Hilfsstoffe an Kasse + Vorsteuer
E. Kasse an Aufwendungen für Hilfsstoffe + Vorsteuer
Ein Möbelgroßhandel kauft Handelswaren auf Rechnung. Wie lautet beim aufwandsorientierten Buchen der Buchungssatz?
A. Aufwendungen für Waren + Vorsteuer an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
B. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen an Aufwendungen für Waren + Vorsteuer
C. Aufwendungen für Waren + Umsatzsteuer an Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
D. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen an Aufwendungen für Waren + Umsatzsteuer
E. Aufwendungen für Waren + Umsatzsteuer an Bezugskosten
Worin unterscheiden sich das aufwandsorientierte und das bestandsorientierte Buchen?
A. Beim aufwandsorientierten Buchen wird der Einkauf auf einem Aufwandskonto im Haben gebucht.
B. Beim aufwandsorientierten Buchen wird der Einkauf auf einem Aufwandskonto im Soll gebucht.
C. Beim aufwandsorientierten Buchen wird der Einkauf zunächst auf einem Bestandskonto im Soll gebucht.
D. Beim bestandsorientierten Buchen wird der Einkauf zunächst direkt auf einem Aufwandskonto gebucht.
E. Beim bestandsorientierten Buchen wird der Einkauf zunächst auf einem Bestandskonto erfasst.








